30. März 2013 Lesezeit: ~9 Minuten

Ergebnisse der Leseraktion: Eure Selbstportraits

Vor drei Wochen hatten wir dazu aufgerufen, Selbstportraits zu erstellen. Unsere Auswahl Eurer Fotos fiel uns alles andere als leicht, denn Euer Ideenreichtum und die Qualität der Bilder waren wie gewohnt sehr stark.

Ich habe irgendwo gelesen, dass Selbstportraits so ein Frauending wären. Umso schöner, dass wir diese Theorie mit Euch widerlegen konnten, denn unsere Auswahl zeigt vorrangig Männer. Der jüngste davon ist gerade einmal 14 Jahre alt und ziert unser Titelbild.

Jeder Redakteur hat für unsere Auswahl seine Favouriten ins Rennen geschickt und hier seht Ihr nun alle Bilder mit Mehrfachnennung – was wie immer nicht heißt, dass diese Bilder nach irgendeinem objektiven Maßstab die besten wären, sondern einfach nur, dass sie uns persönlich angesprochen haben.

 

Jan Plähn
Foto: Jan Plähn

Jan schrieb:

Als ich von Eurer Aktion gelesen habe, wusste ich sofort, was für ein Foto ich schießen möchte. Ich nahm mir einen der Stöcke, die wir normalerweise für Stockbrot verwenden und suchte im Schuppen meines Vaters eine passende Schnur. Ich schaute mir im Internet noch einige Bilder von Anglern an, da ich davon echt absolut keine Ahnung habe und fuhr dann mit meinem Fahrrad zu „Liesbeth eern Diek“, einem Teich, etwa fünf Kilometer von meinem Zuhause entfernt.

Dort angekommen merkte ich erst einmal, dass mir irgendwo auf dem Hinweg der Stockbrotstock vom Gepäckträger gefallen ist und ich suchte mir im Wald einen neuen geeigneten Stock. Ich knotete die Schnur an die Angel, zog mir Socken und Schuhe aus, krempelte meine Hose hoch und nach ein paar Versuchen und komischen Blicken der vorbeikommenden Waldspaziergänger war das Bild in der Tasche. – Den Fisch habe ich natürlich nachträglich eingefügt.

 

Petra
Foto: Petra Holländer

Petra schrieb:

Als ich diese Meeresschnecke zum ersten Mal sah, wusste ich sofort, dass ich mit ihr ein Foto machen musste. Und zwar in Verbindung mit nackter Haut. Ich hatte noch kein wirkliches Konzept im Kopf, aber ich wollte das Schneckenhaus unbedingt auf meinem Körper platzieren und so mit dem Licht arbeiten, dass harte Schatten entstehen. Besonders fasziniert hat mich das Aussehen der Meeresschnecke, da sie einerseits etwas furchteinflößend wirkt, anderseits aber auf der Innenseite wirklich schön ist und dort auch verletzlich wirkt.

Das entstandene Foto hat somit zweierlei Bedeutung für mich: Es geht, wie der Titel schon verrät, zum einen um die dunkle Seite eines Menschen, um grauenhafte Dinge, zu denen er fähig ist. Zum anderen stehen das Schneckenhaus und die nackte Haut aber auch für Verletzlichkeit und innere Schönheit.

 

david
Foto: David Uzochukwu

David schrieb:

Als ich von dieser Aktion gelesen habe, dachte ich mir: Das ist doch mal was für mich! Ich mache gerne Selbstportraits – oder wie Laura so schön geschrieben hat: Nichtichselbst-portraits. Wenn ich mich vor die Kamera stelle, will ich nachher nicht mehr mich im Bild sehen, sondern jemand ganz anderen – in dem dann aber meistens ein Teilchen von mir steckt.

Ich habe meistens ein ziemlich klares Konzept vor Augen, lasse mich dann aber beim Fotografieren und Bearbeiten einfach fallen und behalte das Thema im Hinterkopf. Auf jeden Fall hat mich diese Aktion dazu gebracht, mich mal wieder aufzurappeln, die elende Wintermüdigkeit abzuschütteln und ein Foto zu machen, mit dem ich zufrieden bin.

 

Thomas
Foto: Thomas Lüttig

Thomas schrieb:

Bereits vor einigen Tagen hatte ich Euren Aufruf hier gesehen und mir gedacht, da mache ich auch mal mit. Man macht als Fotograf ja gelegentlich auch mal ein ein Selbstportrait und sei es nur, um mal etwas zu testen… aber meist ist man mit seinen Fotos dann nicht wirklich zufrieden – zumindest mir geht das oft so.

Dann kam ganz schnell die Frage: Was mache ich für ein Selbstportrait? Ich saß also bei einem Kaffee in der Küche und dachte darüber nach und letztendlich kam ich auf die Idee, genau diese Situation zu fotografieren: Das Nachdenken über ein Selbstporträt, ein Moment der Reflexion über sich selbst und über die – naja, zweitschönste – Sache der Welt, das Fotografieren.

