25. September 2013 Lesezeit: ~6 Minuten

365 Tage später

Die meisten kennen wahrscheinlich das sogenannte „365-Tage-Projekt“.
Ein Jahr lang jeden Tag ein Foto machen. Jeden Tag! Man könnte auch sagen: Der Ironman unter den Fotografieprojekten.

Natürlich ist das je nach Anspruch an das tägliche Foto mehr oder weniger schwierig und aufwändig. Ich bewundere jedenfalls schon lange all die Leute, deren tägliche Fotos bei mir höchstens einmal pro Woche ins Zeit- und Kreativitätsmanagement passen würden. Ich bewundere sie aus einigem Abstand, mit ein wenig Neid und mit viel Respekt.

Immer wieder fällt mir auf, dass diejenigen, die es schaffen, das Projekt erfolgreich abzuschließen, beeindruckende Fortschritte gemacht haben. Sicher, in einem Jahr lernt man eben eine Menge, aber dieses Projekt scheint kleine Wunder zu bewirken. Wahrscheinlich ist das der Kontinuität und dem gewissen Schaffensdruck zu verdanken.

Da ich selbst keine Erfahrung habe, mich das Thema aber sehr interessiert, habe ich fünf junge Fotografen, die das Mammutprojekt gestemmt haben, nach ihren „365-Tage-Erlebnissen“ befragt.

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project © Eva Patikian

Siréliss

Ich habe mein 365-Tage-Projekt angefangen, nachdem ich immer wieder sah, wie andere Fotografen es schafften und wie ihnen von allen Seiten gratuliert wurde. Ich wollte mich verbessern und vielleicht auch ein paar Gratulationen einheimsen.

Dank dieses Projektes habe ich die Brenizer-Methode kennengelernt, viele neue Werkzeuge in Gimp entdeckt und viel über Komposition, Licht und Schatten gelernt. Aber das Allerwichtige ist, dass ich das Gefühl habe, meinen eigenen Stil gefunden zu haben.

Das Projekt ist hart. Das kann ich nicht bestreiten. An manchen Tagen ist man müde oder hat keine Idee. Man fühlt sich wie eine ausgedrückte Orange. Man ist gerade mit dem einen Bild fertig und muss schon nach einer Idee für den nächsten Tag suchen.

Trotzdem würde ich das Projekt sofort weiterempfehlen. Ich weiß, dass ich ohne es niemals so schnell so viel gelernt hätte. Kurz war ich erleichtert, als es vorbei war, aber jetzt vermisse ich es total und überlege, es noch einmal zu wagen. Ich kann es jedem, der es sich zeitlich zutraut und unter Druck gut arbeiten kann – oder genau das lernen möchte – nur empfehlen. Es ist wie tägliches Workout, nur eben für den eigenen Stil und die eigenen Ideen, statt für die Muskeln.

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Project © Gillian Woods

Gillian Woods

Ich habe mich entschlossen, das Projekt anzufangen, weil ich meine fotografischen Kenntnisse, vor allem im Bereich Portrait, verbessern wollte. Am Anfang war ich sehr enthusiastisch, daher war es gar nicht schwer, jeden Tag ein Foto zu machen und dann ging es einfach in eine tägliche Routine über.

Ich habe erst durch mein 365-Tage-Projekt die Grundlagen der Fotografie gelernt. Vorher hatte ich wenig Ahnung davon, wie ich meine Kamera effektiv einsetzen konnte, aber das änderte sich durch die tägliche Übung sehr schnell. Außerdem habe ich sehr viel darüber gelernt, was ich gerne fotografiere und was weniger und dass ich viel kreativer bin als gedacht.

An manchen Tagen habe ich sehr viel Aufwand in das Bild gesteckt, an anderen Tagen ging das nicht, aber die Unterstützung von anderen hat mir bis zum Schluss geholfen, nicht aufzugeben und jetzt bin ich sehr stolz, dass ich es geschafft habe, ein Jahr lang jeden Tag ein Foto zu machen.

