22. Februar 2011 Lesezeit: ~3 Minuten

Mit Bildern kommunizieren

Jeder kennt wohl Situationen, in denen man mit Gefühlen überfordert ist. Vielleicht weiß man nicht, wie man mit einer Sache klarkommen oder welche Reaktion man zeigen soll. Dann wäre es gut, in der Lage zu sein, die eigenen Gedanken und Gefühle zu reflektieren. Aber dafür müsste das Innere erst einmal nach außen gelangen.

Bei mir sind es die Bilder, welche als Ventil funktionieren. In ihnen verarbeite ich, was mich beschäftigt, bewegt und ich nicht in irgendeiner anderen Form mitteilen will oder kann.

Ich glaube, ein Mensch, der gerade voller Emotionen steckt, kann insbesondere im kreativen Bereich besonders gute Resultate erzielen. Das heißt nicht, dass man dafür schwerwiegende innere Konflikte benötigen würde, aber man braucht wohl eine gewisse innere Motivation, etwas, das anfängt im Kopf zu sein. Nur dann kann es ins Bildliche übertragen werden.

Dabei muss man nicht einmal unbedingt auf spezielle Gemütslagen warten. Es ist auch möglich, gezielt Stimmungen hervorzurufen oder diese zu verstärken, zum Beispiel durch Musik.

Wenn ich gefragt werde, wie ich fotografiere, mit welcher Kamera oder mit welchen Programmen ich die Bilder bearbeite, habe ich kein Problem damit, Auskünfte zu geben. Doch es erscheint mir persönlich ziemlich unwichtig.

Sicherlich sollte man gewisse technische Grundlagen beherrschen, jedoch geht es mir in erster Linie darum, mit Bildern verschiedenartige Emotionen zu kommunizieren. Wenn mich ein Bild in seinen Bann ziehen kann, steht für mich technische Perfektion hinten an.

Es wird wohl immer schwieriger, eine eigene Bildsprache zu entwickeln. Dies liegt mitunter auch daran, dass eine solide technische Ausstattung mittlerweile für fast jedermann zugänglich ist, und das Medium Internet es ermöglicht, diese daraus resultierende Masse an Bildern unüberschaubar vielen Menschen zeigen zu können.

Dass dann immer wiederkehrende Motive nicht selten langweilen, ist auch klar. Da wir aber alle in dieser Welt leben, sind Motive, die sich ab und an ähneln, naheliegend.

Gerade deshalb finde ich es schön, wenn man in seine Werke mehr Kreativität packt, um für mehr Individualität zu sorgen und im Gesamten betrachtet zu einer größeren Vielfalt beiträgt.

Wenn Bilder mich nicht überzeugen, liegt das oft daran, dass sie mich emotional nicht erreichen. Es scheint mir oft, als würde es kaum eine Rolle spielen, was, wie und von wem fotografiert und vielleicht bearbeitet wurde. Wenn irgendwann ein Bild wie ein anderes aussieht, habe ich den Eindruck, man könne die Komponenten Fotograf, Model, Kamera etc. fast austauschen.

Mein Anliegen ist es daher, Bilder zu schaffen, die speziell sind. Speziell meint zum einen, dass ich den Anspruch als Ziel verfolge, Bilder zu machen, von denen ein Betrachter eben nicht denkt, es gibt noch etliche weitere dieser Art. Zum anderen aber meint speziell natürlich auch, dass meine Bilder nicht jedem gefallen werden nur weil sie vielleicht mir gefallen.

So freut es mich bereits, wenn es überhaupt Menschen gibt, die mit meinen Bildern etwas anfangen können, in denen ich vielleicht Gefühle wecken, oder sie zum Nachdenken anregen kann.

Für mich ist also die Gefühlswelt eng mit der Fotografie verbunden. Wäre dem nicht so, würde es zumindest mich kaum reizen, Bilder zu machen.

Danke für eure Aufmerksamkeit.

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10 Kommentare

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  1. « Wenn mich ein Bild in seinen Bann ziehen kann, steht für mich technische Perfektion hinten an. »

    Einer der schönsten, wahrsten Sätze überhaupt und man merkt es Deinen Bildern an : Ist die Geschichte gut, wird der Rest so unglaublich nebensächlich :)

    H

  2. Sehr stimmungsvolle Bilder, das ist eins, was man der Fotografin nicht lassen kann.

    Aber was mir extrem negativ aufgefallen ist, ist die Figur einiger Models!
    Ich will und kann mir kein Urteil über das Leben der Models anmaßen, aber ich bin der Meinung, dass es hier zu weit geht!!

    Das ist ein Punkt, über den man sich ernsthaft Gedanken machen sollte!
    (Vielleicht auch ein kleiner hint an die Redaktion!)

    Ruben