30. Mai 2015 Lesezeit: ~20 Minuten

My Favourite Nightmares

Als ich auf die bewegten Fotografien von Marcel Meyer stieß, war ich fasziniert und wusste sofort, dass ich sein Projekt auf Kwerfeldein vorstellen wollte. In ihm setzt er sich mit Hilfe einer ganz besonderen Technik mit seinen Kindheitsängsten auseinander.

Der erste Teil namens „My Favourite Childhood Nightmares“ enstand bereits 2012 als Bachelorprojekt. Der zweite Teil „My Favourite Adult Nightmares“ folgte im Sommer 2014. Im Interview beantwortete mir Marcel einige Fragen.

Was ich an diesen bewegten Bildern mag, ist, dass man oft nicht gleich erkennt, was sich jetzt bewegt und dadurch verbringt man viel mehr Zeit mit den Bildern, sieht länger hin und sucht. Man beschäftigt sich dadurch viel länger als im Internet gewohnt mit den Fotos. Sonst ertappt man sich doch oft beim schnellen Scrollen. Bei deinen Bildern bleibt man hängen und sieht sie sich durchaus mehrere Minuten lang an.

Das finde ich auch sehr schön. Das haben allerdings auch ein paar Fotografie-Experten als Kritikpunkt genommen. Sie meinten, man wartet halt nur darauf und wenn man erkennt, was sich bewegt, dann geht es weiter. Also auch nach dem Motto: next, next, next.

Aber ich sehe das auch eher als Vorteil in diesem schnelllebigen Internet. Man hat einen Newsfeed, der einen eigentlich komplett überfordert. Was ist da überhaupt die Motivation, aufzuhören zu scrollen? Ich mag, dass die Bilder da ein wenig Ruhe hinein bringen.

Deine Serie heißt „My favourite Nightmares“. Das widerspricht sich etwas, denn Albträume hat man ja nicht so gern, oder?

Ja, genau, das ist insofern auch der Witz dabei. Ich hatte auch einige Kommentare, in denen gefragt wurde, was daran jetzt gruselig ist oder die einzelne Bilder nicht verstanden haben und mich sogar Mimose genannt haben. Aber darum geht es ja im Projekt auch gar nicht. Es sind nicht wirklich schreckliche Bilder oder Szenearien.

Das gefesselte Mädchen in der Küche finde ich schon schrecklich.

Das stimmt, aber dieses Bild fällt etwas aus der Reihe. Aber das darf gern etwas paradox sein. Das Bild mit dem Luftballon im Wald zum Beispiel sehen viele an und fragen, was daran spannend sein soll. Diese Menschen haben für mich einfach keine Fantasie. Es sind die Sachen, die im Kopf passieren.

Ja, es sind definitiv Bilder, zu denen man kleine Geschichten im Kopf spinnt. Was hat es denn speziell mit dem gefesselten Mädchen und dem Einbrecher auf sich?

Dieses Bild ist glaube ich eine sehr konkrete Angst, die man gut nachvollziehen kann. Wir haben früher in einem großen Haus gewohnt. Deshalb hatte ich eigentlich schon immer Angst, dass bei uns eingebrochen wird und ich meine Mama dann beschützen muss. Ich hatte noch kleine Geschwister und mein Vater war oft im Außendienst unterwegs, weshalb ich quasi der Mann im Haus war.

So hatte mich mein Vater auch als Kind verabschiedet: Pass auf Deine Mutter auf und so weiter. Deshalb hatte ich eine zeitlang einen Hartgummi-Tomahawk zum Schlafen unter mein Kopfkissen gelegt.

Ich habe ihn leider für mein Bild nicht mehr gefunden, aber stattdessen stieß ich auf meine alte Rüstung und die ist ja noch viel plakativer. Ich wollte nichts kaufen, sondern etwas nutzen, zu dem ich wirklich einen Bezug zu habe. Das war dann eben diese Rüstung.