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Project © Kyle Thompson

Kyle Thompson

Ich beschloss, ein 365-Tage-Projekt zu beginnen, weil ich mich unbedingt verbessern wollte. Ich fotografierte schon seit sechs Monaten, aber machte nur langsam Fortschritte. Ich würde sagen, durch dieses Projekt habe ich alles gelernt, was ich über Fotografie weiß. Allein dadurch, dass ich viel experimentierte und jeden Tag eine neue Idee ausprobierte.

Vor allem gegen Ende des Projektes wurde es aber auch immer schwerer, eine neue Idee zu entwickeln und Zeit für Fotos zu finden, während ich reiste, zur Schule ging und arbeitete.

Trotzdem kann ich es nur jedem empfehlen, der Einsteiger in der Fotografie ist. Die Fortschritte sind riesig und man hat danach schon ein großes Portfolio.

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Project © Grace Adams

Grace Adams

Ich begann das Projekte an einem wichtigen Wendepunkt in meinem Leben und brauchte einfach ein Ziel, auf das ich mich konzentrieren konnte. Es begann also eher als Ablenkung, aber wurde schnell zu einem wunderbaren Weg für mich, meine Emotionen auszudrücken.

Sicherlich war es nicht immer einfach, aber es war doch weit weniger schwer als erwartet. Nachdem es zur täglichen Routine wurde, freute ich mich sogar immer darauf.

Neben den fotografischen Fortschritten ist für mich im Nachhinein viel wichtiger, dass ich jeden Tag dieses wichtigen Jahres dokumentiert habe. Es ist toll, zurückzublicken und Tag für Tag nachvollziehen zu können, wie ich mich entwickelt habe. Nicht nur als Künstlerin, sondern auch als Mensch. Ich bin nicht mit jedem Foto zufrieden, aber jedes einzelne bedeutet mir persönlich sehr viel und das ist es, was für mich wirklich zählt.

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Project © Grant Heinlein

Grant Heinlein

Ich begann mein Projekt, weil ich sah, welche großartigen Bilder zum Beispiel Lauren Withrow and Alex Stoddard in ihrem 365-Tage-Projekt schossen. Außerdem mochte ich einfach die Herausforderung.

Für mich war das Tollste daran der Gedanke, etwas zu Ende zu bringen, was ich begonnen hatte und das Versprechen sich selbst gegenüber zu erfüllen. Es war definitiv nicht immer einfach. Vor allem, weil ich es zu 100% korrekt machen wollte. Also wirklich das jeweilige Foto am jeweiligen Tag.

Aber sobald man an Tag 200 oder so angekommen ist, gibt es einfach kein Zurück mehr. Es macht wahnsinnig Spaß, sich das erste Foto anzusehen und den Fortschritt zu erkennen. Man versucht sich ja mit jedem Bild zu verbessern und wenn das klappt, ist es einfach ein echt tolles Gefühl.

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Wahrscheinlich spielt der eine oder andere jetzt doch mit dem Gedanken, es auch einmal zu wagen. Für die, die wissen, dass es zeitlich nicht machbar ist, gibt es aber auch Alternativen wie das 52-Wochen-Projekt – also jede Woche ein Foto – oder einfach verkürzte Projekte wie zum Beispiel das 100-Tage-Projekt.

Und wer sich überhaupt keinem Schema unterwerfen möchte, hat immer noch die Möglichkeit, täglich über die Ergebnisse der Menschen zu staunen, deren Tage scheinbar mehr als 24 Stunden haben.

Die Statements der einzelnen Künstler wurden von Laura aus dem Englischen ins Deutsche übersetzt.

