23. August 2016

Stilles Staunen

Meine Reise mit der Fotografie begann 2009, aber man könnte sagen, dass sie bereits sieben Jahre zuvor begann. Damals erwarb ich meine erste kleine Digitalkamera, die nicht einmal ein Display hatte. Wenn ich zurückblicke, glaube ich, dass es eben diese Ungewissheit durch die Abwesenheit eines Displays war, die mich heute dazu bewegt, das bestmögliche Ergebnis in der Kamera zu erzielen.

Die meisten Leute kennen mich wegen meiner Selbstportraits. Tatsächlich sind sie es, die ich schon damals mit meiner ersten Kamera erschaffen habe. Ich war zwölf Jahre alt und wollte alles um mich herum festhalten, von den Katzen und Blumen bis hin zu meinen Eltern und meinen Freunden. Ich nenne meine Selbstportraits noch immer gern „Tagebuch“, obwohl sie schon lange aufgehört haben, tatsächlich eines zu sein.

Der Zweck der ersten Selbstportraits bestand darin, einen Moment, eine Stimmung oder eine Szene für die Ewigkeit festzuhalten. Aber jetzt bin ich mehr eine Schauspielerin, die in verschiedene Rollen schlüpft. Es geht nicht mehr um mich, sondern um imaginäre Charaktere und ihre Geschichten. Das Gesicht bleibt dasselbe, doch die Geschichten wechseln ständig.

Eine junge Frau schaut durch eine Lupe

Eine junge Frau umarmt einer andere

Eine junge Frau liegt auf dem Boden

Eine Person schaut durch eine Lücke in einem Vorhang

Ein Lichtstrahl auf dem Hals einer Person

Person einer jungen Frau durch eine Scheibe

Zwei Personen sitzen in einer Pfütze

Eine junge Frau hält einen Spiegel

Portrait einer jungen Frau durch eine nasse Scheibe

Eine junge Frau unter Wasser

Portrait einer jungen Frau durch eine Scheibe

Portrait einer jungen Frau

© Isabella Bubola

Portrait einer jungen Frau durch eine Scheibe

Manchmal habe ich ein ganzes Konzept für ein Bild in meinem Kopf und Skizzenbuch, erhasche ich nur einen kurzen Blick auf den schönsten Sonnenstrahl und eile aus dem Haus, um ihn einzufangen. Farben haben einen starken Einfluss auf mich, ich habe sie schon immer in meine Fotos eingebunden. Man wird selten ein Schwarzweißfoto in meinem Portfolio finden, denn ich sehe und träume in Farbe. Ich liebe die Feinheiten, in denen Farbe Stimmung beeinflussen kann.

In den letzten paar Jahren, aber besonders, seitdem ich meinen Blog schreibe, habe ich angefangen, tiefer über meine Arbeit nachzudenken. Es geht mir nie nur um das auf den ersten Blick Offensichtliche, sondern immer auch um eine Ebene des Unbewussten. Erst jetzt sehe ich den Einfluss von Büchern, Filmen und Musik, die ich in meiner Kindheit und Jugend liebte, und denen, die ich jetzt liebe.

Alles um uns herum hat einen immensen Einfluss auf die Art und Weise, wie wir die Welt wahrnehmen. Und manchmal, wenn wir genau hinschauen, sehen wir Stückchen unseres Selbst deutlich in unserer Arbeit gespiegelt, auch wenn wir uns dessen nicht bewusst waren.

Dieser Artikel wurde für Euch von Chris Hieronimus aus dem Englischen ins Deutsche übersetzt.

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20 Kommentare

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  1. wer das bild sieht und den titel liest, der weiß schon von vornherein, dass im artikel die „geschichten“-schablone aufgelegt wird. wo kommt die eigentlich her, wer hat die erfunden, warum fällt den leuten aus der mädchenphotographie sonst nichts zu sagen ein usw.

    • ich wundere mich auch, wieso das Internet von Bildern dieser Art überquillt. Wie ist eigentlich die Bezeichnung für diesen fotografischen Stil? Erinnert mich irgendwie an Ausdruckstanz in den 80n. In lila Batikshirts, einen Haarzipfel im Schmollmund gegen die AKWs antanzen.
      Ist nicht böse gemeint, fällt mir nur so ein.

      • Verwunderlich empfinde ich diese Parallelen weniger. Die Zeiten ändern sich, die Lebensumstände oft auch. Am Ende stecken in allen von uns Menschenseelen, die sich nach den immer wieder selben zeitlosen „Dingen“ sehnen – mal mehr, mal weniger… Und auch wenn man es vielleicht über hat immer wieder auf Gleiches zu treffen – ich finde es einfach großartig, welche Möglichkeiten wir heute allgemein haben um etwas auszudrücken ohne gleich komisch angeschaut zu werden. Weiterhin sehe ich bei jungen Menschen neben der eigentlichen künstlerischen Arbeit auch (meist) großen Mut sich so zu offenbaren.

