Rosa Gänseblümchen in Nahaufnahme vor blauem Hintergrund.
10. Juli 2015 Lesezeit: ~ 4 Minuten

Neu aufgelegt: Historisches Seifenblasen-Bokeh

Die deutsche Firma Meyer-Optik-Görlitz erweckt das Trioplan f/2.8 100 mm nach fast 100 Jahren zu neuem Leben. Das manuelle Objektiv, das mit historischem Aufbau mit Aluminiumgehäuse und Schottglas in Deutschland gebaut wird, gibt es jetzt auf Kickstarter mit verschiedenen Anschlussvarianten.

Meyer Optik gibt es nun schon seit 1896 und die Firma kann somit auf über 100 Jahre Erfahrung zurückgreifen. Ihre Optiken verwenden hochwertige Materialien aus nachhaltiger Fertigung, die streng kontrolliert werden und ihre Optiken sind extrem leistungsstark. Die Firma wurde 1991 aufgelöst und 2014 durch Globell Deutschland wieder reanimiert, die die Tradition von hochqualitativen Produkten weiterführt.

Gräser vor unscharfem Hintergrund mit Seifenblasen-Bokeh.Ast vor unscharfem Hintergrund mit Seifenblasen-Bokeh.

Das Objektiv Trioplan wurde erstmals 1916 von Hugo Meyer hergestellt, basierend auf dem ebenfalls dreilinsigen Cooke-Triplet von Harold Dennis Taylor aus dem Jahre 1893.

Damals war es die erste Objektivkonstruktion, die eine maximale Blendenöffnung mit einer, für die damalige Zeit, außerordenlichen Schärfe in der Mitte kombinierte und außerdem zu einem erschwinglichen Preis zu haben war. Meyer-Optik-Görlitz möchte mit dem neuen Trioplan den fotografischen Charme des vergangenen Jahrhunterts ins Hier und Jetzt transportieren.

Die neue Optik wurde nach den Original-Plänen des historischen Trioplan entwickelt und speziell für die höhere Auflösung der heutigen Digitalkameras angepasst. Sie besteht aus 15 Blendenlamellen, die sich mit der klickfreien Blende genau einstellen lassen. Dadurch hat man absolute Kontrolle über das Bokeh und kann es sehr genau justieren.

Samenstände einer Pusteblume in Nahaufnahme vor blauem Hintergrund.

Rote Blütenblätter in Nahaufnahme vor einem blauen Hintergrund.

Ich durfte den Prototypen 0001 schon für kurze Zeit testen und möchte Euch hier meine ersten Ergebnisse zeigen. Bekannt ist das Trioplan für sein Seifenblasen-Bokeh, das man bei Offenblende und dem passendem Hintergrund erhält.

Die Schärfentiefe ist bei f/2.8 und 100 mm natürlich nicht die größte, der Charme des Bokehs ist dafür umso faszinierender, wenn man es gezielt einsetzt. Durch Abblenden oder mit einem ruhigeren Hintergrund verändert sich das Bokeh und man bekommt eine schön weiche Unschärfe, die nicht so aufdringlich ist wie die Ringe bei f/2.8.

Dies finde ich wiederum sehr praktisch, denn nicht zu jedem Bild oder Motiv passen die Seifenblasen und man will sie wahrscheinlich nicht auf jedem Foto haben, sonst wäre die Optik nur sehr einseitig nutzbar. So ist es jedoch eine Optik für viele verschiedene Einsatzgebiete. Die Schärfe wird durch leichtes Abblenden zudem noch stark verbessert.

Vertrocknete Blüte vor unscharfem Hintergrund.

Kopf eines Vogels vor unscharfem Hintergrund.

Zum Testen der Optik habe ich meist meine Canon EOS 5D Mark II benutzt oder meine analoge Canon EOS 33. Das Scharfstellen war, außer im Gegenlicht, sehr einfach und ich hatte wenig Ausschuss – auch bei Offenblende. Einige meiner Bilder sind mit Nahlinsen entstanden, da die Naheinstellgrenze des Objektivs bei 1 m liegt und für Makroaufnahmen entsprechend oft nicht ausreicht.

Für mich persönlich finde ich es toll, dass Meyer-Optik-Görlitz die Optik auch mit M42-Anschluss produziert, da ich meist analog fotografiere und ich eine M42-Optik an wirklich vielen Kameras nutzen kann. Ich denke, da werden sich auch einige andere Analogfotografen drüber freuen.

Rote Mohnblüten vor blauem Hintergrund.

