09. Mai 2014 Lesezeit: ~4 Minuten

Fünf Fototipps für Rucksackreisende

Seit rund drei Monaten reise ich mit dem Rucksack durch Chile und Argentinien. Mein Ziel, die Panamericana von Patagonien bis Alaska zu bezwingen, werde ich bei meinem aktuellen Tempo wohl kaum in einem Anlauf schaffen. Dafür habe ich schon einiges gelernt, was Kameras und Fotografie auf so einer Reise angeht. Das sind meine fünf wichtigsten Erkenntnisse und Tipps:

© Timo Nowack

1. Die digitale Spiegelreflexkamera gehört zuhause in den Schrank und nicht in den Reiserucksack.

Denn wenn Du Dein ganzes Gepäck jeden zweiten oder dritten Tag durch die Gegend schleppst, wirst du dieses Schwergewicht füher oder später loswerden wollen. Wenn Du mit Zelt, Essen und Ausrüstung tagelang durch Nationalparks wanderst, sowieso. Ich habe hier in Südamerika schon mehrere Leute getroffen, die ihre DSLR – genervt von Größe und Gewicht – mit Freunden oder Verwandten nach Hause geschickt haben.

Kleinere und leichterer Alternativen gibt es zu genüge. Und dass diese den „Großen“ etwa in Sachen Bildqualität nicht ganz das Wasser reichen können, ist zu verkraften. Denn machen wir uns nichts vor: National Geographic wird unsere Fotos eh nicht kaufen – egal mit welcher Kamera wir sie schießen.

© Timo Nowack

2. Mein Smartphone ist auf der Reise eine tolle Ergänzung zur Kamera, aber kein Ersatz.

Und das unabhängig von der Frage nach Bildqualität und fotografischen Möglichkeiten. Das große Manko ist für mich der Akku, auch wenn es Powerpacks und Solarzellen gibt. Denn ich surfe mit dem Telefon in Hostels viel im Internet, bewege mich mithilfe einer Kartendienst-App durch Städte, höre trotz meines MP3-Players gelegentlich Musik damit.

All das saugt Energie. Und als Reisender habe ich deutlich weniger Gelegenheiten als daheim, das Smartphone sicher abzulegen und aufzuladen. Daher mein Tipp: Überleg Dir gut, ob Du ganz auf eine reine Kamera verzichten willst. Für mich kommt es nicht in Frage.

© Timo Nowack

3. Es wird etwas schief und kaputt gehen – stell Dich darauf ein.

Kamera und Objektive können ins Meer fallen, verkratzen, geklaut werden – und dazu haben sie auf einer langen Reise viel mehr Gelegenheit als in einem Kurzurlaub oder daheim. Du kannst Dich vorbereiten, etwa indem Du statt einer großen Speicherkarte mehrere kleine verwendest. Oder indem Du Dich für eine unauffällige Tasche entscheidest und nicht für eine, die schon aus hundert Metern Entfernung als Kameratasche erkennbar ist.

Doch auch alle Vorsicht schützt vor Schaden nicht. Als ich bei den Aufräumarbeiten im Katastrophengebiet von Valparaiso geholfen und nebenbei fotografiert habe, habe ich mir zum Beispiel einen Kratzer auf meinem nicht wechselbaren Objektiv zugelegt. Wer schon bei dem Gedanken daran einen Nervenzusammenbruch erleidet, sollte eine Kamera mit auf die Reise nehmen – und bei Bedarf günstig kaufen – bei der notfalls auch ein Totalschaden okay ist.

© Timo Nowack

4. Finde eine Möglichkeit, mit Klischee-Motiven umzugehen.

Wenn Du vor dem Eiffelturm stehst, willst Du ihn womöglich fotografieren, weil das ein ganz geiles Ding ist. Auf der anderen Seite vielleicht auch nicht, weil es schon Millionen Fotos davon gibt, in allen möglichen Varianten. Und viele davon haben ein besseres Licht als das, mit dem Du gerade Vorlieb nehmen musst. Mir geht es oft so, ich bin hin- und hergerissen. Wenn Du also nicht nur langweilige Fließbandbilder von touristischen Highlights produzieren willst, lass Dir etwas einfallen.