    • ich sags mal so. Würde ein Archäologe solche Fotos in ein paar Jahrhunderten entdecken, was würde der wohl über uns erfahren? Nichts, oder? Oder sollte er darauf schließen, dass junge Leute im 21. Jh. mit leidender Miene so in der Gegend herum lagen?
      Großer Mut sich zu offenbaren kann ich auch nicht erkennen, scheint heute normal zu sein dies zu tun (facebook)

      Wie gesagt, ich wundere mich nur, dass dieses Sujet so populär ist – man sehe sich auf Flickr z.B. die Kwerfeldein Gruppe an. Fast jedes zweite Bild ist ein solches – Emo-Bild.

      • da muss man sich nicht groß wundern – die aktiveren unter den kwerfeldeinredakteuren stehen eben auf diese dinge und fabrizieren sie gleichermaßen selbst – folglich sieht man’s hier im wochentakt.

      • Einem Archäologe wäre klar, das in einer Gesellschaft wie der unseren Frauenbilder existierten und sie unter Umständen sogar von sich selbst erstellt wurden. Das würde wiederum sehr viel Aufschluss über eine Gesellschaft geben. Noch mehr Aufschluss hätte solch ein Archäologe aber über die Kommentarkultur.

        Und ich schaue mir zwischen all den Kriegs- und Flüchtlingsbildern gern auch mal „normale“ Bilder an, um die Gedanken im Kopf zu ordnen. Das ist aber was ganz persönliches.

  2. Fotografie ist ein sich wiederholendes Thema. Wenn ich kwerfeldein ‚durchblättere‘ sehe ich – und das lässt mich immer wieder hierher kommen – sehr unterschiedliche Themen. Das hier immer wieder Kritiken an der Uniformität von kwerfeldein auftauchen, gerne immer bei jungen Fotograf*innen, ist wohl eher der gekränkten Eitelkeit der Rezensent*innen geschuldet. Schade, dabei gibt es noch soooo viel zu lernen.

  3. Ich glaube, solche Fotos sind ganz interessante Zeitdokumente.
    Früher saßen die Alten zu Hause vor der Glotze und die jungen Leute waren aktiv und rebellisch.
    Heute sind die Alten rebellische Aktivisten und viele junge Leute sehr verinnerlicht, zurückgezogen und unpolitisch.
    Dieser in der Tat sehr populäre Stil passt meiner Meinung nach dazu. Er zeigt die Personen, meist junge Frauen „irgendwie-unpräzise-mystisch-spirituell-komtemplativ“.

    • ich sehe da eher ein: frauen portraitieren sich selbst, statt sich ein frauenbild eines mannes aufzwingen zu lassen. vielleicht ist da auch schon die lösung des problems: ein mann möchte seine frauen-phantasie ungern von einer jungen frau zerstören lassen. deswegen gibt es unter solcher art artikel auch immer wieder die gleichen kommentare.

      • Da hast du vollkommen recht, die fotografische Darstellung einer Frau durch einen Mann kann ganz schön sexistisch und diskriminierend. Und nicht nur das, auch die Vorgehensweise, der Umgang etc.

  4. entschuldigt bitte. Aber hier wird mein Frauenbild nicht zerstört. Auch hat es nichts mit Sexismus zu tun. Und die früher waren die Leute rebellisch Attitüde ist so ein Quatsch, war nicht ernst gemeint oder?
    Die Bilder sind nichts anderes als Anton aus Tirol, wird gerne und oft genommen.

    • „Und die früher waren die Leute rebellisch Attitüde ist so ein Quatsch, war nicht ernst gemeint oder?“

      Doch. Als ich jung war, war nichts so out wie „angepasst sein“, „unpolitisch sein“, „verinnerlicht sein“ etc., aber selbstredend kann man diese und andere Tendenzen nicht verabsolutieren. Es gab immer schon beides, Konformisten und Unangepasste, und das gibt es ja auch heute.

  5. Oh man, wenn ich mir die Kommentare hier so durchlese – armes Deutschland, immer was zu meckern.

    Ich finde die Fotos (nicht alle) beeindruckend, emotional, intensiv, kreativ, weit entfernt von Einheitsbrei und wäre froh, solche Ideen zu haben und sie fotografisch umsetzen zu können, mit wem auch immer.