Eine Person steht vor dunklen Bäumen
22. Februar 2017 Lesezeit: ~5 Minuten

Testbericht: Fuji Instax Monochrom

Mit der Fuji Instax hat Fujifilm die Landschaft der wieder sehr populär gewordenen Sofortbild-Fotografie verändert. Viele Nutzer*innen der Instax-Reihe haben sich schon lange einen Schwarzweiß-Film dafür gewünscht. Von Beginn an, möchte man sagen.

Nun gut, das erste Instax-Modell, die Instax Mini 10, ist aus dem Jahr 1998. Das ist länger her als es sich anfühlt. Immerhin stand im Februar ’98 Celine Dions „My Heart Will Go On“ auf Platz 1 der Charts. So lange also hat es Fujifilm geschafft, eine Reihe an Sofortbildkameras zu etablieren, ohne uns einen Schwarzweißfilm zu bieten.

Nun ist es aber endlich so weit. Ed Sheeran besetzt Platz 1 der Charts und man weiß nicht, ob 1998 wirklich irgendetwas besser war. Zwar gab es den Instax-Monochromfilm noch nicht, aber dafür war Fujifilms legendärer Schwarzweißtrennbildfilm, FP3000b, noch in Produktion.

Ein Strommast in bergiger Landschaft

Eine Person fährt per Anhalter

Viele Besitzer*innen einer Trennbildkamera oder eines entsprechenden Rückteils waren enttäuscht, als dieser Film vor einigen Jahren eingestellt wurde. Wer es sich leisten konnte, hamsterte Restbestände, die man jetzt für viel Geld in Online-Auktionen erstehen kann.

Ob es ein Anspruch an den Instax Monochrom sein kann, mit dem Fuji FP3000b mitzuhalten? Wohl kaum. Allein die Größe des Films spricht dagegen. Zusammen mit den Impossible-Filmvarianten für Polaroidkameras ist es derzeit aber die einzige Option für Fotograf*innen, die in Schwarzweiß und auf Sofortbild fotografieren möchten. Die Hoffnung vieler ist nun, dass Fujifilm den Film auch für das deutlich größere Format der Instax Wide herausbringt.

Auf einer Mauer steht „We all bleed the same colour"Blick über Jerusalem

Aber nun zum Film. Das handliche Format ist bereits vom Farbfilm der Instax-Reihe bekannt. Die Kameras sind kompakt genug für die Jackentasche und ideal zum Reisen. Die hier gezeigten Bilder sind mit einer Fuji Instax Mini 90 Neo Classic entstanden. Vom Handling, dem Einlegen und Nutzen des Films hat sich natürlich nichts verändert. Jede Menge Plastikmüll und seltsame Geräusche. Folie auf, schwarze Kassette raus, ab in die Kamera, Deckel schließen, Kamera einschalten. Krrrrzchtch – die Kamera wirft die schwarze Abdeckung raus und es kann los gehen.

Die Instax Mini 90 neigt meiner Meinung nach dazu, Highlights ausbrennen zu lassen. Gut, der Film ist, ebenso wie der Farbfilm, mit ISO 800 angegeben, also war es, sagen wir mal, ambitioniert von mir, in der israelischen Wüstensonne damit zu experimentieren.

Silhouette einer Person in KüstenlandschaftSilhouette einer Person in Küstenlandschaft

Im Vergleich zum Farbfilm, der mir immer wieder etwas flach vorkam, wirkt der Instax Monochrom kontrastreicher und zeigt auch in schwierigen Lichtsituationen schöne Tonwerte. Ergebnisse hängen aber stark von der jeweiligen Situation ab. Je nach Lichtverhältnis kann es auch sein, dass der Film eher an die flachen Schwarzwerte der grauenvollen Vintage-Filter in Eurer Lieblingsapp erinnert.