Ich mache es mir gerade einfach: Ich habe in meiner Kamera eine Art Tilt-Shift-Modus mit sehr kleinem Schärfebereich und knalligen Farben entdeckt. Viele Leute finden die Bilder furchtbar, aber für mich werden ausgelutschte Motive dadurch wieder interessant. Du kannst auch wie in „Die fabelhafte Welt der Amelie“ einen Gartenzwerg vor die Sehenswürigkeiten stellen oder jedesmal lustige Japaner fotografieren, die das eigentliche Motiv ablichten. Sei kreativ.

© Timo Nowack

5. Mach auch mal Touri-Schnappschüsse und Selfies.

Alleine oder mit anderen. Lade sie bei Facebook, Flickr oder sonstwo hoch oder verschicke sie per Mail. Viele FotografInnen halten sich ja gern aus den Bildern heraus. Doch auf langen Reisen gilt: Ein Bild mit dem Partner oder der Partnerin im Arm vor dem Taj Mahal ist zwar irgendwie furchtbar, aber Deine Eltern werden sich freuen. Und Deine Freundinnen und Freunde auch, wenn Ihr Euch ein halbes Jahr lang nicht mehr gesehen habt. Und das ist doch eigentlich das Wichtigste.

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13 Kommentare

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  1. Ich würde Punkt 1 mit der DSLR nicht so sehen. Ich bin auch 9 Wochen durch Chile & Argentinien gereist, viel getrekkt, u.a. den kompletten Torres del Paine Trek und ich kann ehrlich gesagt nicht nachvollziehen, wieso die Leute mit diesen, sagen wir 1200 Gramm nicht fertig werden (gut, weil ich viel trekke, habe ich mich für die kleinere 600d entschieden). Klar, ich muss ja nicht unbedingt meine ganze Palette an Objektiven mit mir rumschleppen, aber die Fotos werden nunmal besser mit einer DSLR. Wer sich nicht ganz doof anstellt, schafft auch einen 9-Tages-Trek inklusive Essen tragen mit 13 / 14 Kilo, das ist ohne Probleme machbar, da würde ich nie (freiwillig) auf meine DSLR verzichten.
    Zustimmen muss ich Dir auf jeden Fall bei Punkt 3: Meine DSLR habe ich in der Antarktis dann leider versenkt – und einen Nervenzusammenbruch gekriegt. Ich meine hey, ein beschisseneres Timing gibt es ja wohl nicht! :D Gottseidank konnte ich jemandem eine alte Bridge abkaufen, wenigstens etwas. Die Bildqualität ist allerdings zum heulen…
    Seitdem weiß ich: Nie freiwillig auf die DSLR verzichten, aber immer eine Ersatzkamera im Gepäck haben. :)

    Viele Grüße
    /inka

  2. Richtig toller Artikel! Mir wurde damals in Ecuador auch erst Geldbeutel mit Speicherkarte drin und dann zwei Wochen später die Kamera geklaut, hach… gibt es eben keine Bilder vom Urlaub damals ;) Ich hoffe, dass ich das Ganze nächstes Mal klüger anstellen kann.

  3. Ein netter Artikel, der nachvollziehbar praktische Erfahrungen wiedergibt. Punkt 1 sehe ich ebenso, meinen Wechsel von der DSLR zur Systemkamera habe ich kürzlich vollzogen und bin von den neuen Möglichkeiten und dem Weniger an Einschränkungen begeistert, ganz besonders auf längeren Touren, aber auch im Alltag.
    Punkt 4 gilt meiner Meinung nach ja grundsätzlich fürs Fotografieren.

