19. November 2014 Lesezeit: ~3 Minuten

Rezension: The Black Series

Das Buch „The Black Series“ ist für mich ein persönliches Buch, nicht zuletzt, weil ich selbst darin abgebildet bin und die Fotografin Claudia Wycisk kenne. Es war für mich sehr spannend, die Serie von ihrer Entstehung bis hin zum fertigen Buch mitverfolgen zu können.

Ich habe großen Respekt vor Claudia, denn der Weg zu dem Buch in seiner jetzigen Form, war nicht leicht. Viel Leidenschaft und ein starker Wille stehen dahinter. Aber beginnen wir ganz von vorn. Denn da stand zunächst ein einzelnes Portrait von einer jungen Frau in antiken schwarzen Kleidern. Das Bild hatte etwas Faszinierendes, und das regte Claudia an mehr Frauen auf dieselbe Art und Weise zu fotografieren.

Fotobuch: The Black Series

Die Menschen von heute zeitlos werden zu lassen, war dabei das Ziel. In klassischen Portraits setzte sie nach und nach auch Männer, Kinder und Pärchen in Szene. Auch ich durfte mit meiner jüngsten Tochter vor Claudias Kamera stehen und fühlte mich in meinem alten Kleid trotz schwarzem Hintergrund und Studiolicht auf einmal in der Zeit zurückversetzt.

Ich denke das ist die Stärke des Projektes: Man kennt diese alten Bilder der Urgroßeltern und fühlt sich ihnen auf einmal sehr nah, auch wenn man sie persönlich nicht oder kaum kannte.

Fotobuch: The Black Series

Aber auch für alle, die nicht Teil des Projektes sind, ist das Buch sicher interessant, denn Claudia ist eine Schwarzweiß-Künstlerin. Jedes der über 100 Portraits ist perfekt arrangiert und eine Inspiration für jeden Portraitfotografen. Wenn man in die verschiedenen Gesichter blickt, kann man sich kaum vorstellen, wie diese Menschen wohl heute in Jeans und T-Shirt über den Markplatz laufen.

Das Buch ist als Hardcover mit 152 Seiten erschienen. Neben einem Vorwort, gibt es auch einen Bericht der Fotografin. Darin beschreibt sie sehr genau wie die Serie entstand und geht dabei sogar auf Details zur Kamera und Lichteinstellungen ein, was es meiner Meinung nach gar nicht gebraucht hätte und dem Ganzen vielleicht etwas den Zauber nimmt.

Fotobuch: The Black Series

In der Mitte des Buches findet sich eine kleine Kurzgeschichte der Jounalistin Mariana Friedrich. Claudias Bilder inspirierten sie zu diesem fiktiven Text. Zwischen den einzelnen Fotos finden sich auch kleine Zitate der Portraitierten, die erzählen, wie sie das Shooting empfanden und sich in den fertigen Aufnahmen sahen.

Das Buch sollte zunächst über eine Crowdfounding-Plattform vorfinanziert werden. Leider erreichte diese ihr Ziel nicht. Claudia ließ sich davon jedoch nicht einschüchtern und arbeitete weiter an ihrem Traum, die Serie, an der sie so lange gearbeitet hatte, endlich als Buch in Händen halten zu können. Im Eigenverlag ließ sie es in einer Edition von 300 Exemplaren drucken.

Fotobuch: The Black Series

Informationen zum Buch

„The Black Series“ von Claudia Wycisk
Sprache: deutsch
Einband: Gebunden
Seiten: 152
Maße: 23 x 23 cm
ISBN: 978-3-00-045443-1
Preis: 55 Euro
limitiert auf 300 Exemplare

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18 Kommentare

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  1. Ein großartiges Projekt und von den Bildern her schon einmal garantiert ein fantastisches Buch! Sollte nach den Weihnachtseinkäufen noch etwas Kohle übrig sein, wird zugeschlagen, das hätte ich schon gerne unter meinen Fotobüchern!! :)

  2. „Die Menschen von heute zeitlos werden zu lassen“ in dem man sie in antiken Kleidern fotografiert? Das Konzept müsste man vielleicht noch einmal ausführlicher erklären. Mich überzeugt es nicht. Die Bilder sind technisch sicher sehr gut umgesetzt.

      • Zeitlosigkeit hätte erreicht werden können, indem man die Mode verschiedener Jahrhunderte auf einem Bild gegenüberstellt. Allerdings, so oder so, käme man in Summe auf den Eindruck eines Kostümshootings – was es letzten Endes ja auch ist.

    • Gegenargument: Zeitlosigkeit kann man auch dadurch erreichen, indem man Menschen so einkleidet, dass nicht genau festzustellen ist, aus welcher Zeit die Einkleidung stammt. Oder kann mir jemand aufs Jahr genau sagen, aus welcher Zeit die Kleider stammen?