Im Vergleich zu anderen Objektiven mit speziellem Bokeh wie dem Petzval oder Helios bringt das Trioplan ein wirklich anderes Bokeh mit sich. Wobei ein direkter Vergleich schwer ist, da jede dieser Optiken ihren eigenen Charme hat.

Die Schärfe ist beim Trioplan besser als beim Petzval. Jedoch liebe ich den Swirl-Effekt des Petzvals, der bei diesem auch wieder stärker ist als beim alten 58-mm-Helios. Dafür ist das Helios leichter und handlicher. Am Schluss hat jede Optik ihren Reiz und wer hat schon etwas gegen verschiedene Optiken im Schrank?

Ast vor vier unterschiedlich stark unscharfen Hintergründen.

Ich freue mich jetzt schon auf mein eigenes Trioplan für M42, um es an meinen analogen und vielleicht auch digitalen Kameras ausgiebig nutzen zu können. Leider habe ich es nicht geschafft, den Prototypen auch für Portraits zu testen, in der Kickstarter-Kampagne könnt Ihr aber einige von anderen Fotografen sehen.

Unterstütze kwerfeldein

Wenn Dir dieser Artikel oder das ganze Magazin gefällt, kannst Du die weitere Arbeit von kwerfeldein gern via Paypal, Überweisung oder Dauerauftrag mit dem, was es Dir wert ist, unterstützen. Vielen Dank!

kwerfeldein finanziert sich neben Werbeeinnahmen auch durch Provision von Verkäufen auf Amazon und freiwillige Beiträge der Leser*innen, um unabhängig zu bleiben.

Paypal


Überweisung

kwerfeldein
IBAN: DE0837050198 1933436766
BIC: COLSDE33XXX

Amazon
kwerfeldein @ Spreadshirt


22 Kommentare

Schreib’ einen Kommentar

Netiquette: Bleib freundlich, konstruktiv und beim Thema des Artikels. Mehr dazu.

  1. Dieser Trend, alte Optiken wieder aufleben zu lassen gefällt mir sehr gut. Viele der Linsen haben einen sehr besonderen Charme bzw. Charakter, den man wirklich sehen und fühlen kann. Auch das Trioplan ist so eine Linse, Bokeh und Schärfeverlauf sehen großartig aus und ich kann mir vorstellen, dass das Objektiv sich auch sehr gut anfühlt!

    Leider sind manuelle Linsen bei meiner Kamera wirklich problematisch zu handhaben, weshalb ich dafür nie so viel Geld hinblättern würde, sondern eher günstige Varianten mit M42-Adapter aus der Bucht nutze (bspw. das oben erwähnte Helios), um damit zu experimentieren. Vielleicht wird es ja irgendwann eine andere Kamera, mit der man manuelle Objektive besser nutzen kann, dann wird das Ganze für mich noch interessanter, aber der Preis ist dennoch stolz.

    Ich bin gespannt, was die Fotografen in aller Welt mit dem Gerät anstellen werden und freue mich auf die Ergebnisse! Danke für’s Vorstellen und einen guten Start ins Wochenende! :)

    • Hey Aileen,

      tja, das ist die EOS 7D. Ich liebe die kamera sehr und kann gut mit ihr arbeiten, aber manueller Fokus ist und bleibt nicht einfach. Natürlich habe ich schon viel recherchiert, mich durch Beiträge durchgewälzt und mit anderen ausgetauscht, aber viel ist da wohl nicht zu machen. Es gibt zwar Wechselmattscheiben von Drittanbietern (Katzeye etc.), aber der Austasuch ist bei dem Modell sehr kompliziert und wird bei der 7D nicht empfohlen. Besser fürs manuelle Fokussieren sind dann doch Spiegellose wie bspw. die X-T1 oder aktuelle Sony Vollformatkameras mit digitalem Schnittbild und/oder Focus Peaking.

      Oder hat noch jemand andere Erfahrungen mit der 7D gemacht?

      • Hi Udo,
        für M42 gibt es ja Adapter mit Info zur Scharfstellung, es blinkt dann der Fokuspunkt im Sucher wenn du richtig scharf gestellt hast. Normal ist es eine der Custom Funktionen, bei denen man das einstellen kann.