  4. „Wenn Du vor dem Eiffelturm stehst, willst Du ihn womöglich fotografieren, weil das ein ganz geiles Ding ist.“ –> Komme gerade vom „Alter“-Artikel und musste bei dem Satz schon sehr schmunzeln. Für alle, die das nicht verstehen, kann ich nur die Kommentare im besagten Artikel empfehlen ;-)

    Ansonsten ein sehr cooler Artikel, der mich wieder nach Down Under versetzt hat. Dort bin ich ohne Kompaktkamera und Smartphone gewesen, hatte dafür aber eine ziemlich schwere DSLR dabei. Im Nachhinein hätte ich mir ein Smartphone und/oder eine Kompaktkamera gewünscht. Das hätte schon vieles leichter (im wahrsten Sinn) gemacht. Aber ich denke, jeder macht da seine eigene Erfahrung. Nachher steht man mit dem Smartphone/der Kompaktkamera in der (sorry) geilsten Lichtsituation und man sehnt seine DSLR dabei. Oder man schleppt tagelang seine 2kg DSLR mit und schwitzt und ächzt unter deren Gewicht. Welche Entscheidung man dann für die nächste Reise trifft, ist die richtige. Bis zur übernächsten Reise ;-)

  5. Nehmt doch eine kleine leichte Systemkamera ohne Spiegel. Wiegt viel weniger und hat dieselbe Qualität wir eine DSLR. Schleppen war mal. Die leichtesten Systemkameras wiegen gerade einmal 500g

  6. Habe erst die Kommentare gelesen und war dann sehr gespannt auf den Text. Der brachte aber keine neuen Erkenntnisse. Und über die Aussagen zur DSLR kann man wirklich streiten.

  7. in Punkt 1 kann ich dir leider gar nicht zustimmen, denn meine Kamera muss überall mit, deshalb könnte ich auf sie bei so einer Tour auch nicht verzichten!!
    die anderen Tipps finde ich aber sehr hilfreich, werde ich mir merken :)
    liebe Grüße Sandi <3
    sunny-blossom-photography.blogspot.de

  8. Hehe coole und Witzige Idee, auch wenn ich einiges anders sehe.
    Meine D700 schleppe ich IMMER mit, die hat mehr Kilometer auf dem Buckel als mein Auto und an Nr. 5 Arbeite ich seit einigen Jahren. Hinterher muss ich immer anders beweisen, dass ich auch dort gewesen bin, und nicht nur meine Frau. :) Mit den Klischee Motiven bin ich leider nicht so kreativ, da fehlt es mir vor Ort dann einfach an Kreativität, aber manchmal hilfts einfach mit „nachmachen“. Zuletzt auf Ellis Island in New York so getan, dem Japaner einfach hinterher gelaufen und ähnliche Bilder zu schießen *g*

  9. Blogartikel dazu: Fotografie. Funde. (2) | arabesken

  10. Ich überlege vor jeder Reise, ob ich den Fotorucksack mit der DSLR, dem externen Blitz und diversen Objektiven daheim lasse. Auch wenn die Bilder nachher noch so toll sind, es nervt auf Dauer einfach gewaltig, jeden Tag alles mitzuschleppen. Meine Alternative wäre derzeit lediglich das iPhone. Wie du schon schreibst, ist der Akku recht schnell runter. Ein Ersatzakku bzw. mobile Ladestation ist daher unbedingt nötig.

    Da ich zu den sogenannten Groundhoppern gehöre und Reisen immer mit dem Besuch von Sportveranstaltungen verbinde, erweist sich die DSLR eh meistens als Handycap. In vielen Stadien oder Veranstaltungshallen ist das Mitbringen von technischen Geräten, außer dem Mobiltelefon, nicht erlaubt.

    Ehrlich gesagt fallen Fotos von Reisen eh in die Kategorie der persönlichen Erinnerungen. Es wird wohl eher selten jemand auf die Idee kommen, mein Bild kaufen zu wollen. Gerade die Sehenswürdigkeiten wurden schon öfters aus verschiedensten Perspektiven fotografiert.

  11. Blogartikel dazu: 12mal12 Mai - heldenwetter