Alles eine Frage des Motivs und des Handlings, der Film hat einiges zu bieten. Insgesamt ist der Kontrast angenehm hoch für einen Schwarzweißfilm, jedoch nicht zu hoch, so dass ein hohes Maß an Informationen auch in den Mitten erhalten bleibt.

Allein das Gefühl, wieder so einfach, schnell und vergleichsweise günstig an schwarzweiße Sofortbilder heran zu kommen, gefällt. Auch wenn es sich bei den Instax-Modellen natürlich um einfache Kameras ohne manuelle Einstellungen handelt. Mangels vielseitiger Auswahl gibt es aber durchaus eine Zielgruppe, die von einem Instant-Schwarzweißfilm mehr möchte als Spaßbilder und Schnappschüsse. Die momentan vielseitigste Option wäre die Lomography Diana F+, mit der Instax-Filme verschossen werden können und die immerhin eine Handvoll Einstellungen zulässt.

Sofortbild eines WasserfallsSofortbild eines Wasserfalls

Vergleich des Instax Mini Farb- und Schwarzweißfilms

Die Ergebnisse zeigen ein eher kühles, vielschichtiges Schwarzweißbild und bestärken die Hoffnungen auf einen Instax-Wide-Film, um mehr Auflösung, mehr Details hervorzubringen. Das Potential ist vorhanden.

Einmal verschossen und entwickelt, lässt sich der Film einwandfrei scannen. Er ist recht neutral in der Farbgebung und hat das gleiche glänzende Finish wie der Farbfilm. Der Weg der Bilder aus der Kamera ins Internet ist also geebnet. Newton-Ringe tauchen selten auf und lassen sich beim Scan kontrollieren, indem man eine leere Filmkassette als Halterung verwendet.

Eine person steht unter einem Baum

Vögelschwärme über Bäumen

Die hier gezeigten Bilder wurden mit 600 dpi gescannt, die jeweiligen Ergebnisse hängen stark vom genutzten Scanner, der benutzten Software und den verwendeten Einstellungen ab. Egal, wie die Bilder digitalisiert werden, die größte Stärke von Sofortbild bleibt der Charme des Bildes wie es aus der Kamera kommt.

Nachtrag:
Wie bereits erwähnt, hängen digitalisierte Ergebnisse stark von der verwendeten Technik ab. Ob gescannt oder abfotografiert, Kontrast und vor allem Farbgebung variieren. Für mein Empfinden ist der Film, wie gesagt, eher kühl. Er hat einen leichten Blaustich. Nach dem Scannen trat dieser Blaustich verstärkt auf, was den Originalen nicht mehr gerecht wurde. Die gezeigten Ergebnisse wurden in Schwarzweiß gescannt und ansonsten nicht bearbeitet. Abfotografiert, mit entsprechendem Weißabgleich, sieht das Ergebnis so aus:

Vier Instax Bilder auf einem Papieruntergrund

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14 Kommentare

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  1. Die Bilder wurden aber sicher in der Farbe bearbeitet oder nicht. Der monochrom zeigt eigentlich immer einen leichten grün oder blaustich. Richtig schwarz weiß ist der normal nicht.

    • Hallo Dilo,

      die Bilder wurden bereits in Schwarzweiß gescannt. Ein Scan in Farbe verstärkt den vorhandenen Blaustich, was ebenfalls eine Korrektur des Weißabgleichs erfordert. Egal wie Bilder digitalisiert werden, es ist immer eine Korrektur nötig.
      Ich habe den Artikel um eine Aufnahme abfotografierter Bilder ergänzt.

      Viele Grüße!

      • Dank für die Antwort. Dachte das sollte erwähnt sein da die Bilder ja in erster Linie zum Analogen Gebrauch gedacht sind. Mir gefällt er trotz leichtem Farbstich. Wie der Farbstich ausfällt hängt tatsächlich vom Licht an. Hab auch welche bei denen man es nicht sieht bzw. es nicht vorhanden ist.

