13. September 2017 Lesezeit: ~ 7 Minuten

Eine Frage, viele Antworten – Teil 10

Fotowettbewerbe gibt es sehr viele. Einige sind weltbekannt und mit hohen Preisen dotiert, andere suchen nur nach kostenlosem Bildmaterial für die Eigenwerbung. Wir haben acht Fotograf*innen gefragt, ob sie an Fotowettbewerben teilnehmen und wie wichtig diese für ihr Fotogenre sind. Die Antworten sind sehr unterschiedlich ausgefallen, aber lest selbst.

 

Zwei Männer im Anzug

Susann Probst von Krautkopf und Paul liebt Paula, Food- und Hochzeitsfotografin

Wir nehmen selten an Wettbewerben teil. Vor einigen Jahren haben wir unsere Hochzeitsreportagen noch bei Wettbewerben von international bekannten Hochzeitsplattformen eingereicht und dort auch sehr gute Platzierungen erreicht. Irgendwann haben wir dann allerdings festgestellt, dass uns diese Auszeichnungen gar nicht wichtig sind. Am Ende soll die Kundschaft entscheiden, ob unsere Bilder zu ihr passen und uns nicht auswählen, weil wir einen Wettbewerb gewonnen haben.

Natürlich können solche Wettbewerbe Aufmerksamkeit bringen. Aktuell sind wir mit unserem Foodblog wieder für einen international sehr angesehenen Award nominiert und freuen uns auch darüber. Unser persönliches Glück hängt allerdings nicht davon ab, ob wir gewinnen oder nicht.

 

Eine Frau mit Blumenkranz auf dem Kopf

Tanja Wesel, Hochzeits- und Portraitfotografin

Fotowettbewerbe sind so ein Thema – ich persönlich halte nichts von ihnen. Ich kann auch kaum erklären, warum das so ist. Vielleicht liegt es daran, dass nur die Fotograf*innen teilnehmen können, die davon wussten und ich diese „Titel“ wie etwa „Best Photographer of the World“ oder „Best Wedding Photographer“ immer relativ finde.

Das hat nichts damit zu tun, dass ich den Gewinner*innen den Erfolg nicht gönne – ganz im Gegenteil. Aber oftmals sehe ich dort Bilder, bei denen ich denke, dass sie okay sind und habe in meinem Kopf viel schönere Bilder in Erinnerung von noch relativ unbekannten Fotograf*innen oder einfach anderen.

Gerade in der heutigen Social-Media-Zeit kommt es zudem auch noch häufig vor, dass die Abstimmung des Gewinners online stattfindet und es dann noch darauf ankommt, wer die meiste Werbung für sich selbst macht. Es gibt aber natürlich auch noch Wettbewerbe, bei denen alles anderes abläuft und die Fotograf*innen angeschrieben und für ein bestimmtes Bild nominiert werden. Das finde ich viel schöner und denke, dass das die Fotograf*innen auch stolzer macht, da sie sich nicht selbst beworben haben.

Ein anderer Aspekt ist: Was ist, wenn man nicht gewinnt? Ist man dann direkt schlechter? Im Gegenteil. Man sollte immer mit sich selbst im Wettbewerb stehen und es sich zur Aufgabe machen, bei jedem Auftrag ein Bild für sich selbst nominieren zu können, um zu sagen: „Ja, genau so wollte ich es!“ Quasi immer wieder den Anspruch an sich selbst stellen, um nie die Kreativität aus dem Auge zu verlieren.

 

Grabsteine

Stefan Boness, Fotojournalist

Reputation und Image sind natürlich extrem wichtig in der Branche. Über Fotowettbewerbe, wie der Gewinn der Rückblende vor zwei Jahren oder einem Preis beim World Press Award vor einiger Zeit, erreicht man gerade in der Fachszene große Anerkennung. Das verschafft einem neben den Geldpreisen gewisse inhaltliche Freiräume.

 

Ein Mann mit Reagenzglas

Michael Omori Kirchner, Business-Fotograf und Trainer

An Fotowettbewerben nehme ich überhaupt nicht teil. Das Messen eigener Fähigkeiten mit denen anderer Fotograf*innen kann eine sportliche Herausforderung sein, ich persönlich setze mich allerdings lieber mit den Anforderungen meiner Kunden auseinander und baue mir dort einen Namen auf. Dabei würde mir die Teilnahme an Fotowettbewerben nicht so sehr helfen.

 

Ein Frauenportrait

Martin Neuhof, Portrait- und Hochzeitsfotograf

Leider nicht, aber ich müsste viel häufiger an Wettbewerben teilnehmen, weil ich weiß, was sie in einem auslösen können. Ich habe 2009 einen Leipziger Jugendfotopreis gewonnen, der mich bestärkt hat, auf dem richtigen Weg zu sein, wahrscheinlich bin ich auch deswegen jetzt selbstständiger Fotograf.

