ein Mann und eine Frau gehen über ein Feld.
29. Mai 2015

Ein fernes Dorf in den Karpaten

Der Fotograf Jan Brykczynski sehnte sich als Stadtkind immer nach einem dörflichen Leben. In seinen fotografischen Arbeiten wird diese Sehnsucht sichtbar – er beschäftigt sich mit den ländlichen Regionen Europas. Mit seinem Buchprojekt „Boiko“ fand er jedoch, wonach er so lange suchte.

Bojken nennt man einen Stamm im Westen der ukrainischen Karpaten. Sie selbst nennen sich aber Verkhovynians (Highlander), Rusyns oder Galicians. Den (englischen) Begriff „Boiko“ hören sie nicht so gern. Die Grenzen ihres Terrritoriums kennen sie nicht. Woher sie kamen, was der Name bedeutet und wer sie sind, das sind Fragen, die sich viele Intellektuelle stellen, aber für sie selbst ist das nicht von Interesse, so der Fotograf.

Drei Jahre lang begleitete er mit seiner Kamera das Leben der Highlander im Dorf Karpatskie. Die Menschen dort leben isoliert und autark von der Außenwelt. Sie bestellen ihre Felder auf den steilen Berghängen und haben ihre eigenen Tiere. Ihre Existenz ist fest mit den Zyklen der Natur verbunden. Ihr Leben unterscheidet sich nicht wesentlich von denen ihrer Vorfahren.

Für Jan Brykczynski war die Arbeit eine Rückbesinnung, ein Erinnern an Kindertage, als die Alten ihm Geschichten erzählten. In den Karpaten fand er die Märchen seiner Vergangenheit lebendig werden und er möchte sie nicht verschwinden sehen.

Die europäische Kultur hat gemeinsame ländliche Wurzeln, aber sie werden für uns immer unzugänglicher und wir werden ihnen weniger bewusst. Wir bewegen uns nach und nach in die Städte und die Bereiche, in denen wir eine ländliche Welt in ihrer traditionellen Urform berühren, schrumpfen. Was wir wirklich erfahren, wird langsam davon ersetzt, wie wir denken, dass es aussieht; unsere Verbindung zur ländlichen Welt verschwindet nach und nach.

Eine Schneelandschaft und ein Hund darin.

Ein Pferd und ein Schlitten und Schnee.

Ein geöffnetes Buch und ein Mann auf der Strasse.

Eine alte Frau steht im Schnee in einem Dorf in den Karpaten.

Drei Männer und ein totes Schwein.

Ein Buch und ein Bild und ein Baum.

Totenwache am Bett einer alten Frau.

Menschen stehen vor einem Schlitten.

Ein geöffnetes Buch und ein Bild.

Ein Feld, Menschen und Stoffe.

Ein Mann mit einer Sense im Abendlicht.

Ein Mann auf einem Hochbett.

Abendlicht und Bäume.

„Boiko“ ist auch käuflich. Für 45 € kannst Du eines der Exemplare erwerben. Auf 550 Stück limitiert und mit 37 Fotos und Text versehen, tauchst Du in eine fast vergessene Welt ein, die nur ein paar Gedankenwege weiter auf uns wartet.

Informationen zum Buch

Gebundene Ausgabe: 46 Seiten, 37 Fotos
Verlag: Eigenverlag
Größe: 23 x 21 cm
Preis: 45 €
Sprache: Englisch

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14 Kommentare

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  1. wunderschön, jedes foto „sitzt“, jetzt würde mich nur noch interessieren, mit was für einer kamera er umherreist, ob es eine schwere vollformat ist oder was anderes…

  2. Ich finde, diesen Fotos mangelt es an Feingefühl. Sie machen eher einen vorführenden und indiskreten Eindruck. Sie haben so etwas von Völkerschau: „Hier, schaut her! So lebt das wilde, einfältige Karpaten-Volk!“ Das bringt mir das Leben dieser Menschen nicht näher sondern lässt sie mich eher bedauern.

    • sehe ich nicht so.
      Als ich in (ähnlichen) armen ländlichen Umgebungen unterwegs war hatte ich mich eher häufig gewundert, wie gerne sich die Leute fotografieren ließen. Natürlich „ballert“ man nicht einfach draus los; kurzer fragender Blick, Kopfnicken… immerhin war der Fotograf ja 3 Jahre dort unterwegs!
      Ich denke nicht, dass man sich hier „fremd schämen“ muss.

      • Es geht nicht drum, ob diese Menschen sich nicht freiwillig fotografieren lassen haben, was ich auch nicht glaube, oder nicht. Man sollte sich eher mal fragen ob man selbst zum Beispiel der Protagonist auf dem vorletzten Foto sein wollen würde. Im selben Ambiente, in der selben Haltung? Schon ein Foto im stehen hätte dem Mann etwas mehr Würde verliehen. Oder in einem anderen Raum. So sieht man nur einen Mann der in einem unordentlichen Raum auf einem Hochbett über einem Haufen Kartoffeln hockt. Wenn man nach drei Jahren Arbeit 37 Fotos für ein Fotobuch auswählt und dann solch ein Foto dazugehört ( oder das mit dem Toten Schwein) dann frage ich mich schon warum. Hatte er keine anderen oder wollte er nur was exotisches für den westlichen Zivilisationsmenschen zeigen. Tut mir leid, das hat in meinen Augen nichts dokumentatorisches oder künstlerisches. Das sieht mir zu sehr nach “ ich zeig euch mal so richtige Hinterwäldler“ aus.

    • Sehe ich nicht so. Ich empfinde die Menschen nicht als einfältig, und bedauern tue ich sie auch nicht. Für mich wirken die Bilder sehr authentisch. Tolle Serie !

  3. Ich mag die Bilder im grunde.

    Allerdings kann ich auch die Meinung von „der böse Frosch“ sehr gut verstehen.
    Es mag gut sein, dass man andere „würdevollere“ Bilder hätte machen und zeigen können. Ob die Einschätzung nun „stimmt“ oder nicht kann ich mit meiner mauen Erfahrung nicht sagen! Wichtig finde ich diese Art der Kritik zu lesen. Wenn auch nur für mich.

    Grüße Achilles

    • Ich gebe nur mal zu Bedenken, dass James Nachtweg ständig vorgeworfen wird seine Kriegsfotos seien zu ästhetisch (für die Grausamkeit die sie darstellen)…
      Auch wenn das Setting hier ein anderes ist, so befürchte ich muss ein Fotograf sich bei Inszenierung eben selbige vorwerfen lassen und bei Authentizität den Voyeurismusvorwurf ertragen.
      Just my 2 cents,

      Martin

      P.S.: Bis auf das Bild mit dem Schlitten hat mich jetzt auch keins dieser Serie vom Hocker gehauen (weder dokumentarisch, noch technisch, noch künstlerisch)

  4. Ich finde die Bilder großartig und die Welt, in der die Menschen leben, faszinierend. Ob ich dort leben wollte? Keine Ahnung. Ob man den Menschen auf seinem Bett fotografieren muss? Wenn das für dort typisch ist, auf jeden Fall. Denn wenn ich meine Maßstäbe darüber lege, irritiert mich das ganze nur. Das ist ja das schöne, etwas anderes sehen, das wo etwas anderes, neues, fremdes „normal“ ist. Danke dafür!

    Gruß
    Karlheinz