Eine Collage
07. November 2015 Lesezeit: ~7 Minuten

Eine Frage, viele Antworten – Teil 8

Im vorerst letzten Artikel unserer Serie „Eine Frage, viele Antworten“ haben wir neun Fotografen gefragt: Zwischen eigenem Geschmack und Kundenwünschen – wie findest Du die Balance?

 

Eine Braut vor blühenden Bäumen.

Tanja Wesel, Hochzeits- und Portraitfotografin

Grundsätzlich gibt es bei mir nur den guten Geschmack. Damit möchte ich sagen, wenn mich jemand bucht, dann bucht er auch meinen Bildstil. Somit kann es nicht wirklich vorkommen, dass ein Kunde einen Wunsch hat, der außerhalb meiner Werke liegt. Wenn sich ein Kunde von mir etwas wünschen würde, was meinem Geschmack nicht entspricht, so würde ich ihn an einen Kollegen empfehlen, der solche Art von Bildern macht. Bisher ist es mir aber noch nicht passiert.

Ich erkläre meinen Kunden auch von Anfang an, wie ich fotografiere und mir liegt es sehr am Herzen, dass sie zu mir gekommen sind, weil sie genau meine Art der Bilder mögen. Dadurch muss ich keine Balance halten.

 

Eine Braut mit Blumenkranz im Haar

Stefanie Fiegl, Baby- und Hochzeitsfotografin

Hach, das ist echt manchmal schwierig, ich versuche so gut es geht, darauf hinzuarbeiten, mit den Bildern, die ich mache und auch zeige, Kunden anzuziehen, denen genau dieser Stil gefällt. Leider funktioniert das nicht zu 100 %. Bei einem persönlichen Gespräch stellt sich ja schon viel heraus. Bis zu einem gewissen Grad versuche ich, auf die Kundenwünsche einzugehen und trotzdem meinem Stil treu zu bleiben.

Aber bisher habe ich, glaube ich zumindest, immer eine gute Balance gefunden, sodass die Kunden zufrieden waren. Sie haben mit mir etwas Neues ausprobiert und ich habe mit ihnen das Bild gemacht, das später Oma gern im Schrank stehen hat – das soll Oma auch bekommen.

 

Eine Braut und eine ältere Frau weinen.

Alex Ginis, Hochzeitsfotograf

Ich kann mich glücklich schätzen, ausschließlich Kunden zu betreuen, die meinem Geschmack voll und ganz vertrauen. Ich habe viel Zeit darin investiert, meine eigene Stilrichtung zu finden und dass sie nicht allen, sondern nur einem bestimmten Teil von potentiellen Kunden gefällt, ist doch ganz normal!

Den Kunden, die eine ganz eigene Vorstellung von ihren Fotos haben, die zu meinen Bildern nicht passt, empfehle ich – ganz in ihrem eigenen Interesse – sich an erfahrene Kollegen zu wenden, die diese Art von Fotos bestimmt besser hinkriegen. Am Ende möchte ich, dass jeder glücklich mit meiner Arbeit ist und das kann er nur dann sein, wenn ein gewisses Grundvertrauen und somit Freiraum für Kreativität gegeben ist.

 

Ein rothaariges Kind lacht in die Kamera.

Christine Oppe, Kinder- und Familienfotografin

Ich habe meinen eigenen Bildstil: Zart und weich für Neugeborenenbilder, lebensfroh, authentisch und lebendig für Kinder- und Familienbilder. Meine Kunden buchen mich, weil sie diesen Stil mögen. Deswegen habe ich nur sehr, sehr selten Kundenwünsche, die mir nicht wirklich entsprechen. Wenn es um ein oder zwei Ideen geht, die der Kunde gern umgesetzt haben möchte, habe ich damit kein Problem – dafür einen glücklichen Kunden. Diese Bilder werde ich dann nur eben nicht auf meiner Webseite zeigen.

 

Ein Mann im Swimmingpool

Pascal Triponez, People- und Fashionfotograf

Wenn ich von Kunden gebucht werde, dann aufgrund meines Stils. Meinen Fingerabdruck findet man also in all meinen Arbeiten. Ob nun bei einer freien Arbeit oder einem Auftrag. Die Bildauswahl kann aber gut mal vom eigenen Geschmack abweichen und damit muss man umgehen können. Geschmäcker sind verschieden und das muss man akzeptieren. Auch von mir gibt es publizierte Bilder, die ich lieber nicht gedruckt gesehen hätte.

Ein aktuelles Beispiel ist die Arbeit für ein Fashion-Magazin. Da fließen so viele Meinungen und Emotionen ein und man muss sich da unbedingt auch mal von der eigenen Sichtweise lösen können. Dies ist teils (und wohl vor allem bei der Kunst) frustrierend. Aber neben dem Team, das viel Zeit in das Projekt gesteckt hat, will man auch den Endkunden zufrieden stellen. Wichtig ist, dass man am Ende hinter dem Ergebnis stehen kann und sich nicht verbiegen muss. Sonst macht der Job auf Dauer keinen Spaß.

