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01. Februar 2010 Lesezeit: ~3 Minuten

Nick Brandt

Nick Brandt

Nick Brandt ist ein Fotograf, den ich schon lange Zeit bewundere. Nick’s Aufnahmen von Tieren in Afrika sind auf ihre Art unnachahmlich, direkt und authentisch – und seine Aufnahmen unterscheiden sich ungemein von dem, was der Betrachter gewöhnlich unter dem Titel „Wildlife-Fotografie“ zu Gesicht bekommt.

Als Nick Brandt 1995 das Musikvideo zu Michael Jackson’s „Earth Song“ drehte (Anmerkung: so etwas macht man auch nicht mal so „nebenbei“), wurde er auf die intensive Tierwelt Afrikas aufmerksam. 2000 fing er dann erstmals an, dort gezielt zu fotografieren.

Was dabei herauskam, war kein Zufallsprodukt – und wenn wir uns seine Fotos von Löwen, Giraffen und Elefanten näher anschauen, dann wissen wir, dass Brandt ganz genau weiß, was er tut. So ist es nicht verwunderlich, dass er ausschließlich mit der Mittelformatkamera auf Schwarzweissfilm fotografiert und dadurch seinen Fotos diese feine Brise Echtheit hinzufügt.

Nick Brandt

„I get extremely close to these very wild animals, often within a few feet of them. I don’t use telephoto lenses. This is because I want to see as much of the sky and landscape as possible–to see the animals within the context of their environment. That way, the photos become as much about the atmosphere of the place as the animals. And being that close to the animals, I get a real sense of intimate connection to them, to the specific animal in front of me. Sometimes a deliberate feeling that they’re almost presenting themselves for a studio portrait.“ Quelle

Was mich persönlich ganz besonders an Nick Brandt’s Aufnahmen fasziniert ist sein signifikantes Spiel mit dem Bokeh, das immer wieder Teil seiner Bildkompositionen wird. Und die sind stets ausgereift, ruhig und ästhetisch wirksam und stellen die Tiere in ihrem „Sein“ da – weniger ihrem „Tun“. Diese Kombination lässt Brandt’s Fotografien tendenziell eher als Kunst wirken, als reine Dokumentation.

Das macht Brandt’s Fotos attraktiv, deshalb fallen sie aus dem Rahmen. Und obwohl ich mir selbst das Erstellen auch nur eines dieser Bilder als eine Mammutaufgabe vorstelle, sind diese Fotos alles andere als weit weg. Nein, sie schaffen Nähe zur Persönlichkeit dieser Tiere, wie ich sie selten zu Gesicht bekomme.

Nick Brandt

„Meine Porträts sollen die Persönlichkeit der Tiere vermitteln, den Moment einfangen, in dem sie sich scheinbar selbst in Szene setzen. Für mich hat jedes Wesen, menschlich oder nicht, das gleiche Recht zu leben. Und dieses Gefühl, der Glaube daran, dass ein Tier und ich gleichberechtigt sind, berührt mich jedes Mal, wenn ich fotografiere.“ Quelle

Nick Brandt

Übrigens: Nick Brandt’s hat auch schon einige Bücher mit seinen Fotos gemacht, und eines davon gibts sogar auf Amazon (Partnerlink).

Erst kürzlich war in Berlin eine Ausstellung von Nick Brandt’s Werken, da ich aber in Süddeutschland wohne, blieb mir ein Besuch verwehrt. Wer dennoch auf der Ausstellung war, wird die Fotos sicher nicht vergessen.

Jetzt bleibt mir, Euch auf Nick Brandt’s Webseite hinzuweisen. Empfehlung: Wer jedoch seine Fotos in etwas größerer Auflösung betrachten möchte, der kann das bei Younggalleryphoto tun.

Kanntet Ihr Nick Brandt schon? Wie gefallen Euch seine Fotos? Sprechen sie Euch an?

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43 Kommentare

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  1. Ich finde seine Fotos auch wunderbar.
    Er hat vor kurzem auch ein neues Buch rausgebracht. Den Preis für das Buch On This Earth: Photographs from East Africa find ich gar nicht teuer. Werd ich mir vermutlich demnächst bestellen.

  2. nein, kannte den herren noch nicht. vielen dank fürs vorstellen, beeindruckende bilder! ein mutiger mann ist das ;)
    die bilder sind entfernt von klarer, wissenschaftlicher dokumentation, hin zum wesen der tiere… wenn man das so sagen kann. gerade das letzte foto vom löwen im profil ist ein herausragendes portrait finde ich.

  3. Hallo Martin,

    als begeisterter Tierfotograf kenne ich Nick Brandt schon eine Weile und bin fasziniert von seinem eigenwilligenm, sofort wieder erkennbaren Stil. Die Tiere wirken fast ein wenig wie Models, die sich in ihre einstudierten Posen begeben. Und gerade weil ich aus eigener Erfahrung weiß, wie schwer es ist und wieviele Stunden man teilweise regungslos im Busch verharren muss, bis einem solche Bilder gelingen, berühren mich die Fotos immer ein bißchen mehr, als viele andere.

