16. Oktober 2014 Lesezeit: ~5 Minuten

Aller Anfang ist schwer

Als ich meine ersten Schritte in die Welt der Kreativität machte, überwältigte mich die Unsicherheit. Ich hatte das Gefühl, ich würde alles falsch machen. Ich fühlte mich völlig verloren und weil ich keine großartigen Ideen hatte, fühlte ich mich fürchterlich klein und wie eine Versagerin.

Ich setzte mich ungeheuer unter Druck. Meine negative Einstellung nährte mich und ließ die Verunsicherung Entscheidungen für mich treffen. Wenn ich jetzt daran denke, verstehe ich mehr und mehr, dass es mein negativer Ansatz in Bezug auf die Situation war, in der ich mich befand, der mich so fühlen ließ.

Eine Frau sitzt auf einem Teppich in einem leeren Stuhlkreis.

Viele Menschen haben ein romatisches Bild von der Arbeit eines Künstlers, für den „Inspiration“ alles zu sein scheint. Das ist nichts als eine Idealisierung, die Realität ist ganz anders. Man lernt schnell, dass Worte wie „Organisation“, „Arbeit“ und „Disziplin“ viel nützlicher sind, um weiter zu kommen.

Schließlich fing ich an, organisierter und ernsthafter zu arbeiten. Doch ein entscheidender Moment war für mich, als ich mich eines Tages aus heiterem Himmel entschied, mich nie wieder hinter Ausreden zu verstecken wie „Ich habe keine gute Kamera“, „Ich kenne niemanden“, „Ich finde keinen Stylisten und kein Modell“ und am typischsten: „Ich habe keine Inspiration“.

Eine Frau läuft in ein Heckenlabyrinth.Eine Frau vor einer Höhle.

Nachdem ich beschlossen hatte, mich all der Ausreden zu entledigen, begann alles, etwas flüssiger zu laufen. Nach nur wenigen Monaten bemerkte ich, wie sich meine Arbeit positiv veränderte und ich sah ganz deutlich, dass alles nur eine Frage der Tatkraft und der Art, die Dinge anzugehen, ist.

Egal, in welche Richtung – geh weiter und folge dem Weg. Mit diesem Gedanken im Kopf habe ich mich seither Situationen gestellt, vor denen ich mich früher fürchtete, die mich schlichtweg einschüchterten.

Eine Frau sitzt im Vorgarten und bindet sich Rollschuhe zu.

Und lustig ist: Wenn ich zurück schaue, kann ich gar nicht glauben, dass diese Dinge mich damals verängstigten oder gar einschüchterten, denn jetzt finde ich sie absolut normal und stelle mich ihnen völlig unbeschwert.

Ich habe gelernt, dass man Neues ausprobieren muss, um weiterzukommen. Die Angst, etwas zu versuchen und daran zu scheitern, kann jeden lähmen. In diesen Gedanken konnte ich mich hineinsteigern. Damals war ich sicher, ich hätte kein Talent und ich konnte nicht aufhören, mich an Fotografen und Künstlern zu messen, die viel besser waren als ich.

Ich verstand nicht, dass diese Menschen, die ich so verehrte, ihre Karriere ja auch irgendwie begonnen haben mussten.

Eine Frau hinter einem Fenster.

Zu Beginn hatten auch sie Dinge getan, die sich von denen, die sie jetzt tun, stark unterschieden. Und sicher hatten ihre ersten Arbeiten nichts mit dem zu tun, was sie in Zukunft einmal erreichen würden. Ich bin sicher, es gibt alte Arbeiten, die sie jetzt in Verlegenheit bringen würden.

Aller Anfang mag schwer sein, aber ich glaube fest an den Erfolg. Hast Du erst einmal begonnen, ist der schwierige Teil vorbei und Du musst nur noch weiter gehen. Der Anfang ist schwer, weil er mit Selbstmisstrauen erfüllt ist und weil man über nichts Gewissheit haben kann.

