Ein kopfloser Mann schwebt an einem Strauß roter Luftballons über einer Stadt, an seinem Fuß führt eine Metallkette nach unten.
13. Juni 2014

Das Seelentagebuch

Dieses Projekt begann mit einer Erkenntnis in meinem Leben, die das Bedürfnis erweckte, es auszudrücken. Einfach gesagt: Ich war inspiriert, ich hatte eine Idee. Inzwischen hat diese Serie ein Eigenleben entwickelt – und das nächste, woran ich mich erinnern kann, ist, dass ich nun an ihr als meine Abschlussarbeit arbeite und das sehr passioniert, da es ein so persönliches Projekt ist.

Der Name „The Mind Journal“ kommt daher, dass ich seit etwa einem Jahr an den Bildern arbeite und alle von ihnen zeigen, wie mein Verstand in verschiedenen Situationen und zu unterschiedlichen Zeiten im letzten Jahr funktioniert hat.

Die meisten Szenen zielen darauf ab, dass mein Kopf ein persönlicher Raum ist, der beinahe abwesend von dem ist, was um mich herum passiert. Das ist ein weit verbreitetes Gefühl, eigentlich eine alte Erkenntnis, die ich trotzdem auf eine visuell ansprechende Art ausdrücken wollte.

Und ich wollte zeigen, dass wir manchmal versuchen, etwas dagegen zu tun und manchmal uns auch einfach nur zurücklehnen und die Situation selbst das Steuer übernehmen lassen. So oder so fühlen wir das alle irgendwann einmal.

Man kann es ein Experiment nennen, wenn man möchte. Ich habe noch nie ein Werk geschaffen, das so persönlich war. Verdammt, ich habe noch nicht einmal jemals Tagebuch geführt. Aber dieses Mal, sobald ich meine Leidenschaft mit eingebracht hatte, ist ein öffentliches Tagebuch entstanden, das zu meinem Weg der Kommunikation wurde.

Ein kopfloser Mann sitzt auf dem Dach eines Hauses, das über einer Stadt schwebt.

Ein kopfloser Mann sitzt auf einem Stuhl in der Wüste und spielt Gitarre, vor ihm wächst eine Sonnenblume.

Ein kopfloser Mann sitzt in einem Papierboot, das auf dem Wasser schwimmt.

Ein Mädchen mit einer Rose in der Hand schmiegt sich an einen kopflosen Mann, sie stehen am Ufer eines Flusses.

Ein kopfloser Mann steht auf einem kleinen Stück Fels, das über Wolken in der Luft schwebt, ein Seil ist vom Felsen zum Betrachter gespannt.

Ein kopfloser Mann sitzt auf einer winzigen Insel in einem Meer, rings um ihn schwimmen verkorkte Flaschen mit Briefen im Wasser.

Ein kopfloser Mann sitzt auf einem über einer Stadt schwebenden Weg und schaut durch ein Fernrohr.

Ein kopfloser Mann jongliert mit roten Bällen, um ihn herum stehen gesichtslose Männer in Anzügen.

Ein kopfloser Mann sitzt an einem Tisch und malt mit Pinsel und Farbe an einem Kopf, der vor ihm steht.

Ein kopfloser Mann sitzt auf einer Schaukel, die an einer Stadt über ihm hängt, unter ihm der Himmel.

Ein kopfloser Mann sitzt vor einem Baum, an dem ein Strick hängt, darunter ein umgekippter Stuhl.

Ein kopfloser Mann steckt bis zur Brust in Wüstensand und schaut auf einen vor ihm stehenden Fernsehbildschirm.

Ein kopfloser Mann liest im Licht einer Straßenlaterne auf einer Bank ein Buch, um ihn schwimmen Fische.

Ein kopfloser Mann steht in einer Wüste vor einem Pfahl, an dem sehr viele leere Wegweiser angebracht sind.

Ein kopfloser Mann schwebt an einem Strauß roter Luftballons über einer Stadt, an seinem Fuß führt eine Metallkette nach unten.

Ich möchte eine Geschichte kreieren, die die Abwesenheit von einem selbst zeigt und das daraus resultierende Gefühl ausdrückt, das zwischen Zufriedenheit und Verwirrung schwankt. Noch wichtiger war mir aber, dass die Erzählung geradlinig ist, einem einzigen Konzept folgt: Die Angst, im eigenen Alltag nicht anwesend zu sein.

Warum meine Figur kopflos ist? Nun, ich traf diese Entscheidung, weil sie so auch visuell Abwesenheit und Isolation ausdrückt. Ohne ein Gesicht fehlt auch die Kommunikation, ohne Mimik sind die Emotionen nicht einsehbar und werden dadurch wieder privat. Gerade das finde ich hierbei interessant, weil es dem Betrachter Raum gibt, ja, sogar die Macht, zu entscheiden, was die Figur vielleicht fühlt.

Mein Ziel für dieses Projekt ist es, interessante Grafiken und anregende Bilder zu erstellen, mit der Überzeugung, dass meine Idee und mein Konzept ebenso stark sind wie der visuelle Teil meiner Bilder. Immerhin habe ich schon immer daran geglaubt, dass man dem Betrachter etwas zeigen muss, was genauso interessant ist wie das, was man ihm zu sagen hat.

Dieser Artikel wurde von Aileen für Euch aus dem Englischen ins Deutsche übersetzt.

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5 Kommentare

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  1. Irgendwie die fototechnische Variante von Spray painting, nur mit dem Unterschied, dass bei Spray painting ein möglichst realer Fotoeffekt durch Malen erzielt werden soll und hier aus realen Fotos eine Phanasiewelt geschaffen wird. Das macht die Bilder für mich etwas -na ja- eben künstlich und bringt mir nicht soviel Stimmung rüber.

    ABER: Es stecken unglaublich kreative Anätze von Geschichten und Ideen dahinter, dass diese Bilder sehr stark animieren zum Spinnen. Die Umsetzung ist natürlich technisch raffiniert, kann ich selbst aber gar nicht so beurteilen.

    Ok, mit oder ohne Kopf, privater Raum oder nicht, anwesend oder nicht, warum und wieso ist mir persönlich eigentlich egal. Dafür fehlt mir der Bezug.

  2. Blogartikel dazu: Bilderplattform, Netzwerke und mehr - Literatur - Foto-Tipps

  3. Hervorragende Arbeit!!! Ich finde die Bilder in aller Form anregend und inspirierend. Gestalterisch sehr schön gemacht und sehr professionell umgesetzt. Teilweise sicher nicht ganz neu von der Idee her – aber wer kann das heutzutage schon von sich behaupten.

    Sticht aus der Masse heraus und gewinnt durch die fortlaufende Geschichte enorm an Wert und Bedeutung.

    Kunst ist schlussendlich immer Geschmacksache…

    Ich bin begeistert!