 

Eine Braut mit Sektglas lacht

Hanna Witte, Reportage- und Peoplefotografin

Ich kenne mich in dem Bereich nicht wirklich gut aus. Generell kann man darüber natürlich viel Aufmerksamkeit erzeugen. Ich fotografiere vor allem bei Hochzeiten, allerdings eher Serien- als Einzelbilder. Oft gewinnen bei diesen Wettbewerben die sehr lauten und starken Einzelbilder. Ich möchte mit meinen Hochzeitsreportagen aber die Geschichte des gesamten Tages erzählen.

Zum Beispiel kann man im Laufe des Tages dem Brautpaar die verschiedenen Emotionen wie Vorfreude, Anspannung, Erleichterung und Glück ansehen. Dies zu zeigen, finde ich authentisch. Schade finde ich, dass es gerade in der Hochzeitsbranche fast nur Wettbewerbe gibt, die auf effektstarke Einzelbilder ausgelegt sind und nicht für ganze Reportagen oder leise, ruhige und spannende Fotos.

Ich möchte die Wettbewerbe keinesfalls abwerten. Es sind tolle Fotos, die dort gezeigt werden und die es auch verdient haben, dabei zu sein. Allerdings ist mir persönlich der Stil der Bilder bei allen Wettbewerben zu ähnlich, denn viele setzen nur auf einen bestimmten. Da ich diesen nicht bediene, macht es für mich wenig Sinn, daran teilzunehmen.

 

Ein Brautpaar mit wehendem Schleier

Anne Hufnagl, Hochzeitsfotografin

An Wettbewerben nehme ich selten Teil, zum einen, weil ich regelmäßig irgendwelche Einsendefristen verpasse, da ich viel mit Arbeit beschäftigt bin und zum anderen, weil die meisten Wettbewerbe zwar mit monetären Gewinnen locken, aber auch mit heftigen Startgeldern agieren. Um Bilder einzureichen, muss man Geld bezahlen.

Damit nehmen die Macher*innen vieler prestigeträchtiger Wettbewerbe im Bereich der Hochzeitsfotografie ein Vielfaches der am Ende ausgeschütteten Gewinne über Teilnahmegebühren ein und verdienen sich so mit der Arbeit anderer ein goldenes Näschen. Gelockt wird damit, dass gewonnene Awards verkaufsfördernd sind.

Bei diesem Spiel möchte ich ungern mitmachen. Auf meiner Webseite zeige ich sehr viele meiner Arbeiten, damit kann sich meine Kundschaft dann selbst ein Urteil bilden, wie gut ich bin und ob sie mich buchen möchten. Ich brauche dafür keine Auszeichnungen Fremder.

Ob gewonnene Preise anderen wirklich in ihrem Business oder vielleicht auch in ihrer persönlichen Entwicklung helfen, vermag ich nicht zu sagen. Ich persönlich würde stets vor allem aktuelle Arbeiten sehen wollen und gegebenenfalls noch auf die Meinung beziehungsweise Empfehlung anderer hören, als auf irgendwelche Auszeichnungen zu schauen.

 

Eine Braut mit einer Frau

Stefanie Fiegl, Neugeborenen- und Hochzeitsfotografin

In meinen ersten Jahren habe ich an Fotowettbewerben teilgenommen und dann auch mal den 1. Platz belegt. Das hat mich so befriedigt, dass ich den Fokus auf etwas anderes gelegt habe. Ich rate anderen davon ab, an vielen Fotowettbewerben teilzunehmen, zumal wenn die Teilnahme Geld kostet. Bei größeren Projekten würde ich das vielleicht anders sehen. Wobei ich finde, man streichelt nur sein Ego damit – manchmal braucht man jedoch Streicheleinheiten.

 

Jede Woche veröffentlichen wir eine neue Frage und die verschiedenen Antworten dazu. Alle bisherigen Artikel der Reihe findet Ihr hier. Habt Ihr auch eine Frage? Dann stellt sie in den Kommentaren und vielleicht wird sie schon bald in einem Artikel beantwortet.

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2 Kommentare

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  1. Vielleicht könnte die Redaktion den Fotografinnen und Fotografen auch folgende Fragen stellen?

    Wie vereinbaren sie das Fotografieren mit dem möglichen Dasein als Mutter und Vater von kleinen Kindern? Wer kümmert sich um Einkaufen, Elternabende, Besuche beim Arzt, Hausaufgaben machen, ins Bett bringen, ev. zur Schule bringen und Spielen usw.?
    Unter der Woche und am Wochenende?

  2. Meine Meinung :
    Schön für die Reichweite (ich hasse dieses Wort). Letztendlich kann man sich wohl auch was dafür kaufen…aber man ist dann doch auf die Meinung der Juroren angewiesen.
    Deshalb : Quatsch ! Ist nur ne Momentaufnahme / Meinung / Geschmack von einer oder mehreren Personen.
    Gerade was die Fotografie angeht, spielt da die Sache mit der Kunst / Geschmack eine Rolle.
    Darüber lässt sich bekanntlich streiten.