 

Ein Mann im Anzug

Michael Omori Kirchner, Business-Fotograf und Trainer

Das ist eigentlich kein großes Thema. Da meine Shootings im höherpreisigen Bereich liegen, informieren sich die Kunden gut, schauen sich mein Portfolio und meine Bildsprache an. Sie buchen mich also nur, wenn das passt.

Ich sehe mich auch nicht als Künstler, sondern als Dienstleister. Wenn also doch einmal ein Wunsch kommt, der nicht zu meiner üblichen Bildsprache passt, setze ich diesen Wunsch gern um, wenn ich dafür gut bezahlt werde. Wenn es allerdings gar nicht passt, empfehle ich gern einen anderen Fotografen.

 

Ein Hochzeitspärchen

Caroline Zenker, Portrait- und Sedcardfotografin

Die Frage ist doch immer: Bucht Dich der Kunde, weil es Deine spezifische Art und Dein Stil sein soll oder bucht Dich der Kunde, weil er einen beliebigen Dienstleister sucht? Dementsprechend verhält es sich auch mit den Geschmäckern. Viele Beispielbilder und Vorstellungen werden im Vorfeld ausgetauscht und es wird sich geeinigt.

Wenn aus diesen vorherigen Gesprächen schon zu entnehmen ist, dass der Kunde etwas komplett anderes möchte, was vielleicht auch außerhalb der eigenen fotografischen Komfortzone liegt, dann teile ich einfach mit, dass der Auftrag wohl eher nichts für mich ist und leite im Idealfall an ein paar andere Fotografen weiter, die sich mit dem gewünschten Thema beschäftigen oder diesen speziellen Stil haben.

So vermeidet man früh, dass sich später die Geschmäcker scheiden. Ist man allerdings zuversichtlich, auch etwas Anderes, etwas Neues gut umzusetzen, selbst, wenn es nicht dem eigenen Geschmack entspricht, umso besser. Go for it.

 

Ein Hochzeitspärchen auf einer Wiese

Nancy Ebert, Hochzeitsfotografin

Meine Kunden geben mir glücklicherweise sehr viel Freiraum. Sie vertrauen mir komplett und machen alles mit, sodass es zwischen meinem eigenen Geschmack und Kundenwünschen eigentlich keinen Widerspruch gibt. Das Wichtige ist, von den richtigen Kunden gefunden und gebucht zu werden. Dazu sind ein rundes Portfolio und ein professioneller (Online-)Auftritt super wichtig. Alles, was Du veröffentlichst, sollte Deine Marke unterstützen und Deine Zielgruppe ansprechen.

 

Ein Beautyportrait

Jürgen Angelow, Mode- und Beautyfotograf

Da gibt es da keine Balance. Denn es geht um Emotionen und nicht um formale Dinge. Oft sind die Ansichten sehr verschieden und nicht umsonst hängen viele Fotografen gerade an ihren unveröffentlichten Schätzen. Doch aus Respekt vor dem Kunden würde ich stets ihm die Wahl überlassen. Er weiß definitiv besser als man selbst, was er seinen eigenen Kunden wiederum visuell kommunizieren möchte, welches Gefühl er vermitteln will. Das bedeutet aber nicht, dass man die anderen Bilder dann wegwirft. Vielleicht lassen sie sich ja noch ausstellen oder für andere Zwecke verwenden.

 

Wir hoffen, Euch hat unsere Artikelserie gefallen und Ihr konntet etwas für Euch daraus ziehen. Wir fanden es auf jeden Fall sehr spannend, wie unterschiedlich die Fotografen doch auf unsere Fragen geantwortet haben und möchten an dieser Stelle noch einmal allen danken, die sich am Projekt beteiligt haben.

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2 Kommentare

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  1. Ich weiß nicht so recht, ob man überhaupt davon sprechen sollte, dass Kunde eine Mitsprachemöglichkeit hat? Ist es nicht so, dass man zwar mit Kunden ungefähr die Richtung der Fotografie besprechen kann, aber anschließend dennoch selbst entscheidet, was für Aufnahmen und welche Bilder man macht? Der Kunde hat einen als Fotografen ja auch nicht deswegen ausgesucht, damit er am Stil des Fotografen herumnörgeln kann, sondern findet sich in aller Regel im Stil und der Sprache des Fotografen wieder. Sonst hätte er mich ja nicht ausgewählt. Wir raten unseren potentiellen Kunden auch immer sich Bilder anzusehen und nach deren Gefallen zu entscheiden, ob Sie uns buchen wollen oder nicht.
    Aber vielleicht ist das bei anderen Fotografen ja anders!?!
    Gruß, Tina

  2. Ich stimme Tina Rieger zu … ich bin auch der Meinung, dass der Kunde den Fotograf anhand seiner Arbeit auswählen sollte … und sich nicht den Fotograf „zurecht“ biegen soll. Gerade was die Bildbearbeitung angeht … ich hatte mal eine Kundin, die mich einige Wochen nach dem Fotoshooting angeschrieben hatte und wissen wollte, ob ich ihre Bilder im „Laura Helena“ Stil nochmal bearbeiten könnte … in solchen Momenten frage ich mich, was ich falsch gemacht habe, dass die Kundin auf die Idee kommt mich sowas zu fragen …