06. August 2021 Lesezeit: ~7 Minuten

Meine Fotostory mit Teddy

Wie unzählige andere bin ich ein Freizeit-Fotograf. Die gute Ausrüstung wird zwar regelmäßig aktualisiert und liegt zum Greifen nah in der Tasche, aber die Ideen für Fotomotive haben sich im Laufe der Zeit lautlos verabschiedet.

In alten Zeiten bin ich am Urlaubsort zur höchsten Form aufgelaufen und war scharf auf alle landschaftlichen und architektonischen Highlights bei Sonnenaufgang und zur blauen Stunde. Aber wenn man dann später im Netz sieht, dass all die schönen Motive von anderen schon tausendmal in einzigartiger Lichtstimmung abgelichtet worden sind, dann verliert sich allmählich die Freude daran, auch ein Foto gemacht zu haben, das zudem im direkten Vergleich Mängel aufweist, die immer stören werden, wenn ich es anschaue.

Im Wohnzimmerregal stapeln sich dicke Fotobücher. Zwei Jahrzehnte Familienleben sind darin konserviert. Die vier Stars dieser Folianten wurden vom ersten Schrei bis zum Abiball in allen nur erdenkbaren Situationen abgelichtet. Diese Bücher sind für ein paar Menschen unendlich wertvoll. Aber für sie gibt es keine Neuauflage. Heute winkt der längst ausgezogene Nachwuchs nur müde ab, wenn plötzlich Papa mit der Kamera auftaucht. Alles hat seine Zeit.

Hund mit großen Stock im Maul

Was also fotografieren? Die Midlife-Krise hat viele Gesichter. Dazu kommen dann noch die Anforderungen im Beruf. Mögliche Zeitfenster für fotografische Ambitionen werden immer kleiner.

Dann wurde plötzlich alles anders, denn ein neuer Hauptdarsteller trat im Familienleben auf. Ausgerechnet ein kleiner, rotblondgelockter Pudelwelpe mit dem absolut zutreffenden Namen „Teddy“ wirbelte alles auf. Alles kreiste von nun an um dieses wunderbar natürliche Wesen aus einer anderen Welt. Mit dem Moment seines Erscheinens wurde mir klar: Meine fotografische Herausforderung heißt von nun an: „Teddy – sein Aufwachsen und sein Leben im Alltag unserer Familie“!

Hundeportrait

Aber wie gelingen mir großartige Bilder von einem kleinen Hund? Selbstverständlich habe ich auch Tante Google gefragt. Die enthusiastischen Erklärer*innen in den YouTube-Videos reden und reden endlos lange um den heißen Brei herum. Wenn sich am Ende alles um Selbstdarstellung dreht, werde ich ungeduldig.

Ich gehöre nun einmal der älteren Generation an und habe schon immer aus Büchern gelernt. Zwei brauchbare habe ich gefunden. Das hat mir gereicht, um mich immer wieder auf allen möglichen Böden vor Teddy zu legen, um meine neuesten Erkenntnisse in die fotografische Tat umzusetzen.

Rennender Hund in der Wiese

Mit wachsendem Erfolg! Stolz konnte ich dann unserem Nesthäkchen zum Geburtstag ein opulentes kleines Fotobuch präsentieren mit dem Titel: „Mein erstes Jahr mit Teddy“!

Die Corona-Pandemie blieb länger als erwartet. In den dunklen ersten Monaten des Jahres 2021 keimte in mir ein Gedanke und so bastelte ich tatsächlich meine erste Webseite: www.schoene-hunde-fotos.de

Mit dieser Seite begab ich mich nun auf die Suche nach weiteren „Modellen auf vier Pfoten.“ Als erstes mussten natürlich die Hunde aus dem Bekanntenkreis herhalten. Dann machte eine Hundetrainerin in ihrem Verein Werbung und schon füllte sich im Frühsommer eine Warteliste mit Hundefans, die alle ihre Schätze abgelichtet haben wollten.

Hundeportrait in Blumen

Diese Fotosessions sind für mein kleines Zeitfenster wie gemacht. Sie werden meinem Terminplan angepasst und dauern eine gute Stunde. Aufnahmeorte sind der Wald und die Wiesen rund um meine Haustür. Wenn’s losgeht, bin ich jedes Mal etwas kribbelig: Wie bekomme ich nur dieses an der Leine ziehende Etwas in ein schönes Bild? Manchmal sind auch noch die Wesen am anderen Ende der Leine etwas anstrengend.

Tage später, wenn ich abends am Rechner sitze und mit den Bilddateien spiele, füllt mich immer wieder in inneres Lächeln aus. Die Herausforderung ist überstanden! Jetzt freue ich mich über jedes geglückte Foto! Dann sind da ja auch noch die Hundefans. Bisher waren alle mit den Ergebnissen glücklich. Manche lassen sich die Bilder auf Leinwände ausdrucken und schmücken damit ihre Häuser.

Hund im Wald

Ich kraule unseren Teddy und finde es wunderbar, dass er mir die Tür zu einer weiteren Seite meines Hobbys geöffnet hat. Mir machen die Hundefotos einfach Freude. Die Freude verdoppelt sich, wenn man anderen damit eine Freude macht. Für alle, die den eigenen Fotoapparat im Griff haben, ist das Ablichten von Fellnasen nicht schwer. Zwei Regeln gilt es zu beachten:

Zum einen muss man raus aus der Komfortzone und runter auf den Boden, um halbwegs geradeaus in die Tieraugen schauen zu können. Ich liege also bei meinen Aufnahmen immer wieder bäuchlings ausgestreckt in Feld und Flur. In diesem nassen Sommer mit feuchten Böden braucht man dann zuhause eine Waschmaschine für verschlammte Hosen.

