14. Mai 2011 Lesezeit: ~7 Minuten

Teil 2: Schritt für Schritt zum Kaffee-Bild

Ich bin kein Experte, was das Filmeentwickeln angeht, der Artikel soll eher einen kleinen Einblick in meine Vorgehensweise bei der Filmentwicklung mit Kaffee geben. Daher: alle Angaben ohne Gewähr!

Um Schwarzweißfilme (bzw. generell Filme) entwickeln zu können, benötigt man zunächst einen speziellen Entwickler-Tank; ich benutze einen Jobo Tank 1520, mit dem man 2 Mittelformatfilme oder 1 Kleinbildfilm (bei 2 Spiralen auch 2 Kleinbildfilme) entwickeln kann.

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Natürlich ist es mit dem Tank alleine nicht getan; diverse Hilfsmittel werden auch noch benötigt: mehrere Messbecher (Messbereich von 10tel ml bis 1 Liter), mehrere Abfüllflaschen (eine für den Entwickler/Kaffee, eine für den Fixierer), ein Thermometer, einen Trichter, mehrere Filmzangen fürs spätere Aufhängen der Filme. Eine Stoppuhr oder Uhr mit Sekundenanzeige sowie ein Zettel und ein Stift sind ebenfalls hilfreich.

Stoppuhr

 

Messbecher Hilfsmittel

Bevor man nun mit dem Entwickeln beginnen kann, muss erst einmal der Film auf die Spirale. Dazu benötigt man einen absolut lichtdichten Platz; entweder man packt den Wechselsack aus oder – wenn kein Wechselsack vorhanden – verschwindet man abends im zusätzlich abgedunkelten Schlafzimmer unter der Bettdecke.

Aber Vorsicht, dort kriegt man schnell Schwitzhände. Vor allem, wenn das Friemeln auf die Spirale unter Umständen etwas länger dauert. Bei mir war es ein ewiges Auf und Ab. Mal brauchte ich nur 2 Minuten dafür, mal saß ich eine halbe Stunde unter der Bettdecke und war am Ende nass geschwitzt und völlig fertig mit den Nerven. Mittlerweile habe ich mir allerdings einen Wechselsack gegönnt, der das Arbeiten doch sehr erleichtert.

Spirale

Ein paar Tipps noch bzgl. des Filmansetzens auf die Spirale: Einige sagen, man solle die Ecken des Films abschneiden, damit der Film nicht hängen bleibt. Kann ich nicht empfehlen. Dadurch, dass ich die Ecken abgeschnitten wurden (vielleicht auch zu viel – im Dunkeln kann man das schwer abschätzen), hatte der Film vorne keinen Halt mehr in dieser schmalen Führungsschiene der Spirale und rutschte immer wieder raus.

Ein anderer gab mir den Tipp, den Film vorne 5mm umzuknicken. Das hat anfangs gut geklappt, in letzter Zeit blieb der Film aber trotzdem ständig stecken. Die letzten paar Male habe ich den Film wieder ganz normal eingefädelt, ohne ihn abzuschneiden oder umzuknicken, das ging auch.

Das Filmende ist mit einem Stück Klebeband am Papier festgeklebt. Beides ist vorsichtig mit einer Schere voneinander zu trennen. Dabei muss man unbedingt aufpassen, dass kein Rest vom Klebeband am Film hängen bleibt; das könnte den Entwicklungsprozess beeinträchtigen.

Klebeband

Nachdem also der Film mühsam auf die Spirale gezogen wurde, kann man sich an das Zusammenrühren der Kaffeemixtur machen.

Hier nochmal mein Rezept für meinen Jobo Tank 1520:
(bei andern Tanks muss man je nach Füllvermögen entsprechend umrechnen)

  • 480ml destilliertes Wasser
  • 9,5 leicht gehäufte Teelöffel Instantkaffee
  • 4,5 leicht gehäufte Teelöffel Waschsoda
  • 0,5 Teelöffel Vitamin C Pulver

Die Sachen bekommt man in jedem Lebensmittelladen oder in jeder Drogerie; Vitamin C Pulver ist notfalls auch in der Apotheke erhältlich.

