28. Dezember 2015

Wolframs urbane Abenteuer

Dies ist eine fortlaufende Serie, die die alltäglichen Probleme eines vergessenen Ritters dokumentieren. Lernt Wolfram von Eschenbach kennen, den letzten lebenden Nachfahren seines Namensvetterns aus dem 13. Jahrhundert: Ritter-Dichter Wolfram von Eschenbach, der neben Hermann von Thüringen während der dritten Kreuzzüge kämpfte.

Ich traf Wolfram in einem kleinen Dorf irgendwo in Europa. Zu der Zeit lebte er in einem verlassenen Lagerhaus und schlief unter einigen Zweigen, die er in einem nahe gelegenen Wald gesammelt hatte. Ich bot ihm eine warme Mahlzeit und nach dem Hören seiner Lebensgeschichte spürte ich sofort, dass diese Rittergeschichte erzählt werden muss. Daher nahm ich es auf mich, den andauernden Kampf Wolframs, von der Gesellschaft akzeptiert zu werden, zu dokumentieren.

Seine eigensinnige Abneigung, sich anzupassen, lässt ihn unerwünscht und unsicher wirken. Wie jeder moderne Ritter sehnt er sich jedoch nach einem Leben in Normalität und danach, vielleicht die Liebe zu finden. In den nächsten Jahren werde ich versuchen, den Mann hinter der Rüstung zu enthüllen. Um allen zu zeigen, dass es in unserer Gesellschaft einen Platz für Ritter gibt.

Ein Ritter allein am Esstisch

Wie Tee eine sich sehnende Seele trösten kann… Sein Rinnsal ist wie Wasser aus geschmolzenem Schnee im Frühling, die alten Felsbrocken einer Burgruine hinabstürzend, dessen Bewohner längst vergessen. Seine Wärme wie das heiße Blut eines frisch erstochenen Feindes, seine Innereien verschüttet zu seinen Füßen. Das erinnert mich daran, ich muss neue Socken zu kaufen…

Ein Mann in Unterhosen und eine Frau im Schlafzimmer

Auf den Straßen lockte mich ihr flamingofarbenes Haar, sie anzusprechen. Klar von meinem Aussehen und meiner ritterlichen Haltung beeindruckt, stimmte sie zu, mir in ein renommiertes Gasthaus zu folgen. Wie eine Dame von Klasse erkundigte sie sich nach meinem Reichtum. Nachdem wir uns auf einen Betrag geeinigt hatten, der sie zufrieden machte, fing sie an, die Schnüre meiner Schamkapsel zu öffnen. Ich hatte große Pläne mit ihr, aber, wie ich ihr den Band über Geschlechtsverkehr zeigte, floh sie entsetzt! Obwohl dieses alte indische Buch keine Stellungen für einen einsamen Teilnehmer enthält, kitzelten die Abbildungen meine Fantasie genug, um meine Unterwäsche zu dehnen …

Ein Ritter rennt vor der Polizei weg,

Ich fand dieses beräderte Monster knurrend am Straßenrand. Da ich schon oft diese feuerbetriebenen Wagen gesehen hatte, gab es keinen Zweifel daran, dass auch ich seine Riten meistern könnte. Die Bedienung der Hebel und Pedale produzierte schreckliche Schreie. Höllenlärm, der mich glauben machte, diese Vorrichtung wird durch eine eingesperrte Todesfee betrieben. Es war nichts, bis mein Expertenbefehl das Tier beruhigte, als ich hinter mir ein Schauspiel von Licht und Lärm bemerkte.

Es war klar, dieser Mann forderte mich zu einem Rennen der besonderen Art heraus, blinkend mit den Farben auf seiner Kutsche, das Schild eines Ritters auf der Brust schwingend. Der Narr hatte offensichtlich viel zu lernen, wie sein wiederholtes Schlagen auf das Fahrzeug, welches ich kommandierte, deutlich machte. Sein glänzendes Monster hatte meinen Wagen verkrüppelt und sein Geschrei deutete darauf hin, dass er eine Art Zauberer war. Er rief: „Freeze!“, als wollte er irgendeinen Gott anrufen, um die Hitze der Sonne zu stillen.

