08. Mai 2020 Lesezeit: ~5 Minuten

Roadtrip – Deutsche Alleenstraße

Letztes Jahr feierte eine gute Freundin in der Nähe von Kiel ihre Hochzeit und da ich noch keinen Sommerurlaub geplant hatte, beschloss ich, dass dies die perfekte Möglichkeit war, meinen Urlaub nicht mehr in fernen Ländern zu verbringen, sondern Deutschland ein bisschen näher zu erkunden.

Meine Eltern hatten sich kurz vorher einen Camper zugelegt und so war die Idee des Roadtrips durch Deutschland schnell geboren. Schon länger hatte ich einige Ziele wie die sächsische Schweiz oder Rügen auf meiner Liste und überlegte, wie ich das alles verbinden könnte.

Kurz vorher bin ich auf der Deutschen Alpenstraße durch das Berchdesgadener Land gefahren und erinnerte mich, dass es noch viele weitere dieser berühmten Straßen gab. Zu meiner ausgesuchten Route passte die Deutsche Alleenstraße am besten. Eine gute Freundin, die ebenfalls zur Hochzeit eingeladen war, schloss sich mir kurzerhand an und so machten wir uns von Franken aus auf, um im Erzgebirge auf besagte Ferienstraße zu stoßen.

Straße

Wald im Vorbeifahren

Die Alleenstraße zu verfolgen war leichter gesagt als getan. Es gab leider keine Karte für Google Maps, der man einfach wie einem Navi folgen konnte. Ich fand lediglich eine gpx-Datei, die ich herunterladen konnte, um eine Route bei mir zu haben. Auch die Ausschilderung ließ leider sehr zu wünschen übrig, weshalb wir so zwischendurch den Schildern der „Silberstraße“ oder einfach unserem Gefühl folgen mussten.

Die Deutsche Alleenstraße ist eine der zahlreichen Ferienstraßen, die durch Deutschland führen und mit einer Länge von 2.900 km auch Deutschlands längste Ferienstraße. Sie entstand in den 90er Jahren, nachdem zahlreiche Alleen zum Bedauern vieler Menschen Straßenverbreiterungen zum Opfer fielen. Betreut wird sie seitdem von einem Verein, der es sich zum Ziel gemacht hat, die alten Alleen zu erhalten und zum Teil auch neu anzupflanzen. Das sahen wir besonders deutlich zu Beginn unserer Route.

Wir stießen, von Süden her kommend in der Nähe von Plauen auf die Alleenstraße. Viel konnten wir da noch nicht entdecken und so erfreuten wir uns zunächst an den schönen Nadelwäldern des Erzgebirges, bis wir schließlich in der sächsischen Schweiz, unserem ersten Halt, angekommen waren.

Was wir bis dahin leider völlig vergessen hatten, war, dass in vielen Bundesländern bereits Sommerferien waren und so teilten wir uns den Aufstieg zur Bastei mit zahlreichen anderen Urlaubsgästen. Aber einmal ab vom Hauptweg suchte ich eine kleine Wanderung heraus, die durch den sogenannten Schwedengraben führte und dort waren wir wieder fast allein.

Bastei sächsische Schweiz

Blick aus einem Camper

Weiter ging es Richtung Norden und an vielen Städten vorbei, immer auf der Landstraße entlang. Und dann endlich kamen sie: Die wunderschönen Alleen, die frischen und neuen, aber auch die mächtigen und alten Bäume links und rechts am Straßenrand.

Besonders schön war der Anblick im letzten Licht des Tages, wenn sich die Bäume plötzlich in große Schatten verwandelten. Quer durch die mecklenburgische Seenplatte, wo wir eines Abends noch die partielle Mondfinsternis vom Camper aus beobachten durften, fuhren wir auf die Insel Rügen, die den Anfang bzw. für uns das Ende der Fahrt auf der deutschen Alleenstraße darstellte. Dort war unser Ziel, auch die außergewöhnlichen Kreidefelsen zu bestaunen.