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50 Kommentare

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  1. Der Artikel inspiriert mich, gefällt mir und wäre eine echte Herausforderung für mich, werde ich das Durchhalten? Gewisse mir eigene Affinitäten glaube ich in meinen Bildern schon zu erkennen, dieses Projekt könnte mich darin bestätigen oder vielleicht ganz neue Dinge zeigen und offenbaren. Ich denke gerade ernsthaft darüber nach, einen Tag „X“ für den Beginn festzulegen.
    :-)

  2. Immer wieder stoße ich auf diese Idee wirklich mal die Kamera zum ständigen Begleiter zu machen…

    Wer meint es ist nicht möglich da einem die Ideen schnell ausgehen, muss es mal von der Seite sehen:

    Ich als Hobby Lichtfänger erwische mich jeden Tag mehrere male, wo ich kleine Dinge mit dem bloßem Auge versuche Geistig festzuhalten weil mich es einfach begeistert was ich gerade sehe und dann ärgere ich mich, dass die Kamera zu Hause liegt…

    Wobei das ja auch nicht so genau stimmt ;-) mein Smartphone gibts ja und wer sagt das geht damit nicht, sollte mal überlegen was einen guten Fotografen von der Masse abhebt…

    Ich werde auf jeden Fall es mal versuche an zugehen, 365 schlechte Bilder sind immerhin auch die Verwirklichung dieses Projektes ;-)

    • „Ich werde auf jeden Fall es mal versuche an zugehen, 365 schlechte Bilder sind immerhin auch die Verwirklichung dieses Projektes ;-)“

      Ich glaube von der Seite betrachtet fällt es leichter das Projekt umzusetzen als zu sagen: 365 Tage gute Bilder. Da ich gerade auf Projekt suche bin, wäre das zumindest eine erste Idee. Aber erstmal suche ich lieber weiter :)

      Trotzdem danke für den Satz, das hat was :)

  3. Puh, ja. Sehr schöner Artikel! Ich habe mich dieses Jahr immerhin auf ein 52-Wochen-Projekt (mit durchgängigem thematischem Hintergrund) eingelassen und selbst da kommt man gelegentlich an einen Punkt, an dem ‚das‘ Foto nicht dabei ist. Trotzdem ist so etwas eine sehr lohnende Erfahrung, das würde ich jederzeit unterstreichen. Auch ich bemerke bei mir Verdichtungen im Stil und eine beschleunigte Entwicklung, auch wenn ich schon vorher sozusagen ein ‚erfahrener‘ Fotoamateur war.

    Auf jeden Fall macht das Ganze Spaß und gibt einem hin und wieder einen sinnvollen Kick. In den Hintern ;-)

    PS: Meine 52-Wochen-Serie (in Progress) verbirgt sich hinter dem Klick auf meinen Namen…

  4. wirklich schöner artikel… ich habe das projekt auch schon hinter mir.. wollte es sogar nochmals versuchen.. aber keine chance.. ein zweites mal habe ich es einfach nicht durchgehalten ;) aber man ist danach wirklich stolz es geschafft zu haben!

  5. Die Aussagen offenbaren die Kraft und Intensität eines solchen Projektes, der eigene Horizont und die Art zu „sehen“ erweitern sich enorm, besonders auch dann, wenn man scheinbar eine Blockade erlebt, diese aber durch konsequentes Handeln beseitigt. Die Ergebnisse werden unterschiedlich ausfallen, teilweise unbefriedigend, manchmal wunderbar und von Euphorie begleitet. Wie das tägliche Leben, aber genau das macht wohl den Reiz dieses Themas aus. Unabhängig davon ist es für alle, die die Fotografie engagiert aber nicht als Beruf ausüben eine sehr wertvolle Erfahrung, sich täglich mit der Fotografie beschäftigen zu „müssen“. Einige 365 Serien habe ich im Auge behalten, die fotografische und in diesem Zusammenhang sicher auch die persönliche Entwicklung erscheinen sehr intensiv.