Eine Frau an ein Geländer gelehnt.

Für gewöhnlich glaubt niemand wirklich an Dich, wenn Du eine künstlerische Karriere beginnst, keiner nimmt es ernst. Andere denken, dass es nur eine Phase ist und werden Dir empfehlen, es als Hobby zu behandeln.

Wie viele von uns müssen jene ungläubigen Gesichter hinnehmen, wenn sie den Leuten erzählen: „Ich bin Fotograf“? Doch das Schlimmste ist, dass wir uns damit am meisten selbst quälen, ohne es zu merken.

In meinem Fall klebte meine negative Einstellung förmlich an mir und ließ mich glauben, ich würde nie im Leben etwas erreichen können. Und das Schlimmste ist, dass sie mich auf den Gedanken brachte, ich würde bloß meine Zeit verschwenden.

Eine Frau mit Rollschuhen posiert auf der Straße.Eine Frau im Sommerkleid steht vor einem Haus mit Vorgarten.

Es ist nicht so, dass ich jetzt immer hundertprozentig sicher bin. Die Dinge laufen ganz und gar nicht immer perfekt. Nur habe ich jetzt eine wesentlich positivere Einstellung. Das macht die Dinge einfacher. Ich denke nicht mehr, dass ich meine Zeit verschwende. Nein, ich investiere sie in etwas, das ich liebe und mit Freude tue.

Alles, was ich tue, bringt mich in irgendeiner Weise weiter. Wohin, weiß ich manchmal auch nicht so genau. Und das ist absolut in Ordnung. Das gehört dazu. Und ich denke wirklich, dass es die Sache wert ist.

Eine Frau vor einem Heckenlabyrinth.

Sicher, es gibt auch immer noch schlechte Tage, an denen mich Zweifel überkommen. Deshalb bin ich sehr glücklich, dass ich diese Worte jetzt niederschreibe und sie in Zukunft wieder lesen kann, immer dann, wenn ich wieder Perspektive brauche.

Ich habe auch ein paar Tricks gegen Momente der Niedergeschlagenheit. Einer davon: Ich schaue mir meine alten Arbeiten an, um zu sehen, dass ich ja schon weit gekommen bin.

Meine Schlussfolgerung ist: Der Schlüssel zum Erfolg ist Selbstvertrauen. Egal, ob man nun Fotograf, Regisseur, Musiker oder Schriftsteller ist. Ich meine damit nicht absolute Gewissheit, sondern genug Glauben an sich selbst, um sich wirklich für das einzusetzen, was man tut und vor allem, Hoffnung zu haben für seine Projekte und Träume.

Dieser Artikel wurde für Euch von Robert Herrmann aus dem Englischen ins Deutsche übersetzt.

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14 Kommentare

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  1. „Ich verstand nicht, dass diese Menschen, die ich so verehrte, ihre Karriere ja auch irgendwie begonnen haben mussten.“ Spätestens das bringt einen zurück auf den Boden der Tatsachen. Sehr inspirierender Text. Und deinen Bildern sieht man die Denkumstellung an!

  2. Hallo Leute, sorry aber ist da nicht ein bischen Klischeehaft?
    „Maite ist Kaffee-Liebhaberin aus Barcelona, ​​lebt derzeit in Berlin und versucht, das Leben mit ihrer Kamera zu dokumentieren.“ Und dann der Text … Glauben, Hoffnung, Projekte, Zukunft, Perspektive, Träume … das klingt für mich nach ner Mischung aus „Brigitte“ und „Bravo“ mit einer Brise „Vogue“. Die Bilder sind auch gleich passend dazu. „Rotkäpchen“, „Lolita“ und „the beauty and the beast“.

    Wer dann aber mal auf ihre Webseite geht, merkt das Maite Pons doch deutlich mehr kann.
    http://maitepons.com/on-the-road finde ich sehr gut und auch unter
    http://maitepons.com/beauty gibt es weit bessere Fotos von ihr, das gleiche gilt für
    http://maitepons.com/portrait

    Nichts für ungut. Aber der Text mit den Bildern geht meiner Meinung nach irgendwie in die falsche Richtung.

