20. Januar 2011 Lesezeit: ~4 Minuten

Dirk Wüst stellt ein Bild vor: “estrange d”


Vorgeschichte

Sylvester 2009 – bevor es auf einen geselligen Jahresausklang mit Freunden ging, hatte ich nach stundenlangem in der Bude hocken noch Lust einen Spaziergang durch die Nachbarschaft zu machen.  Das Wetter war lausig, Nieselregen, neblig und ca. +3° C. Hinzu kam auch noch eine gewisse Schwermut, der ich mich an Silvester zumindest zeitweise nicht entziehen kann. Eigentlich hatte ich gar nicht vor Aufnahmen zu machen und habe dann aber trotzdem für alle Fälle meine kleine Canon Ixus eingesteckt.

Das schlechte Wetter verstärkte meine gedrückte Stimmung noch und weil ich mich davon ablenken wollte, zückte ich die Kamera und knipste drauf los. Neben ein paar experimentellen Aufnahmen (u.a. panning) entstand dann auch das Ausgangsbild:

Bearbeitung

Rund 6 Wochen nach den Aufnahmen wollte ich ein paar Texturen ausprobieren, die ich gerade erworben hatte. Auf der Suche nach einem geeigneten Bild erinnerte ich mich an die Sylvesteraufnahmen und machte mich an die Arbeit. Bei der Arbeit mit Texturen bin ich auf Bildbearbeitungsprogramme wie Photoshop oder auch GIMP angewiesen. Beim vorliegenden Bild habe ich die Bearbeitung in Photoshop durchgeführt.

Aus kompositorischer Sicht fand ich den linken Bereich des Bildes überflüssig, also entschied ich mich für ein quadratisches Format und schnitt das Bild mit Hilfe des Freistellungswerkzeugs entsprechend zu. Zudem ergab der Baumstamm links vorne eine wunderbare Begrenzung.

Für einen Einsatz von Texturen war mir das Bild etwas zu dunkel, zugleich wollte ich aber die fast schwarzen Bäume und das rot des Laubes im Vordergrund erhalten. Deshalb habe ich zunächst die Hintergrundebene kopiert und von der Kopie eine schwarz/weiß-Version über den Befehl Bild → Einstellen → Sättigung verringern erstellt und damit das Bild mit der Füllmethode  „Umgekehrt Multiplizieren“ (mit einer Deckkraft von 90%) aufgehellt.

In dem nun allerdings etwas zu blassen Bild habe ich mittels einer zweiten schwarz/weiß-Kopie und bei 40% Deckkraft und Füllmethode „Weiches Licht“ den Kontrast wieder etwas angehoben. Mit einer Farbton/Sättigung – Einstellungsebene wurde das ebenfalls ausgeblichene Rot wieder zurückgeholt und über eine Selektive Farbkorrektur – Einstellungsebene das Schwarz noch ein wenig verstärkt.  Damit war ich dann zufrieden und habe mich an die Arbeit mit den Texturen gemacht.

Arbeit mit Texturen

Mir war wichtig etwas meiner Stimmung dieses Tages wiederzugeben. Bereits seit einiger Zeit greife ich  gerne auf Texturen zurück, wenn es mir darum geht Stimmungen und Emotionen auszudrücken oder hervorzurufen.  Für mich ist die Arbeit mit Texturen oft ein wesentlicher, aufregender Teil des Schaffensprozesses, der mir sehr viel Spaß macht.

Vorgehensweise

Ich füge die in Frage kommenden Texturen als neue Ebene in das Bild ein und spiele mit den Einstellungen und Ebenen-Füllmethoden herum.
Die Auswahl der Textur oder der Texturen überlasse ich meiner Lust und Laune, da experimentiere ich einfach und schaue was mir passt oder was gut aussieht.

Nach einigem Ausprobieren mit allen möglichen Texturen, hatte ich mich für die folgenden drei  entschieden:

1. Muscatel, 2. Cyprus Haze, 3. Sail Cloth

Schnell wurde mir klar, dass Muscatel (80% Deckkraft/ 100% Fläche, Füllmethode: Multiplizieren) dominieren sollte, weil mir die Struktur und die Farbe gefiel und beides gut zum Bild passte.
Cyprus Haze (54% Deckkraft/ 39% Fläche; Füllmethode: Lichtpunkte) brachte mir einen leichten Grünton in die hellen Bereiche sowie eine leichte Vignettierung.

Da das Bild nun zwar farblich stimmte, aber etwas flau geworden war, habe ich mit der hellen Textur „Sail Cloth“ den Kontrast verstärkt (Deckkraft 50%/ 75% Fläche, Füllmethode: Farbig Nachbelichten).
Einfluss hat auch die Anordnung der Texturebenen. Auch hier gibt es wieder einen Gestaltungsspielraum. Beim fertigen Bild sieht das dann folgendermaßen aus:

Natürlich kann man ewig experimentieren,  aber ich arbeite gerne spontan und schnell, und nach ungefähr 20 Minuten war ich mit dem Ergebnis zufrieden und das Bild fertig.