Es ist ja auch spannend, was so einfache Worte, die Erwachsene dahin sagenm ohne darüber nachzudenken, bei Kindern auslösen können.

Ja, total. Und solche Beispiele habe ich oft. Es waren wie gesagt keine besonderen Ängste, die ich als Kind hatte, es waren einfach Gefühle, die mich beschäftigten.

Das letzte Bild mit dem Feuer im Kamin – das war wohl mein schlimmster Alptraum. Damals war ich noch in der Grundschule und in meinem Traum erschien mir mein bester Freund als Toter und hat mit mir so Spiele gespielt, die man als Lebender gar nicht gewinnen kann. Zum Beispiel: Wir bleiben so lange es geht im brennenden Ofen. Das war echt sehr gruselig.

Glaub’ ich Dir sofort!

Einige andere Bilder sind wirklich sehr komplex. Es sind teilweise Stimmungen oder Phasen, an die ich mich noch erinnern konnte.

Wer sind die Modelle in Deinen Bildern?

Der Junge in der ersten Serie „My Favourite Childhood Nightmares“ ist Danielle, der das wirklich großartig gemacht hat und repräsentativ für mich steht. Er ist lange unser Nachbar gewesen und oft mit unserem Hund Gassi gegangen. Ich habe zu der Zeit schon nicht mehr zu Hause gelebt, aber als ich ihn gesehen habe, wusste ich, dass er für meine Serie perfekt ist.

Er ist leider schon weiter gezogen, aber wir haben noch ein gutes Verhältnis zueinander und in der zweiten Serie „My Favourite Adult Nightmares“ ist er ja in einem Bild auch noch einmal zu sehen. Als Modell habe ich mir dafür meinen Bruder geschnappt, der nicht besonders glücklich darüber war, dass er sich immer barfuß im Schlafanzug in der Kälte irgendwo hinstellen musste.

Wie bist Du überhaupt auf die Idee gekommen, bewegte Bilder zu erstellen?

Ich habe einen sehr filmischen Hintergrund: Eine Ausbildung beim Fernsehen gemacht und „Zeitbasierte Medien“ in Mainz studiert. Dort haben viele Leute Kurzfilme gemacht, aber das war nicht das Richtige für mich. Ich wollte weg davon und habe mein Auslandssemester dafür genutzt. In Plymouth in England habe ich mich anderthalb Semester lang mit analoger Fotografie auseinander gesetzt und gemerkt, wie besonders dieses Medium ist.

Als ich zurückkam, musste ich mein Bachelorprojekt in Angriff nehmen und war im Zwiespalt. Ich hatte gerade gemerkt, wie sehr mich Fotografie begeistert, aber konnte das in Mainz nicht machen. Plymouth ist eine Fotografie-Hochburg und war super ausgerüstet. Da konnte Mainz nicht mithalten.

Zudem habe ich mich noch sehr unfertig gefühlt. Ich war noch blutiger Anfänger, gerade im Vergleich zu meinen Mitstudenten in Plymouth, die das sechs Semester lang gemachtund oft schon im Collage damit anfangen hatten.

Für mein Abschlussprojekt wollte ich eine Verbindung schaffen. Ich dachte zum Beispiel an eine Dokumentation über einen Fotografen oder ein Interview. In einer Phase, in der ich nicht wusste, was ich tun soll, habe ich mir noch einmal die Bilder von Gregory Crewdson angesehen, der ja sehr filmisch fotografiert und seine Aufnahmen auch Single-Frame-Movies nennt. Er schafft es, eine ganze Handlung in ein Foto zu bannen. Dazu kommt noch eine großartige filmische Beleuchtung.

Auf einem der Bilder sind eine Menschenmasse im Vordergrund und im Hintergrund ein brennendes Haus zu sehen. Beim Betrachten fragte ich mich, wie das Bild auf mich wirken würde, wenn diese Flammen im Hintergrund wirklich lodern würden. Also die konkrete Idee: Was würde es auslösen, wenn dieses eine kleine reduzierte Element sich bewegen würde?

