sportfotografie, tipps
11. November 2010 Lesezeit: ~7 Minuten

Tipps zur Sportfotografie

Immer wieder werde ich von Fotografie-Interessierten gefragt, wie sie gute Sportbilder machen können. Der Einstieg in die Sportfotografie ist oft der Anlass, den Sohn oder die Tochter bei der Ausübung ihres Sportes aufzunehmen oder bei einem Firmenevent das fotografische Festhalten eines Turniers. Wenn eine Antwort irgendwo hinpasst, dann hier bei Kwerfeldein, denn hier wird es wenigstens gelesen :)

Einleitend möchte ich darauf hinweisen, dass professionelle Sportfotografie eine Materialschlacht ist. Die Bilder, die ihr tagtäglich in Zeitungen seht, sind in der Regel von erfahrenen Fotografen mit Equipment aus dem fünfstelligen Eurobereich vor ihrem Auge gemacht. Also geht bitte nicht mit der falschen Erwartungshaltung an euren Versuch, Sport zu fotografieren. Es geht auch ohne entsprechendes Equipment, aber eben anders.

Frische Tipps zur Sportfotografie von Stefan Groenveld

Wenn ihr euch die Bilder zu diesem Artikel anschaut, dann sind das sicherlich nicht die tollsten Sportbilder, die ihr jemals gesehen habt, aber ich habe bewußt Bilder von mir ausgesucht, die mit „normalen“ Optiken fotografiert wurden. Nur das Kopfballbild ist mit einem langen Tele fotografiert, alle anderen mit Brennweiten bis 200mm (am Vollformat). Eins habe ich sogar mit einer manuellen Optik, also ohne Autofokus, aufgenommen.


Nachfolgend beschreibe ich Problemfälle bei der Sportfotografie und wie ihr sie lösen könnt.

Um sportliche Bewegungen adäquat festhalten zu können, sind relativ kurze Belichtungszeiten notwendig. Unter einer 1/500 Sekunde würde ich es erst gar nicht versuchen. In der Bundesliga habe ich manchmal noch bei 1/800s Bewegungsunschärfen im Bild. Positive Auswirkung dieser Belichtungszeit ist, dass ihr keine teureren Objektive mit Verwacklungsschutz braucht.

Es gibt eine wichtige Voraussetzung beim Hallensport, aber auch bei Spielen unter Flutlicht. Da braucht ihr einfach ISO2000 – mindestens. Wenn ihr keine Kamera habt, die bei diesen ISO Werten brauchbares auf den Sensor bannt, dann wird es sehr sehr schwierig etwas scharfes zu fotografieren. Tipp: lebt mit der Bewegungsunschärfe und baut sie in das Bild ein. Ein Laufduell kann so prima fotografiert werden, ein Kopfballduell eher nicht.

Frische Tipps zur Sportfotografie von Stefan Groenveld

In der Regel werden Sportbilder mit großen Brennweiten fotografiert. Zum einen kann ich so einen Zweikampf auch im Mittelfeld fotografieren und da es sich um Objektive mit großer Offenblende handelt, kann ich so den Zweikampf auch schön vor dem meist unruhigen Hintergrund freistellen. Wenn ich ein solches Objektiv nicht habe, dann darf ich auch solche Fotos nicht erwarten.

Mein Tipp: probiert es hinter dem Tor und wartet auf einen Angriff. Im (Fussball) oder am (Handball) Strafraum klappt es auch mit einem kleinen Tele. So sind zum Beispiel 85mm am Crop für Handball eine tolle Brennweite für kampfbetonte Bilder am Torraum.

Meistens ist der Sport, den ihr fotografieren wollt, schnell. Kurze Belichtungszeiten sind das eine, aber viel wichtiger ist eigentlich die Auslöseverzögerung der Kamera. Als Beipiel erwähne ich gerne, dass ich bei meinem ersten Eishockeyspiel bei 9 Bilder pro Sekunde trotzdem nur ein Bild mit Puck hatte. Probiert mal bei einem Fussballspiel ein Bild beim Kopfballduell zu machen, bei dem der Ball möglichst nah an den Köpfen ist.

Fotografiert hochkant. Ihr werdet überrascht sein, wie oft ihr anfänglich sicher seid, dass der Ball auf dem Bild ist, aber beim Blick auf’s Display feststellen müsst, dass der Ball nicht zu sehen ist. Tipp: ihr müsst den Sport kennen, den ihr fotografiert. Nur so habt ihr eine Chance gegen die Auslöseverzögerung der Kamera zu gewinnen.