Zum anderen gilt: Je schneller der Hund, desto kürzer die Belichtungszeit. Zur Basisausstattung gehören unbedingt auch diverse Leckerlies und schrill quietschendes Spielzeug, um die Aufmerksamkeit des Modells auf sich zu ziehen. Die Vierbeiner wirken einfach lebendiger, wenn sie ihre Ohren anheben!

Rennender Hunf im Gras

Zum Abschluss meiner Geschichte werfe ich noch einen Blick auf das Handwerkszeug: 90 % aller meiner Hundeaufnahmen nehme ich mit meiner Nikon Z 6II im Zusammenspiel mit dem Nikkor S 70–200 mm auf. Diese Kombination macht Fotos möglich, von denen ich früher nur geträumt habe. So hat mich der Tieraugenautofokus selbst bei einem Australien Ridgeback nicht verlassen, der mit nahezu 50 km/h auf mich zugerast kam.

Immer wieder freue ich mich sowohl an der Schärfe, als auch am zartschmelzenden Bokeh, das diese Linse offenblendig zaubert. Superpraktisch sind auch die frei belegbaren Einstellmöglichkeiten der Kamera: Ich habe sie so programmiert, dass ich mit nur einem kurzen Dreh zwischen Portrait- und Actionaufnahmen wechseln kann.

Hund springt über einen Ast

Bei starkem, kontrastreichem Sonnenlicht verlagere ich Aufnahmen gern unter das Blätterdach im Wald. Wenn ein Hund über einen Baumstamm springt, kann ich nur mit einer Belichtungszeit von 1/2.000 s und kürzer seinen „Flug“ festhalten. Schnell wandern dabei die ISO-Werte in die Höhe. Spätestens jetzt bin ich froh, dass die Kamera über einen ziemlich ausgedehnten Dynamikumfang verfügt und auch Aufnahmen mit ISO 6.000 und höher noch zu respektablen Ergebnissen führen.

Die Kamera liefert zwölf Bilder pro Sekunde. Das heißt: der „Flug“ eines mittelgroßen Hundes über einen Baumstamm wird mit fünf bis sechs Bildern dokumentiert. In der Regel lasse ich die Hunde zwei- bis dreimal über das Holz springen, dann ist ein Bild in höchster Flughöhe mit wehenden Ohren garantiert dabei!

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7 Kommentare

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  1. Lieber Frank, danke dir für deine Zeilen, in denen ich mich sehr wiedergefunden habe. Witzigerweise bis hin zum identischen, auch bei mir für dieselbe Begeisterung sorgenden Equipment. Unbekannte Grüße aus dem Norden der Bundesrepublik!

  2. Hallo Frank,

    eine ganz wichtige, und jeden betreffende Phase, Epoche hast du hier beschrieben. Mir gefällt ungemein gut, wie exakt du diese „Durststrecke“ erfassen kannst, und das Beste, wie das „Comeback“ gelingt! Was mir noch zu der Thematik einfällt: Der Punkt mit der eigenen Erwartung. Die meisten Enttäuschungen folgen unrealistischen Erwartungen. Ich habe das länger in Frage gestellt, bin aber mittlerweile ein Fan dieser Theorie. Das (Fotogrrafen-) Leben wir einfach lässiger, wenn man sich nicht durch Gewohnheiten und Erwartungen unter Druck setzt, und die Fotos (und Lebensphasen) werden dann auch erheblich besser. Deine Webseite samt Fotos ist richtig ansprechend! Ich habe lange damit verbracht, mir alles in Ruhe anzuschauen, und bin begeistert. Und das schreibt ich dir hier als jemand, der mit Hunden so rein gar nichts anfangen kann…

    Alles Gute wünsche ich dir für dich und deine wertvolle Fotografie!

    Herzlich, Dirk Trampedach

    • Vielen Dank, Dirk, für Deinen wohlmeinenden Kommentar.
      Ich stimme mir Dir überein: Druckaufbauende Erwartungshaltungen wirken nicht selten vergiftend. Es gilt sie zu erkennen, abzustreifen und dann ohne Vergleichsdenken im Augenblick zu leben. Ich übe mich darin; zwar leidlich, aber getröstet in dem Wissen: Fehler zu machen ist kein Fehler! Herzliche Grüße, Frank.

    • AFC, TierAF gr. Messfeld, M mit IsoAuto, mind. 1/2000, beide Stabi aus, mittenbetonte Messung, RAW, Hund mit gedr. AF-Taste kommen lassen, bis er circa 1/5 des Suchers ausfüllt, dann Serienaufnahme H*.; das Ganze läuft blitzschnell ab, nach 2 – 5 Sekunden ist der Hund wieder aus dem Sucher verschwunden.
      Wichtig ist, daß sich zwischen Kamera und Hund kein Gegenstand (z. B. kleiner Ast oder Grashalm etc.) findet, woran sich der AF festbeißen kann.
      Einige Aufnahmen von den unterschiedlichen Laufphasen des Hundes sammeln, nicht jeder Hund wirkt automatisch im Laufen ästhetisch. Manche haben gerade in der Sonne teilweise geschlossene oder halbgeschlossene Augen, was auch nicht unbedingt vorteilhaft wirkt.

  3. Blogartikel dazu: Diese Woche: 10 Fehler und 7 Tipps | Spuelbeck.net