Und dann ging es los?

Ich begann erst einmal, kopflos drauflos zu experimentieren und zu recherchieren. Ich stellte fest, dass sich mit einer ganz normalen Spiegelreflexkamera schon sehr schöne Ergebnisse erzielen lassen, aber merkte auch, dass der Effekt schnell zu vordergründig und stark wird, wodurch alles sehr nach Werbung wirkt.

Ich habe zuerst auch das Typische gemacht: Mit Ventilator Haare bewegt oder den Rauch einer Zigarette aufsteigen lassen. Man ist am Anfang auch mit den Bewegungen sehr limitiert, weil man im Unterschied zum GIF keine abgehackte Bewegungen hat, sondern sie flüssig einbindet. Man braucht eine schöne, unmerkliche Bildschleife, die das Bild nicht dominiert. Das ist schwierig.

Ich hatte also meine Technik gefunden, aber noch kein Thema. Meine freien Arbeiten beschäftigen sich meist mit mir selbst. Und so wurde auch dieses Projekt sehr intim. Ich stellte fest, dass ich mich noch an sehr viele Träume und Ängste aus meiner Kindheit erinnerte.

Welche Techniken hast Du verwendet, um Dich Deinen Kindheitsängsten zu nähern?

Albträume sind in der Fotografie ja ein sehr strapaziertes Thema. Der Clown, der unter dem Bett liegt oder Ähnliches, das wurde schon tausend Mal gemacht, deshalb bin ich auch schnell davon weggegangen, mich in Traumforen herumzutreiben. Ich habe gemerkt: Wenn die Serie funktionieren soll, muss sie authentisch sein.

Als ich die Augen schloss, hatte ich direkt drei bis vier Bilder im Kopf, die wirklich einfach Träume waren, die als Kind hatte. Stellenweise waren es auch Erinnerungen an ein Gefühl, das ich zu einer gewissen Zeit hatte.

Ich bin wunderbar behütet aufgewachsen, hatte ein intaktes Elternhaus und dennoch waren zwei, drei Albträume sehr präsent. Ich habe angefangen, Traumtagebuch zu führen und versucht, mich mehr in das Thema hineinzuversetzen. Ich habe mir altes Spielzeug gesucht, um weiter vorzudringen und hatte bald sieben Bilder im Kopf, was ich für eine gute Anzahl hielt.

Ich war zu dieser Zeit aber total am Zweifeln, ob das für einen Abschluss reicht. Andere machen schließlich Kurzfilme und ich gebe am Ende sieben GIFs ab. Ich hatte bis zu meinem Kolloquium Angst, dass das in die Hose geht.

Aber Du hast mit dem Projekt erfolgreich bestanden?

Ja, die Angst war unbegründet. Alle fanden es gut. Nach dem Kolloquium habe ich es direkt auf Tumblr gestellt und es ging viral. Dann war ich auf einmal der Cinemagraf, der lieber analog fotografieren wollte. Ich weiß nicht genau, was ich mir damals dabei gedacht habe. Ich habe es als abgeschlossenes Projekt verstanden.

Ich wollte auch nicht in diese Cinemagrafie-Schiene hinein und habe meine Bilder bewusst animierte Fotografie genannt. Mir hat man natürlich alles, was in dem Bereich neu aufkam, sofort geschickt: „Hast Du das gesehen? Schau, der macht, was Du machst. Warum machst Du nicht nochmal sowas?“

Jedoch war das alles nicht so, wie ich es mir vorgestellt hatte. Das war alles werbelastig, sehr offensiv, laut und effekthascherisch. Es haben sich sehr viele Menschen in dieser Technik ausprobiert, aber selten wurde die Technik dazu verwendet, die Aussage des Bildes zu unterstützen, die ich ja so forciert hatte. Deshalb habe ich mich dann dazu entschlossen, ein Nachfolgeprojekt zu machen: Den zweiten Teil meiner Serie mit den „Adult Nightmares“.

