Farn wächst vor einem bemoosten Baum im Wald am Wegesrand.
07. November 2014

Subjektive Landschaften

Warum fotografieren wir Landschaften? Was fasziniert uns derart an der Landschaftsfotografie, dass wir unermüdlich die Natur erkunden und in Fotografien festhalten wollen?

Die fotografische Darstellung einer Landschaft basiert nicht allein auf einer bildhaften Wiedergabe einer vorgefundenen Landschaft, sondern sie ist die subjektive Sicht einer Situation und Ergebnis einer aktiven Wahrnehmung eines Raumes. Dabei kann diese individuelle Fokussierung auf einen spezifischen Ausschnitt einerseits diesen betonen, andererseits gerade auch auf Dinge und Zustände verweisen, die nicht abgebildet sind.

Die Masse an Möglichkeiten der subjektiven Wahrnehmung und Fokussierung sowie unterschiedlicher Deutungsprozesse eröffnet vielfältige Kontexte der Natur, so dass die fotografische Abbildung von Landschaften immer wieder Neues hervorbringen kann und die persönliche Auseinandersetzung mit der Thematik Landschaft nie zu Ende geht.

Bäume in einem nebligen Wald.

Baum in einem nebligen Wald, Rinde nah zu sehen.

Besonders faszinieren uns fragile Fragmente menschlicher Existenz auf den Portraits von Natur und Landschaft; diese geben dem abgebildeten Raum eindrücklich die Bedeutung von Landschaft als eine kulturhistorische Gesamtheit und portraitieren gewissermaßen uns selbst als Teil einer kollektiven Einheit, welche die uns umgebende Natur kontinuierlich prägt und verändert. Das fotografische Abbild einer bestimmten Landschaft zeigt uns keine pure Natur, sondern ein Bild gesellschaftlicher „Kontaminationen“ der Natur.

Strommast an einer Landstraße im Nebel.

Verschneites Feld, beim Vorbeifahren fotografiert.

Verschneites Feld, beim Vorbeifahren fotografiert.

Gleichzeitig betrachten wir die Natur als Ausdruck unserer eigenen Subjektivität: das findet in der Auseinandersetzung unserer persönlichen zerbrechlichen Empfindungen mit deren Ebenbildern in der Natur statt und manifestiert sich in den romantischen Abbildern der Landschaften.

Das erhabene Gefühl beim Betrachten gigantischer aber auch zerbrechlicher Landschaften geht einher mit dem Bewusstsein der eigenen Empfindsamkeit; die Sicht auf die Natur repräsentiert gewissermaßen unser persönliches Seelenbefinden. Die individuellen Bilder, die wir in der Natur erkennen, erscheinen uns manchmal wie ein Spiegel der eigenen Seele.

See im Nebel.See im Nebel.

Auf der Suche nach etwas Bestimmten entsteht oftmals eine sehr persönliche Sicht auf die Natur, man könnte auch sagen, wir versuchen mit unserer Arbeit gewissermaßen eine lyrische Bildsprache zu finden, mittels derer eine poetische Verbindung vom Betrachter zum Bild geschaffen wird.

Ein Foto wird immer eine inszenierte Realität sein, deren Metaebene eine Aussage über die Realität des Fotografen und der des Betrachters trifft. Umso schöner, wenn das nur auf eine sehr flüchtige Art und Weise gelingt und umso berührender, wenn diese Bildsprache von anderen ebenso gelesen wird bzw. eine Bedeutungsebene entsteht, die ein Gefühl vermitteln und Impulse geben kann.

Bäume in einem nebligen Wald.Bäume in einem nebligen Wald.

Das Medium Fotografie erlaubt uns, mittels vorhandener Techniken bestimmte individuelle, subjektive Aspekte herauszuarbeiten und zu betonen. Dabei unterscheidet sich unsere digitale Nachbearbeitung gar nicht so sehr von der analogen Verarbeitung des Materials bis zum fertigen Bild – die zeitintensive Beschäftigung mit einem Bild ist Teil eines fotografischen Gestaltungsprozesses – sei es nun bei der Auswahl von Filmmaterial, Papier, Gradation, Verarbeitungs- und Belichtungsvarianten im Labor oder aber bei der digitalen Bearbeitung am Schreibtisch.