  6. Ich habe auch ein 52-Wochen-Projekt im Jahr 2012 gemacht, und selbst diese kurzen Projekte verhelfen unglaublich, sich zu verbessern und Ideen zu finden!
    Ich persönlich habe mir geschworen, nicht zu mogeln, denn ich kannte viele Fotografen, die das einfach gemacht hatten. Ich dagegen habe immer ein Bild geschossen, das meine Gefühlslage der Woche wiederspiegelt und ich muss sagen, dass das ein beinahe berauschendes Gefühl war, sich die Bilder am 1. Januar 2013 anzuschauen und zu jedem Bild die Geschichte wieder hoch zu holen!

    Ich kann mich noch erinnern, dass es besonders schwer war, weil meine Kamera im Sommer kaputt gegangen ist und für 2 Wochen in die Reparatur musste. Das war wohl die schlimmste Zeit in meinem fotografischen Abenteuer.

  7. Tolle Beispiele für diese Art von Projekt. Beeindruckend die Kreativität und das Engagement, welches aus den Bildern spricht.
    Es fällt auf, dass es vorwiegend junge Leute sind, die sich dieser Art von Fotoprojekt stellen – Zufall?
    Der Artikel ist inspirierend und macht Lust, selbst einmal so etwas zu wagen … .

  8. Wahnsinn, was ihr tolles auf die Beine stellt bei dem Druck. Gratulation!

    Ich habe mal versucht, einen Monat lang jeden Tag 5 Fotos zu machen. Das war total dämlich, weil 5 viel zu viel ist. Ich hab’s zwar durchgezogen und schöne Bilder sind schon dabei gewesen, aber nichts, was mich umhaut. Dieses Jahr mache ich bei einem Wettbewerb mit, bei dem man 3 Bilder pro Monat einreichen darf. Jeden Monat ein anderes Thema. Das schaffe ich gerade mal so.

    Für den Winter nehme ich mir jeden Monat ein Projekt vor, bei dem ein Bild rauskommen soll.

  9. Finde solche Projekte auch immer interessant. Die Kamera jeden Tag dabei zu haben finde ich super und kann ich mir auch vorstellen. Allerdings finde ich Selbstfotografien oft mühsam, weil man auch immer ein Stativ, Auslöser usw dabei haben muss. Ich glaube es ist dieser Part der mich davon abschreckt. Gibt’s da was dagegen? :-)

    • Ein 365-Tage-Projekt heißt ja nicht zwangsweise 365 Selbstportraits machen zu müssen, auch wenn ich diese Herausforderung besonders beeindruckend finde.

      Ich habe das Projekt selbst schon hinter mir, aber eben nicht mit einem vorgegebenen Thema oder Motiv. Ich habe einfach fotografiert, wozu ich gerade Lust hatte. Da war dann halt so gut wie alles dabei.

      Ich habe auch schon mit dem Gedanken gespielt, es ein zweites Mal zu wagen, evtl. mit Thema oder sonst irgendeiner (kleinen) Vorgabe. Schießlich dachte ich schon öfter mal, dass es irgendwie einfacher war, jeden Tag zu fotografieren, als nur ab und zu. Klingt für den ein oder anderen vlt. absurd, aber man baut es eben irgendwie in seinen Alltag ein, anstatt einfach nur zu sagen „ich könnt‘ ja mal wieder“. Man bleibt ohne wenn und aber dran und das hat mir einfach gefallen, auch wenn es Tage gab, an denen ich weder Lust noch eine Idee hatte. Irgendetwas ergibt sich dann trotzdem immer.