Deine Serie fiel also genau in die Zeit, als die Cinemagrafien entstanden?

Ja, das war 2012. Die Serie ist einfach für das Internet gemacht. Und als ich sie auf meine Webseite stellte, kam sie so gut an, dass meine Seite über Nacht down ging. Es war die Verbindung von Technik und Thema zur richtigen Zeit. Es gab dann auch schon die ersten Apps, die sich damit beschäftigten. Ich habe das einmal ausprobiert, weil man das von mir auch irgendwie erwartet hat.

Mittlerweile ist es sogar schon soweit, dass es Cinemagrafie als Kategorie für Stockfotos gibt. Ein Amerikaner hat das angefangen und wollte meine Serie kaufen. Aber für kein Geld der Welt würde ich meine Serie als Stock verkaufen. Ich bin nicht sicher, ob er wusste, was er da von mir verlangt.

In Deutschland hatte zu der Zeit ich die geringste Aufmerksamkeit für das Projekt bekommen. Ich weiß nicht, woran es lag, aber im Ausland waren die Leute viel offener dafür. In Amerika gab es zu der Zeit ja auch Jamie Beck und Kevin Burg mit ihren Cinemagrafien, die sich ja auch den Namen direkt gegeben haben. Erfunden haben sie das jedoch auch nicht, es gab schon auf diversen Blogs ähnliche Dinge. Oft Filmstils, die geloopt wurden.

Ich habe auf Deiner Tumblr-Seite auch einige richtige Wackel-Gifs entdeckt.

Was solche Bewegungen angeht, mache ich generell sehr gern Experimente. Zum Beispiel habe ich noch eine Stereoskopie-Serie. Das sind diese Wackel-Gifs, durch die ein dreidimensionaler Eindruck entsteht. Auf Tumblr zeige ich viele nicht abgeschlossene Projekte.

Diese Stereoskopiesachen machen mir wirklich viel Spaß, auch weil man es einfach mal nebenbei machen kann. Es hat etwas von Schnappschussfotografie, auch wenn ein paar meiner Sachen da durchaus ein Konzept haben. Vieles ist jedoch klassische Streetfotografie. Diesen Bonus des dreidimensionalen Raumes finde ich unglaublich spannend.

Nachdem ich die animierten Fotografien gemacht habe, kamen diese GIFs gar nicht gut an. Ich habe diese Sachen auch mal an ein bis zwei Festivals geschickt, aber da heißt es dann immer: Wir nehmen lieber das andere Projekt.

© Marcel Meyer

Eine junge Frau vor Bilderrahmen

Wenn Du die Serie ausstellst, wie genau machst Du das? Bewegte Bilder an die Wand zu hängen, stelle ich mir schwierig vor.

Als ich die ersten Anfragen für Ausstellungen und Präsentationen bekommen hatte, dachte ich zunächst auch nicht, dass das geht, weil diese Serie für das Internet gedacht war. Ich habe mich natürlich trotzdem über das Interesse gefreut und es bald als Herausforderung gesehen.

Wie kann ich das, was jeder für sich allein vor seinem Rechner konsumiert in einen Raum schaffen, so dass man mit der Serie interagiert? Die Idee war, so zu tun, als handelt es sich dabei um ganz normale Fotografien.

Die Bilder haben auch ein relativ ungewöhnliches Seitenverhältnis, angelehnt an analoge Fotografien. Da die erste Serie, die „Childhood Nightmares“, mein Bachelorprojekt war, gab es dazu auch eine große Theoriearbeit, sowie analoge Fotografien.

Bei der ersten Ausstellung habe ich die analogen Bilder und die digitalen bewegten Bilder miteinander verbunden. Am Ende sah es aus wie die Fotoerinnerungswand meiner Oma. Es hingen 20 Bilder in verschiedenen Rahmen an der Wand. Hinter manchen Rahmen versteckte sich jedoch ein iPad.

Bilder an einer Wand.

