Zwei Hände und einige Bilder auf einem Tisch
04. Februar 2017

Weihnachten im Land der pommesgelben Haare

Das Land der pommesgelben Haare ist manchem auch als Sachsen-Anhalt bekannt. Dort wohnen meine Eltern, da bin ich geboren und träumte als kleines Kind von der Republikflucht. Das habe ich geschafft und nun kehre ich doch ein paar Mal im Jahr zurück, um meine Familie zu sehen und Freunde zu treffen. Weihnachten eignet sich dafür besonders gut. Man hat Zeit, alle haben Zeit und es gibt genug Gründe, diese Zeit miteinander zu verbringen.

Essen zum Beispiel ist ein wunderbarer Grund und so koche ich gern einmal im Jahr für meine Eltern. Dieses Jahr hat mir meine Freundin Sheila dabei geholfen. Na ja, vielleicht habe auch ich ihr dabei geholfen. Genau weiß man das nicht. Weihnachten ist in meiner Familie kein opulentes Fest. Man isst, man schenkt, man isst und dann geht man schlafen. Geschenke – selbst als sozialistisches Kind war ich zu Weihnachten eigentlich nur auf Geschenke fixiert.

Auch heute finde ich Geschenke noch großartig und vor allem finde ich Schenken großartig. Meinen Eltern bekamen Andreas Kielings und Kilian Schönbergers Buch „Sehnsucht Wald“ und ich bekam von meinen Eltern Helmut Newtons „Sumo“ (Nein, nicht das gaaaaaanz große). Darüber habe ich mich natürlich sehr gefreut und musste ein bisschen kichern.

Immerhin haben meine Eltern mir damit de facto ein Buch mit Brüsten geschenkt. Das so etwas mal passiert, denkst Du Dir in der Pubertät auch nicht aus. Meiner Großmutter wollte ich ein bisschen mehr schenken, als einfach nur ein Objekt. Sie ist nicht mehr so gut zu Fuß und auch wenn ihr Heimatort nur 30 Minuten entfernt liegt, ist das für sie schon eine Weltreise. Durch die Straßen zu schlendern, wäre ohnehin nicht mehr möglich.

Eine Frau sitzt mit gefalteten Händen am Tisch

Eine Frau gestikuliert beim sprechen

Eine Frau betrachtet Bilder

Ein Fachwerkhaus

Portrait eines Mannes

Ein Kirchturm zwischen zwei Häusern

Ein halbes, überwuchertes Haus

Himmel über Fachwerkhäusern

Eine leere Straße mit Fachwerkhäusern

Eine Straße führt um ein altes Haus

Ein umgekippter Stuhl vor einem Haus

Eine Mauer vor einer leeren Straße

Ein kleiner Laden namens Reinhard's Ecke

Eine leere Straße

Hinter einer Scheibe stehen Pokale und ein Auto

Ein Fachwerkhaus von außen

An einer Tür hängt ein Kranz

Ein Kuchen steht an gedecktem Tisch

EIne Person trinkt aus einer Tasse

Also sind wir nach Schwanebeck gefahren und haben alles von Bedeutung fotografiert. Das ist ein verschlafenes kleines Dörfchen in der Nähe von Halberstadt. Wenn man dort angekommen ist, fühlt man Sachsen-Anhalt zum ersten Mal richtig. Davor ist alles doch irgendwie auch ein bisschen Niedersachsen und riecht etwas mehr nach Wohlstand. Schwanebeck dagegen ist Osten. Niemand ist auf den Straßen und hinter großen Toren bellen ein paar Hunde.

Hier kommt die AfD auf 22,8 %. Ich fand es ein bisschen lustig, dort durch die Straßen zu laufen und alles zu fotografieren. Auch wenn da niemand auf den Straßen zu sehen ist, bekommt man im Ort doch alles mit. Vielleicht kursieren jetzt ein paar Gerüchte über einen jungen Wuppertaler Investor, der da ein paar leerstehende Gebäude kaufen möchte.

Möglicherweise denkt man aber auch, dass die Lügenpresse nur im Ort war, um ein bisschen ostdeutsche Tristesse einzufangen. „Weihnachten in der national befreiten Zone“ oder so. Wir haben die Bilder gleich gedruckt und meiner Großmutter geschenkt. Sie hat sich sehr gefreut und ein paar Geschichten zu den Motiven erzählt. Es ist schön, etwas von Bedeutung zu schaffen, immer wieder.

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16 Kommentare

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  1. Was ist ein „sozialistisches Kind“?

    In der Autorenbeschreibung: wenn 1984 geboren – damals war das noch nicht „ehemalige DDR“, sondern noch die ‚real existierende‘ „DDR“.

    Die Fotos treffen das ländliche Sachsen-Anhalt sehr gut.