Allee

Camper im Mondlicht

Leider – so wurde uns von einem alteingesessenen Insulaner mitgeteilt – sind diese Schönheiten in akuter Gefahr. Aufgrund der Klimaerwärmung und der daraus resultierend steigenden Meereshöhe brechen die Kreidefelsen nach und nach ins Meer (denn Kreide löst sich super in Wasser, was wir vielleicht noch alle aus der Schule wissen). Das kann man bereits seit einigen Jahren gut beobachten.

Er meinte auch, dass die Nationalparkverwaltung sowie die UNESCO – ein Teil des alten Buchenwalds oberhalb der Kreidefelsen gehört zum UNESCO-Welterbe – leider nicht helfen, um etwas dagegen zu unternehmen. Stattdessen wurde nur ein riesiges Betonmuseum mit hohem Eintritt in den Wald gestellt, um sich die Einnahmen durch die Tourist*innen zu sichern.

Auch diese alten Buchen, die oberhalb der Felsen wachsen, sind dadurch in Gefahr, da ihnen sprichwörtlich der Boden unter den „Füßen“ weggerissen wird und die immer häufiger werdenden Stürme tun ihr Übriges. Die Nationalparkverwaltung hat die Position, der Natur ihren Lauf zu lassen und vertritt die Meinung, dass die Kreidefelsen schon immer der Erosion ausgesetzt waren und man deshalb nichts dagegen tun möchte.

Hinzu kommt noch, dass im 19. und 20. Jahrhundert größere Findlinge vor der Küste aus dem Meer genommen wurden, um die umliegenden Häfen zu bauen. Damit können diese natürlichen Wellenbrecher die Kreidefelsen nicht mehr schützen. Ziemlich betroffen von diesen Nachrichten machten wir uns auf den Weg, weiter die Insel zu erkunden und fuhren immer an der Küste entlang Richtung Hochzeit.

Meer mit Land in der Ferne

Bäume an einem Strand

Auf unserem Weg hielten wir immer wieder an schönen Orten, wie zum Beispiel dem Ostseebad Sellin mit seiner wunderschönen Seebrücke aus der Zeit der vorigen Jahrhundertwende oder dem Gespensterwald in Nienhagen und kleinen Orten mit Leuchttürmen und Ostseestränden. Wir ließen uns treiben und viel zu schnell war unser kleiner Roadtrip durch Deutschland wieder vorbei.

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12 Kommentare

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  1. Hallo Simone,

    ein wunderbares Unternehmen auf tolle Art und Weise. Mich als VW Bus Reisenden spricht sowas sehr an. Danke auch für die Beschreibung und die klasse Fotos. An einigen Stellen davon war ich auch schon, wunderschön. Dein Problem zur Routenfindung kann ich allerdings nur vage nachvollziehen. Jede große Ferienstrasse hat ihre eigene Webseite und meines (Halb-) Wissens nach auch eine eigene Routen-Navigation/App. Und zur Not gibt es dazu auch die gute alte Karte in Papierform… ;-))

    Herzlich, Dirk

    • Hallo Dirk,
      vielen lieben Dank für deinen Kommentar und dein Feedback. Ja, mittlerweile scheint es eine App zu geben, letztes Jahr hatte ich diese entweder nicht gefunden oder übersehen, aber das erleichtert natürlich einiges. Wobei ich es so auch nich allzu schlimm fand ;-)
      Alles Liebe,
      Simone

  2. Herrlicher Bericht. Vielen Dank.
    Ja, im Gegensatz z.B. zu Norwegen, die ihre Landshaftsrouten zelebrieren und perfekt vermarkten, wird das bei uns sehr stiefmütterlich behandelt.
    Mein Traum wäre ja eine Art Route 66 durch Deutschland oder gar Europa, an der man vielleicht sogar ehemalige Gebäude nachbaut und eine Geschwindingkeitsbegrenzung von 70 km/h vorgibt. Gleichzeitig mit Radweg. Ich glaube, so etwas könnte touristisch Zukunft haben. Langsamer reisen ist wirklich noch reisen.

    • Ich muss da deutlich widersprechen, Kai (und Simone).

