Kinder spielen auf einem Bunker am Strand.
09. November 2015 Lesezeit: ~4 Minuten

Deutsche Bunker an der französischen Atlantikküste

Die Serie „Les Blockhaus“ zeigt die Überreste deutscher Bunker an der französischen Atlantikküste. Die Bilder sind am Strand von Capbreton, einer Ortschaft nahe Hossegor entstanden. Wer etwas mit Brettsport anzufangen weiß, der kennt Hossegor als das Surf-Mekka Europas. Der Rest kennt es vielleicht von Straßenschildern auf dem Weg in den beliebten, 20 km weiter südlich gelegenen Ferienort Biarritz.

Ein Bunker am Strand.


Die Idee zur Serie kam mir sehr spontan, im Prinzip entwickelte sie sich während des Fotografierens erst richtig. Ursprünglich war ich schließlich zum Surfen an diesen Strand gekommen. Daran war wegen fehlender Wellen an diesen Tagen allerdings nicht zu denken. Stattdessen setzte ich mich also an den Strand und beobachtete das Treiben um mich herum.

Die Bunker selbst springen einem natürlich direkt beim Überschreiten der Dünen ins Auge. Riesige Blöcke aus Beton, die erst die Soldaten auf den Dünen und nun die Dünen auf dem Strand zurückgelassen haben. So stehen, wandern und liegen diese massiven Bauten nun mitten am Strand zwischen Touristen, Badehandtüchern und Sonnenschirmen.

Bunker am Strand in der Mittagssonne.

Was ich nun aber, während ich am Strand saß, immer deutlicher wahrnahm, waren nicht die Bunker als monströse Kriegsbauwerke, sondern die Bunker als fester Bestandteil des Strandes und des Alltags. Ganz selbstverständlich binden die Menschen sie in ihre Strandaktivitäten ein. Was früher vor Artillerie- und Maschinengewehrfeuer schützen sollte, schützt jetzt vor UV-Strahlen.

Wo früher Soldaten des Dritten Reichs auf einen Angriff der Alliierten warteten, warten jetzt Pärchen auf den Sonnenuntergang. Überall fielen mir solche Kontraste auf, die wahrscheinlich gerade deswegen so interessant sind, weil die Protagonisten selbst sich über diese Kontraste eben keinerlei Gedanken machen.

Bunker am Strand.

Das wollte ich nun fotografisch festhalten. Erst während des Fotografierens reifte dann auch der Gedanke, aus den Bildern eine kleine Serie zu machen.

Entscheidend ist hier das Wort „klein“. Eine umfassende Reportage zum Thema war nicht das Ziel. Viel mehr ging es mir darum, einen Eindruck einzufangen. Ein einzelnes Bild war mir hierfür nicht genug und dennoch bin ich beim Editieren sehr streng mit mir und den Bildern gewesen. Und so sind es nun sechs Aufnahmen geworden, die sich in zwei mal drei Bilder unterteilen lassen.

Strandbesucher neben einem Bunker mit Blick aufs Meer.

Bei den ersten drei Aufnahmen stehen die Bunker als Bauwerke selbst im Vordergrund. Das gibt dem Betrachter die Möglichkeit, sich Fragen zu stellen wie „Wo kommen diese Dinger überhaupt her?“, „Wie sahen sie früher mal aus?“, „Welche Funktion könnten die unterschiedlichen Formen gehabt haben?“ und vor allem auch „Wieso stehen die Dinger hier immer noch mitten auf dem Strand – wäre es nicht schöner sie abzubauen?“

Im zweiten Teil stehen die Menschen und ihre Art, die Bunker in ihren Strandtag zu integrieren, im Fokus. Gerade wenn der Betrachter sich vorher einige der genannten Fragen gestellt hat und dabei bestimmt das eine oder andere Bild aus diversen Weltkriegsdokumentationen im Kopf hatte, entsteht hier ein interessanter Kontrast. 

Strandbesucher liegen vor einem Bunker.

Da ich seit etwa zwei Jahren fast ausschließlich mit 35-mm-Film arbeite, sind auch diese Bilder auf eben jenem entstanden. Hätte ich die Serie im Vorhinein geplant, wäre die Wahl wahrscheinlich eher auf Mittelformat gefallen. Ein Negativ im Format 6×7 wäre den Dimensionen der Bunker eher gerecht geworden und hätte dementsprechend große, wandfüllende Drucke ermöglicht.

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25 Kommentare

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  1. Gefällt:
    Man merkt den Fotos die Freude am Thema an. Der Autor hatte sichtlich Spaß an der Arbeit.
    Gefällt nicht:
    Manche Fotografen sollten dabei bleiben und lieber nichts texten: alle Pärchen an Strand sind wahrscheinlich zu ignorant, die Kontraste zu erkennen, schon klar gell

  2. Da stimme ich zu: Nicht jedem, der ohne Kamera herumläuft, sollte einfach unterstellt werden gedankenlos zu sein.

    Trotzdem gut, dass keine Wellen waren und Philip Wortmann statt zum Surfbrett zur Kamera gegriffen hat.

