20. September 2017 Lesezeit: ~6 Minuten

Eine Frage, viele Antworten – Teil 11

Eine Frage, die immer wieder für unsere Artikelserie eingereicht wurde, ist: Wie findest Du Kund*innen, die zu Dir passen? Spannend dabei ist, dass diese Frage nie ohne den Zusatz nach der passenden Kundschaft gestellt wird. Es zeigt, wie wichtig es Euch ist, nicht einfach nur Geld zu verdienen, sondern die Fotografie mit Leidenschaft zu betreiben. Acht Fotograf*innen haben uns auf diese Frage geantwortet.

 

Ein Hochzeitspaar auf einer Wiese

Anne Hufnagl, Hochzeitsfotografin

In den Beschreibungstexten auf meiner Webseite und auch bei meinen anderen Internet-Auftritten spreche ich recht offen darüber, was mir bei meiner Arbeit wichtig ist, wie ich vorgehe, welche Bilder mir liegen und welche nicht. Dadurch wissen viele potentielle Kund*innen schon vor dem ersten persönlichen Kennenlernen ganz gut über mich Bescheid.

Nahezu alle Kund*innen kommen durchs Internet zu mir, sei es klassisch über die Google-Suche, Twitter, Instagram, Pinterest oder Facebook – ich bin überall vertreten und so finden mich auch die passenden Kund*innen. Vor jeder größeren Buchung ist mir ein Vorgespräch per Telefon, Skype oder persönlich wichtig, damit man wirklich sichergehen kann, dass man zueinander passt.

Eine große Hochzeit würde ich als Auftrag beispielsweise nie ohne so ein vorheriges Kennenlernen annehmen, denn letztendlich ist es für beide Seiten besser, wenn man zueinander passt. Für eine entspannte Atmosphäre am Fototag, aber auch für die Bildergebnisse hinterher.

 

Ein voller Teller

Susann Probst von Krautkopf und Paul liebt Paula, Food- und Hochzeitsfotografin

Die Fotografie ist ein wichtiges Kommunikationsmittel. Es liegt an uns als Sender*innen, genau die richtigen Empfänger*innen mit unserer Botschaft zu erreichen. Wer es also schafft, sein Anliegen, seine Gedanken und Gefühle in seine Fotos zu bringen, wird es auch schaffen, damit die richtige Kundschaft anzusprechen.

Ganz so einfach ist es am Ende natürlich trotzdem nicht, weil diese Menschen auch noch in den Weiten des Netzes und in der Bilderflut auf einen aufmerksam werden müssen. Wenn man seine eigene Stimme gefunden hat, muss man sie auch nach außen tragen können und sich Gehör verschaffen.

Dafür ist es ganz wichtig, das richtige Medium zu finden. Wir sind zum Beispiel auf unserem Blog, auf Facebook, Instagram und Pinterest aktiv. Jedes Netzwerk bringt andere Kund*innen zu uns und ist auf seine Weise wichtig für unser Geschäft.

 

Eine Frau an einer Maschine

Michael Omori Kirchner, Business-Fotograf und Trainer

Kund*innen fühlen sich vor allem dann von meiner Arbeit angezogen, wenn ich ein klares Bild nach außen abgebe, für welche Art von Fotos ich stehe und was der Nutzen ist, mit mir zusammenzuarbeiten. Das scheint mir auf meiner Website zu gelingen. Kund*innen, die zu mir kommen, wissen relativ genau, was sie von mir erwarten können und dass diese Leistung nicht für einen schmalen Taler zu erhalten ist.

Für meine Arbeit als Business- und Industriefotograf sind ein großes Netzwerk sowie langfristige Kundenbeziehungen wichtig. Daher ist das Telefon ein zentrales Medium, um bei meinen Ansprechpartner*innen im Gedächtnis zu bleiben.

 

Männerportrait

Martin Neuhof, Portrait- und Hochzeitsfotograf

Ich hab die Beobachtung gemacht, dass seitdem ich einen Imagefilm über meine Person und meine Fotos auf meiner Webseite habe, meine Kund*innen auch viel besser zu mir passen. Sie sehen, wie ich bin, wie ich rede und arbeite. Zumindest sind seitdem meine Brautpaare besser auf einer Wellenlänge mit mir.

 

Eine Wohnsiedlung

Stefan Boness, Fotojournalist

Oft finden die Kund*innen mich. Da ich viele Fotos und Geschichten initiativ und ohne Auftrag produziere, betrete ich den offenen Markt, die weite Welt sozusagen. Und: Fotos lassen sich zum Glück weltweit vermarkten! Und dieser „offene Markt“ wird von der Fotobranche schon recht gut beobachtet. Eigenwerbung ist dabei natürlich unerlässlich. Oft ist es ein hartes Geschäft, die Fotoredaktionen initiativ zu kontaktieren, oft aber auch sehr inspirierend.