  3. Mich würde es ja eher zu umfangreichem künstlerischen Selbstmisstrauen anregen, wenn ich feststelle, dass ich auf genau jener Welle herumreite, welche aus dem üblichen Übermaß völlig identischer Clone besteht. Aber im Sog der Substanzlosigkeit wird eben das tatsächliche, von jeglichem Beruhigungstee befreite Selbstmisstrauen eingetauscht gegen das selbstredend tragfähige Credo, dem so viele folgen: der Schlüssel zum Erfolg ist Fremdvertrauen.

  4. Schöner Artikel. Ich kenn das Gefühlt genau. Scheitern – oder das subjektive Gefühl zu scheitern – gehört einfach dazu und ist das normalste der Welt. Vor dem einen Erfolg steht das vielfache Scheitern. Das ist auch unabdingbar für die eigene Entwicklung und somit was positives. Durch scheitern lernt man und ändert seinen Weg und findest sich. Die Angst vor dem kreativen schwarzen Loch, das alles Inspiration schluckt ist allgegenwärtig. Ich hab einfach Vertrauen das es irgendwann weiter geht auch wen im moment mal gerade nix kreatives aus mir raussprudelt. Ich will das alles im Gefühl bleibt und ich nicht wie industriell und massengefertigt produziere. Irgendwann im Laufe des Weges kommt vielleicht noch das Gefühl dazu die Erwartungshaltung der Fans, des Galeristen, der Kunden, der Freunde erfüllen zu wollen oder müssen… „den einen“ Stil zu liefern, dauernd neues zu zeigen usw. Sich dem Druck zu entziehen und frei zu bleiben ist nicht immer leicht. :-)

    • Mal ganz allgemein: Vielleicht sollte man all diese reflektierenden Fragen „bin ich Künstler?“ , „stehe ich am Anfang einer Karriere?“, „bin ich kreativ etc…habe ich einen Stil…..eine Handschrift, wo verläuft der mainstream ( ich kanns echt nicht mehr hören) und wie halte ich mich von ihm fern…? “ nicht so sehr in den Vordergrund stellen, sondern ….arbeiten, spielen, austesten und wieder arbeiten, arbeiten, arbeiten….an dem was einen inhaltlich interessiert…selbstvergessen.
      Das web verleitet offensichtlich zu sehr dazu, nach ein paar Monaten der Beschäftigung mit diese Medium und mit einer handvoll Bildern in die Öffentlichkeit zu gehen. Immer finden sich ein paar beseelte Bewunderer und bedienen die Eitelkeit, die eh schon zu früh erwacht ist.
      Im Vergleich zur …sagen wir mal Bildhauerei, die gelegentlich monatelange Schwerstarbeit an nur einem Werkstück bedeuten kann, das dann auch noch – zumindest in den ersten Jahren- in die Hose gehen kann, ist die Fotographiererei ja doch für jedermann leichtestens zu haben. Ein wenig Geschick, ein paar mystifizierende Verbal-Kapriolen und schon ist man dabei… und glaubt es auch selber wenn ein paar mal „Danke fürs Teilen“ und „mich hats berührt“ auftaucht. Ich finde das alles auch irgendwie gefährlich, denn 95% müssen von der Wolke wieder runter.
      Oder sehe ich es zu negativ ?
      Es ist auch nicht auf die hier veröffentlichte Fotografin zugeschnitten…scheint irgendwie Zeitgeist zu sein.

      • Hallo Andreas,

        zum Thema Inspiration haben wir einen interessanten Artikel auf Kwer: http://kwerfeldein.de/2014/08/28/inspiration-oder-plagiat-ein-drahtseilakt/

        und zum Thema Zeitgeist kann ich Dir nur das Interview mit Rüdiger Beckmann ans Herz legen: http://kwerfeldein.de/2013/04/25/share-dich-zum-teufel-im-gesprach-mit-beckmann/

        Im Medium Fotografie ist gerade eine Menge los. Vieles verschiebt sich, verändert sich und findet sich neu. Eine spannende Zeit die man, wie du so schön schreibst, nicht unreflektiert lassen darf.