Die Bearbeitung sollte auch etwas mit mir zu tun haben und ich habe mich für diesen matten Schwarzweiß-Look entschieden. Warum? Seit meiner frühen Jugend bin ich immer noch beeindruckt von einigen Platten-Covern der Band „The Smiths“, die ich auch musikalisch immer noch sehr mag. Also kam dieses Bild heraus. Wie gesagt: Zu 100% zufrieden ist man wohl nie, aber ich mag es.

 

Martin
Foto: Martin Melcher

Martin schrieb:

Seit gut einem halben Jahr studiere ich nun Medienkunst und Gestaltung an der Bauhaus-Universität Weimar und habe dort im ersten Semester einen Fotokurs besucht, in dessen Rahmen wir verschiedene Aufgaben umsetzen sollten. Eine davon war die des Selbstportraits. Eine für mich zum damaligen Zeitpunkt kaum zu meisternde Aufgabe, da ich mich selbst nie auf einem Bild sehen konnte. Hiermit ist nicht gemeint, dass ich mich hässlich finde oder ähnliches, nur eben, dass die Person, die ich auf Bildern sehe, irgendwie nicht ich bin.

Im Rahmen meiner Abschlussarbeit für den Fotokurs arbeite ich nun seit Wochen ununterbrochen an einer guten Serie von Selbstportraits, um diese emotionale Hürde zu meistern, allerdings in einem anderen Kontext, und beschäftige mich in den Abendstunden sehr intensiv mit mir und meinem Gesicht und halte dies in Portraits fest.

Mittlerweile merke ich, dass ich selbstbewusster geworden bin; fange an mich zu sehen, beginne zu hinterfragen, wer ich wirklich bin, wie ich gesehen werde, gesehen werden möchte. Daher freue ich mich, hier auch einen Beitrag beisteuern zu können.

Wer sich an technischen Infos erfreut: Pentax K-5, ISO 80, 1/160 s, f/8, zusammen mit einem Yongnuo 560 II und Softboxschirm oberhalb der Kamera.

 

Michael
Foto: Michael Bergmann

Michael schrieb:

Ich habe mir den CamRanger für’s iPad zugelegt, um eigentlich Landschaftsaufnahmen mit ihm zu machen. Portraits sind meiner Meinung nach für diese Lösung geeignet. Nach mehreren Anläufen habe ich das Ganze doch noch einmal probiert – und zwar mit einem Modell, das entsprechend geduldig ist für Experimente. Und das war ich am Ende selbst.

 

Ljuba
Foto: Ljuba Gonchar

Ljuba schrieb:

Mit einem meiner Modelle hatte ich vor einiger Zeit bei mir zu Hause Fensterbilder gemacht, weil das Wetter einfach nur unglaublich schlecht war. Heute sah ich, dass Eure tolle Aktion abläuft und wollte unbedingt mitmachen. Draußen wütete der Wind bei knapp 3°C, also wollte ich solch ein Fensterbildchen von mir selbst ausprobieren. Alles viel leichter als gedacht…

Zunächst musste natürlich das neue Glätteisen ausprobiert werden. Zwei Stunden später und die Hälfte meiner Haare weniger, hatte ich es geschafft, mir zwei kleine Löckchen zu zaubern. Dann begann die richtige Arbeit. Ich bin fast wahnsinnig geworden bei der Fokussuche. Als Fokuspunkt musste meine halbtote Palme herhalten. Bei knapp 60 Bildern waren nur zwei scharfe dabei! Eines davon seht Ihr hier.

 

Benjamin
Foto: Benjamin Zapf

Benjamin schrieb:

Mit der Kamera in der Hand bin ich durchs Haus gelaufen und dann ist mir zufällig die Spiegelung in einer Glastür aufgefallen. Mit dem Gedanken an den Artikel hier wusste ich sofort: Das isses. Das 50mm war schon drauf, Kamera auf’s Stativ und mit Fernauslöser ein paar Testbilder gemacht, bis ich wusste, wo ich mich hinsetzen muss.

Um das Fokussieren zu erleichtern, habe ich eine Schnur mit einem kleinen Gegenstand am Ende an die Decke geklebt und dorthin hängen lassen, wo mein Kopf sein sollte. Dann noch ein paar Bilder mit unterschiedlichen Positionen gemacht und letztendlich habe ich mich für dieses entschieden.

Die Bearbeitung war überschaubar, eine einfache Konvertierung nach schwarzweiß in Lightroom, um das Bild auf das Wesentliche zu reduzieren.

 

pinhole
Foto: Tobias Pohl

Tobias schrieb:

Ich liebe Pinhole und der nächste World Pinhole Photography Day ist ja auch bald wieder. Was liegt da näher als ein Lochbild?