  10. Als ziemlicher Anfänger in Sachen Fotografie habe ich mir dieses Jahr auch direkt dieses Monsterprojekt aufgebürdet. Und ich habe es nicht bereut! Ich ging sogar soweit meine „Mittel“ auf mein iPhone zu reduzieren, ich fotografiere und editiere also nur mit dem Handy. Dies führt einen ziemlich schnell an Grenzen, es ermöglicht es aber auch, sich ganz auf das „sehen“ eines Motives zu konzentrieren. Und die Tatsache dass die Kamera immer dabei ist macht es für dieses Projekt ideal.
    Allerdings habe ich es leider nicht durchhalten können das jeweilige Foto auch an dem jeweiligen Tag zu machen, stolz bin ich aber trotzdem ;)
    Als Plattform habe ich Instagram gewählt, würde es aber wahrscheinlich nicht wieder tun, daher sind die Fotos ab einem gewissen Punkt auch auf Flickr verfügbar: http://flickr.com/photos/laubraupe/

  11. Hey ihr alle,
    Ich habe da mal eine Frage zum 365-Tage-Projekt: Geht es darum, jeden Tag wirklich nur ein einziges Bild aufzunehmen, also auch nur ein einziges Mal den Auslöser der Kamera zu betätigen, oder ist das Projekt so gedacht, dass an einem Tag mehrere Bilder gemacht werden und man sich dann am Ende des Tages für ein Bild entscheidet?
    Klar, letztlich kann jeder für sich selbst die genauen Regeln für dieses Projekt festlegen, aber mich interessiert, wie es ursprünglich gedacht ist bzw. auf welche der beiden Arten ihr dieses Projekt angehen würdet oder bereits angegangen seid und was für euch jeweils dafür bzw. dagegen sprechen würde.

  12. Es selber letztes Jahr probiert, nachdem ich schon ein 52 Wochen Projekt geschafft habe in der der Vergangenheit.
    Aber bei ca. 335 war Schluss, da ich es nicht mehr zeitlich hingekriegt habe. Ich muss schon sagen, es ist sehr anstrengend, vor allem am Anfang. Da man erstmal „panisch“ nach Motiven sucht. Doch irgendwann funktioniert es einfach. Man schafft es irgendwie, wenn es die Zeit erlaubt.
    Darüber hinaus merkt man nach 3 Wochen zum Beispiel erstmal die Schulter schmerzen (da man die Kamera fast den ganzen Tag mit hat), was aber dann wieder verfliegt.

    Aber gegen Ende fühlt man sich einfach ausgebrannt und ist dann froh, wenn das Ende näher kommt. Leider waren es nur noch wenige Tage/Wochen, aber bedingt durch Job war es einfach schwer im Dezember noch gute Motive zu finden (wenn man den ganzen Tag im Büro ist und ein Liebhaber des natürlichen Lichtes ist)

    Ich habe einen hohen Respekt vor Leuten, die es 365 Tage aushalten und darüber hinaus qualitativ bleiben. Und ich muss sagen, eines der schönsten Projekte fehlt hier:

    ng.kelven’s von 2011, glaube ich. Da sieht man einen richtigen Qualitätssprung in den 365 Tagen.

  13. Ein wirklich schöner Artikel! Ich überlege mir (wie bestimmt viele anderen auch) ernsthaft mich an dieses Projekt zu wagen. Ich fotografier lang nicht so gut wie die vorgestellten Leute die das durchgezogen haben, aber ich denke das ist eher ein Projekt für einen selbst, da ist es völlig egal wie die Bilder aussehen :))
    Lg,
    Therese

  14. Ich finde solch ein Projekt hoch spannend ! habe selber schon überlegt es mal zu machen.
    Mir würde interessieren, gibt es allgemeine Regel?
    -Muss das Foto auch am gleichen Tag bearbeitet werden?
    – Wirklich nur ein Foto, oder darf man eine Serie machen und das beste Foto nehmen?
    -Sind alle Themenbereiche erlaubt, sehe häufig Selbstportrait etc.?
    -usw.

    • Ich glaube du kannst hier nicht ernsthaft nach Regeln fragen? Wie viele bilder du am Tag von dir machst ist doch wirklich egal, solange du eines veröffentlichst. Ob du es am gleichen Tag bearbeiten musst? Kommt drauf an ob du es auch am gleichen Tag veröffentlichen möchtest würde ich sagen.
      Feuer frei!

