01. September 2011 Lesezeit: ~3 Minuten

Sommerregen über Karlsruhe

Ich steckte das Ladegerät in den Rucksack und war eigentlich fertig. An diesem Freitagabend hatte ich alle Sachen gepackt und bereitete mich mental auf den Samstag vor, an dem ich wieder eine Hochzeit fotografieren sollte. Ich stellte mich ans Fenster und sah den gewaltigen Wolkenvorhang, der sich bedrückend über Karlsruhe legte.

Mir fiel ein, dass ich nochmal einkaufen gehen sollte und hatte spontan eine Idee. Und während ich so in mich hineingrübelte, klopften die ersten Tropfen an die Scheibe. Also gut, dann aber schnell.

Kamera ausgekramt, Fünfzig Millimeter aufgesteckt, beides in den Rucksack und dann fix zum Auto. Die Meter bis zu Letzterem sorgten dafür, dass ich platschnass einstieg und über lautstark das Wetter fluchte.

Ich bog in die Kriegstraße ein und war schnell im Zentrum, obwohl schnell leicht übertrieben ist. Der Regen peitschte dermaßen auf die Frontscheibe, dass ich streckenweise mit 30km/h auf der Hauptstraße gondelte, da ich fast nichts mehr sah. Eigentlich – so dachte ich – optimale Bedingungen für mein Vorhaben.

Irgendwann, irgendwo bremste ich ab und parkte. Den Apparat herausgeholt, Einstellungen festgelegt und losfotografiert. Ich hatte dieses Experiment schon einmal letzten Winter gewagt und jetzt die besten Vorraussetzungen, Leute auf der Flucht vor dem Regen und das sommerliche Karlsuhe im Wasserkleid zu dokumentieren. Selbstverständlich blieb ich im Auto sitzen, schließlich wollte ich die Tropfen auf der Fensterscheibe ins Bild integrieren.

So blieb ich hier und da stehen, wartete, bis die Menschen sich aus ihren Verstecken trauten und zur nächsten Bahn rannten oder fotografierte einfach so das regenversunkene Karlsruhe. Beim Fotografieren musste ich ein wenig schmunzeln. Schließlich konnte ich in aller Ruhe aus dem trockenen Auto nach draußen fotografieren und Leuten dabei zusehen, wie sie herumeilten und in eine Art Aufbruchstimmung verfielen.

Aber auch so mochte ich die „verwischte“ Stadtlandschaft, sie so ganz anders wirkt, wenn herunterplatschende Regenschauer das trockene Pflaster überschwemmen.

Zu Beginn dieser Woche habe ich die Bilder in einer freien Minute selektiert und finalisiert. Ich kam mit ein paar Justierungen und Konstrastanpassungen in Lightroom aus und addierte final eine Sepiatonung, um das Zeitlose der Szenerien zu unterstreichen.

Regen ist wie ein Zauber, der binnen Sekunden eine ganze Stadt in Bewegung bringen kann. Dieses Geschehen auf den Sensor zu bannen, macht mir persönlich großen Spaß, denn auf einmal ist alles anders als vorher. Für mich ein Grund, öfters rauszugehen, wenn alle anderen reingehen. Und das nächste Mal setze ich mich vielleicht in eine S-Bahn, das ist nämlich etwas umweltfreundlicher. ;-)

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