      Aus mehreren Gründen ist das in meinen Augen Unsinn. Erstens is es ganz allgemein nicht so, dass es so etwas wie die Route 66 in Deutschland nicht gibt, und auch erscheint mir deine (Kai) Vorstellung davon zu idyllisch.

      Berühmte Straßen wie die Carrera Panamericana oder die Route 66 sind im Laufe der Jahrzehnte oft verändert worden, und die Schätzchen, die man dort fotografieren will, sind oft auf alten Strecken parallel zur aktuelllen Straßenführung. Es bringt also nichts, dort mit 70 km/h herumzucruisen. Man muss auf jeden Fall von der Strecke abweichen und selber entdecken.

      Zweitens ist dieses Mit-dem-Auto-herumcruisen ökologisch etwas zweifelhaft. Man kann auch per Fahrrad (ggf. E-Bike) herumreisen, und noch mehr zu Fuß entdecken. Fotografisch bringt das enorme Vorteile.

      Drittens gibt es auch in Deutschland bzw. Europa solche Strecken, auch wenn sie nicht immer vermarktet werden. Die Weinstraße. Die Orte entlang der Küste: man kann problemlos die Nordseeküste entlang reisen, von den nordfriesischen Inseln entlang der dänischen Grenze zu den ostfriesischen Inseln in Niedersachen, und dann weiter zu den westfriesischen Inseln in Holland, und weiter nach Belgien, etc.

      Man kann wunderbar durchs Alte Land entlang der Elbe und gleich nebenan durch die Lüneburger Heide radeln. Viele Orte (Buxtehude, Stade, Celle, Lüneburg) sind genauso schön (oder, je nach Geschmack: genauso kitschig) wie die Orte in Ostdeutschland.

      Am meisten kommt der Route 66 sicher das Ruhrgebiet nahe. Und gerade dort wäre es sicher geradezu idiotisch, entlang der „B1“ mit 70 km/h aus dem Auto heraus zu fotografieren. Die öffentlichen Verkehrsmittel sind billig und prima vernetzt.

      Es gibt im Ruhrpott jede Menge Geschichte (viele Zechen und Museen), Landschaft (Flüsse, Talsperren), Kultur (Musik- und Straßenfestivals) und mehr (z.B. Sport: BVB, Schalke) zu bestaunen und zu fotografieren, ganz sicher nicht weniger als entlang der Route 66.

      • Die Diskussion würde an dieser Stelle jetzt zu weit führen. Aber wir können das Auto nicht wegzaubern. Vielmehr können wir den Tourismusverkehr entspannen. Und zwar mit langsamen Routen, in denen man immer wieder anhalten und verweilen kann. Das nämlich kann man nur schwer. Unser Verkehrssystem- Egal ob Bahn oder Auto, beides ist nur auf Start und Ziel programmiert. In vielen Gesprächen mit Reisenden auch im Ausland wird das deutlich, wenn es um Deutschland geht. Viele fühlen sich gehetzt.

        Ich selbst arbeite an einem solchen Projekt im Kleinformat. Und habe einen regelmäßigen Austausch mit Statens Vegvesen in Norwegen.

  3. Ein wunderbarer Bericht mit passendem Fotomaterial! Als Österreicher bin ich auch immer wieder ob der Besonderheiten unseres Nachbarlandes angetan.

    • Vielen lieben Dank Markus! Ja, bei Euch gibt es ja auch ganz großartige Routen! Letztes Jahr bin ich über das Berchdesgandener Land nach Tirol, zum Großglockner und Südtirol gefahren, das war auch unglaublich schön!

  4. Schöner Bericht und schöne Bilder. Macht Lust, eine solche Reise auch mal zu machen!

    AAAAABER: wer schreibt denn solch einen Stuss: „ Sie fotografiert, seit sie denken kann. Zunächst analog, in der Dunkelkammer ihrer Schule, …“
    Seit wann fotografiert jemand in einer Dunkelkammer?….
    Auch der Text bei solchen Beiträgen ist wichtig ;-)

  5. Die Alleenstraße kannt ich bis jetzt noch nicht. Aber die Fotos machen wirklich lust auf mehr. Ich überlege gerade, dieser Straße im Sommer mit dem Fahrrad und dem Zelt zu folgen.