  15. Ein sehr schöner Artikel. Und nun an alle, die sagen: Puh, das würde ich nicht durchhalten…
    Es geht gut. Ich bin keiner, der alles dauerhaft durchhält, aber auch ich habe es geschafft. Ich habe ein Jahr lang jeden Tag fotografiert und ich habe – wie fast alle anderen in diesem Artikel – sehr viel Erfahrungen gemacht. Ich habe mich in diesem Jahr so intensiv mit dem Thema Fotografie auseinander gesetzt, dass ich auf jeden Fall dazu gelernt habe.

    Noch was, es ist schwieriger sich zur Kreativität zu motivieren, wenn man nur manchmal kreativ wird, als den tägliche Kreativitätsschub heraus zu Kitzeln. Mittlerweile habe ich immer eine Kamera dabei und fotografiere seit ca. Einem Monat wieder täglich. Der Unterschied ist, dass ich nicht mehr täglich ein Bild zeige. Das liegt aber hauptsächlich daran, dass ich mittlerweile hauptsächlich analog fotografiere und da der tägliche Foto-zeig-Modus schwierig ist.

    Wer mit dem Gedanken spielt, sollte unfachmännisch mal beginnen (die 50-Tages-Herausorderung) wäre der erste Schritt, der auch verlängert werden kann, zu 100 Tagen, einm halben Jahr oder dann letztendlich zu einem Jahr.

    Ich Drücke allen, de es versuchen wollen die Daumen. Macht es einfach, denn es ist eine sehr geile Erfahung.

    Viele Grüße Jürgen

  16. Freut mich sehr, dass so viele darüber nachdenken es zu wagen und sich ein wenig angeschubst fühlen : )

    @ Yara und Mathias G.:

    Ich habe nicht recherchiert, ob es festgelegte Regeln gibt, aber nach allem was ich weiß, geht es in erster Linie darum jeden Tag (also im Zeitraum von 24 Stunden) ein Bild zu schaffen. Vom Drücken des Auslösers über das eventuelle Bearbeiten bis zum fertigen Bild. (Klar bei analogen 365ern geht das nicht).
    Soweit ich weiß, darf man aber jeden Tag so oft den Auslöser drücken wie man will.
    Eine Einschränkung der Themengebiete gibt es nicht, da bin ich mir sicher : )

    Aber wie Yara schon gesagt hat, kann jeder seine Regeln natürlich selbst bestimmen. Die Herausforderung liegt dann darin, sie ein Jahr lang nicht zu brechen.

  17. Toller inspirierender Artikel! Ich finde des spannend, dass die Bilder von den Künstlern, die du vorstellst so eine hohe Qualität haben, obwohl sie nur so wenig Zeit dafür zur Verfügung hatten! Die Kreativität wird durch solche Projekte wunderbar gefördert.

  18. Auch wenn ich mit dieser Meinung wohl eher alleine dastehe, ich habe überhaupt keinen Respekt vor diesen „Projekten“. Ich habe das eine zeitlang auf Flickr beobachtet, dann aber so gut wie alle 365er genervt von meiner Freundesliste gelöscht, weil mir die Bilder einfach zu beliebig waren. Bei vielen fand ich erkennbar, dass es eigentlich nur um Aufmerksamkeit und Lobhudeleien ging. Die Bilder waren teilweise den Archiven entnommen (hat man zB immer gut gemerkt, wenn jemand auf Reisen war und dann Wochen später ein Urlaubsfoto als Tagesfoto präsentierte), und nie bzw bei extrem wenigen Teilnehmern habe ich zu einem Bild mal einen Kommentar oder eine Erläuterung gelesen, ein paar Worte in irgendeiner Form, an denen ich erkennen kann, dass sich hier jemand Gedanken gemacht und nicht einfach nur auf den Auslöser geklickt hat.

