23. August 2013 Lesezeit: ~4 Minuten

Augenschmaus: Linseneintopf

Eintöpfe sind was für den Winter, so sagt man und das weiß, na klar, ein jedes Kind; mir ist das aber aus mehreren Gründen egal. Erstens machen sie satt, zweitens muss man nicht die ganze Zeit neben dem warmen Herd stehenbleiben und drittens find ich so ein schlonziges Gemüsegemenge einfach mal geil lecker.

Und weil mir heut frischer Liebstöckel geschenkt wurde, soll’s ihm zu Ehren und ohne großes Einkaufen Linseneintopf geben und zwar mit roten Linsen, denn die sind schnell durch und wirken nicht so schwer.

Schließlich stammt Liebstöckel seinem Namen zum Trotz aus Persien und westfälisch schwermütige braune Linsen heben wir uns für Wintertage auf. Mit Preiselbeeren, nicht nur für die Süße, sondern auch für die Farbe, und komplementärem Erbsengrün.

Wir brauchen also für 4 Portionen:

Zutaten

1/2 Pfund rote Linsen
2 Handvoll Erbsen
2 Zwiebeln
einige festkochende Kartoffeln, geschält und grob gewürfelt
ein Bund frischer Liebstöckel
1 EL Koriandersamen
1 TL Kreuzkümmelsamen
2 Gewürznelken
Preiselbeeren
Apfelessig
Salz, Pfeffer, Zucker
etwas Sonnenblumenöl

Das meiste davon sollte meist vorrätig oder auf dem Heimweg schnell zu organisieren sein.

Zubereitung

Gewürzt wird auf einfachste indische Art. Koriander- und Kreuzkümmelsamen in einer Pfanne ohne Fett einige Minuten lang sanft rösten und wer mag, gibt eine getrocknete Chili mit dazu. In der letzten Minute die Nelken mitrösten. Während die Gewürze abkühlen, die Zwiebeln würfeln und dann die Hälfte davon mit einer Tasse Wasser und den Gewürzen per Stabmixer oder Zerkleinerer zu einer Paste verarbeiten.

Diese Paste wird nun im Topf in heißes Öl gegeben und 5 Minuten unter gelegentlichem Rühren erhitzt. Dann schon einmal 1,5 Liter Wasser kochen und die restlichen Zwiebeln zur Paste geben, nochmal 5 Minuten anschwitzen, die Linsen dazugeben und kurz darauf mit kochendem Wasser aufgießen. Liebstöckel dazugeben – wenn’s keinen frischen gibt, muss ein EL getrockneter reichen – und ein gestrichener EL gute Gemüsebrühe schadet jetzt auch nicht, aber pssst, das darf nicht jeder wissen. Wenn jemand fragt, muss ich sagen, das war Deine Idee.

Während die Linsen einkochen, koche ich die Kartoffeln 10 Minuten lang in Salzwasser vor und gieße sie dann ab. Der Eintopf kocht auf mittlerer Hitze zugedeckt etwa eine halbe Stunde lang (mehr schadet auf keinen Fall) und die Kartoffeln kommen 5 bis 10 Minuten vor Schluss dazu, damit sie erkennbar und bissfest bleiben und dem Ganzen Struktur geben. Ebenso die Erbsen – tiefgekühlte bieten sich an, die müssen nur kurz miterhitzt werden, getrocknete müssten von Anfang an mitkochen. Falls es zu dick wird, kochendes Wasser nachgießen.

Erst zum Schluss mit Salz abschmecken und auch den Pfeffer auf keinen Fall lange mitkochen. Wenn der Topf von der Flamme ist, einen TL Zucker verrühren, nicht übertreiben, die Preiselbeeren bringen auch welchen mit.

Zu den angerichteten Schüsseln wird natürlich Essig gereicht und wer keinen EL Essig in seinen Linsen möchte, bekommt statt Linsen Toast mit Ketchup. Brot dazu geht natürlich auch. Ein Klecks Preiselbeeren zum Eintopf, fertig.

Linseneintopf © Marcel Pommer

Fotorezept

Das Foto war noch einfacher als die Würzpaste. Indirektes Tageslicht von links oben auf der Loggia, 50mm, f/4 und ein gestrenger Bildaufbau. Und wenn Liebstöckel manchmal auch „Maggikraut“ genannt wird: Das Dunkle in der Schüssel war ein Schuss Tamari, das schmeckt mir ganz gut, muss aber nicht. Man könnte sie aber kurz mit dem Zucker aufkochen und zum Schluss darüberträufeln. Vielleicht beim nächsten Mal.

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4 Kommentare

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  1. „Diese Paste wird nun im Topf in heißes Öl gegeben und 5 Minuten unter gelegentlichem Rühren erhitzt.“
    Wenn ich mir vorstelle, dass ich da etwa 1 EL Öl nehme, die Paste drunter rühre… und das ganze 5 min erhitzen!? Ist das nicht ein büschen lang? Das brennt doch an? – Ok, also nur heiß, nicht anbrennen… und dann alles mit Wasser abschrecken. Ist das so korrekt?

    • Stimmt, „bei mittlerer Hitze“ hätts heissen müssen. Es darf auch genug Wasser beim Pürieren benutzt werden. Aber darum gehts halt auch und vor allem beim Kochen: ausprobieren, aufmerksam hineinschauen und -riechen.