Ein Auto biegt in eine Straße ein
18. Juli 2015 Lesezeit: ~6 Minuten

Hasta Siempre – Bis in die Ewigkeit?

Bis in die Ewigkeit? Vielleicht nicht ganz – Kuba ändert sich momentan schneller, als man einen Mojito mixen kann. Die jüngsten Nachrichten aus dem Karibikstaat am Rande des Golfes von Mexiko ließen uns aufhorchen: Der Sozialismus auf der Insel geht dem Ende entgegen und damit auch die Beschaulichkeit und Ursprünglichkeit. Kuba stand für uns als Reiseziel schon lange fest, ist aber mehrfach verschoben worden.

Schlussendlich fiel die Entscheidung, noch einmal „schnell“ nach Kuba zu fliegen vor dem Hintergrund, dass die Grenzen nach Amerika sich sehr bald öffnen werden und Millionen amerikanischer Touristen schon mit ihren Hufen scharren.

Für die USA könnte Kuba so etwas wie unser Mallorca werden, denn von Miami bis Havanna sind es gerade einmal gute 300 Kilometer. Wir machten uns also auf, um in den Umbrüchen vielleicht doch noch die ein oder andere ursprüngliche Ecke zu finden.

Oldtimer vor kubanischem Haus

Wir erwischten einen Direktflug nach Varadero und nutzen diesen Ort direkt zur Akklimatisierung. Wobei Varadero vielleicht schon eine böse Vorahnung dessen ist, was der Insel früher oder später droht: Riesige Hotelbunker, überteuerte Preise und Überfluss, den sich kein Kubaner leisten kann.

Wir freuten uns also umso mehr, als wir dann mit unserem Mietwagen durchstarten konnten. Ganz ohne großen Plan, nur mit einer groben Richtung immer am Meer entlang. Und die Straße hat uns in wirklich tolle Gegenden zu unsagbar gastfreundlichen Menschen geführt, aber selbst bis dorthin haben sich die Änderungen teilweise schon herumgesprochen.

Am Thema Geld lässt sich gut ablesen, wie sehr Kuba zwischen den Welten liegt. Es gibt zwei Währungen: Den Peso Cubano CUP und den Peso Convertible CUC. Der CUC wurde als Alternative zum US-Dollar eingeführt und ist nichts weniger als das goldene Kalb, denn mit ihm bekommt man fast alles, auch Produkte aus dem Ausland. Verdienen kann man ihn aber nicht mit den staatlichen Jobs.

Menschen laufen eine Straße entlang

Die Staatslöhne bekommen die Kubaner in Peso Cubano ausbezahlt: 470 Pesos sind der monatliche Durchschnitt, etwa 15 Euro. Damit kann man in den staatlichen Geschäften günstig, aber eingeschränkt einkaufen: etwa Reis, Hühnchen und Zucker.

Für Nudeln, Rind oder Schokolade allerdings braucht es den CUC. Der lässt sich am einfachsten mit Touristen verdienen, die den CUC eintauschen, um privat geführte Hotels, Taxis und Restaurants zahlen zu können. Die Konsequenz: Ärzte verkaufen lieber Pizzen, als in staatlichen Krankenhäusern zu arbeiten, Lehrer kümmern sich lieber um ihre Pensionsgäste als um Schüler.

So verdienen sie ein Vielfaches und zwar in der „richtigen“ Währung. Die wirtschaftlichen Verzerrungen sind auch der Castro-Regierung bekannt. 2013 verkündete sie die Abschaffung des Doppelsystems, allerdings wird dieser Schritt nicht sehr leicht.

Ein desolates Holzhaus

Abfotografiertes Buchcover

Aber zu unserer Reise: Der lange Flug hat sich auf jeden Fall gelohnt. Wir sind gut 2500 Kilometer mit einem alten klapprigen Mietwagen über die Insel gefahren und haben wirklich tolle Menschen und Landschaften kennengelernt und erlebt.

Übernachtet haben wir ausschließlich in sogenannten „Casa Particulares“: Kleinen privaten Pensionen, in denen man bei Familien unterkommt und wo am Abend die leckersten kubanischen Gerichte aufgetischt werden.

Wenn man sich dann ein wenig treiben lässt, findet man sich recht schnell im kubanischen Alltag wieder. Obwohl wir zu Beginn der Reise kaum ein Wort Spanisch konnten und Englisch kaum verbreitet ist, kam es nie zu Verständigungsschwierigkeiten.

Kubanische Straßenmusiker

Wir fanden eine kleine Pension direkt an einer wundervollen Lagune, geführt von einem Ehepaar. Er arbeitet als Fotograf, was er mir pantomimisch beschrieb, als er meine Kamera sah.

Er lud mich abends dazu ein, gemeinsam seine Bilder anzuschauen und obwohl ich zu dem Zeitpunkt vielleicht einen Wortschatz von 50 spanischen Wörtern besaß, fachsimpelten wir gut zwei Stunden lang über Fotografie, Technik und Kuba im Allgemeinen.

Ich hatte ein iPad dabei und konnte ihm auch einige Bilder zeigen: Auf einem war ein Hochzeitspaar mit einem alten Chevy Oldtimer von 1965 zu sehen. Als er dies sah, fragte er mich, ob bei uns in Deutschland auch diese alten Karren rumfahren und fügte an, dass er einen von 1960 besitzt.

Eine Straße führt zum Horizont

Im gleichen Ort begegneten wir Felipe und Blanca. Die beiden erzählten uns, dass der komplette Ort bald abgerissen wird und einer großen Feriensiedlung weichen muss – die Baustelle sieht man schon am Horizont.

Alle Einwohner werden zwangsenteignet und umgesiedelt. In einen Ort, der bisher nicht einmal eine Busanbindung hat und nur über buckelige Straßen und Pisten zu erreichen ist, dafür aber traumhafte Postkarten-Strände besitzt. Trotzdem trübt das nicht die Stimmung in der kleinen Gemeinde – man geht weiter fröhlich und mit viel Musik durch den Alltag.

Ein verlassener Bus

Das waren nur ein paar kleine Anekdoten von vielen, die wir auf der Insel erlebt haben, überwiegend positive. Da wäre noch das halbe Dorf, das uns nachts bei einem Reifenwechsel half oder die Tauchguides, die auf ihrem kleinen Motorboot nur eine Guns-N’-Roses-Kassette besaßen und jeden Tag grölend und Luftgitarre spielend zu „Sweet Child O’ Mine“ durch die Wellen pflügten.

Wir haben uns natürlich zwischendurch auch mal in den Touristenrummel in Havanna und Trinidad gestürzt, sind aber viel lieber in kleineren, unbekannteren Studenten-Städten gelandet.

Schweine hinter einer Baracke

Ich hatte nie vor, die Bilder irgendwo vorzuführen und wollte eigentlich kubanische Klischees vermeiden, dennoch sind mir so oft diese alten Straßenkreuzer durch das Bild gefahren, dass ich nicht umhin kam, sie mitzunehmen. Eventuell ist deren Zeit ja auch bald gekommen.

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5 Kommentare

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  1. Falls Kuba amerikanisiert wird, sehr schade, aber: es bleiben immer noch andere Karibikinseln.

    Haiti ist (trotz des Ansturms von Europäern und Amerikanern nach dem Erdbeben von 2010) fotografisch sehr wenig ausgekundschaftet, auch Jamaika kaum, und, ihr glaubt es vermutlich nicht: die Dominikanische Republik ist jenseits der All-Inclusive-Resorts landschaftlich und für Street Photography ein echtes Schmuckstück.

    https://www.flickr.com/photos/129717625@N05/sets