    Wo ist da der Sinn? Jeden Tag ein Foto zu schießen ist nun wirklich nichts Anspruchsvolles, ein fotografisches „Projekt“ lebt meiner Meinung nach davon, dass eine wirkliche Idee und die Auseinandersetzung damit vorangegangen ist.

  19. Schön, dass in der schnelllebigen Zeit das Thema immer noch aktuell ist.
    Schon fast „altmodisch“ oder einfach klassisch.
    Ob einmal am Tag, oder einmal im Monat.
    Für ein Jahr oder 100 Tage.
    Zeit als Thema. Seit ein paar Jahren mache ich „Eine Sekunde Zeit“.
    Fotos mit einer Belichtungszeit von 1 Sekunde.
    Gibt es auch als Video, als App.
    „1 Second Everyday“

    PS: Das „Analog-Projekt“ von Samuel gefällt mir außerordentlich gut

  20. Auf Google+ lief 2012 ein entsprechendes Projekt an dem ca. 300 Menschen weltweit teilgenommen haben.

    Die Regeln waren, an jedem Tag ein Foto oder ein Bild / Kunstwerk anzufertigen und es dann bei Gelegenheit zu veröffentlichen (an einem Urlaub ohne Internetzugang wäre ja sonst auch das Projekt zum Scheitern verurteilt gewesen). Ich habe also zwischen 0 und 800 Fotos am Tag aufgenommen, bei den Tagen ohne Aufnahme hatte ich mehrere Fotos derart zu einem Bild verarbeitet, dass es ein neues Werk war. Bei den Urlaubsfotos war das fertige Endprodukt klar, aber mangels Möglichkeit der Bearbeitung konnte ich dies zunächst im Urlaub nicht umsetzen.

    Im Vorfeld zum Projekt hatte ich mir Gedanken um einen roten Faden gemacht, zum Glück hatte ich mir keinen auferlegt, es wäre nichts geworden, denn so sind mir erst im Oktober die Ideen ausgegangen. Ich denke aber auch, dass der eigene Anspruch roter Faden genug ist. So hatte ich auf jeden Fall genug Spielraum, Neues und Entdeckungen für mich umzusetzen und war durch ein wie auch immer geartetes Korsett nicht eingeschnürt.

    Ich habe einiges gelernt, was ich so ohne den Druck des tagtäglichen Fotos nicht oder nicht so schnell entdeckt hätte, denn mein Anspruch verbat mir Wiederholungen. So kam es auch, dass ich während der täglichen Aufnahme nicht alle spontanen Ideen sofort umsetzte, wenn DAS FOTO des Tages schon im Kasten war, sondern ich hob mir die Idee für den nächsten Tag auf, gleiches galt für die Bildbearbeitung, wenn ich mit einem Ergebnis schon zu frieden war.

    Da ich neben 300 Menschen mit dem Projekt zu tun hatte, war Lob an sich nicht relevant, sondern nur das Foto war das Maß der Dinge.

    Und ich würde nicht mittendrin irgendwann anfangen, sondern den ersten Januar als Startpunkt setzen oder zumindest den ersten eines Monats, so ist ein auch für andere geschlossener Rahmen vorhanden und das Ende für einen selbst greifbarer, als z.B. der 28. September 2014.

    Eins möchte ich noch kurz vorm Schluss sagen, ich war und bin immer noch ziemlich ausgelaugt, so dass 2013 ein mageres Fotojahr wird, ich möchte die Erfahrungen aber nicht missen, werde es aber nicht wieder tun.

    Und am Schluss noch ein Satz des Kaisers : Geht’s raus auf den Platz und spielt.

    So einfach ist es manchmal …

    • Sicher gibt es einen schöneren Rahmen, wenn man zum Anfang eines Monats anfängt, aber ich glaube sogar, dass es oft besser ist, einfach anzufangen, wenn einem der Sinn danach steht, auch wenn es dann mitten im Monat ist. Sonst schiebt man es doch nur vor sich her und denkt wahrscheinlich auch noch viel zu viel darüber nach, sodass man es doch lässt.
      Mein 365-Tage-Projekt habe ich am 29. Mai 2012 gestartet. Sicher hätte ich bis zum 1. Juni warten können, aber ich hatte mir halt gesagt, ich fange an, sobald ich alle alten Fotos soweit aufgearbeitet habe. Daraus ergab sich dann der 29. Mai und durch die Nummerierung der Fotos gibt man der Sache doch schon seinen Rahmen.

