28. November 2011 Lesezeit: ~5 Minuten

Im Gespräch mit Hannah Albrecht


Teil der Serie „Tenderness“

„Nicht die technischen Details und das sogenannte Perfekte interessieren mich an der Fotografie, sondern ganz allein die Möglichkeit, etwas zu „gebären“, etwas von sich selbst auszudrücken und, gepaart mit Erinnerungen, neu in die Welt zu bringen.“

Hannah Albrecht, 20 Jahre alt und aufgewachsen in der Nähe des Neckars, wohnt nun an der Saale. Vom Wunsch, die Fotografie zum Beruf zu machen abgekommen, studiert sie nun Kultur- und Medienpädagogik.

In diesem Jahr hatte sie ihre erste Ausstellung mit einer kleinen Serie. Davon ausgehend haben wir uns zu einem Gespräch getroffen um mehr darüber und sie selbst erfahren.

Für die Serie Tenderness hast Du analoge und digitale Technik benutzt. Kannst Du uns ein bisschen mehr darüber erzählen?

Die analoge Technik wirkt auf mich momentan tiefer, sie ist nicht kurzfristig und hat mehr Gewicht in ihrer Ausführung. Jedoch ist auch sie nur eine Möglichkeit von vielen etwas zu verbildlichen, was in mir selbst ist.

In der digitalen Technik und der digitalen Nachbearbeitung habe ich dazu noch die Möglichkeit, Stimmungen zu beeinflussen und herauszuarbeiten. Beides erschien mir für die Serie sinnvoll. Aber die Fotografie bleibt nur Mittel dabei.


Teil der Serie „Tenderness“

Du hast Dich mit zwei Mädchen für die Serie getroffen, die beiden waren Dir nicht unbekannt. Hattest Du ein festes Konzept oder Bild im Kopf?

Nein, ich hatte eine Ahnung oder nennen wir es: Ein Gefühl. Von diesem Gefühl ausgehend haben wir uns alle drei, also ich und die beiden Freundinnen, vorangetastet. Das Gefühl war jedoch nur abstrakt vorhanden. Ich habe versucht, dessen Magie und Zauber in mir zu bewahren und in den Bildern zu transportieren. Als Oberbegriffe galten „Zärtlichkeit“ und „Nähe“.

Die Bilder wirken sehr nah und intim. Aber ich könnte mir vorstellen, dass es auch andere Ansichten und Gefühle der Betrachter gibt als nur die Assoziation „Zärtlichkeit“. Wie gehst Du damit um, wenn die Bilder mehr transportieren als das, was Du aussagen wolltest?

Natürlich steht jedem seine eigene Interpretation frei. Das ist gut und ganz natürlich und nur so kann ein Dialog entstehen. Auch wenn ich dies nicht vorrangig intendierte, schwingt bei diesen Bildern natürlich eine jugendliche, vielleicht neugierige Sexualität mit. Für mich war aber dieses darüber hinausgehende, innige Gefühl von Zärtlichkeit wichtiger als plakative Nacktheit.

Waren in der Ausstellung auch noch andere Künstler vertreten?

Ja, die Ausstellung war auch nicht nur auf den Bereich Fotografie beschränkt. Es gab auch Grafiken und Malereien, alle dem Thema der „Nacktheit“ gewidmet. Ich habe Menschen getroffen, die davon leben, ihre Werke zu verkaufen. Für meinen Teil möchte ich mit der Fotografie nicht meinen Lebensunterhalt verdienen müssen.

Warum?

Jenes „dahinter“, das, was wir nur erahnen, fühlen und erdulden, ist größer als ein Geschäft. Bilder könnte ich nicht zwanghaft, unter Zeit- oder Erwartungsdruck hervorbringen. Der Begriff des Künstlers kommt mir zudem heutzutage so sang- und klanglos vor, fast wie ein Statussymbol, mit dem man sich schmückt.

Du hattest mal vor, Fotografie zu studieren und bist aus bereits genannten Gründen wieder davon abgekommen. Was bedeutet für Dich Fotografie heute?

In Anbetracht der Welt bin ich manchmal bang und sehnsüchtig, voller Ehrfurcht und Erfülltheit. Wenn es keine Worte gibt, um sich auszudrücken, gibt es andere Möglichkeiten. Die Fotografie ist eine davon.

Es fällt mir schwer, eine umfassende Antwort zu finden, aber ein Zitat von Gottfried Benn beschreibt vielleicht ganz gut was ich meine, ohne viele Worte zu verlieren: „[…] die Kunst war nichts anderes, als sich eine Methode zu schaffen, um die Erfahrungen des tiefen Menschen zur Sprache zu bringen, in ihr nur fand er Stillung und Laut.“

Welchen künstlerischen Ausdrucksmöglichkeiten, außer der Fotografie, gehst Du noch nach?

Manchmal entstehen Wortgeflechte, Aneinanderreihungen von Gedanken und Erinnerungen. Größtenteils geht es mir gerade aber so, dass der Ausdruck dem eigentlichen Eindruck nur selten gerecht werden kann. So hatte ich beispielsweise die letzten Male auf Reisen nur mich selbst dabei, keine Kamera. Habe alles betrachtet, geatmet und in mich aufgesogen.

Frei übersetzt hieße das, um sich künstlerisch auszdrücken, muss sich bei Dir erst wieder etwas aufladen, Eindrücke eingesogen werden bis Du das Gefühl hast, dass sie von selbst wieder hinauswollen?

Genau.

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2 Kommentare

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  1. Ha, ich habe gestern schon hier gesessen und wollte den Artikel kommentieren, habe aber immer alles gelöscht, weil in dem Interview eigentlich alles gesagt wurde und ich nicht immer nur „find ich auch“ drunterschreiben wollte. ;-)

    Deshalb nur noch: Wunderschöne, starke Bilder und ein sehr interessantes Interview!