20. Juni 2017

Typisch Deutsch!

Rassismus hat viele Gesichter. Stereotype sind eines davon. Mit meinem Projekt, Deutsche und in Deutschland lebende Nicht-Deutsche zu fotografieren, möchte ich Stereotype aufbrechen, Wahrnehmung hinterfragen und vorschnelle Schlüsse zum Stolpern bringen. Ich bin mit Star Trek Enterprise aufgewachsen – das überwiegend friedliche Zusammenleben unterschiedlicher Kulturen hat mich fasziniert und geprägt. Menschen wurden aufgrund ihrer Fähigkeiten geschätzt und nicht aufgrund von Aussehen oder gar Papieren.

Auch nerven mich aktuelle politische Strömungen, die das „Deutschsein“ auf einen Pass beschränken, aber nur, wenn es in die eigene beschränkte Sicht passt. Dabei habe ich am eigenen Leib erfahren, wie fraglich diese Kategorisierung ist. Schon mein Großvater ist in Deutschland geboren, aber eben ohne deutschen Pass. Das hat sich auf meinen Vater und schlussendlich auf mich übertragen. Ich war bei Geburt meiner Ausländer, kann aufgrund meiner Herkunft aber alle Kölner Karnevalslieder mitsingen. Op Kölsch.

Wäre ich allerdings zehn Jahre später geboren, hätte ich von Geburt an einen deutschen Pass besessen, weil meine Mutter einen hat. Dabei erging es mir deutlich besser als der in Deutschland geborenen 15-jährigen Bivsi, die nach Nepal abgeschoben wurde – ein Land, das sie bisher noch nicht gesehen hatte.

Das Thema hat sehr unterschiedliche Facetten und ich finde es sehr falsch, Menschen aufgrund ihres Aussehens in Schubladen zu stecken. Seit vielen Jahren begleite ich fotografisch die Blindenfussballer*innen vom FC St. Pauli – da spielt Aussehen überhaupt keine Rolle. Es interessiert sehr viel stärker, wie Du Dich gegenüber Deinen Mitmenschen verhältst. Das finde ich sehr sympathisch.

Ich habe mir deswegen überlegt, wie ich mit meinen Mitteln verdeutlichen kann, was mir zu diesem Thema wichtig ist. In mein kleines Portraitstudio habe ich mir Menschen unterschiedlicher Herkunft eingeladen, die sich nur durch eines unterscheiden: dem Vorhandensein eines deutschen Passes. Interessanterweise berichteten ausgerechnet die Menschen über den gegen sie gerichteten Rassismus, die einen deutschen Pass haben.

Männerportrait

Frauenportrait

Männerportrait

Frauenportrait

Männerportrait

Frauenportrait

Männerportrait

Frauenportrait

Ende des Monats werde ich mein Projekt in einem größeren Rahmen vorstellen können. Bei der vom 29. Juni bis zum 2. Juli in Hamburg stattfindenden Millerntor Gallery stellen rund 100 Künstler*innen aus aller Welt ihre Werke vor. Dort werde ich einige meiner Portraits zeigen und die Besucher*innen können dann raten, welche Nationalität zu den gezeigten Menschen passt. Du kannst hier schon einmal einen kleinen Test machen und erraten, welche Bilder keinen Deutschen zeigen. Kleiner Tipp: es sind drei.

Vielleicht findest Du beim nächsten Aufeinandertreffen mit einem nicht typisch deutsch aussehenden Menschen eine andere Gesprächseröffnung als „Wo kommst Du denn her?“ Sehr angenehm finde ich auch die Textzeile von Marteria aus seinem Song „Aliens“: „Die meisten Fremden haben immer etwas Neues zu geben.“

Da wir hier ja bei kwerfeldein sind, noch der Hinweis auf die bei den Portraits verwendete Fototechnik: Hasselblad 503cx mit 180 mm f/4 auf Fuji Acros 100, entwickelt in Spur 2525.

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12 Kommentare

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  1. Gefällt mir gut!
    Ein sehr geradliniges Projekt, ein relevantes Thema und Fotos, die – (meines Erachtens) auch für sich stehend – gut sind.
    Das klare Konzept und die nicht so “geschwurbelte” Herangehensweise (im Vergleich zu vielen anderen Projekten mit übermäßig künstlerischem Anspruch) lassen die Serie für mich funktionieren.
    P.S.: Etwas schwer, die Sache in Worte zu fassen. Aber die positive Rückmeldung wollte ich gerne da gelassen haben.

  2. “… verwendete Fototechnik: … auf Fuji Acros 100, entwickelt in Spur 2525.”
    Frage zu der Ausarbeitung der Bilder: liegt es an meinem Monitor, oder am Acros, oder am Spur 2525, dass bei mir die Bilder alle sehr grau, wie mit einer “Zementschicht überzogen” erscheinen?
    Insbesondere bei “cembasman” fällt es sehr auf… ich hätte mit etwas mehr Kontrast gewünscht.
    Aber möglicherweise kommt das im Original auch ganz anders rüber…
    Jedenfalls eine schöne Idee und sehr “lebendig” auf Film (!) gebracht!

    • Vielleicht irre ich mich, aber der Across ist in den Lichtern nun mal eher “grau”, oder “matt silber”, reines Weiß ist mir nur bei deutlicher Überbelichtung gelungen; er hat ‘ne feine Zeichnung und eignet sich meiner Erfahrung nach auch eher für Landschaften. Oder: was sagt der Photograph dazu!?

      Davon abgesehen: Eine gelungene Serie! Erfrischend. Die “infantile” (Jens) Umsetzung gefällt mir eben aufgrund des emotional überladenen Themas.

      • Die Wahl auf den Acros fiel wegen seiner Zeichnung. In der großen Vergrößerungen fällt der niedrige Kontrast nicht so stark auf, wie hier im Web. Davon abgesehen wusste ich ja, dass ich unterschiedliche Altersgruppen vor die Linse bekomme und da kann der niedrige Kontrast helfen :)
        Ansonsten: Danke für deine Worte.

  3. “Ich bin mit Star Trek Enterprise aufgewachsen – das überwiegend friedliche Zusammenleben unterschiedlicher Kulturen hat mich fasziniert und geprägt. Menschen wurden aufgrund ihrer Fähigkeiten geschätzt und nicht aufgrund von Aussehen oder gar Papieren.” – das ist Fiktion, genauso wie “Dschungelcamp”, “GZSZ”, etc.

  4. Schade, dass mein Kommentar gelöscht wurde. Für mich nicht ganz nachvollziehbar, da er durchweg Positives zum Ausdruck brachte sowie mein Lob für die wirklich erstklassige Arbeit und für die Wahl des zum Ausdruck brachte. Trotzdem, weiter so, Stefan ;-)

  5. Blogartikel dazu: KW 25 #KillYourDarlings | M i MA