  21. Auch ich habe vor etwas mehr als 50 Tagen ein 365 Tagesprojekt gestartet. Mein Ziel ist es, jeden Tag von einem anderen Menschen ein Portrait zu machen. Das Projekt soll mir dazu dienen, die Scheu Fremde zu fragen zu überwinden und ich möchte lernen, mit wenigen Bildern ein schönes Portrait zu machen. Das ist gar nicht so einfach. Besonders nicht, wenn ich jemand Bekanntes wie einen Bundesrat vor der Kamera habe – dann zittern mir nämlich die Hände. Sich jeden Tag zu überwinden und die Kamera immer dabei zu haben sind zudem Faktoren, die ich etwas unterschätzt habe. Aber ich arbeite daran und hoffe, mich weiter zu verbessern!
    http://pascaleamez.ch/365-tage-365-portraits

  22. Oh ja 365 Tage Projekte sind schon wahnsinnig toll. ich habe auch einige spannende Projekte gesehen und mein Respekt davor ist, wie bei dir, riesengroß. Ich weiß nicht, ob ich irgendwann mal für so ein Projekt bereit bin. Reizen würde es mich definitiv, derzeit fehlen mir nur die Ideen solch ein Projekt umzusetzen. Denn so einfach so jeden Tag ein Bild zu machen, joa das ist schön und gut, aber das reizt mich nicht so, es sollte schon ein Thema dahinter stecken :)

    Aber vielleicht findet sich ja eine Idee :)

    Schöne Grüße

  23. Meine Schwester hat sich dieses Projekt ab Anfang 2014 vorgenommen. Und ich möchte es eigentlich auch gerne probieren. Doch mir fallen kaum Ideen ein. Für mich wäre es wahrscheinlich auch eine Chance, mein Durchsetzungsvermögen zu steigern was auch für die Schule nur von Vorteil sein kann.

  24. Blogartikel dazu: smarte 365 Tage | Shootingqueens

  25. Blogartikel dazu: 365 Tage – 365 Fotos – 365 Eindrücke – 365 Gedanken – 365 Emotionen – 365 Motive – 365 Lernerfahrungen | abstracta cultura

  26. Hallo zusammen.
    Ich habe dieses Weihnachten mal wieder ein Printerzeugnis von Magritte geschenkt bekommen und habe mich deswegen endlich mal gewagt meinen fotografischen Traum zu realisieren.

    Ich möchte innerhalb der nächsten 363 Tage ein „Endfoto“ machen können, dass meinen Ansprüchen im Vgl. zu Magrittes Malereien genügt. Auf dem Weg dahin soll ja so ein 365 Tage Foto Projekt helfen, mit dem ich vor zwei Tagen gestartet habe: http://siehe.link/5i

    An dieser Stelle würde ich gern alle Leser und vor allem die Interviewten fragen, wo sie sich Inspirationen, Zuspruch oder neuen Mut holen durchzustehen??

  27. Januar 2015. Meine ersten 23 Portraits sind gemacht. Es fehlen also noch 362. Der Ansporn etwas so großes zu stemmen ist enorm. Der Druck steigt mit jedem Bild und durch die permanente Veröffentlichung der Fotos wäre das Scheitern für jeden offensichtlich. Aufgeben kommt also nicht in Frage. Jeden Tag ein Portrait. Außer RAW-Entwicklung keine Nachbearbeitung. Licht verstehen lernen. Ich bin jetzt schon auf meine Bilder im Dezember gespannt.

    facebook.com/chr.besserer