24. Juni 2020 Lesezeit: ~5 Minuten

Fotogene Orte – Adraga

Zwar gibt es auch in Deutschland viele fotogene Orte, wer aber auf der Jagd nach dramatischen Küstenfotos ist, muss sich weiter nach Westen orientieren – zum Beispiel an den westlichsten Ort auf dem europäischen Festland: Praia da Adraga in Portugal.

Die Küste um Cabo da Roca in Portugal gehört für mich zu den spektakulärsten in Europa. Steile Klippen, schroffe Felsen und eine starke Brandung machen sie ideal für Küstenfotos voller Energie und Dramatik. Und auch abseits des Meeres hat der Nationalpark Sintra-Cascais mit seiner hügeligen Landschaft einiges zu bieten.

Die Paläste und Burgen um den Ort Sintra sind immer einen Besuch wert. Die Quinta de Regaleira erinnert in ihrer Bauweise an Rivendell aus Herr der Ringe, der Palacio de Pena sieht mit seinen bunten Türmen aus wie ein Playmobil-Schloss und das Castelo dos Mouros erlaubt einen fantastischen Weitblick auf die umliegende Landschaft.

Landschaft mit Burg auf einem grünen Hügel

Praia da Adraga

Aber am fotogensten ist hier, wie bereits angesprochen, die Küste. Unter allen Stränden, die ich bislang besucht und fotografiert habe, hat mich der Praia da Adraga am meisten in seinen Bann gezogen. Von Lissabon erreicht man ihn mit dem Mietwagen in etwa einer halben Stunde und das am besten zum Sonnenuntergang.

Wenn die Sonne unter den Horizont taucht und der Himmel zu glühen beginnt, sind das für mich immer magische Momente. Es wird dunkler, der Strand leert sich und ich kann ganz entspannt die Wellen beobachten – und gelegentlich ein Foto davon machen.

Felsen im Meer

Der Praia da Adraga ist ein Strand in ständiger Veränderung. Als ich 2011 im Winter das erste Mal in Sintra war, präsentierte er sich jeden Abend etwas anders. Zunächst waren bis auf die großen Felsen in der Mitte des Strandes kaum weitere zu sehen. Ein breiter Sandstrand lag vor mir. Ein paar Tage und Stürme später hatte das Meer den Sand abgegraben und zahlreiche weitere Felsen ragten aus dem Boden. Die Brandung hatte den Strand über einen Meter tiefergelegt.

Auch auf meiner zweiten Reise nach Portugal gab es neue Kompositionen zu entdecken. Schon die Gezeiten allein ermöglichen oder verwehren jeden Tag andere Blickwinkel. Der fotografisch interessanteste Teil des Strandes liegt rechts unterhalb der Klippen. Bei Flut erreicht das Meer diese und lässt zum Fotografieren keinen Platz.

Felsen am Strand

Deshalb ist die beste Zeit, den Praia da Adraga zu besuchen dann, wenn sich das Wasser wieder zurückzieht. Bei einsetzender Ebbe gibt das Meer nach und nach immer mehr Felsen preis. Der Strand ist frei von Fußspuren und man muss sich keine Sorgen machen, von der einsetzenden Flut überrascht zu werden.

Trotzdem sollte man immer achtsam sein: Das Meer ist unberechenbar. Zwar gibt es in Portugal deutlich gefährlichere Küstenabschnitte, aber auch am Adraga können größere Wellen plötzlich auf den Strand schlagen. Diese können, auch wenn sich das Meer schon weit zurückgezogen hat, noch die Felsen am oberen Ende des Strandes erreichen. Das sollte man bedenken, wenn man, wie ich, dort seinen Kamerarucksack deponiert hat. Glücklicherweise war der Rucksack geschlossen und wurde so nur äußerlich nass. Seitdem bin ich aber vorsichtiger.

Felsen am Strand

Planung

Ich war nun schon im Winter und im Herbst an der portugiesischen Riviera. Während beider Aufenthalte präsentierte sich die Küste von ihrer dramatischen Seite: Es war windig, Wellen peitschten an die Strände und das Wetter bescherte mir den einen oder anderen magischen Moment.

