14. März 2015 Lesezeit: ~4 Minuten

Handwerker

Dean Bradshaw ist Werbefotograf und Regisseur aus Los Angeles. In seiner Fotoserie „Craftsmen“ portraitierte er verschiedene Handwerker bei ihrer Arbeit. Ich durfte ihm für kwerfeldein zu dem Projekt einige Fragen stellen.

Du arbeitest heute als Fotograf. War das auch dein Traumjob als Kind?

Als ich jünger war, wollte ich mit Wildtieren arbeiten. Ich studierte Zoologie und verbrachte einige Jahre in den abgelegenen Gebieten des australischen Outback, mit allen Arten von Tieren, aber spezialisiert auf Schlangen und Eidechsen. Ich verbrachte viel Zeit mit Zeichnen und meine erste Berührung mit der Fotografie war, als ich die Tierwelt dort dokumentierte. Es wurde schnell zur Sucht. Mir wurde klar, dass ich gern Fotograf wäre.

Der Zimmermann

Zimmermann bei der Arbeit

Werkzeug auf einem Holztisch

Zimmermann bei der Arbeit

Zimmermann bei der Arbeit

Wie kamst du auf die Idee, Handwerker zu portraitieren?

Fotografie ist für mich ein Weg, mich mit Themen, die mich interessieren, näher auseinanderzusetzen, und dieses Projekt war genau das – Ein Thema, das mich schon eine Weile faszinierte und das ich erkunden wollte. Sowohl konzeptionell als auch visuell. Ich bin von der Handwerkskunst und dem Lebensstil der Menschen, die mit ihren Händen etwas schaffen, inspiriert.

Ein Großteil meiner Arbeit ist von Charakteren bestimmt, und die Handwerker verkörpern dieses Element authentischer Persönlichkeiten, das einzigartig ist und gefeiert werden sollte, vor allem im Westen, wo dieses „Kleingewerbe“ angesichts der Massenproduktion immer weniger wird.

Vermisst du das Handwerk in der digitalen Fotografie?

Ich denke, da ist Handwerk in der digitalen Fotografie, wenn auch eine andere Art. Wo jetzt Bilder oft im Stapel mit einer Reihe von Klicks auf dem Computer verarbeitet werden, ist das Verfahren in der Dunkelkammer früher viel greifbarer, schwieriger und zeitaufwendiger gewesen. Ich denke, dass ein gewisser Mangel an Erfüllung mit dem digitalen Prozess mich zu diesen Leuten zog, die alles direkt mit ihren Händen schaffen. Seit dem Erstellen der Serie habe ich begonnen, mit Film und analogen Kameras zu arbeiten, als eine Möglichkeit, mit dem langsameren, greifbareren Prozess wieder anzuschließen.

Der Metallarbeiter

Metallarbeiter mit Schutzmaske und Anzug

Ein Metallarbeiter bei der Arbeit. Funken sprühen.

Portrait eines Metallarbeiters

Portrait eines Metallarbeites bei der Arbeit

Welche Technik hast du für die Serie genutzt?

Der fotografische Prozess war sehr an der dokumentarischen Fotografie orientiert, das filmische Licht kam jedoch durch meine Erfahrungen mit Videoproduktionen und kommerziellen Projekten. Ich habe mit einer sehr kleinen Crew gearbeitet, ein bis zwei Assistenten, und verfolgte jeden Handwerker während dessen Arbeit – mit nahezu keiner Anweisung von meiner Seite aus. Ich fotografierte nur, was gerade passierte.

Ich wollte eine dunkle, dramatische Stimmung unter Beibehaltung des vorhandenen Lichts auf diesen Bildern, um die Serie authentisch zu belassen. Deshalb arbeiteten wir mit Dauerlicht, wo es nötig war. Ich fotografierte mit einer digitalen DSLR, denn der schnelle Autofokus und die hohe ISO-Fähigkeit halfen in sehr schwach beleuchteten Räumen. Wir verwendeten Kino Flo und LED-Beleuchtung, um das vorhandene Licht zu verbessern, wo wir konnten, aber in einigen Fällen konnten wir auch ausschließlich das vorhandene Licht nutzen.

Hat sich deine Sicht auf Handwerker verändert?

Meine Sicht hat sich nicht viel geändert, aber nachdem ich Zeit mit einigen von ihnen verbrachte, habe ich eine noch größere Wertschätzung für die Zeit und Aufmerksamkeit, die sie in ihre Arbeit stecken, trotz eines Marktes, in dem Reingewinn und Verfügbarkeit zur bestimmenden Richtline für die meistern Hersteller geworden sind.

Der Maschinist

Ein Maschinist bei der Arbeit.

Hände voll von schwarzem Öl.

Ein Maschinist bei der Arbeit.

Werkzeuge.

Welche Projekte hast du als nächstes geplant?

Dieses Jahr werde ich meinen Fokus auf einige persönliche Projekte legen. Ich möchte meine Handwerkerserie mit anderen Berufen weiterführen. Ebenso ist meine Serie „Golden Years“, die ich letztes Jahr veröffentlichte, noch nicht fertig. Wir haben auch noch ein internationales Projekt, auf das ich mich sehr freue.

Vielen Dank für deine Antworten und viel Erfolg bei deinen weiteren Arbeiten.

Mehr von Deans Arbeit könnt Ihr auf Deans Homepage, Facebook oder Behance sehen.

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4 Kommentare

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  1. Ich möchte die Fotos als „stimmungsvoll“ bezeichnen, wenn nicht sogar mit einem romantisierenden und idealisierenden touch. Das Handwerk ist heute in vielen Gewerken sehr stark technisch unterstützt und auch keine Männerdomäne mehr. Trotzdem gibt es die Art von handwerklicher Arbeit, die Dean Bradshaw hier zeigt natürlich auch noch. Ich halte sie aber nicht mehr für typisch. Seinen Ansatz, den Blick auf mehr Wertschätzung für das Handwerk zu lenken, finde ich gut und wichtig.

  2. Ich finde die Fotos sehr gut, insbesondere die Lichtgestaltung sagt mir sehr zu. Noch bevor ich den Artikel gelesen habe, habe ich kurz die Fotos überflogen und bei einigen dachte ich direkt, dass sie aussehen wie Szenen aus einem Kinofilm. Beeindruckend.