    • Reine Rhetorik, bitte nicht zu sehr dran aufhängen. Man könnte auch sagen: „Ein Kind, welches im Sozialismus geboren wurde.“ oder ähnliches. Die Bedeutung sollte klar. Scheinbar habe ich das Wort „heute“ in der Autorenbeschreibung vergessen und mehr auf die fotografische Arbeit geachtet. Wer hätte gedacht, dass jemand so viel Wert auf Formulierungen legt, die inhaltlich nur sehr begrenzt etwas anderes meinen.

  2. Also, Bilder kann ich keine sehen, doch zur für mich durchaus nachvollziehbaren Anmerkung von HF möchte ich kurz Stellung nehmen. Ich bin selbst in der DDR geboren und aufgewachsen und würde mich NIE als „sozialistisches Kind“ bezeichnen.
    Die Antwort des Autors ist enttäuschend, passt jedoch in die Zeit. Anstatt sich der Kritik anzunehmen, wird der aufmerksame Leser indirekt als Pedant bezeichnet. Ich bin der Meinung, dass man gerade in der heutigen Zeit seine Worte mit bedacht wählen sollte. Dies gilt insbesondere für die hiesige Bühne, denn für Öberflächlichkeit sind andere Medien zuständig.
    Damit möchte ich nicht die Arbeit des Autors an sich kritisieren. Freuen würde es mich, wenn ich die Bilder sehen könnte. Auf zweien meiner Geräte sind, nur die alternativen Textbezeichnungen zu sehen.

      • Ich finde es schade, dass es Ihnen nach meinem Empfinden nicht gelungen ist, auf sachliche Kritik angemessen zu reagieren. Wenn jemand sich mit Ihrem Artikel auseinandergesetzt hat, dann wäre es doch eigentlich angebracht, ihm respektvoll zu begegnen. Die rhetorische Frage „Rall ihr nicht, ne?“ halte ich in diesem Zusammenhang weder für besonders reif noch professionell. Und professionell möchten Sie doch eigentlich rüberkommen, oder?! Die Bilder sind es doch auch – dafür ein Lob!

  3. Schade, dass die (überflüssige) Diskussion im Vordergrund steht und nicht diese sehr gelungene Serie s/w Fotos. Der emotionale Text und die Fotos passen für mich sehr gut zusammen.

  4. Um was genau es in der Reportage geht, hab ich nicht richtig verstanden. In mir lösen die Fotos das Gefühl aus: „da möchte ich nicht tot übern Zaun hängen!“

  5. Ich finde es schade, dass der Autor so abrupt auf Nachfragen reagiert. Das war immerhin ein bedeutendes Kapitel in der jüngeren Geschichte, das viele berührt, vor allem wenn sie betroffen waren. Dass die Wahrnehmung dabei vielfältig und mehrschichtig ist, kann ich gut verstehen. Sogar ich, der als Kind nur in der Nähe der Grenze gelebt hat, hab ein komplett eigenes Bild davon. Wäre toll gewesen, etwas mehr davon zu erfahren als „nur“ gute Bilder zu bewundern, die es zweifellos sind.

    Gruß
    Karlheinz

  6. Toll….Ich wurde 56 in Eilenstedt eingeschult…Habe sehr schöne Kindheitserinnerungen..an HausNienburg..Eilenstedt..später dann Quedlinburg..Jugenderinnerungen..Oschersleben,Hornhausen..meine Oma kam von dort..Ja, Hordorf..da bin ich geboren..Danke für die Bilder…Jetzt rieche ich wieder den Acker, höre den Wind..schmecke die Äpfel..der Kindheit..die süssesten der Welt..Nochmals..Danke..!!
    Egon Witte, Nikosia..

  7. Sie wissen es wohl besser…Die Gegenden wie auch die Menschen sind ja nicht zwanghaft düster und hoffnungslos..aber auch nicht sehr lustig..Dass unsere Kindheit war wie sie war ist ok..Aber, kann mir mal jemand erklären wie ein reiches Land wie die BRD das kleine DDR Drittel derartig absacken lassen kann…Ich bin dort geboren..es war keine sozialistische Geburt, gerade so eine Geburt..Ich kannte auch all die Jahre keine sozialistischen Kinder..Das ist so ein Mediendummquatsch..Wir waren Kinder, Jugendliche, in einem anderen System aufgewachsen..ja doch..Das hat doch die Leute nicht zu rosaroten Hamstern gemacht..Also, die Bilder sind nostalgisch für den, der die Gegenden kennt..Wer die Gegenden und die Menschen nicht kennt…und liebt..wird wohl vor Schreck an schlimme Zeiten denken..Ich habe dort aber Liebe, Freundlichkeit und Hilfe erfahren..Leben gelernt..wenn das geht..Die Menschen sind verschlossen und nicht redselig..Muss nicht schlimm sein. Schlimm ist aber sicher, wenn sie verlassen und abgehängt werden…Dann gibt es mal wieder Bauernkrieg..Nicht schön? Dann sagt das mal den fetten Hamstern im Rad..