    • Hallo Harald. Ich sage jetzt mal: Nein. Denn ob etwas interessant ist, oder nicht, das lässt sich nicht erklären, denn es ist immer auf das Ästetik-Empfinden der einzelnen Person zurückzuführen. :)

      • Es wäre doch aber schön für eure Leser zu erfahren was Ihr an den Bildern interessant und ansprechend findet und unter welchen ästhetischen Gesichtspunkten ihr Eure Auswahl trefft. Ist es die Komposition, sind es die Farben, das außergewöhnliche Motiv oder einfach der besondere Moment der eingefangen wurde? Ich denke ich wäre nicht der einzige der mal einen Artikel darüber furchtbar spannend finden würde.

      • Hallo Sightseeing! Das ist ein spannender Punkt und ich kann auch Deine Gedanken dahinter sehr gut nachvollziehen. Jedoch haben wir keine Kapazitäten dafür frei, bei allen Artikeln zu begründen, warum wir diese oder jene Fotos jetzt gerade spannend finden – zumals es auch in der Redaktion unterschiedliche Geschmäcker und Vorlieben gibt. Außerdem fände ich es kontraproduktiv, den Leser*innen vorzukauen, warum wir etwas gut finden. Im Allgemeinen gilt: Wenn wir etwas zeigenswert finden, dann zeigen wir es. Außerdem hat hier der Autor dazu schon ausreichend seine Sicht begründet. Wer’s mag, mags, wer nicht, halt nicht. :)

    • hello…..
      …..ich denke, man kann durchaus auch den dokumentarischen charakter der bilder als wert für sich nehmen. immerhin bilden sie ab, was vor langer zeit mal als verteidigungslinie gedacht und gebaut worden war.
      für mich ist es die quasi philosophische tangente: alles menschenwerk verfällt in einer welt, die ebenfalls verfällt: verfall im verfall also.
      an der schnittstelle dieser beiden „verfallsysteme“ haben bilder dieser art aus meiner sicht durchaus ihren tieferen sinn,
      servus,
      werner aus der hochsteiermark

  3. @Peter: ja, so kommet es mir manchmal auch vor!

    Aber im Ernst, die qualitative Bandbreite der Beiträge ist meines Erachtens ausgesprochen groß. DAs birgt zwar auch eine gewisse Dialektik bzw. ein bisschen Provokation des Lesers und Betrachters, was durchaus positiv ist (sonst würden wir nämlich diese Diskussion gerade nicht führenn), aber es wäre in der Tat spannend zu hören, was die REdaktion sich bei der Auswahl der einzelnen Beiträgen denkt.

  4. Vielleicht ist es das Alter der Bildbetrachter, das hier eine wesentliche Rolle spielt?
    Die älteren unter uns haben solche Strandbunker schon überall auf der Welt gesehen, ist jetzt nicht mehr so rasend spannend. Für die jüngeren, die damit zum 1. Mal konfrontiert werden vielleicht ein “ ach du Sch…, krass!“
    Oder vielleicht doch die Quadratwurzel …?

  5. „Hätte ich die Serie im Vorhinein geplant, wäre die Wahl wahrscheinlich eher auf Mittelformat gefallen. Ein Negativ im Format 6×7 wäre den Dimensionen der Bunker eher gerecht geworden und hätte dementsprechend große, wandfüllende Drucke ermöglicht.“

    Das Thema ist gut und gefällt mir, nur das Ergebnis ist bis auf 2 Bilder nicht so dolle.
    Wenn man selber weiß das das Ziel nicht erreicht wurde, warum publiziert mann dann es?

    In einem Fotolehrbuch habe ich mal gelesen, das wenn man ein Bild erklären muß, dann funktioniert es nicht und sollte nicht gezeigt werden. Eine „Wahrheit“ an die ich mich zu halten versuche.

    Hier die Bitte an den Fotografen: Beim nächsten Surfurlaub bitte besser vorbereiten und das ganze nochmal machen. Denn das Thema find ich wirklich gut.

    Viele Grüße
    Elmar

    • Nachdem ich diese ganze Diskussion angestoßen habe, noch ein letztes Wort von meiner Seite: wie auch von anderen hier erwähnt, geht es nicht um das Motiv bzw. Thema – ganz im Gegenteil. Es geht um die Umsetzung. Ich wollte das eigentlich nicht so deutlich sagen, aber ich empfinde diese Bilder als beliebig und belanglos. Dieses Thema verträgt eine gewisse Dramatik, und die fehlt schlicht in den Bildern. Da kann man über Schwarzweiss nachdenken oder über eine „bedrohlichere“ Stimmung durch Wetter oder Tageszeit, aber das erfordert natürlich mehr Mühe und Zeit.
      Und sorry, ich finde, dass da die Redaktion schon in der Pflicht steht. Wenn Ihr es nicht für nötig haltet, einigermaßen nachvollziehbare Gründe für Eure Auswahl haben zu müssen, solltet Ihr mal über Euer Selbstverständniss nachdenken. Das ist für mich eine Frage des Anspruchs an sich selbst.

