Abbildung eines Buchcovers mit einem verdeckten Gesicht
10. Oktober 2016 Lesezeit: ~4 Minuten

Psychologie der Fotografie: Kopf oder Bauch?

Die Verquickung zweier auf den ersten Blick vermeintlich weit voneinander entfernter Themenfelder – Fotografie und Psychologie – wird im Buch „Psychologie der Fotografie: Kopf oder Bauch?“ untersucht und als wichtig be- und umschrieben im fotografischen Umgang mit dem Menschen, also dem wohl Empfindsamsten, was man vor seiner Linse haben kann.

Dieses Buch von Prof. Dr. Sven Barnow, seines Zeichens Leiter des Lehrstuhls für klinische Psychologie und Psychotherapie an der Uni Heidelberg, setzt sich, bedingt durch seine fotografischen Tätigkeiten, mit der Fotografie von Menschen auseinander. Hierbei liegt sein Augenmerk auf den Positionen vor und ebenso hinter der Kamera: Wie kann man seinem Modell Ruhe vermitteln? Posen einleiten, ohne unter Druck zu setzen? Ehrliche, authentische Bilder erstellen, die Persönlichkeit und Charakter der zu portraitierenden Person zeigen?

Und natürlich auch: Wie kommuniziere ich mit der Person vor meiner Kamera? Nehme Scheu und Angst vor dem Fotografiertwerden? Wo sind überhaupt die Zusammenhänge zwischen Psychologie und Menschenfotografie? Und wie kann der*die Fotograf*in mit Hilfe der Psychologie bessere, echtere Bilder erschaffen? Die Zielgruppe dieses Buches ist breit gefächert – das Buch bietet Anfängern und Profis gleichermaßen Tipps und Ideen für die Menschenfotografie.

Abbildung eines Buches das zwei schwarz weiß Fotografien zeigt. Ein Jungengesicht und ein Frauengesicht.

Das Buch enthält Interviews, Übungsideen und Anregungen sowie viele Fragen, die man sich als Fotograf selbst stellen kann, um seine Arbeitsweise mit Menschen zu untersuchen und zu optimieren. Es gibt kein einheitliches Patentrezept mit Schritten von 1 bis 10, die unter Garantie funktionieren. Jedoch werden viele Möglichkeiten vorgestellt, sich an die Menschenfotografie Schritt für Schritt heranzuwagen und Wege zu beschreiten, die hilfreich und zielführend sein können.

Abbildung eines aufgeschlagenen Buches mit Text

In verständlicher Sprache, ohne einen in Fachwörtern zu ersticken, werden Einblicke in die Fotografien, die Sven Barnow mit seinem Hintergrund gemacht hat, geboten. Ebenso wie es Bilder, gemacht von seinen Schülern, im Buch gibt. Gezeigt werden diese mit Vorher-Nachher-Vergleichen und genauen Beschreibungen der Erfahrungen der fotografierten Person und des Fotografen. Man findet innerhalb des Buches generell jedoch wenige Bilder, sondern dies ist eine textbasierte Lektüre, die das zu Vermittelnde wenn nötig auch mit Strichzeichnungen verdeutlicht oder nur mit dem beschreibenden Text auskommt, um Inhalte deutlich zu machen.

Abbildung eines aufgeschlagenen Buches mit Text

Das Buch bietet viele Einblicke in unterschiedliche Thematiken rund um das Fotografieren von Menschen. Ein besonderer Fokus liegt hierbei auch auf Menschen mit psychischen Problemen, was Herrn Barnows Berufsfeld zuzuschreiben sein wird.

Themen wie Kreativität, Körpersprache, Ausflüge zur Straßenfotografie sowie fachspezifischere Bereiche zur Fototherapie und dem Gear-Acquisition-Syndrom (kurz: „GAS“, das Objektiv-und Kamera-kaufen-müssen-Syndrom) findet man ebenfalls im Buch, das übrigens als klassische Druckversion ebenso wie als E-Book erhältlich ist. Ob es diese weit ausschweifenden Themengebiete wie das GAS innerhalb dieses Buches hätte geben müssen, zweifle ich ein wenig an, da es weniger mit dem Fotografieren an sich zu tun hat, sondern sich sehr auf den Beruf des Autors bezieht.

Abbildung eines aufgeschlagenen Buches mit Text und Abbildungen

Zu jedem Unterthema im Inhaltsverzeichnis ließe sich wahrscheinlich einzeln ein Buch verfassen, doch für den Start in die Menschenfotografie halte ich dieses Buch für eine gute Lektüre, um sich mit wichtigen Fragen zur Fotografie von Menschen auseinanderzusetzen.

Bei einem Seitenumfang von 133 Seiten ist es mit 30,80 € (Österreich) und 22,90 € (Deutschland) ein recht teures Buch, dessen Anschaffung jedoch mit Sicherheit Verbesserungen in der Menschenfotografie hervorrufen kann und somit auch etwas mehr kosten darf. Erschienen ist es bei dpunkt, einem Verlag, der noch eine Vielzahl weiterer Bücher zu diversen Themen der Fotografie anbietet, die ebenfalls für Einsteiger ebenso wie für gestandene Fotografen eine Bereicherung darstellen.

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