Empfehlen würde ich, wegen der noch etwas angenehmeren Temperaturen, den Herbst. Die Strände sind dann nicht mehr so voll wie im Sommer, das Meer ist rau genug für spektakuläre Küstenfotos und die Restaurants haben noch geöffnet. Im Winter wirkt die Gegend um Sintra dagegen sehr verlassen, was auch seinen Reiz haben kann. Wer die Ruhe beim Fotografieren sucht, sollte sich von den etwas kühleren Temperaturen, die immer noch über 10 °C liegen, nicht abschrecken lassen.

Im Frühling habe ich die portugiesische Küste noch nicht besucht, bin aber überzeugt davon, dass auch dann tolle Fotos gelingen können. Einzig im Sommer könnte es dort für meinen Geschmack etwas zu voll werden.

Felsen am Strand

Mit fast dem ganzen Jahr zur Auswahl, bleibt eigentlich nur eines zu planen: die Gezeiten. Ich nutze dazu die App Nautide. Für weniger als 10 € kann ich die Gezeitentabellen für die ganze Welt für ein Jahr erwerben und so meine Reisen an die Küste gezielt planen. Eine kostenlose Alternative ist die Seite Tides4Fishing. Wie schon erwähnt, sollte man beim Praia da Adraga darauf achten, dass sich das Wasser um Sonnenuntergang schon wieder auf dem Rückzug befindet. Dazu prüft man die Tiden für den Ort Cascais. Ein Beispiel, wie das idealerweise aussehen könnte, seht Ihr für den 5. Oktober 2020.

Natürlich gibt es neben dem Praia da Adraga noch weitere tolle Strände in Portugal. Ein paar Eindrücke habe ich in diesem Video für Euch zusammengeschnitten.

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16 Kommentare

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  1. Tolle Fotos. Aber:

    wir jagen nach Motiven und wir schießen auf Motive. Läuft da nicht was schief? Kommt mir jedenfalls so vor, wenn an entlegenen Orten auf einmal Busladungen aus der ganzen Welt sich über einen Platz ergießen, die Menschen ausströmen und shooten was das Zeug hält, dann wieder mit Blick auf die Uhr zum nächsten Ort jagen.

    Warum spricht man nicht vom Entdecken, vom einfangen…. Warum dieser Druck?

  2. Ich muss gestehen, dass ich den Sinn und Zweck dieser Art von Landschafts- und Reisefotos nicht verstehe.

    Fotografieren gelernt habe ich in England, wo ich dreizehn Jahre gelebt habe, aus Fotozeitschriften. Von denen gibt es dort deutlich mehr als in D/A/CH, in jedem Zeitschriftenhandel oder Supermarkt liegt mindestens ein halbes Dutzend davon aus, manchmal deutlich mehr, und ALLE propagieren sie dieselben Fotos: „dramatic sky“, „rocks as foreground interest“, „long exposure to blur the water“ etc.

    Es wird dort auch immer ausdrücklich empfohlen, mit Apps zu arbeiten, z.B. mit photoephemeris.com, um ganz sicher zu sein bzgl. der Tiden, des Sonnenstands etc.

    Von dem Bild mit dem Schloss abgesehen sehen in meinen Augen alle anderen fünf oder sechs Fotos gleich aus, und ich meine, sie alle schonmal in einem dieser Mags gesehen zu haben. Schick die Bilder dort in 3.600×2.400px / 300dpi hin, und sie werden sie drucken.

    Ich selber habe mich sattgesehen an solchen Reiseimpressionen. Quasi genau dieselben Fotos kann man auch in Norwegen und auf den Färöern, in Schottland und Irland, in Wales und England, in der Normandie und Betragne, auf den Kanaren, Kapverden und Azoren machen.

    „Und auch abseits des Meeres hat der Nationalpark Sintra-Cascais mit seiner hügeligen Landschaft einiges zu bieten.“

    Ja? Was denn? Wiesen und Wälder? Flüsse und Seen? Dörfer und Städte? Fußgänger und Radfahrer? Hunde und Katzen? Kneipen und Imbissbuden? Sportarenen und Spielplätze? Märkte und Einkaufszentren? Taxihalteplätze und Bushaltestellen?