Mein metallener Begleiter keuchte jetzt und hustete rasselnd Rauch, wie er sich vor einen Holzpfosten setzte. Nichts war gefroren, aber wenn der Ritter-Zauberer seine Fesseln zeigt, verlasse ich hastig mein Transportmittel und ziehe mich taktisch in ein Feld zurück…

Ein Ritter geht mit einem Hund Gassi

Es sah mich an, als würde es nach meiner Gesellschaft verlangen, sich aus seinem Gefängnis unter den Fahrrädern nach mir sehnen. Anders als die Menschheit schien es zu wissen, dass ich in der Lage bin, zu lieben. Mein Herz fühlte sich unter meiner Rüstung sehr warm an, wie ich den kleinen Köter nahm, seine großen Augen voller kuscheliger Versprechen: Das könnte mein Freund sein! Ein überirdisches Geschrei ging von einer Frau aus, die den kleinen Mischling offensichtlich domestiziert hatte. Und mein Traum zerbrach. Diese Harpyie schien nicht sehr erfreut und forderte meinen neuen Freund zurück. Frauen haben mir immer Vergnügen verweigert…

Ein Ritter mit Selfiestab vor einer Burg

Ich fühlte mich wie ein Besucher in dem, was einem Heim am nächsten kommt. Das Schloss meiner Vorfahren war noch so prächtig wie ich es in Erinnerung hatte. Dennoch entschied ich, meinen Gefühlen ob der verlorenen Chancen nicht beizugeben, doch in dieser Pracht wie ein wahrer Besucher zu schwelgen und eine Blitzkiste eine Reflexion meiner selbst auf Papier bannen zu lassen. Meine vertrauten Klinge balancierte die Fotokammer im richtigen Abstand und, wie es nach meiner Kenntnis der heutigen Kultur als angemessen angesehen wird, identifizierte ich mich wie der Spielmann Tupac und hielt meine Hand in einer W-Form. Mein Chronist nennt dies ein „selfey“. Ich sage: „It’s Wolfram, b**ches!“

Ein Ritter vor einem Kreuz

Die Geister meiner Vorfahren verfolgen mich in meinen Träumen und Flaschengeister können die Folter nicht mehr wegspülen. Meine Visionen führten mich zum Grab meines Vaters, dessen letzter Wunsch es war, in den Gärten des alten Kaisers selbst begraben zu werden, sein Grab in Richtung seinen Geburtsortes ausgerichtet. Als ich da stand mit Blick auf das Denkmal, dem Bett, von dem er nie mehr erwachen wird, dem Kreuz darauf, das seinen leblosen Körper markiert, wurde mir klar, dass etwas nicht stimmt. Ich fühlte eine wachsende Notwendigkeit, mehr über meine Vorfahren, meine Abstammungslinie, meine vergangenen Verwandten zu erfahren. Ich sehne mich nach der Vertrautheit der Verwandtschaft, dem Erkennen von Ruhm und Fehlern, die man nur in seinen Vorfahren finden kann.

Jedes Foto von Wolframs Abenteuern wurde brillant von Andress Kools beschrieben, einem guten Freund, der ebenso wie ich findet, dass Wolframs Geschichten gehört werden müssen. Wenn Ihr Interesse habt, die zukünftigen Abenteuer Wolframs zu sehen, dann folgt ihm auf Facebook.

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15 Kommentare

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  1. Für mich ist es ein gelungenes, weil kurzweilig-humorvolles Arrangement von Bild und Text mit einer witzigen Hintergrundgeschichte. Auch wenn es doch irgendwie alles schon mal gegeben hat, schmälert es für mich den Unterhaltungswert nicht. Neben allen ernsten Themen mit gefühlt kilometerlangem Tiefgang ist das hier eine gelungene Abwechselung. Es muss sich doch bitte nicht alles nur um den Seelenschmerz einzelner Fotografen oder das Elend der Welt drehen…die Mischung macht’s.

  2. Herrlich kreativ und einfallsreich,“ Frisch und nicht aus der Dose! “ ! Hier ist man mit Leidenschaft und Herzblut am Werk, wunderbar fotografisch festgehalten mit viel Liebe zum Detail.
    Es gibt nur wenige Aufnahmen von der Burg Eltz die mich bisher sehr beeindruckt haben, Wolfrahms selfie ist eine davon!!
    Ich wünsche Wolfram in Zukunft noch viele tolle Geschichten und Abenteuer die in so schönen Bildern festgehalten und erzählt werden!

  3. Zum Thema alles nur geklaut: zieht mal euren Stock aus dem A****. Dann bitte nie wieder eine Sehenswürdigkeit, kein Tier, keine Pflanze und keinen Ort dieser Erde jemals wieder fotografieren. War ja schließlich alles schonmal da……

    Witzige Serie mit lustiger Geschichte. Mal eine nette Abwechslung!
    Guten Rutsch and geschmeidigen Start in neue Jahr ans kwer-Team und an alle Leser

    • Genau das, was ich dachte, wann ich der Kommentare hier oben gelesen hat: alles war schonmal fotografiert (es tut mir leid , mein Deutsch ist nicht so gut…) :^D