Damit es nicht völlig verwackelt, habe ich mit Pinhole und Blitz experimentiert. ISO: Keine Ahnung, aber verdammt hoch. Leitzahl 45 und volle Leistung aus ca. 1,5 Metern Entfernung. Aua, das flasht, aber es funktioniert…

 

Dass bei unserer Aktion leider viele Fotos, die wir auch super fanden, nicht Einzug in diese Auswahl erhalten haben, liegt in der Natur der Sache. Wir empfehlen Euch daher, selbst noch einmal die Kommentare und Einreichungen zur Leseraktion durchzusehen. Am besten mit einer Tasse Tee oder Kaffee.

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23 Kommentare

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    • Ich habe mein Gesicht schwarz angemalt, ich hätte auch rot oder blau nehmen können, was in Photoshop vermutlich auf das selbe rausgekommen wäre wenn ich diverse Farbkanäle extrahiert hätte oder mit Farbfiltern agiert hätte, aber das wollte ich nicht. Mir ging es darum zu entdecken wie sich mein Gesicht, mein Ausdruck verändert sobald ich meine Oberfläche einfärbe. Durch einen Freund bin ich darauf aufmerksam gemacht worden dass mein Bild sehr stark an „Black Face Theater“ erinnert. Ohne diese Problematik zu kennen, hatte ich bereits in der Farbversion festgestellt das ich diese Anmutung merkwürdig fand, nicht richtig, schließlich bin ich ein sehr hellhäutiger Typ, aber dennoch faszinierte mich die Struktur die erscheint sobald man sein Gesicht in einen gleichmäßigen Farbton hüllt und so entschied ich mich das Bild in Schwarz-Weiß zu konvertieren. Es wäre vermutlich besser gewesen hätte ich mein Gesicht komplett weiß gezeigt, was ebenso spannend wirken kann. Vielleicht mache ich das auch noch.

      • Hallo Martin!
        Ich finde dein Foto an sich auch ziemlich interessant. Man bleibt definitiv dran hängen. Vor allem die Augen sind Hammer. Allerdings irritiert mich die Quadratstruktur, die über dem Bild liegt. Ist diese beabsichtigt? Wenn ja, warum?
        Liebe Grüße,
        Jonas

      • Schön, dass du das Black Face Theater ansprichst. Ich musste ehrlich gesagt auch in der Schwarzweiß-Version im ersten moment auch an diese rassistische Theaterpraxis denken. Damit hat dein Foto aber genau das erreicht was ich mir von Fotos wünsche: Es hat in den ersten paar Sekunden, in denen ich es betrachtet habe, diverse Gedanken und Emotionen ausgelöst.

        P.S: Bitte nicht falsch verstehen. Ich musste nur an dieses Black-Face Zeug denken und werfe dir in keinster Weise rassismus oder so vor ;-)

      • Was meinst du mit Quadratstruktur? Falls du die JPEG Artefakte meinst, die sind wohl durch eine zusätzliche Kompression entstanden. Das Originalbild weist diese natürlich nicht auf.

      • Genau genommen entstehen die blöden Quadrate durch die verkleinerte Darstellung des Bildes im Browser, da die angezeigte Breite der Bilder je nach Auflösung etc. variiert.

  1. Also ich bin echt etwas entäuscht über diese Auswahl. Die ausgewählten Fotos sehen irgendwie alle ziemlich amateurhaft und dilettantisch aus.
    Wer sich die Mühe macht und nochmal in der Ankündigung dieses Themas die eingreichten Links zu den Bildern aufruft, wird sicher noch eine paar interessantere Fotos finden
    Ich hoffe diese Kritik ist hier erlaubt, ohne dass man gleich gelyncht wird.

  2. Anonymus hat mich mit seinem Kommentar nachdenklich gemacht:
    Ich selbst betreibe die Fotografie nur etwas übers Hobby hinaus und habe bei Weitem nicht den Anspruch, in Profibereiche vorzudringen.
    Trotzdem bilde ich mir auch – wie jeder – eine Meinung darüber, ob ein Bild nun „gut“ oder „schlecht“ ist. Und dabei würde hier absolut nicht die meisten Bilder als Zitat: „ziemlich amateurhaft und dilettantisch“ bezeichnen.

    Was meint ihr dazu?

  3. Nachdem ich mir alle Bilder der Teilnehmer angesehen habe, muss ich sagen, dass die Auswahl für mich persönlich etwas daneben gegangen ist. Einige Bilder sind zweifellos gut. Andere dagegen wirken für mich sehr banal und alltäglich – nichts besonderes eben. Andere dagegen wirken nur interessant, weil hinreichend lange mit Photoshop daran herum operiert wurde – das hat für mich nichts mit Fotografie zu tun.

    • Ich dachte die Zeiten in denen Photoshop als etwas verwerfliches betrachtet wurde, sind vorbei…

      Es gehört genauso zur Fotografie wie die Kamera selbst. Es hilft Ideen zu verwirklichen und gibt völlig neue Möglichkeiten.