    Wie gesagt, ich verstehe den Sinn solcher Fotografie nicht, wo man ein zugegeben gekonnt gemachtes und zunächst einmal sehr sehenswertes Standardfoto immer wieder variiert, anstatt die Vielfalt dessen, was die Gegend bietet, zu entdecken.

  3. Es ist ein wenig seltsam, aber die besondere Stimmung, die ja offensichtlich in diesen Motiven liegt, spricht aus den Bildern nicht zu mir. Vielleicht liegt das auch an der Wirkung, die diese spezielle Bearbeitung hervorbringt, oder ich erkenne das Konzept einfach nicht.
    Das ehemals Spektakuläre, was die Landschaft dort haben mag, vermischt sich mit den für mich sehr schwierigen Farbtönen jedenfalls zu etwas, dass mich an Science Fiction Filme erinnert. Es verschreckt mich eher, als das es was Angenehmes auslöst. Von dem, was meine Augen brauchen bei Begriffen wie fotogene Natur, spektakuläre Orte…, ist das hier leider ein wenig weit entfernt.

    Den Reiz, dies alles nochmal mit meiner Art zu sehen abzugleichen, löst es in jedem Fall aus, dafür ein herzliches Dankeschön!

    • Ja, Scirence Fiction trifft es. Das hat was von einem unbewohnten Planeten. Man will dort sicher keinen Badeurlaub machen, denn man kann nicht sicher sein, ob das Wasser ist oder vielleicht Schwefellauge ;-)

  4. Ja, die Bilder sind perfekt. Wie alle, die auch auf der Website sind.
    Sie wirken wie ein perfekt gestyltes Model. Schöner geht es nicht. Nur das Leben fehlt darin.
    Das ist aber vielleicht auch ein wenig der fluch der digitalen Fotografie.

    Und der Schwerpunkt in der Bildbearbeitung statt in der Bildentwicklung. Man überfliegt die Bilder und für einen Bruchteil sind sie auch schön. Aber da ist man dann schon weiter. Auf der Jagd, sozusagen.

    In bester Gesellschaft in meinen Augen auch mit Lichter der Welt.

    Bei beiden habe ich ein Problem übrigens mit der Glaubwürdigkeit. Weil eben die Bilder bearbeitet werden.

  5. Und immer ein exakt gerade ausgerichteter Horizont. Ist das nun klassische Fotoschule oder einfach nur langweilig? Interessanter sind die Kommentare, die zu dem Beitrag geäußert wurden. Ja, da ist schon etwas dran an dem Eindruck, dass wir so etwas schon tausendmal gesehen haben. Wir neigen eben dazu, die tollen Bilder aus den Fotozeitschriften und Magazinen zum Vorbild zu nehmen und sie zu imitieren. Ganz am Anfang geht die Rechnung ja noch auf, aber irgendwann ist der Betrachter gesättigt. Mir fehlt an den Bildern wenigstens ein kleines Detail, das gegen den Strich geht und die etablierten Seherwartungen durchbricht.

  6. Ich finde es ein wenig befremdlich, dass dieser Artikel hier so viele negative Reaktionen hervorruft. Natürlich mag die Art der Fotografie und auch die Art der Bearbeitung nicht den Geschmack jeden Betrachters treffen. Vielleicht hat sich auch der eine oder die andere satt gesehen an dieser Art von Fotografie. Natürlich erzielen Langzeitbelichtungen einen surrealen Effekt.

    Ich persönlich habe mich gefreut, eine Küste kennen zu lernen durch diesen Artikel, die mir bis dato nicht bekannt war. Vielleicht geht es mir ähnlich wie Dirk, und ich bin neugierig, diese Küste eines Tages für mich selbst und mit meinem eigenen fotografischen Blick zu entdecken.

    Für mich stellt die Vielfalt der fotografischen Themen, die bei kwerfeldein durch Artikel abgedeckt werden, den eigentlichen Reiz des Magazins dar.

    Sicherlich gibt es auch einige Artikel, mit denen ich persönlich weniger anzufangen weiß, aber so ist das wohl mit der Vielfalt.

    Mir persönlich hat der Artikel jedenfalls Freude bereitet – unabhängig davon, ob die Fotos jetzt zu 100% meinen Geschmack treffen oder nicht.