Bilder an einer Wand

Das iPad hatte die beste Auflösung und man kann die Helligkeit so weit herunterfahren, dass es nicht mehr wirkt, als würde es leuchten. Ein Freund, der Schreiner ist, half mir noch, die passenden Rahmen zu bauen, die das iPad komplett verdecken, so dass die Bilder auf den ersten Blick wirklich wie ganz normale Fotos wirkten.

Das war für mich der Optimalfall einer Ausstellung. Leute, die sich keine Zeit genommen haben und einfach schnell vorbei gelaufen sind, haben stellenweise die Bewegung gar nicht wahrgenommen, weil diese in den Bildern ja auch oft sehr subtil sind.

Der Effekt ist ja nie sehr aufdringlich, sondern eher unterschwellig. Wenn dann doch jemand etwas entdeckt hat, haben sich Menschentrauben vor den Bildern entwickelt. Das war sehr spannend. So präsentiert funktioniert die Serie optimal. Leider ist das auch sehr aufwändig.

Und man braucht eine Menge iPads.

Ja, aber da es mein Bachelorprojekt war, hat mir ein Applestore zum Glück Leihgaben zur Verfügung gestellt.

Ein Junge sieht ins Licht.

Die letzte Ausstellung in Paris war zum Festival Les Nuits Photographiques. Dieses Festival widmet sich dem Thema „Fotografie und Bewegung“. Dennoch war das, was ich mache, dort etwas Besonderes.

Dort haben wir die Bilder so präsentiert, dass sieben Monitore an der Wand hingen und jeder Monitor zeigte nur ein Bild. Da gab es keine Chance, den Effekt zu verstecken. Es war ein großer, ruhiger Raum und man konnte nach und nach die Bilder ansehen, die ja auch eine gewisse Reihenfolge haben und einen Übergang von der ersten zur zweiten Serie.

Das Schlimmste, was passieren kann, ist eine Art Diashow. Die Leute denken oft, es wäre eine gute Idee, die Bilder eine Minute laufen zu lassen. Dann merken sie, dass eine Minute ohne Ton irgendwie auch nicht was Wahre ist und kürzen es auf 20 Sekunden und spielen die Bilder alle nacheinander ab. Und wenn ich dann Pech habe, kommen die Bilder eingebettet zwischen 20 anderen Projekten. So wirkt es einfach nicht und langweilt vielleicht sogar.

Kannst Du vielleicht noch einmal auf eines der Bilder eingehen?

Das zweite Bild der „Adult Nightmares“ ist ein alter Steinbruch. Ich habe diesen Ort genutzt, weil ich mich als Kind dort verklettert hatte und gerettet werden musste. Ich bin einfach den Berg hochgeklettert und irgendwann habe ich gemerkt, es geht nicht mehr weiter, aber es geht auch nicht mehr zurück.

Es wäre wahrscheinlich nicht schlimm gewesen, wenn ich einfach hinuntergerutscht wäre, vielleicht hätte es ein aufgeschlages Knie bedeutet. Ich habe halt gerufen, bis meine Familie mich gerettet hat. Also eine Rettungsaktion ganz ohne Feuerwehr.

Hier mag ich auch den Ausschnitt sehr gern, denn man hat diese alte Feuerstelle, den Müllberg, den rollenden Stein und rechts unten ist auch eine Hand.

Ja, die bewegt sich etwas gruselig.

Ja, das ist so ein kleines Detail in der unteren rechten Ecke, wohin man eigentlich immer zuletzt schaut und was daher oft übersehen wird. Sie wurde auf meinen Ausstellungen nur von wenigen entdeckt.

Wenn ich mir vorstelle, wie das Bild entstanden ist, stelle ich mir vor: Du standest hinter der Kamera, Dein Bruder stand im Schlafanzug dort am Rand, dann steht jemand auf dem Berg und schmeißt einen Stein hinunter und dann lag noch einer in dem Schrotthaufen und hat die Hand bewegt.

