Ein Winterwald
17. Januar 2017

Cimarrón oder die rettende Flucht

Ich zog in den Wald, weil ich den Wunsch hatte, mit Überlegung zu leben, dem eigentlichen, wirklichen Leben näherzutreten, zu sehen, ob ich nicht leben konnte, was es zu lehren hatte, damit ich nicht, wenn es zum Sterben ging, einsehen müsste, dass ich nicht gelebt hatte. Ich wollte nicht das leben, was nicht Leben war; das Leben ist so kostbar. Auch wollte ich keine Entsagung üben, außer es wurde unumgänglich notwendig. Ich wollte tief leben, alles Mark des Lebens aussaugen, so hart und spartanisch leben, dass alles was nicht Leben war, in die Flucht geschlagen wurde. („Walden“, Henry David Thoreau)

Cimarrón, der Titel des hier vorgestellten Projekts, ist der spanische Ausdruck für einen von seiner Plantage geflohenen Sklaven. Cimarrón ist eine Metapher auf die Flucht. In die Wälder fliehen, um in Freiheit zu leben.

Aber auch Flucht als Verweigerung der guten Manieren der „Zivilisation“, als eine Praxis der De-Domestizierung, als bewusste Verwilderung, die Verweigerung einer entfremdeten Existenz.

Flucht als Ressource und nicht als Kapitulation, Flucht, die uns nicht nur gestattet ist, wenn Ereignisse außer Kontrolle geraten sind, sondern auch um neue bisher undenkbare Wege zu finden, die uns neue Perspektiven eröffnen, zu Oasen werden. (Corrado Zeni über Henri Laborit, „Éloge de la fuite“ (Lob der Flucht))

Ein Mann sagt etwas.

Spuren im Sand

Ein Geländer im Dunkeln.

Ein Pferd in der Nacht.

Ein Winterwald

Ein Wohnmobil mit geöffneter Tür in der Nacht.

Ein Rinderkopf mit Hörnern.

Das Gesicht eines Mannes in der Nacht.

Eine Ziffer am Wegesrand.Das Gesicht einer Frau in der Nacht.
Ein FlussbettIm Wald siehst Du Bäume.

Ein Spur am Strand.

Der Hinterkopf eines Mannes.Ein Flugzeug am Himmel.

Die Gischt am Strand

Flucht nicht als Rückzug aus dem Leben, sondern als Rückzug in das Leben. Die Flucht vor wird zur Flucht zu, zwischen Rebellion und Resignation wird sie zur einzigen Alternative, die eine authentische Existenz ermöglicht. Die gesamte Serie ist hier zu finden.

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13 Kommentare

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  1. Beeindruckende Serie im Stil von Jakob Aue Sobol und Anders Petersen. Gefällt mir sehr. Eine Kleinigkeit stört mich allerdings: Das Farbbild passt einfach nicht rein. Hier sollte man einfach konsequent SW bleiben.

  2. Blogartikel dazu: Cimarron published on kwerfeldein – MATTHIAS KOCH

  3. Vielen Dank, Herr Koch,

    zunächst formal:
    Das sind mal wieder wunderbare Schatten und tolles Korn.
    Ich sehe das einfach gerne.

    inhaltlich:
    zunächst dachte ich: oje verkopft, aber mir gefällt der gedankliche Ausbruch ins Wilde, ins Rohe. aus der Zivilisation, die so glatt und sauber daherkommt und ihre Fratze gern versteckt. gerade die Natur nicht romantisiert, sondern hart, ohne Kompromiss.
    Chuck Palahniuk fällt mir ein.

    ach ja: ich bin auch über das eine Farbige der Serie gestolpert, aber finde, das ist ein schöner Störfaktor.

    Ganz was Tolles!

      • @ antonio:
        Netiquette: Bleib freundlich, konstruktiv und beim Thema des Artikels.

        Auch wenn “Flucht” in der Überschrift steht, hat der Beitrag doch gar nichts mit Kriegsflüchtlingen zu tun.
        In der Menschheitsgeschichte haben immer Menschen gelitten, trotzdem gab es immer kulturelles Schaffen.
        Hier von “unerträgliche intellektuelle Kokettererei” zu sprechen ist… ach ich sag es lieber nicht: wegen der Netiquette

  4. Blogartikel dazu: Cimarron published on kwerfeldein |

  5. Vielen Dank Matthias für diesen Beitrag. Ich kann die Motivation und die Gedanken hinter den Bildern sehr gut nachvollziehen.. Sorry dass ich hier erst spät als Nachzügler kommentiere
    Das Portfolio auf deiner website: Sehr lohnend uns sehenswert.

    Ja, fühle mich ebenfalls an Anders Petersen aber auch (portfolio) an Ellen von Unwerth erinnert.

  6. Blogartikel dazu: Cimarron published on Kwerfeldein – M.

  7. Blogartikel dazu: Cimarrón oder die rettende Flucht – Matthias Koch Fotograf