 

Frauenportrait

Hanna Witte, Reportage- und Peoplefotografin

Die Kun*innen finden zu mir. Ich denke, wenn sich jemand mit mir und meinen Internetseiten beschäftigt, wird relativ schnell klar, ob man zueinander passt oder nicht. Für mich sind ausführliche Vorgespräche vor jedem Auftrag sehr wichtig. Es sollte nicht nur der fotografische Stil, sondern auch das Persönliche passen, damit beide Seiten Spaß an den Bildern haben.

Bei der Portrait- und Hochzeitsfotografie ist gegenseitiges Vertrauen für mich die Basis einer Zusammenarbeit. Die Kund*innen müssen sich mit mir und meiner Gegenwart wohlfühlen, wenn ich sie fotografiere, nur dann können natürliche Bilder entstehen.

 

Lisa Meyer, Portrait- und Hochzeitsfotografin

Der ausschlaggebende Punkt ist es, seine Zielgruppe zu definieren und dementsprechend in seinem Portfolio auch nur die Fotos zu zeigen, mit denen man seine Wunschkundschaft ansprechen möchte. So werden sich beispielsweise Brautpaare, die im Vintage-Stil heiraten, eher Fotograf*innen aussuchen, die sonst auch Brautpaare in diesem Stil begleiten, als solche, die nur klassische Hochzeiten in ihren Portfolios zeigen.

Natürlich kommt es trotzdem immer mal wieder vor, dass man Kund*innen hat, die nicht zu einem passen, gerade in der Anfangsphase. Allerdings wird dies mit der Zeit weniger, wenn man sich auf eine Nische festlegt und seine Zielgruppe mit der Zeit klarer definiert.

 

Ein Tisch mit Getränken und Käse

Jule Frommelt, Foodfotografin

Durch einen langjährigen Aufbau eines sehr guten Netzwerkes. Ich habe schon im Studium in der Uni-Fotowerkstatt gearbeitet und damals die unterschiedlichsten Arbeiten für die Studierenden fotografiert. Für viele habe ich auch noch nach dem Studium weitergearbeitet oder wurde von ihnen weiterempfohlen.

Durch meine Arbeit für eine Food-Zeitung bin ich zum Thema Essen/Trinken/Gastronomie gekommen und auch hier wurde ich hin und her empfohlen. Durch meine Spezialisierung passt die Kundschaft, die mich anfragt, meist sehr gut zu mir. Und wenn die Kund*innen zufrieden mit meiner Arbeit sind, erwähne ich auch immer, dass ich gerne weiterempfohlen werden kann.

 

Jede Woche werden wir nun eine neue Frage und die verschiedenen Antworten dazu veröffentlichen. Alle bisherigen Artikel der Reihe findet Ihr hier. Habt Ihr auch eine Frage? Dann stellt sie in den Kommentaren und vielleicht wird sie schon bald in einem Artikel beantwortet.

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2 Kommentare

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    • Ich bemühe mich heute eines diplomatischen Tones, auch wenn ich gerade zurückkomme von einem Ort dieses großen großartigen Planeten, dessen Schönheit mich einmal mehr geläutert hat, und der mir darum diese Art der Photographie dieser Urheber – und vor allem meine eigene – so belanglos erscheinen lässt, und mich mit einem gewissen Unmut ob dieser eitlen Präsentationen dieser unserer Zeit quält. –
      Ich versuche mich kurz zu fassen; diese ›Serie‹ befragt Photographen zu fast schon philosophischen Fragen. Hier werden, generell, individuelle Antworten auf universelle Fragen gesucht. Die Darsteller, die hier allerdings gefragt werden, scheinen – betrachte ich ihre Produkte (nichts anderes sind sie) als eine Art ›visuelle Verkörperung‹ ihres ›Inneren‹ – für mich – als einen kommerziell Irrelevanten, und von jener perversen Dienstleistungsknechtschaft Befreiten – alle gleich: Sie produzieren Abbilder des ›schönsten Tages im Leben des Lebens‹, zeigen ›Essen auf einem Teller‹ (›food‹), porträtieren Frauen in stereotypen, mädchenhaften Erwartungsposen (›people‹) oder machen ›Business‹ – Geschäft würde wohlmöglich zu sehr nach dem klingen, was es tatsächlich ist. Hier werden große Fragen gestellt, an Menschen, deren – so wie ich das sehe – Produkte erfolgreich sein mögen und zum persönlichen Glück verhelfen, aber, wie ich finde, banal, repetitiv und uninspirierend sind.
      Der inflationäre Gebrach von Anglizismen im Text selbst, offenbart die Eindimensionalität der jeweiligen Absichten.
      Stefan Boness sticht hervor; Selbstoptimierungsdarstellungswahn scheint da fremd. Danke dafür.

      Fleißiges kwerfeldein-Team: Fragt den Metzger Eures Vertrauens und nicht den industriell organisierten Schlachthof der die hiesigen Dis(s)counter beliefert.