  2. Nice!
    Als der rauskam, war mein erster Gedanke auch: „wann gibt’s den für die wide?“
    btw: letzens sw am darß geschossen bei 4°C, das gab dann bei ausentaschenentwicklung einen interessanten lila-farbverlauf – ganz ohne vintage-filter ;-)
    grüße

    • Hallo Olii,

      meiner Erfahrung nach kommt der Blaustich sehr auf die vorhandenen Licht- und Umgebungsverhältnisse an. Man bekommt recht schnell ein Gefühl dafür, wie es sich z.B. in hellem Sonnenlicht oder in der Dämmerung verändert.

  3. Schade, dass Ihr die Bilder im Anschluss in s/w konvertiert habt. Wenn’s um den Film und nicht um die Bilder geht, dann sollten die aus gezeigt werden wie sie sind. Die Instax Monochrome haben alle einen Blaustich und wirklich s/w gehen nur Farbfilme mit dem Instax Printer.

    • Hallo Thorsten,

      ich habe den Artikel um eine Aufnahme abfotografierter Bilder ergänzt. Beim digitalisieren verändert sich die Bildwirkung immer. Meine gescannten Bilder waren deutlich bläulicher als die Originale. Ohne eine Farbkorrektur würden die Ergebnisse auch als Farbscan verzerrt dargestellt. Ich bin also bei meiner üblichen Vorgehensweise geblieben: Schwarzweiß-Bilder in schwarzweiß zu scannen.

      Viele Grüße

  4. Für mich liegt das Wesen eines Polaroids darin, dass es ein Unikat ist. Sobald ich es digitalisiere, bearbeite (das geht ja gar nicht) und ins Netz stelle, ist das weg, futsch, aus.
    Konsequenterweise müßte man sich eingestehen, dass man das im Netz gar nicht teilen und z.B: hier gar nicht thematisieren kann, ohne eine Absurdität zu begehen.
    Diesen Konflikt habe ich bereits mit den immer wieder gepriesenen und gezeigten analogen Fotos – hier ist nix analog !
    Bin ich der einzige den das stört ?
    Ich finde es ganz gut, wenn es etwas gibt, was sich dem Netz entzieht – das ist schon eine Seltenheit und ich habe das Gefühl, dass die „Sucht“ ausnahmslos alles übers Netz machen zu wollen, teilen zu wollen, Beruf, Hobby, Partnersuche und ich weiß nicht was auch irgendwann mal kippen oder an Grenzen stoßen muss.
    Finde ich … jedenfalls…

    Grüße
    Andreas

    • Es ist zwar schon richtig, dass im Netz alle Bilder digitalisiert sind. Manche wurden früher, andere erst später digitalisiert. Aber irgendwie mussten sie in Pixel umgewandelt werden, damit sie im Netz sichtbar werden können.

      Wenn man allerdings bedenkt, dass Bilder deswegen gemacht werden, damit sie jemand betrachtet, dann ist das gar nicht so schlimm. Im Schuhkarton unter dem Bett sind Bilder zwar gut vor Sonnenlicht geschützt, betrachten können sie jedoch nur ganz wenige.

      Ob nun wirklich alle Bilder unbedingt von jedem betrachtet werden sollten, das steht auf einem anderen Blatt.

    • Interessanter Gedanke.

      In letzter Konsequenz und in Anlehnung an das Bild „La trahison des images“ (Der Verrat der Bilder) von René Magritte, müssten die hier gezeigten Scans noch mit dem Untertitel „Ceci n’est pas un polaroid“ versehen werden.

  5. super sache, hab schon lange überlegt mir einen zu bestellen. zwar nicht für die instax kamera, aber für meinen kleinen drucker. leider gibt es noch keine packerl wo mehr als 10 drin sind. also wie beim farb (2x 10stk) was dann etwas günstiger ist. außerdem fürchte ich, ich brauch nun einen zweiten instax drucker.