      • „Nicht aufs Jahr genau“ ist keine Voraussetzung von Zeitlosigkeit. „Zeitlos“ ist, was „nicht von einer Mode od. Zeit abhängig“ ist. Die Kleidung (oder Kostüme) dieser Serie sind schon einer Zeit zugeordnet (ca. 1850 bis 1920 – je nach Region).
        Das Argument: „Zeitlosigkeit kann man auch dadurch erreichen, indem man Menschen so einkleidet, dass nicht genau festzustellen ist, aus welcher Zeit die Einkleidung stammt.“ wäre vielleicht dann passend, wenn die Kleidung sich aus diversen Moden/Epochen zusammen setzen würde, was bei der im Buch vorgestellten Serie wohl nicht der Fall ist. Frau Kemnitz schreibt ja selbst: „Man kennt diese alten Bilder der Urgroßeltern und fühlt sich ihnen auf einmal sehr nah…“ – also „Zeitlosigkeit“ ist hier wohl nicht gegeben.

      • Ich kann das durchaus, so wie jeder halbwegs in Kostümgeschichte Bewanderte. Aber es spielt ja keine Rolle, ob ich etwas auf das Jahr genau datieren könnte, sondern eher, dass eben die spezielle Zeit nicht als unsere erscheint, und eben doch wieder klar als Ästhetizismus unserer Zeit photographiert wurde – ob beabsichtigt oder unbeabsichtigt. Jedenfalls ertappt man sich dabei, wie man entsprechende Ausstrahlungscharakteristika sucht und findet, welche man einer entsprechenden Epoche zuordnet, und diejenigen Bilder, bei denen sie nicht zu finden sind, empfindet man automatisch als kostümiert. Allerdings ist das nicht unbedingt ein Makel, jedoch sollte man eher sagen: was dieses Projekt erreichtt, ist weniger Zeitlosigkeit, als viel mehr Zeithaftigkeit. Was unter Umständen sogar sinnvoller ist.

    • Das stimmt. Die Fotografin hat jedoch ohne großen Verlag gearbeitet, was sich natürlich auch in den Kosten niedergeschlagen hat. Ich habe aber großes Vertrauen in die Qualität des Buches und glaube, dass sich das auch durchsetzen wird.

      • Zu Claudia Wycisks Arbeit, ja Menschengesichter sind zeitlos,
        Homo sum, humani nil a me alienum puto … (Ich bin ein Mensch, nichts Menschliches ist mir fremd).
        Zur Kritik am Buchpreis, künstlerische Arbeit darf auch etwas kosten, im Zeitalter des Alles umsonst wohl nicht immer verständlich …

      • Typisches Schwarz-Weiß-Denken, es ist furchtbar wie einem sofort unterstellt wird, man hätte kein Verständnis für den Wert künstlerischer Arbeit und wolle alles kostenlos erstehen. Das ist Mitnichten so, es würde mich stark wundern wenn der Herr Koch auch nur annähernd soviele Bildbände im Regal stehen hätte, wie meine Wenigkeit. Die Frage nach dem Preis bemisst sich an einem realistischen Maßstab irgendwo zwischen Hatje Cantz und Kleinheinrich unter Berücksichtigung der Fertigungskosten, welche ein entsprechender Bildband in dieser Auflagenhöhe sowohl im Digital- wie auch Offsetdruck entstehen lässt, und hinterfragt in Anbetracht der Büchersendungspauschale die überaus hohen Portokosten.

  3. Ich muss ehrlich sagen, dass ich die fotografische Umsetzung der Thematik sehr beeindruckend finde. Das Projekt ist ein seiner Gesamtheit einheitlich, abwechslungsreich und technisch nahezu perfekt ausgearbeitet (ohne dabei langweilig zu werden). Mir ist auf Anhieb kein_e Fotograf_in bekannt, der/die das Thema so tiefgehend bearbeitet und sich zu eigen gemacht hat – durch die inhaltliche Stringenz entsteht ein düsterer Stil, den ich bisher nicht in dieser Form gesehen habe . Mein Kompliment an Claudia Wycisk.

  4. Die Diskussion um die Frage der Zeitlosigkeit hat sich doch aus dem Text der Rezension entwickelt. Die gewählte Begrifflichkeiten und Interpretationen sind demnach der Rezensentin zuzuordnen, nicht der Fotografin. Die Bilder sehen technisch perfekt umgesetzt aus und sind sicher spannende Portraitaufnahmen. Das sollte doch gewürdigt werden! Ob man diese besondere Art der Inszenierung mag oder nicht, ist eben eine Frage des persönlichen Geschmacks. Ich finde die Idee und Umsetzung toll und der Preis entspricht den üblichen Fotobuchpreisen in diesem Segment!

    • Nein, das editorial design habe ich nicht alleine gemacht. Ich hatte genaue Vorstellungen wie das Buch werden sollte. Jedoch die Umsetzung in InDesign hat eine befreundete Grafikdesignerin für mich übernommen. Das Buch komplett in „Eigenregie“ zu machen war für mich leider nicht machbar. Es war so schon schwer genug … Aber jetzt ist es fertig und ich kann es in den Händen halten und Freunde der „The Black Series“ damit froh machen. Ich bin stolz wie Oskar! ;-)

  5. Blogartikel dazu: Here’s How Much Money Microsoft Lost Per Day On The Nook Deal | imGlobalNetwork