Die Digitalisierung der Fotografie macht die Abbildung von Landschaften und die Verbreitung der Bilder massentauglich und eröffnet damit ganz neue Möglichkeiten. Parallel zur Faszination der nicht jedem zugänglichen „Alchemie“ der analogen Fotografie ist ein einfacher Zugang geschaffen und es entstehen unerwartete Blickweisen und Bildsprachen.

Das eigentlich Unmögliche und augenscheinlich wenig Interessante wird aus individuellen Blickwickeln festgehalten und der Experimentierfreude sind keine Grenzen gesetzt. Nüchterne Objektivität oder die inszenierte Komposition, Trockenplatten, abgelaufene Filme oder der Einsatz digitalen Bildrauschens als Gestaltungselement – lassen wir uns einfach täglich neu inspirieren.

Gestrüpp wächst zwischen Bäumen im Wald.

Eine wilde Wiese in Gegenlicht und Nebel.

Vertrocknetes, hohes Gras.

Verschneiter Tannenwald vor verhangenem Himmel.

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19 Kommentare

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  1. Sehr eindrucksvolle Photos, abseits von “blauer Himmel, grüne Wiesen, imposante Berge”. Der Text kommt beim ersten Lesen etwas gestelzt daher, liest sich wie aus einer soziologischen Abhandlung über Landschaftsfotografie, ist aber nachdenkenswert. Lesenswerter Artikel!!

  2. Schöner Text !
    Habe eine etwas andere herangehensweise Landschaften zu Fotografieren, möglichst klaren Himmel etc. aber einige der Fotos finde ich sehr inspirierent. Bekomme Lust mal für mich neue Sachen auszuprobieren.

  3. Landschaftsfotografie ist glaiube ich auch ein Ausdruck der Sehnsucht nach einer “Natur ohne Menschen” – als eine “heile Natur” eben gerade ohne den Einfluss und die oft zu beobachtende Zer(störung) der Natur durch den Menschen. Insofern ist die Landschaftsfotografie und unsere Begeisterung dafür ein Ausdruck der Abspaltung der Kultur von der Natur – eigentlich also ein Symptom für eine gestörte Beziehung des Menschen zur Natur.

    • Absolut super ausgedrückt. Kann ich so nur unterstreichen. Ich glaube auch man kann Landschaftsfotografie als eine Sehnsucht nach etwas Vergangenem sehen. Nämlich eine Sehnsucht nach friedlicher, unberührter Natur die ihrer eigenen Existenz wegen existiert.

  4. Der Mensch wandelt Natur zur Landschaft.

    Umgekehrt

    Landschaft transformiert die Natur des Menschen.

    Das Thema “Landschaft” immer wieder spannend…
    Interessante Ansätze mit stimmungsvollen Bildern.
    Danke ;-)

    Gruß Mark

  5. Sehr schöne Aufnahmen, die die subtilen Besonderheiten einer Landschaft wunderbar herausarbeiten.
    Ich glaub auch, dass sich in der Landschaftsfotografie eine innere Sehnsucht des Menschen widerspiegelt. Ich denk es ist die Sehnsucht nach “Wildnis”, besser passt glaub ich noch das englische Wort “Wilderness”. Also Orte ohne jeglichen menschlichen Einfluss. Ich glaube in einer größtenteils urbanisierten und technischen Gesellschaft ist die menschenfremde Landschaft der oft gesuchte Gegenpol.

  6. Blogartikel dazu: Gängige Landschaftsfotografie in der Kritik › kwerfeldein - Fotografie Magazin | Fotocommunity

  7. Blogartikel dazu: 10. Juli 2015 › kwerfeldein - Fotografie Magazin | Fotocommunity