Für den Kaffeeansatz und den Fixierer verwende ich destilliertes Wasser, weil das Leitungswasser bei uns zu kalkhaltig ist und es nachher Spuren auf den Negativen geben könnte. Zwischen- und Nachwässern mit Leitungswasser ist aber kein Problem.

Den Fixierer verdünne ich folgendermaßen:

  • 420ml destilliertes Wasser
  • 60ml Fixierer (hierfür braucht man den kleinen Messbecher mit 10tel ml)

Caffenol & Fixierer

Man rührt / schüttelt also alle Zutaten zusammen und lässt die Brühe ca. 10 Minuten stehen, damit sich der Schaum setzen kann und die letzten Körnchen verschwinden (notfalls nachsieben). Ich entwickel meine Filme mit 20°C. Ihr müsst darauf achten, dass sowohl Entwickler als auch Fixierer diese 20°C haben, oder eben die gewünschte Temperatur.

Beim Wasser fürs Zwischen- und Nachwässern ist es egal, wobei ich allerdings auch da gucke, dass das Wasser nicht zu kalt oder zu heiß ist. Ich hatte am Anfang meiner „Filmentwicklungskarriere“ den Fehler gemacht, mich nur auf den Entwickler zu konzentrieren, dass dieser 20°C hat, dabei aber den Fixierer außer Acht gelassen und mich am Ende gewundert, warum meine Negative bzw. die anschließenden Scans ruiniert waren. Also lieber alles schön gleichmäßig temperieren.

Temperatur messen Temperatur messen

Ist die Brühe zu warm oder zu kalt, kann man etwas nachhelfen, in dem man die Flasche kurz ins Eisfach legt bzw. ins Spülbecken mit heißem Wasser stellt (oder im Winter auf die Heizung).

Hat der Kaffee seine 20°C erreicht, kann man ihn in den Tank kippen. Hierzu die Uhr zur Hand nehmen und den Tank die ersten 30 Sekunden durchgehend kippen. Danach hinstellen und ruhen lassen. So wird der Tank alle 60 Sekunden drei mal gekippt, die restliche Zeit steht er.

Bezüglich der Entwicklungszeit müsst ihr euch natürlich vorher informieren, wie lange welcher Film entwickelt werden sollte. Ich habe mich hier anfangs an den Zeiten von Rodinal orientiert.

Bisher habe ich folgende Filme mit Kaffee entwickelt:

  • Agfa APX 100 (Rollfilm): 18 Minuten
  • Kodak Tri-X 400 (Rollfilm): 14 Minuten
  • Fuji Acros 100 (Rollfilm): 17 Minuten
  • Rollei Retro 80s (KB): 15 Minuten

Ist die Entwicklungszeit vorbei, wird der Kaffee weggekippt (in die Toilette oder den normalen Abfluss) und zwischengewässert. Wie gesagt, hier reicht Leitungswasser aus, da anschließend gleich der Fixierer nachgekippt wird. Für das Zwischenwässern habe ich keine bestimmten Zeitangaben. Ich wässere so lange, bis das Wasser keinen Braunschimmer vom Kaffee mehr hat. Das dauert circa eine Minute.

Anschließend checke ich nochmal die Temperatur des Fixierers und gebe ihn dann in den Tank. Wieder muss man die ersten 30 Sekunden durchgehend kippen, dann alle 60 Sekunden drei mal, wie beim Entwickeln auch. Meine Fixierzeit beträgt beim Rollfilm vier Minuten, aber hier kann man auch eigene Zeiten austesten.

Wenn die Fixierzeit abgelaufen ist, kippt man den Fixierer zurück in die Abfüllflasche (mithilfe des Trichters) und wässert den Film zwei- bis dreimal nach, damit der restliche Fixierer verschwindet. Das Wasser vom Nachwässern kippe ich immer in den Entsorgungsbehälter für den Altfixierer und nicht ins Abwasser. Sicher ist sicher.

