09. Mai 2012 Lesezeit: ~ 3 Minuten

Bilder und Geschichten: Rüdiger Beckmann

Ich freue mich, dass wir auch Rüdiger Beckmann für unsere kleine und lose Serie „Bilder und Geschichten“ gewinnen konnten. Schon einmal gab er uns einen Einblick in sein Denken, sein Schaffen und das, was ihn antreibt.

Seit 1998 ist er ernsthaft fotografisch tätig und sein Buch „Beyond Vanity – Jenseits von Eitelkeit“ hat den einen oder anderen Fotografen nachhaltig beeinflusst. Heute jedoch lässt er uns hinter ein Bild blicken, dessen Geschichte wir so niemals erahnt hätten.

Das ist eine lustige Idee mit den Geschichten hinter den Bildern, Marit. Wenn auch normalerweise am wichtigsten ist, was auf einem Bild drauf ist, war es in diesem Fall genau anders herum.

Das Bild zeigt meine erste Muse. Wir waren sehr lange Kommilitonen, über ein Jahrzehnt lang hatte sich eine sehr enge fotografische Zusammenarbeit entwickelt.

Nach dem Studium nahm sie sich eine Auszeit und ging ein halbes Jahr ins Ruhrgebiet, um sich über den weiteren Lebensweg klarzuwerden. Sie bekam von einem Bekannten die Möglichkeit, seine Wohnung zu nutzen, weil er nicht da war. Ich wollte sie dort immer besuchen, um diese Station auch fotografisch festzuhalten. Und ich war sehr gespannt, als es tatsächlich noch an einem der letzten Wochenenden passte.

Als ich die Wohnung betrat, bekam ich einen kleinen Schreck. In meiner gewohnten fotografischen Umgebung ist sicherlich nicht immer alles perfekt, aber hier wartete wirklich eine Herausforderung, denn alle Wände waren kanariengelb gestrichen. Der Mensch war wohl Autofan, denn jede Wand zierten diagonal (crazy) angebrachte Farbposter. Ferrari Testarossa, Lamborghini, nur das Beste, Schnellste, Bunteste.

Wir hatten im Studium viel Lars-von-Trier- und Arthaus-Kram gesehen und ich fand den Ansatz in der Dogma-Fotografie ganz schön, dass man für die Session eben das verwendet, was man vorfindet und nichts verändert. Es nützte nichts, wir mussten da durch. Also setzte ich mich an den IKEA-Schreibtisch, knipste die IKEA-Lampe an und wir machten Bilder.

Es dämmerte schon, da war nur sehr wenig Licht und ich nahm mir vor, den 400er-Film später auf ASA 1600 oder 3200 entwickeln zu lassen. Leider wurden die Filme im Reisegepäck durcheinandergewürfelt. Ich habe das Pushen dann einfach vergessen.

Eigentlich nur ein doofer Unfall. Aber Missgeschicke wie dieses haben, im Nachhinein betrachtet, sicherlich einen großen Einfluss auf meine Methode gehabt. Ich lege es zwar nicht bewusst darauf an, diese Unfälle zu erzeugen, aber ich freue mich immer, wenn sie passieren.

Und sie dürfen passieren, vor allem, wenn ich bedenke, was alles auf diesen Bildern hätte drauf sein können.

~

Ihr seht schon, wie unterschiedlich die Bilder sind, die uns die Fotografen raussuchen. Einem Bild sieht man eben oft nicht immer an, welche Geschichte sich dahinter verbirgt. Sie bleiben normalerweise das Geheimnis zwischen Fotograf und Mensch oder dem Objekt, das er abbildet. Aber hier haben wir einmal die Möglichkeit, mehr über das zu erfahren, was wir sehen.

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8 Kommentare

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    • hmm, ich bin fotografisch in einer umgebung aufgewachsen, die mir immer eingetrichtert hat, dass man seine technik und seine bilder bedingungslos beherrschen muss. die ernsthaften fotografen unterscheiden sich mit diesem argument gern von den knipsern.

      • die technik meiner exa oder rolleiflex kapier ich grad noch. von überschärften fotos versteh ich nix,und von ps erst recht nix.
        ich bin gerne knipser

  1. die besten bilder sind immer die zufalls bilder, weil man nicht damit gerechnet hat. aber man hat auch genug grund sich darüber zu ärgern, das man sie nicht so gewollt umgesetzt hatte.

    prinzipiell muss man alles beherrschen, sofern man geld damit verdient. denn dann kann ich nicht zu meinem kunden sagen: “der zufall hat mich im stich gelassen, darum gab es keine tollen fotos.” privat als hobby fotograf, ist es natürlich besser wenn man sein equipment beherrscht (kommt eh von alleine mit der zeit), aber niemand kann einem für die zufälle steinigen.

    so sehe ich das zumindest. ich mag den zufall auch gerne, aber in der regel sollten die bilder so gewollt sein. aber ich stroße auch immer wieder über den zufall und freue mich über diese fotos ebenso. gerade z.b. in der streetfotografie kann man sich die szene nicht aussuchen. man muss nur im richtigen moment abdrücken und da kann es glück sein aber auch können … im studio ist der zufall weitaus geringer als in der reportage … so ist es nunmal. niemand kann alles zu 100% kontrollieren, außer er will auf gewisse momente einfach verzichten.

  2. Zufallsbilder können glücklich machen aber auch sehr frustrierend sein. Ich bin mal einen Tag lang durch Köln gelaufen und habe absichtlich nur aus der Hüfte geknipst. Richtig froh war ich mit den Ergebnissen nicht.
    Henry

  3. Blogartikel dazu: Feierabendbier und gemütlicher Plausch mit Rüdiger Beckmann - ISO125.DE