Hier noch einmal das Ergebnis:

Heute würde ich es wahrscheinlich völlig anders bearbeiten und womöglich andere farbliche Akzente setzen.

Danke für die Aufmerksamkeit!

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15 Kommentare

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  1. Danke für die tolle Anregung!
    Mit Hilfe von Texturen zu arbeiten ist mir selber noch nie so in den Sinn gekommen, jedenfalls nicht auf die Art und Weise wie Du es machst. Für mich gab es da – wenn überhaupt – bloß die Volltonfarben im Modus „Weiches Licht“, die allerdings oft alles andere als spannend sind.

    Werde das sicherlich bald mal ausprobieren, hab auch schon das richtige Bild dafür im Kopf :)

  2. Ich finde Fotos, die mit Texturen bearbeitet wurden, sehr spannend. Leider sind fast alle Anleitungen, die man so findet für Photoshop und ich arbeite mit Paintshop Pro. Ich habe es schon öfters versucht, bekomme es aber nicht zufriedenstellend hin. :-( Dein Beitrag zeigt mir wieder, wie man mit so einer Bearbeitung ein relativ unspannendes Foto extrem aufwertet. LG Frau Zausel

      • Hallo Holger,
        Gimp ist ja so ganz anders als Paintshop Pro, d.h. ich müsste mich komplett neu einarbeiten. Ich mach das jetzt schon soooo lange mit Paintshop und bin auch sehr zufrieden damit. Ich dachte immer, dass Paintshop Photoshop ähnlicher ist als Gimp, weil beide ja mit Ebenen arbeiten, oder lieg ich da falsch? Egal, auf jeden Fall bräuchte ich wahrscheinlich genauso viel Zeit mich in Gimp einzuarbeiten, wie es endlich mal mit Paintshop Pro hinzubekommen. Vielleicht starte ich irgendwann noch mal einen Versuch, wenn ich viel Zeit habe. Aber danke für den Hinweis! LG Frau Zausel

    • Ich kenne Paintshop Pro nicht aber Gimp ist Photoshop sehr ähnlich. Der Aufbau mag zunächst etwas verwirrend sein, aber wenn man die Grundzüge der Bildbearbeitung kennt, steigt man schnell ein. Es ist ja kostenlos d.h. du könntest es dir einfahc mal runterladen und etwas ausprobieren. :)

      Der Point.

  3. Danke für den Artikel.
    Ich lese gerne Bildbearbeitungs-Beschreibungen, weil ich mir immer wieder neue Techniken und Tricks von anderen abschauen kann. Ich arbeite übrigens hauptsächlich mit Gimp und denke, dass die Umsetzung damit in diesem Fall eigentlich kein Problem sein dürfte.
    lg Grauverlauf

    • Eine sehr interessante Sache.. und wieder mal mehr der Beweis dafür, dass eine eher, nun, sagen wir.. „etwas fade“ Ausgangslage für ein Bild doch enorm im Postprocessing verbessert werden kann.

      Ist ja immer so ein umstrittenes Thema.. andere sagen ja immer „Ein gutes Bild muss es schon zu anfang an sein..“. Andere: „Das WAR schon ein gutes Bild… man hat es nur nicht GESEHEN vorher.“ ;)

      Nein, wirklich, schönes Ding! Das mit den Texturen ist sehr interessant.. hatte ich so noch nicht probiert.

      Sollte eigentlich in jedem ebenenfähigen Bildbearbeitungsprogramm gehen, ich sehe dann eher das Problem, ob die Überblendmodi mit den gleichen Resultaten arbeiten wie Photoshop.. da muss man immer etwas experimentieren!

      Das mit den Texturen „selber Fotografieren“.. Prinzipiell ne schöne Sache, aber ich habe momentan auch nicht einen ganzen Ordner Texturen liegen. Insofern bin ich auch dankbar für „fertige“ Texturen, und wenn es erstmal nur zum „üben“ ist.

  4. Juchuh! Ich habe es geschafft! Und es war sooo einfach. Ich hatte einfach einen Denkfehler drin bzw. mir fehlt wirklich nur ein kleines Puzzleteilchen. Nie wäre ich auf die Idee gekommen, dass ich die Textur als Foto öffnen und einfach als neue Ebene auf das Foto einfügen muss. Ich hatte es mit Malebenen, dem Füllwerkzeug und anderem versucht. Mein erstes Ergebnis ist hier: http://1.bp.blogspot.com/_MX-ztmJDxKA/TTqpkSSiYhI/AAAAAAAACXk/xhGU4rtUHlE/s1600/030809+%25282%2529c.jpg !
    Danke nochmal für den Artikel, der hat mich einfach angespornt es doch nochmal zu probieren. Wie damals mit der Langzeitbelichtung! Schon zwei Dinge, die ich diesem Blog hier zu verdanken habe. LG Frau Zausel