Fixierer trocknen

Man kann den Film vor dem Aufhängen noch einmal kurz durch Spülwasser (Wasser ins Waschbecken und einen Schuss Spüli hinzugeben) ziehen. Dadurch verschwindet das Wasser schneller vom Film und der Film wird somit auch schneller trocknen. Den Film kann man schließlich zum Trocknen aufhängen.

Hier nochmal eine kurze chronologische Zusammenfassung:

  • Film vollknipsen ;)
  • mit Schere, Film und Entwicklertank ab unter die Bettdecke oder alles in den Wechselsack packen
  • bei völliger Dunkelheit (!) den Film auf die Spule friemeln
  • Filmende vom Papier abschneiden; aufpassen, dass nichts vom Klebestreifen am Film zurückbleibt
  • Spule in den Tank packen und den Tank verschließen
  • Kaffee ansetzen
  • Zubehör (Messbecher, Uhr, Thermometer etc) bereitstellen
  • Fixierer bereitstellen
  • Wasser fürs Zwischen- und Nachwässern bereitstellen
  • Temperatur aller Flüssigkeiten prüfen
  • Entwickeln
  • Zwischenwässern
  • Fixieren
  • Nachwässern
  • Endwässern mit Spüli
  • Film zum Trocknen aufhängen

Fertig.

Wir empfehlen den ersten Artikel dieses Zweiteilers.

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16 Kommentare

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  1. Sehr schön beschrieben!

    Eine Frage habe ich aber: Ich weiß wohl, dass man mit Kaffee Filme entwickeln kann, aber was hat Dich dazu bewogen, Kaffee und keinen normalen Filmentwickler zu verwenden?

    • danke.

      mit meinen ergebnissen mit chemie (rodinal) war ich damals überhaupt nicht zufrieden, was aber denk ich weniger mit der chemie zu tun hatte sondern mehr mit meiner unfähigkeit. diverse fehler schlichen sich ein und entsprechend schlechte ergebnisse kamen dabei raus.

      als ich das mit dem kaffee dann las, musste ich das natürlich gleich ausprobieren und war überwältigt von den tollen ergebnissen. deshalb bin ich bei kaffee geblieben und nicht mehr zur chemie zurückgekehrt. :)

  2. Sehr interessant – habe „früher“ in der Foto-AG oft genug selbst Filme entwickelt, aber von der Kaffee-Methode habe ich noch nie gehört! Klingt interessant – auch wenn ich mir nicht sicher bin, ob man den Kaffee hinterher über die Kanalisation entsorgen sollte / darf – was wird denn da alles aus dem Film rausgelöst beim Entwickeln? Oder war das erst beim Fixieren? Mist, zu lange her, dass ich mich damit beschäftigt habe!

  3. ich entwickel auch nur mit caffenol. bis 100ASA mit caffenol-c-m und alles darüber mit caffenol-c-l mit ein paar mg kaliumbromid um die schleierbildung zu verhindern.

    wer mehr zu dem thema erfahren möchte und rezepte mit reproduzierbaren maßeinheiten sucht, dem empfehle ich:

    http://caffenol.blogspot.com/

    reinhold ist, was das thema caffenol angeht, die anlaufstelle nummer 1!

    gruß, peter

  4. Bin zwar spät dran *gg*…aber Gestern wars soweit…meine erste Analog Entwicklung überhaupt und dann gleich mit Caffenol und dem Spürsinn 6punkt5 Fixierer.
    Vorher hab ich mich verrückt gemacht wegen der Wassertemperatur und den ganzen Mischverhältnissen und Zeiten. Aber dann hab ich mir gedacht…was solls..einfach mal drauf los. Methode Caffenol C-L Standentwicklung (70 min) und Fixierzeit 15min jewils nur in der 1.minute Kippen und dann stehen lassen. Hat alles für meine Zwecke prima geklappt und jetzt teste ich mit nem kleinen Stück Film davon am Fensterbrett die Langzeithaltbarkeit um zu sehen obs mit dem fixieren gereicht hat
    http://www.foto-grafx.de/analog-selbst-entwickeln-mit-caffenol/