19. April 2012 Lesezeit: ~3 Minuten

Der Teutoburger

Ich bin ein Stadtkind, in Berlin geboren und von der Stadt geprägt, daher dokumentieren die meisten meiner Fotos urbane Räume und das Leben auf den Straßen. Doch gerade die ständige Geräuschkulisse und der Trubel lassen mich immer wieder nach einem Gegensatz suchen. Was liegt da näher als der ‚einsame‘ Wald?

Ich bin gern im Wald, diese fast perfekte Stille im Winter oder das quirlige Zwitschern der Vögel in Frühling und Sommer bringen die menschliche Psyche zur Ruhe. Welch Glück, dass es mir meine Lebensumstände erlauben, des Öfteren im Teutoburger Wald zu sein.

Jeder, der schon einmal in diesen Genuss kam, kann besonders nachvollziehen, wie beeindruckend diese Umgebung ist. Die Geschichte, die Flora, die Fauna und seine Mittelgebirgslage machen einen einzigartigen Ort daraus. Der perfekte Platz, um abzuschalten.

Das Fotografieren im Wald ist, wenn man nicht gerade Nahaufnahmen von Pilzen machen will, eine diffizile Aufgabe. Fotomotive sind rar gesät, das passende Licht beinahe Glückssache.

Wettervorhersagen sind zwar eine schöne Sache und wie bei vielen anderen Fotoprojekten wichtig, aber örtlich genaue Nebelvorhersagen gibt es nun mal nicht und prognostizierter Sonnenschein bedeutet noch lange nicht, dass im Wald das perfekte Fotolicht existiert. Bleibt also wie so oft der glückliche Zufall als treuer Begleiter des Fotografen.

Bei vielen meiner Fototouren durch den Wald bin ich bei einer Wetterlage losgefahren, bei dem nur wenige Naturfotografen vor die Tür treten würden: Dunstig (nicht neblig), mit Nieselregen, grauer Wolkendecke oder ähnlichem.

Aber oftmals war es dann im Teutoburger Wald (wohl auch seiner Mittelgebirgslage geschuldet) anders als vor der Haustür.

Die Fotos der Serie entstanden über einen Zeitraum von sechs Jahren. Viele meiner fotografischen Streifzüge durch den Teutoburger Wald endeten ohne jegliche Ergebnisse, aber auch diese Zeit kann man sinnvoll nutzen und sich die fotogenen Orte des Waldes einprägen.

Das Glück eines nebligen Tages hatte ich in den Jahren nur zweimal. Gut, wenn man dann weiß, wo die Stellen sind, an dem der Nebel seine fotografische Wirkung am besten zur Geltung bringt.

Am liebsten fotografiere ich im Wald, wie auch in der Stadt, mit Schwarzweiß-Filmen, die ich selbst entwickle und drucke. Je nach Licht und Wetterlage kommt dann eine unterschiedliche Ausrüstung zum Einsatz: Stativ, Drahtauslöser, Filme mit verschiedener Empfindlichkeit und diverse Filter.

Um einen Ort fotografisch zu erfassen, mache ich ein paar Aufnahmen mit einer Kleinbildkamera und sichte die Ergebnisse. Für die eigentlichen Fototouren benutze ich eine meiner Mittelformatkameras. Hier kommt die Tiefenschärfe, die im Wald meines Erachtens besonders wichtig ist, gut zur Geltung.

Die Serie „Der Teutoburger“ wird auf jeden Fall fortgeführt. Wenn man bedenkt, wie groß das Gebiet dieses Waldes ist und wie klein mein fotografischer Exkurs im Gegensatz dazu war, gibt es ausreichend Stoff für eine lange, sehr lange Serie.

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