      • Irgendwie gibt es technisch anscheinend ein kleines Kommentar-Chaos, mein letzter ging wohl ins Nirvana. Sollte also etwas doppelt auftauchen, dann bitte einfach weglöschen :)

        So, ich versuch’s also nochmal:

        Hey Tamara,

        danke für den Tipp! :) So einen Adapter habe ich für mein Helios und noch eine Pentacon-Linse, der funktioniert soweit gut, allerdings ist die Fokusindikation leider sehr unpräzise. Diese Unschärfen können mitunter sogar richtig charmant aussehen, der Ausschuss ist aber dennoch recht hoch – da ist ne Menge Glücksspiel dabei. Aber Du hast völlig Recht, das hilft gerade bei Portraits schonmal ein gutes Stück weiter und ist besser als nichts :)

        Danke Dir noch einmal und viele Grüße!

  2. Ich freue mich schon das Objektiv, gerade wegen des “Seifenblasen”-Looks. Allerdings lässt sich dieser Vozug nur bei wenigen Motiven ausreizen…
    Ein interessanter Beitrag unter dem Titel “Helden des Bokeh” (Autor: Guido Krebs) findet sich in der aktuellen Ausgabe (III.2015) von PhotoKlassik. Da werden neben dem “historischen” Trioplan auch folgende Objektive (natürlich mit Bildbeispielen) besprochen:
    Canon EF 85 mm 1:1,2L II USM
    Meyer-Optik-Görlitz Somnium 85 mm 1:1,5
    Lomography New Petzval 85 mm 1:2,2
    Ivanichek Petzvar 120 mm 1:3,8
    Pentax 67 105 mm 1:2,4 SMC
    http://www.photoklassik.de

  3. Schade, schade, schade.
    Eigentlich ein schöner Artikel und ich mag es, dass ihr auf dieses Produkt hinweist bzw. es “testet”. Leider wird der gute Eindruck gleich im ersten Abschnitt versaut, wenn die Autorin unreflektiert und ungekennzeichnet die PR von Meyer-Optik nachplappert. Sätze wie:
    “Meyer Optik gibt es nun schon seit 1896 und die Firma kann somit auf über 100 Jahre Erfahrung zurückgreifen. Ihre Optiken verwenden hochwertige Materialien aus nachhaltiger Fertigung, die streng kontrolliert werden und ihre Optiken sind extrem leistungsstark.” grenzen, da nicht gekennzeichnet, an Schleichwerbung. Die Schlagworte finden sich ein zu eins hier:
    http://www.meyer-optik-goerlitz.de/geschichte/

    Ich würde mich freuen, wenn ihr in Zukunft mehr Wert darauf legt solche Dinge klarer von eurem eigenen, redaktionellen Inhalt zu trennen. Es wäre ein Leichtes gewesen hier zu Kennzeichnen. Z. B. in der Form: “Meyer-Optik, die selbst von sich sagen…” o. ä.
    Ich glaube damit würdet ihr euch selbst und eurem Anspruch, ein ernstzunehmendes Magazin zu sein, einen großen Gefallen tun.

    • Puh. Sorry, aber ich muss sogar noch einen drauf legen. Selbst das Titelfoto zum Artikel ist von der Kickstarter-Seite und damit, nehme ich mal an, von Meyer-Optik. Hab ich jetzt erst gesehen.
      So was müsst Ihr kennzeichnen! Woher soll ich jetzt wissen, ob der Rest des Artikels wirklich eine ehrliche Autorenmeinung widerspiegelt? Sind die anderen Fotos echt? Von der Autorin gemacht? Oder der PR-Abteilung von Meyer-Optik entsprungen? Ist der ganze Artikel vielleicht als Content getarnte Werbung?

      • Hallo Wolfgang, die Fotos sind alle von der Autorin mit dem genannten Prototypen erstellt worden. Warum Meyer-Optik die Fotos von ihr und einem weiteren Fotografen auf der Kickstarter-Seite und ggf. auch anderswo nicht konsequent (sondern nur mal so und mal so) kennzeichnet, ist weder uns noch der Fotografin bekannt, das habe ich sie nämlich auch gefragt, weil es mich irritiert hat.

    • Hallo Wolfgang, kurz: Du hast recht. Wir sind bereits darauf sensibilisiert, dass wir darauf achten, dass Gastautoren keine 1:1-Textschnipsel von irgendwoher übernehmen. Dass in eigenen Worten wiederholte PR-Statements aber genauso irreführend sein können und besser entsprechend formuliert werden, stimmt auch. Wir haben das intern und auch mit der Gastautorin besprochen und achten da in Zukunft besser drauf.