Frische Tipps zur Sportfotografie von Stefan Groenveld

Bei einem hochklassigen Fussballspiel mache ich in 90 Minuten rund 1500 Bilder. Vielleicht 5% der Bilder verschicke ich an Zeitungen. Wenn ich Glück habe, ist ein Bild so gut, dass ich es mir ohne aktuellen Bezug auch noch in einem halben Jahr anschaue. Mein Tipp für euch: fotografiert viel, aber seid sehr sparsam mit dem Zeigen. Der Ausschuss ist riesig. Na, und? Ist doch digital :)

Ich würde euch auch empfehlen, in JPG zu fotografieren und nicht in RAW. Zum einen bekommt eure Kamera vermutlich so mehr Bilder pro Sekunde hin und zum zweiten schmeisst ihr eh mindestens 90% weg. Und es ist sinnvoll im M-Modus zu fotografieren. Bestimmt anfänglich die Belichtungszeit und stellt die einfach auf eurer Kamera ein. Dann seid ihr nicht vom Hintergrund abhängig.


Frische Tipps zur Sportfotografie von Stefan Groenveld

Problem 1: schnell ziehende Wolken bei Sonnenschein. Lösung? An den Einstellungen rumschrauben oder in bestimmten Situationen einfach nicht fotografieren. In der Regel ist die Situation vorbei, die ihr fotografieren wollt, bis ihr die richtige Einstellung gefunden habt. Trost: wenn die Automatik das nicht schafft, wieso dann Du (hier ein Spezialtipp für Leute mit Profibodys)?

Problem 2: Flutlicht. Das ist in den Ecken oft eine Blende und mehr dunkler als in der Mitte. Da es hier aber nicht so starke Unterschiede im Hintergrund gibt – der in der Regel dunkel ist – könnt ihr hier die ISO Automatik oder Blendenautomatik verwenden. Ihr müsst nur die richtige Belichtungskorrektur finden und einstellen.

Single Shot oder High Speed? Da bin ich unschlüssig. Beides hat Vor- und Nachteile. Probiert aus, was euch besser liegt.

Frische Tipps zur Sportfotografie von Stefan Groenveld

Und nehmt genügend Speicherkarten mit. Ca 30% der Bilder entstehen in den letzten 10 Minuten. Die Dramatik der letzten Spielminuten kann die besten emotionalen Momente bringen. Wäre schade, wenn ihr da keine Speicherkapazität mehr habt.

Weiterhin solltet ihr beachten, die Bilder möglichst aus tiefer Kameraperspektive zu machen. Nehmt euch einen Campinghocker mit. Ist bequemer für euch und sieht auf den Bilder besser aus.

Achtet bei eurer Position auch auf den Hintergrund. Teleobjektive holen entfernte Dinge nah ran und bei „preiswerteren“ Objektiven ist die benötigte Blende für scharfe Bilder eventuell so klein, dass auch der Hintergrund scharf ist. (Stichwort: Hyperfokaldistanz!) Da lenkt es den Betrachter des Bildes schnell ab, wenn irgendwas aus dem Körper des Sportlers wächst. Es gilt das gleiche, wie auch bei Portraitfotos – aber es ist schwieriger umzusetzen.

Zum Schluss noch ein ganz wichtiger Tipp: lösen. Und zwar von der eigentlichen Situation. Gerade bei großen Spielfeldern bekommt ihr den Zweikampf auf der anderen Seite einfach nicht vernünftig fotografiert. Ärgert euch nicht. Ist so. Schaut dann, was um euch herum passiert. Vielleicht passt das Bild dann auch. Fluchende oder jubelnde Zuschauer können auch ein gutes Bild ergeben.

Frische Tipps zur Sportfotografie von Stefan Groenveld

Nachtrag: obiges gilt hauptsächlich für Ball- und Mannschaftssportarten. Motorsport ist zum Beispiel viel einfacher zu fotografieren, weil es einfacher ist mit längeren Belichtungszeiten zu arbeiten – die Bewegungen sind in der Regel leichter vorherzusehen. Hier gebe ich gerne die Tipps sich in Kurven zu stellen, denn da sind die Fahrzeuge langsamer als auf Geraden, und als Einstiegsbelichtungszeit den Kehrwert der Geschwindigkeit zu wählen.

Gut ist es, im Inneren der Kurve zu stehen und da eher am Kurvenausgang – besonders bei Motorradfahrern: achtet einfach, auf welchen Punkt der Fahrer am Ende der Kurve schaut, da stellt ihr euch hin. Nehmt einen besonders tiefen Kamerastandpunkt ein, am besten ihr legt euch hin.

Achtet bitte immer auf eure eigene Sicherheit. Schon ein Handball kann – an den Kopf geworfen – sehr weh tun. Und sprecht eure Standorte im Zweifelsfall mit Veranstalter und/oder Sportler ab. Die freuen sich übrigens in der Regel über tolle Bilder. Manchmal entstehen so interessante Möglichkeiten. So darf ich zum Beispiel nächstes Jahr die Hochzeit eines Kickboxers fotografieren…

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