    • So viele negative Reaktionen kann ich auch gar nicht erkennen. Was ich heraus lese, sind die Eindrücke, die die Betrachter haben, und vielleicht deren Deutung. In den Fotos prallen die Natürlichkeit der Natur, und die Unnatürlichleit der Darstellung mit hoher Wucht aufeinander. Bei recht vielen Betrachtern erzeugt das sicherlich eine Mißstimmung. Als Rückmeldung an den Fotograf erachte ich sowas als wichtige (positive) Info.

    • Hallo Jens, genau das wollte ich erreichen: dass sich Leute freuen, eine neue Landschaft kennenzulernen und vll. etwas Inspiration bekommen :-) Und falls du tatsächlich mal dorthin reist, wirst du nicht – wie hier in einigen Kommentaren sugeriert – entäuscht sein von der Realität. Ich finde nämlich, dass diese noch viel spektakulärer ist, als es Fotos darstellen können.

  7. Ich möchte auf die Aussage im letzten Kommentar eingehen. Auch wenn sich „Jens“ freut, in diesem Beitrag eine neue Küstenlandschaft kennen zu lernen, so würde er dennoch, falls er dort einmal hinreist, enttäuscht sein von der Wirklichkeit. Suggerieren die hier gezeigten Bilder doch eine Wirklichkeit, die nur im Rechner des Fotografen entstanden ist. Der Fotograf zeigt uns mit seinen Bildern seine persönlichen Empfindungen aber nicht einen Küstenabschnitt, der Teil einer Kulturlandschaft ist, in der auch Menschen leben, arbeiten und wirken. Diese Bilder hier suggerieren uns das Schöne an sich als Ziel, dennoch zerschellen sie an der Realität.

    Die Wirklichkeit mit all seinen Facetten, seinen negativen und positiven Seiten in einer mir bisher unbekannten Kulturlandschaft abzulichten, macht für mich das Hobby Fotografie so spannend.

    • Kann Fotografie denn die Wirklichkeit zeigen? Ich glaube nicht, sie zeigt eher das, wie der Fotograf sie sieht. Und der Autor sieht sie eben so, wie oben dargestellt. Jemand anderes zeigt die „Wirklichkeit“ vielleicht mit verwackelten Handybildern und wieder ein anderer mit körnigen Analogaufnahmen.
      Wenn ein Bild die persönlichen Empfindungen des Fotografen transportiert, ist es dann nicht gelungen und darf es dann nicht an der Realität zerschellen?

      • Ja, es darf an der Realität zerschellen … und muss es vielleicht auch. Es ist im wörtlichen Sinne der ’schöne Schein‘, um den es hier bei der Diskussion geht. Schöne Landschaften sind ein wunderbares ästhetisches Erlebnis. So auch hier die gezeigten Fotos, die mich persönlich nicht ansprechen, weil sie bereits an meinem Realitätssinn zerschellt sind. Ich persönlich finde, dass die Ästhetisierung bzw. die Idealisierung der Landschaft hier zu weit geht. Letztlich ist es eine schöne Phantasiewelt. Ob man dafür weit in die Welt hinaus fahren muss, ist eine zweite wichtige (ethische) Frage.

        Grüße, Wilhelm

  8. Beitrag und Kommentare lesenswert – danke dafür.

    Eine interessante Diskussion um „Landschaftsfotografie“. Der Begriff suggeriert, dass er mehr der Realität verpflichtet wäre als künstlerischem (oder technischem) Wirken. Vielleicht zu Unrecht: Ein Bild ist ein Bild ist ein Bild – ceci n’est pas une pipe. Und wie alle Kunstwerke unterliegt das Mögen oder Nichtmögen den Augen und dem Empfinden des Betrachters.

    Selber versuche ich schon, den vor Ort empfundenen „Vibe“ aufzunehmen und wiederzugeben, allerdings mit allen künstlerischen und technischen Möglichkeiten, aber auch mit Pet-Flaschen oder sonstigem Zivilisationsmüll im Bild, die am Strand nun mal leider zu oft herumliegen. Allerdings auch mit der Konsequenz, dass meine Bilder kaum jemand sehen will 😊.