Genau so wäre der theoretische Teil davon und so wäre es sicher am einfachsten gewesen. In der Realität sah das ein bisschen anders aus. Ich stand hinter der Kamera und habe das Bild eingerichtet und laufen lassen, dann habe ich meinen Bruder eingerichtet, bin dann den Berg hoch gelaufen und habe die Steine losgetreten, bin dann wieder runter gekommen und habe mich in den Dreck gelegt und die Hand gespielt. Und zum Schluss habe ich die Kamera wieder ausgemacht.

Es war wirklich alles auf ein Minimum reduziert. Für den ersten Teil gibt es auch ein kleines Making-of. Da sieht man schon, dass es sehr filmisch gelaufen ist und ich ein Team dabei hatte. Beim zweiten Teil waren wir wirklich nur zu zweit und das war’s. Das hat sehr viel Spaß gemacht, aber ich hatte leider nur sehr wenig Zeit für die Umsetzung. Ich habe die komplette zweite Serie an nur zwei Tagen gedreht, das war schon anstrengend.

Der eigentliche Stress bei der zweiten Serie war die Nachbearbeitung, weil sie etwas komplexer war als in der ersten Serie. Dort hatte ich ja zum Beispiel die Schaukel, die recht einfach zu loopen war. Bei der zweiten Serie habe ich jedoch darauf geachtet, das nicht nur eine, sondern bis zu drei oder sogar vier Bewegungen in die Bilder integriert wurden und dass die Abstände der Loops etwas länger sind. Das macht es leider auch recht sperrig für das Internet, weil es so große Datenmengen sind.

Ich habe das große Glück, dass ich mit meinen zwei besten Freunden nach dem Studium das Kreativ-Studio „finally.“ gegründet habe und die beiden mir bei der Animation sehr geholfen haben, weil das ehrlich gesagt auch nicht mein Spezialgebiet war. Und jetzt haben wir unglaublich viele Ideen, um weiter zu machen. Aber da ist wieder die fehlende Zeit für freie Projekte, denn das Kreativ-Studio läuft zum Glück sehr gut.

Für die Vorstellungsseite unseres Studios haben wir auch Cinemagrafien von uns gemacht als eine etwas ungewöhnliche Art, uns vorzustellen.

Wie bearbeitet Ihr die Bilder?

Wir machen das mit After Effects. Man könnte es auch mit Photoshop machen, aber da ist es um einiges umständlicher. Die meisten Loops sind so zwei bis drei Sekunden lang. Bei der zweiten Serie gibt es sogar ein Bild, bei dem es einen 30-sekündigen Loop gibt. Das sind schon starke Herausforderungen.

Wird es noch einen Teil drei der Serie geben?

Ich will die Idee nicht überstrapazieren und meinen Vater würde ich wohl auch nie dazu bekommen, aber mein Opa wiederum wäre glaube ich dabei. Ich will nicht, dass es plump wird, aber auf der anderen Seite sind es einfach schöne kleine Fluchten weg vom Alltag.

Ich bin sehr naturverbunden und habe viel Spaß daran, draußen zu sein. Und wenn ich dann noch mit der Familie Zeit verbringe, die ich sonst nicht so oft sehe, dann ist das noch viel besser.

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7 Kommentare

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  1. Ängste – in der Tat ein sehr diffiziles Bildthema, da sie so persönlich sind und von anderen Menschen oft nicht nachempfunden werden können.
    So erstaunt es mich nicht, dass mich einige Bilder spontan und ganz unmittelbar erreichen, bei anderen bleibe ich relativ kühl und gelassen, interessant finde ich sie aber alle mal.

    Ein wenig werde ich an Werke von David Claerbout erinnert, den ich sehr mag.

    Und als Mainzerin freue ich mich natürlich, einen Artikel über Kunst aus meiner Stadt zu lesen 

  2. Der beste Artikel, mit den besten Bildern (kann man das noch so nennen?), sowohl in technischer als auch in gestalterischer Hinsicht , seit langen hier auf Kwerfeldein.