Doppelbelichtung einer Frau und einem kahlen Baum
15. September 2014

Die Traurigkeit der Bäume

Der in Moskau lebende Anton Park beschäftigt sich in seinen schwarzweißen Doppelbelichtungen mit der Kombination aus Gesichtern und Naturelementen. Mit diesem Thema haben sich vielleicht schon viele vor ihm beschäftigt, aber dass diese unglaublich auf den Punkt gebrachten Kombinationsbilder analog enstanden sind, macht sie einmal mehr zu etwas Besonderem.

Vor sechs Jahren hat er mit dem Fotografieren begonnen, vor fünf Jahren hat Anton sich in das analoge Mittelformat verliebt, hat sich eine Hasselblad 500C/M zugelegt, aus lauter Zuneigung sogar seinen Hund Hasselblad genannt, und ist ihr seither treu geblieben. Klassische Portraitgrößen wie Richard Avedon und Irving Penn sind seine Vorbilder, und obwohl er sich am Anfang unsicher war, wo es hingehen sollte, ist er beim Portrait geblieben.

Ich bin meinen eigenen Weg gegangen. Menschen sollten sich stetig weiterentwickeln, denke ich. Ich kann nicht sagen, dass ich in ein paar Jahren noch genau dasselbe mache, aber jetzt, genau hier, erfüllt es mich.

Die Doppelbelichtungen, teileise sogar Dreifachbelichtungen von Menschen und Bäumen sind größtenteils auf Antons Lieblingsfilmen entstanden, dem Kodak T-Max 100 und dem Tri-X 400. Diese starken Schwarzweißfilme benutzt er aufgrund ihrer tollen Kontraste so gern. Dass alle Doppelbelichtungen zwar geplant, aber in ihrem Ergebnis dann doch unvorhersehbar sind, macht die Bilder noch spannender.

Ein angeschnittenes Gesicht, ein Kopf aus dem Äste sprießen, eine mystische Symbiose aus Gesicht und Natur. Menschen im Einklang mit der Natur? Es könnte so harmonisch sein, doch die Menschen wirken düster. Niemand lächelt. Alle blicken ein bisschen traurig zwischen ihren Bäumen, Blättern oder Wolken hervor.

Ich kann gar nicht viel zu meinen Fotos sagen, wenn ich ehrlich bin. Ich würde sie einfach als Portraits mit einer Portion Melancholie bezeichnen.

Doppelbelichtung einer Frau und einer Spiegelung eines Baumes

Doppelbelichtung einer Frau und Gestrüpp

Doppelbelichtung eines Frauenportraits und einer Silhouette

Doppelbelichtung eines Mannes mit einem großen Ast

Doppelbelichtung einer Frau und einem kahlen Baum

Doppelbelichtung eines Mannes und einer Landschaft

Doppelbelichtung einer Frau und einem Baum

Doppelbelichtung eines Frau mit einem Fenster

Doppelbelichtung eines Menschen mit Händen vor dem Gesicht und Lichtreflektionen

Doppelbelichtung einer Frau und Wolken

Doppelbelichtung einer Frau mit einem Baum

Doppelbelichtung eines Mädchens und einem See

Auf Anton Parks Webseite oder in seinem Flickr Portfolio sind noch viele weitere starke Schwarzweißfotografien zu sehen – auch ganz klassische Portraits ohne Doppelbelichtung.

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9 Kommentare

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  1. Wow, die Bilder sind fantastisch und vermitteln mir eine unglaublich getragene und verdichtete Stimmung. Die abgelichteten Personen sind sehr präsent. Der Titel „Traurigkeit der Bäume“ trifft es allerdings meinem Empfinden nach nicht so ganz. Da steckt für mich viel mehr drin, allen voran über die Wirkung der Personen, die deutlich über die Wirkung der teilweise nur schemenhaft erkennbaren Baumausschnitte hinausgeht. Es ist wie ein Blick in die Seele…

    LG Tina

    • Hallo Tina!
      Der Titel „Die Taurigkeit der Bäume“ ist in der Tat eigentlich nur ein Bildtitel von einem der gezeigten Fotos von Anton Park. Da die meisten Bilder allerdings keine Titel tragen, hat dieser eine es zum Serientitel geschafft, auch wenn damit vielleicht nicht alle Fotos hundertprozentig bezeichnet werden.

  2. ob analog oder digital finde ich auf Grund der Intensität dieser Bilder schon fast nebensächlich.
    Nicht obwohl, sondern gerade weil Andere schon ähnliche Bilder gemacht haben, erkennt ‚man‘ das Können von Anton Park, der zweifelsohne in diesem Genre aus der Masse heraussticht.
    Blues ≠ Blues
    //Matz

  3. „aber dass diese unglaublich auf den Punkt gebrachten Kombinationsbilder analog enstanden sind, macht sie einmal mehr zu etwas Besonderem“

    Dem Einleitungssatz muss ich widersprechen! Ja, es ist schwieriger so etwas analog zu machen, aber ob ein Bild etwas besonderes ist, oder nicht, hängt sicher nicht von der Entstehungsweise ab. Leider ist das inzwischen ein Trend, analoger Bilder höher zu bewerten, als digitale entstandene Werke. Je komplizierter, desto besser, Kollodium-Nassplatten-Bilder sind schon fast alle gut, Daguerreotypien, egal was drauf abgebildet ist, sind dann über alle Zweifel erhaben. Bitte nicht falsch verstehen, ich finde Anton Park´s Bilder gelungen und stimme Matze´s Kommentar zu, es ist nebensächlich, wie sie entstanden sind.

    • Hallo Andreas!
      Ich denke auch dass das Endergebnis nicht davon abhängt wie das Bild entstanden ist, denoch bin ich der Meinung solche Kombinationswunder analog zu erstellen ist eine besondere Leistung, der Prozess zum Bild ist für mich daher auch immer noch interessant. Ich sage nicht dass ein in Photoshop so konstruiertes Bild weniger interessant ist, aber analog solche präzisen Doppelbelichtungen hinzubekommen, ist schwierig.

  4. ich muss mal fragen: hat er den Film doppelbelichtet, oder sind die Doppelbelichtungen in der Dunkelkammer entstanden? Der Satz „Die Doppelbelichtungen, teileise sogar Dreifachbelichtungen von Menschen und Bäumen sind größtenteils auf Antons Lieblingsfilmen entstanden,…“ klingt so, als ob er den Film doppel belichtet hat, für mich siehts aber aus, als ob er in der Dunkelkammer gewerkelt hat. ich wüsste nicht, wie man einen Film so doppelbelichtet, dass der Kopf nur halb drauf ist. mit masken in der dunkelkammer wär das kein problem.

    • Von den Bildern her würde ich schon sagen, dass die Doppelbelichung direkt auf dem Film entstanden ist. Dort, wo Teile der Köpfe fehlen, sind sie ja immer von sehr hellen Teilen der zweiten Belichtung überlagert. Man sieht die Teile also nicht, weil sie schlichtweg von der helleren Belichtung an der Stelle „gefressen“ werden.

  5. Boah sind das tolle Doppelbelichtungen! In jedem einzelnen gibt es was zu entdecken. Faszinierend dass das nicht in PS zusammenkomponiert wurde, da wirklich Hut ab vor dem guten Auge des Fotografen, dass er das so auf Film bannen konnte. Danke Kwerfeldein fürs Vorstellen, Anton Park hätte ich sonst sicher nie entdeckt :)