      • Da deine persönliche Meinung ja ohnehin die definitive und alles umspannende Wahrheit zu sein scheint, hatte ich mir eigentlich vorgenommen auf dich nicht einzugehen. Einen Bruchteil des ersten Absatzes finde ich aber interessant – „belanglos“.

        Genau darum geht’s doch. Dramatisch ist an diesem Ort nichts. Denk mal drüber nach :)

  6. die bilder holen einen toll zurück an die atlantikküste (ich war vor 30 jahren dort und erinner mich gerne an das herumklettern – damals waren aber noch weniger graffitis drauf)

  7. Ob belanglos oder nicht. Ich bin da gespalten und würde sagen: die Fotos sind halt einen Schritt weiter gedacht.
    Wenn da nur nicht der etwas unnötig naiv gehaltene Text wäre, bei dem ich so ein bisschen daran denken muss, wie Touristen in Pisa sich für unglaublich kreativ halten und ein Familienmitglied im Vordergrund diesen crazy schiefen turm festhält….

    Ich finde an den Bildern allerdings gerade schön, dass sie jetzt nicht gleich auf bedrohliche Bunker gemacht sind. So hatte ich die Intention auch verstanden.

    @ Herrn Grommel: „Wer’s mag, mags, wer nicht, halt nicht“ naja: Ich finde die Diskussion gar nicht so unspannend, weil sich über die AUswahl ja eine Intention des Magazins festmachen lässt und allgemein: warum empfinden wir das so.
    Diese Bilder bilden da eine gute Diskussionsgundlage zwischen interessant und belanglos: Denn so unterschiedlich werden sie rezipiert.

    • Hallo. Ich heiße immer noch Gommel und nicht Grommel. :) Und ja, spannend ist das durchaus, aber mir fehlt hier ein bisschen das gemeinsame Ziel.

      Wenn eine Gruppe von Menschen sagt: „das ist doch belanglos! weil…“ und eine andere Gruppe sagt: „nein, das ist es nicht! weil…“, dann treffen einfach unterschiedliche Geschmäcker aufeinander, die sich auch durch eine Diskussion nicht ändern werden – und auch nicht müssen. Weisst Du, wir als Magazin sind nicht missionarisch unterwegs.

      Wir wollen Leser nicht für etwas begeistern, das sie langweilig finden, indem wir rechtfertigen, *warum* wir etwas toll finden. Sowas wird dann schnell unentspannt und erzwungen, und das ist so ziemlich das Gegenteil von dem, was ich als ein „kreatives Umfeld“ beschreiben würde.

      Und aus diesem Grunde wird es auch in Zukunft keine Diskussionen darüber geben, warum wir Fotos oder Herangehensweisen toll finden. Bei einem Bier, Abends, irgendwo, können wir gerne über diesen oder jenen Artikel theoretisieren und diskutieren. :)

      • Oh Entschuldigung für das r.
        Ich hatte das auch nicht so gemeint, dass das Magazin sich irgendwie rechtfertigen müsste, finde aber schon, dass kwerfeldein eine gewisse Fotografie Richtung präsentiert: viel experiment, viel analog, viel jüngere, viel Eindrücke, weniger technische Perfektion. Und da begrüße ich eine Diskussion in den Kommentaren doch sehr, das macht das Magazin lebendiger.
        Das Bier gern, würd auch einladen, bin allerdings meistens zuhause in Austria

      • @black-white: Die Serie von Stephan Vanfleteren gefällt auch mir sehr gut. Allerdings macht es doch an dieser Stelle keinen Sinn, die beiden Serien miteinander zu vergleichen und eine davon als „besser“ oder „schlechter“ zu beurteilen, da beide Serien schlicht und einfach vollkommen unterschiedliche Intentionen haben.

      • @NoNo…“da beide Serien schlicht und einfach vollkommen unterschiedliche Intentionen haben.“
        Nun, so kann man jede vernünftige Diskussion ad absurdum führen. Es gibt dann keine Standpunkte mehr, die man auch begründen sollte, alles ist erlaubt, Hauptsache „kreativ“ oder „spannend“.
        Sorry, ich bleibe dabei, die hier vorgestellte Serie ist in meinen Augen sehr beliebig und ohne schlüssiges Konzept fotografiert, deswegen habe ich zum Vergleich einmal auf die Arbeit von Stephan Vanfleteren verwiesen.