11. Mai 2021

Nature Strip: eine kleine Dosis Natur in der Stadt

Diese Serie begann mit dem Versuch, in die einzige Natur einzutauchen, die mir während des strengen Lockdowns in Melbourne zur Verfügung stand: die sogenannten „Grünstreifen“ in meiner unmittelbaren Nachbarschaft. Diese kleinen, grünen Flecken zwischen der Straße und dem Bürgersteig, auf denen Pflanzen an einem geschlossenen, kontrollierten Ort leben dürfen.

Einige sind gepflegt und kultiviert, andere sind überwachsen und zu Unkraut geworden, sodass die Vegetation einen kleinen Teil der Stadt übernehmen kann. Immer mehr wilde oder ungezähmte, grüne Ecken wurden plötzlich für mich sichtbar, als ich sie auf meinen täglichen, einstündigen Spaziergängen suchte: auf freien Grundstücken, auf Parkplätzen, hinter Gebäuden.

Während ich diese Bilder kreierte, stellte ich fest, dass das physische Betreten dieser Grünflächen (nicht die vorgeschriebene Art, mit ihnen zu interagieren) meine Aufmerksamkeit auf eine ganze Reihe verinnerlichter sozialer Regeln lenkte, die sich auf bestimmte genehmigte Verhaltensweisen im öffentlichen Raum beziehen.

Es zeigte meine eigenen inneren Beschränkungen, die mir bis jetzt nicht bewusst waren und die mir diktierten, wie ich diese verbliebenen Landschaften betrachten darf. Aber auf keinen Fall betreten, nicht in ihnen liegen, nicht in ihnen schwimmen. Das Eintauchen in Grünstreifen verwandelte sich in eine Art winzige Rebellion, eine performative Behauptung innerer Souveränität, die ich für mich selbst und die Kamera ausgeführt habe.

Beine raken aus einem Busch herausFrau hängt in Blumen

Frau sitzt am Wasser

Frauenbeine hängen von einem BaumPerson hängt in der Wiese
Person liegt im Grünstreifen

Person kauert in Wasserloch

Frau klettert auf blühenden BaumFrau riecht an Blume

Die Serie handelt von der Sehnsucht, sich wieder mit der Natur zu verbinden, und der Absurdität, dies mitten in der Stadt zu versuchen. Ich bin mir immer noch nicht ganz sicher, aber vielleicht kann sogar eine sehr kleine Dosis Natur noch Medizin sein.

Dieser Artikel wurde für Euch von Katja Kemnitz aus dem Englischen ins Deutsche übersetzt.

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4 Kommentare

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  1. Ein meiner Meinung nach sehr interessantes Beispiel für „bewusstes Leben“, „awareness“.

    Geschlossen, kontrolliert, kultiviert, soziale Regeln, genehmigte Verhaltensweisen, innere Beschränkungen, diktiert … das klingt irgendwie nach „Äquatorial-Guinea“, „Nordkorea“ oder „Xinjiang“.

    Es ist aber in Melbourne, und könnte genauso in Meppen, Mühlheim, Magdeburg oder Minden sein.

    Ein gutes Beispiel für gutes „fotografisches Sehen“ dort, wo die meisten von uns gar nichts wahrnehmen.

    Die meisten der Bilder sind auch nicht nur eine Dokumentation, sondern wirklich gut gestaltet.