      • hello,
        ich schließe mich dieser auffassung von klarer trennung redaktioneller und gepsonserter inhalte voll und ganz an.
        kwerfeldein ist ein zu feines und elegantes forum, um derlei einreißen zu lassen.
        was das thema “trioplan” anlangt:
        für mich ein schönes beispiel, wie auch im bereich photographie hypes “gemacht” werden.
        da mag es jede/r halten, wie er/sie will.
        kwerfeldein wird wohl auch künftig meine DailyBlogroll schmücken.
        werner
        aus der hochsteiermark

      • Hallo Werner, um es nochmal klarzustellen: Es gibt auf kwerfeldein keine gesponsorten Inhalte. Weder gekennzeichnete noch ungekennzeichnete. Der Vorwurf von Wolfgang beruhte hier auf zwei Unsauberkeiten, die eine ging auf unser Konto, die andere auf das von Meyer-Optik-Görlitz.

  4. Ich finde es auf einem freiwillig bezahlten Magazin jetzt nicht so schlimm, wenn man ein bisschen geschmäcklerisch zwischen den Zeilen schreibt. Da darf man die Kirche schon um Dorf lassen…Letztlich ist der Trend zu solchen Optiken sicher berichtendenswert. Der Preis ist halt jenseits von und zu hinterfragen. Da find ich es spannender, zu stöbern und ein günstig erworbenes Schätzchen mit einem günstigen Adapter auszuprobieren: bei mir zuletzt das günstige alte minolta md 55 / 1.7 an meiner spiegellosen… Tolles weiches bokeh für 50 Steine ….

  5. Blogartikel dazu: Meyer Optik Trioplan 100mm f/2.8 lens for DSLR and mirrorless cameras is now on Kickstarter | Photo Rumors

  6. die sache mit dem “made in germany” stellt sich wohl etwas anders dar! da ist vieles eingekauft und die firma “hat rein gar nichts mehr mit” mit der alten firma, bankrott gegangenen, zu tun
    die preise sind “mond-preise”.

    deine fotos, würde ich gerne mal etwas näher sehen. wie siehtś mit randüberstrahlungen und CA aus? wie soll man denn sonst die qualität der linsen beurteilen?

  7. Hallo zusammen;-)
    Ich habe mir das neue Trioplan 100mm gekauft , besitze die Canon 5D Mark 3 und bin wirklich am verzweifeln…… :-( –
    wenn ich mir Fotos im Internet anschaue die mit Blende 2.8 fotografiert wurden ( z.B. viele Schmetterlingsfotos mit tollem Bokeh ) , wirklich sehr schön.
    Doch irgendwie bekomme ich in meine Fotos 0 Schärfe :-( was mache ich da falsch ?
    Ich finde es auch sehr sehr schwierig scharf zustellen, wenn meine Kamera keinen Signalen oder zumindest das rote Lämpchen der Kamera signalisiert. Ist das eigentlich normal, dass sie das ” nicht” macht !?
    Im Livebild sieht man auch nicht wirklich viel , außer Dunkelheit. ..
    Ich war von den tollen Fotos die man im Netz sind so angetan und nun bin ich soooo enttäuscht – kann mir vielleicht jemand ein paar Tips geben ?
    Wie fokussiert ihr denn ?

    Über eine Antwort würde ich mich sehr freuen.

    Viele Grüße,
    Anja

    • Hallo Anja,

      here the same. Ich habe mein neues Trioplan 50/2.9 nun erhalten und – wie Du – extreme Probleme. Fokusfalle (Leuchten bei Fokus) geht nicht, durch den Sucher bei Offenblende geht auch nicht. Via Stativ und Fokus Peaking Software kam ich annähernd an eine Schärfe. Allerdings derart “vernebelt” – das dass Ergebnis nur enttäuschend ist.

      Hast du eine Lösung gefunden?

      Danke,
      Thomas

      • Hallo Thomas,
        habe ebenfalls seit dem WE das Trioplan 50/2,9 und würde sogar behaupten, dass mein Objektiv gar kein focussiertes Bild liefert. Am schlimmsten ist der Focus bei Einstellung unendlich. Im Camera isplay wirkt es “scharf” aber schon bei kleiner Vergrösserung sieht man keinerlei definierten Schärfebereich. Vielleicht ist es ja mein Anwendungsfehler?! Habe heute versucht mit dem Support zu sprechen, war aber kein Techniker da. Werde es morgen nochmal versuchen und berichte gerne.
        VG Andreas

  8. Ich arbeite sehr gerne mit meinen alten Analog Objektiven an modernen Digitalkameras. Per Adapter angeschlossen lassen sie sich zwar nur manuell nutzen, was ich aber nicht als störend empfinde. Meine Blütenmotive werden mit weit offener Blende, fast ohne Schärfe abgelichtet. So entstehen Bilder, die fast wie gemalt aussehen. Ein schönes Bokeh ist dabei das ein und alles.