12. August 2011 Lesezeit: ~3 Minuten

Sunday Morning Coming Down

Es vergeht kaum ein Freitag, an dem ich nicht TGIF (thank god it’s friday) in großen Buchstaben bei Facebook oder sonstwo poste. Wie wohl die meisten liebe ich das Wochenende. Zeit zum Entspannen. Zeit, sein Ding zu machen.

Doch zu einem Wochenende gehört logischerweise auch der Sonntag. Ich kann gar nicht beschreiben warum, aber ich mag Sonntage nicht. Besonders, wenn ich allein bin, der Sommer, wie seit Wochen auf sich warten lässt und irgendwie so eine stille Tristheit über der Stadt liegt. Mich lähmt diese Stimmung immer etwas.

Kriss Kristofferson hat darüber mal einen wunderbaren Song geschrieben, der dieses Gefühl ziemlich genau beschreibt.

On The Sunday Morning Sidewalk,
Wishing, Lord, That I Was Stoned.
‚Cos There’s Something In A Sunday,
Makes A Body Feel Alone.
And There’s Nothin‘ Short Of Dyin‘,
Half As Lonesome As The Sound,
On The Sleepin‘ City Sidewalks:
Sunday Mornin‘ Comin‘ Down.

Auch letzten Sonntag saß ich wieder bei mir zu Hause und fragte mich: Was machste denn jetzt? Die Hoffnung, dass es warm werden würde, hatte ich aufgegeben. Warm würde mir ja schon reichen, denn eigentlich könnte man ja im August damit rechnen, dass es heiß werden würde, sodass man entspannt am Rheinstrand liegen könnte, um ein wenig Urlaub zu spielen.

So war ich also schon zufrieden, dass es nicht regnete. Ich guckte bei Facebook vorbei und antwortete auf den Post eines befreundeten Fotografen „Wird mal wieder Zeit für eine Herausforderung“ mit „Fotografier‘ was anderes“.

Und da dachte ich mir: Genau, fotografier doch mal was anderes. Am Freitag vorher war ich abends im Belgischen Viertel unterwegs. Ein Viertel in Köln, in dem eigentlich immer viel los ist. Ein Viertel, in dem sich das Nachtleben teilweise mehr auf der Straße abspielt als in irgendwelchen Bars oder Clubs.

Nicht umsonst steht der Brüsseler Platz mittlerweile als abendlicher Tipp in Touristenführern. Ich dachte mir, da könnte man doch diesen Kontrast zwischen pulsierendem Stadtleben und betäubendem Sonntagsgefühl am besten erleben.

Ich lag richtig mit meiner Vermutung. Als ich so durch die Straßen schlenderte, sah ich die Reste, die das Partyfolk hier und da hatte rumliegen lassen. Die Besucher in den Cafés schauten ziemlich verkatert aus der Wäsche und irgendwie fing ich an, die Stimmung zu genießen.

Diese Ruhe, die mich sonst so betäubt, gab mir die Zeit, genauer hinzusehen und das eine oder andere Motiv zu entdecken, das ich sonst vielleicht übersehen hätte. Und da ich es immer schon interessant fand, im Häaalichen das Schöne zu entdecken, konzentrierte ich mich auf die „schön versifften“ Ecken. Am Ende war ich froh, dass ich mich aufgerafft hatte und aus meiner irgendwie doch negativen Grundstimmung etwas Positives zu ziehen.

Um das Ganze hier abzurunden, schließe ich mit einem weiteren Zitat von Kris Kristofferson:

If You Don’t Want To Join The Devil,
You Gotta Beat Him.
I Ain’t Saying I Beat The Devil,
But I Drank His Beer For Nothing
Und Dann Hab Ich Seine Fotos Geklaut… ;)

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6 Kommentare

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  1. Schöner Artikel, Holger!
    kenne das Gefühl der „einsamen“ Sonntage nur zu gut. Sehr schön erzählt. Kenne die Ecke in Köln zwar nicht (bzw. keine Ecke in Köln) finde trotzdem, dass du das ruhige „Sonntagsleben“ gut eingefangen hast. Quasi der Morgen danach ;)
    LG Kai