      • Hallo Marit,

        vielen Dank für die links. ich kenne die Artikel und finde sie auch prima, aber den Bezug zu (meinem) Thema erkenne ich irgendwie nicht. (?) Ich hatte mich ja nicht auf die Fotokunst, sondern auf diejenigen bezogen, die (mit Gewalt) Fotokünstler werden wollen.

        Grüße
        Andreas

      • Hallo Andreas,

        nun, du sprichst Selbstreflektion und fern des Webs und der Öffentlichkeit erstmal selbst seinen Weg finden, an. Beides findest du in den genannten Artkeln wieder und auch eine Kritik am ständigen teilen seiner Arbeiten bevor sie überhaupt fertig sind. Ich sehe da also sehr wohl einen Bezug zu deinen Fragen und Gedanken.

      • Nein ich denke nicht das Du das negativ siehst. Da ich mich auch mit Portraitskulpturen und Zeichnen beschäftige sehe ich das genauso. Fotografieren ist gerade ein Massenphänomen. Aber ich finde es kommt auf die innere Haltung an mit der man sie betreibt. Modellieren/Bildhauern und auch Zeichnen haben für mich einen ganz eigenen zeitvergessenen Rhythmus den ich sehr liebe, und erfordern ein anderes einlassen und (immer wieder) hinschauen – von den handwerklichen Fähigkeiten mal ganz abgesehen. Fotografie erscheint mir da auch wie „fast food“. Trotzdem würde ich das eine nicht gegen das Andere ausspielen wollen. Fotografie kann eine eigene Kunstform sein. Ob man sich selber als Künstler sieht oder nicht…. ich weiß nicht. Ich tu mich auch immer schwer mit dem Begriff, hinter dem ja auch viele Klischees und knallharte Vorgaben stecken können. Für mich ist das nix was von aussen aufgestülpt wird. Für mich ist das etwas tief in mir drin was mich antreibt mich in verschiedenen Formen ausdrücken zu müssen – und zwar unabhängig von Karriere und Klickzahlen. Es ist kein Etikett das ich mir anpappen würde, nur weil es cool ist. Was Kunst (oder nicht) ist entscheidet eh jeder für sich.

  5. @marit
    Du hast recht – ich habe nicht ruhig genug gelesen ( wie so oft)

    @carsten
    Sehe ich alles genauso – Ich mag nur Deinem letzten Satz nicht zustimmen. Ich bin sehr dagegen, dass am Ende immer alles „jedem selbst überlassen“ sein soll. Das zerstört zum einen die Kommunikationsfähigkeit in Sachen Kunst und andererseits möchte ich gerne erhalten, dass auch Kunst ein Fach ist, indem es Profis oder Fachleute gibt, die zu Urteilen fähig sind und deren Urteile auch Gewicht haben können und sollten. Das ist bei mir so soetwas wie ein Dauerthema, weil ich in vielen Bereichen zu sehen glaube, wie der Wert des fachmännischen Urteiles in der Öffentlichkeit gegen Null getrieben wird. Vielleicht ist das auch eine übertriebene Gegenbewegung zu einer vorherigen „Fachmanns-Gläubigkeit“. Zugegeben ein weites Feld aber in der Spruchweisheit liegt auch nicht die Kunst, sondern die Schönheit im Auge des Betrachters. Eigentlich ganz etwas anderes aber da fehlen mir auch die z.B. kant’schen Grundlagen -peinlich.
    OK liest jetzt sowieso fast keiner mehr. Vielleicht findet sich auf Kwerfeldein demnächst mal wieder Gelegenheit, darüber zu plaudern.
    Bis dahin..schönen Abend !