    Apropos „Nähe“ und „Vertrautheit“. Du solltest mal unter http://www.wildcast.net bei Kim Wolhuter, einem südafrikanischen Kameramann und Fotografen reinschauen, der viel für National Geographic macht. Hier speziell mal die Hyänen- und Leopardenbilder ansehen und staunen, wie sehr wilde Tiere seine Nähe zulassen.

    Außerdem empfehlenswert: wildearth.tv die Pirschfahrten durch das wundervolle private Reservat Sabi Sands westlich vom Krüger Nationalpark machen und per Video streamen. Aber nur als Teaser, um irgendwann selber (oder wieder) hinzufahren. :)

    Viele Grüße!

    Stefan

  4. Ja, ich glaube in einer PHOTOGRAPHIE-Ausgabe hab ich das letzte Löwenfoto auch schonmal gesehen :-). Wirklich genial anders, die Fotos. Ich finde besonders das Bild mit den 2 Affen interessant, weil das Licht da so speziell ist.

  5. Alle klasse, aber das Büffelbild zieht einem die Schuhe aus.
    Haha, muss grade dran denken, wie ich mal vor hundert Jahren mit meiner ersten SLR anderthalb Stunden im Holz gehockt habe, um als Ergebnis zwei schlechte Bilder von einem Fasan zu haben.

  6. Die Bilder dieses Fotografen kenne ich schon länger und sie haben mich sofort begeistert und in den Bann gezogen. Ich finde sie wunderschön, entrückt, so gar nicht authentisch – Meisterwerke. Mein Fotobuddy findet sie übrigens total künstlich und mag sie nicht.

  7. Die Bilder finde ich auch unheimlich atmosphärisch. Die Tiere wirken auf mich unglaublich würdevoll und erhaben. Gleichzeitig kommt große Wehmut auf, weil sie zu den letzten Repräsentanten ihrer ehemals zahlreichen Art gehören. In sw wirken sie wie langsam verblassende Erinnerungen an eine Zeit, in der die Dinge noch so waren, wie sie sein sollten – die aber niemals zurückkehren wird.
    In fotoMAGAZIN Dez. 2009 und einer der letzten Ausgaben FotoPraxis waren diese Fotos übrigens auch zu sehen.

    Gruß
    Oli

  8. Wow! Das sind mal echt geniale Fotografien! Da ich ja immer nach der etwas anderen Tierfotografie gesucht habe, nach etwas neuem und tieferem als den üblichen ich-hab-ein-500mm-objektiv!-tierfotos, hast du mir gerade einen Neuzugang in der Liste meiner LieblingsfotografInnen verschafft…

    Danke Martin! ;-)

  9. Die Fotos sehen echt genial aus! Find‘ ich echt super, dass es auch noch Fotografen gibt, die nur mit der „alten Technik“ fotografieren! Ich muss die alte Analoge meines Vaters mal wieder rausholen :D

  10. Hallo,

    Wie so oft kannte ich die Bilder aber nicht die Person dahinter. Sehr interessante Weise an diese Art von Fotografie ranzugehen. Ich weiss nicht ob ich den Mut hätte 5 Meter vom Büffel oder Löwen entfernt mit einem Weitwinkel solch ein Foto zu machen. Und auch sehr schön dass er den Tieren den nötigen respekt erweist.

  11. Ich kenne Nick Brandt seit Deinem Artikel 10 unersetzliche Fotografen der Schwarzweiss Fotografie vor ~1 Jahr.

    Mich fasziniert (noch immer) besonders die Ruhe und Natürlichkeit seiner Photographien. Die Bilder drücken für mich eine große Ehrfurcht vor dem einzelnen, abgebildeten Lebenwesen und seinem Charakter aus, ganz im Gegenteil zu den oft kitschig-angehauchten Sonnenuntergang-Postkarten Bilder von der Afrikanischen Tierwelt.

    Schöne Grüße
    Michael

  12. Hallo Martin,

    erstmal vielen Dank dafür, dass du Nick Brandt einen Beitrag widmest.

    Ich hatte ihn schon einige Jahre in meinen Bookmarks gespeichert, lange bevor ich überhaupt mit dem Fotografieren begonnen habe.

    Ich zähl ihn, was die Tierfotografie angeht zu meinem absoluten Favoriten.
    Er macht beeindruckende Fotos die mich immer wieder aufs Neue faszinieren.

    Dein Beitrag hat mich darin bekräftigt, mir endlich sein Buch „On This Earth: Photohraphs from East Arfica“ zu kaufen.

    Gibt es hier irgendwo die Möglichkeit einen Blick in das Buch zu werfen?

    Noch viel schärfer bin ich auf das Buch „A Shadow Falls“, welches ebenfalls Werke von ihm enthält.

    Cheers

  13. Endlich schreibst du auch mal über ihn :) Er ist mein absoluter Favorit, was Tierfotografie angeht. Einfach atemberaubende Werke, die er erschaffen hat :)

    Danke für den tollen Artikel, wurde aber auch langsam Zeit ;)

  14. Blogartikel dazu: uberVU - social comments

  15. ich war auch einst bewunderer von nick brandt. bis ich erfahren habe, dass er alle negative, welche er mit einer pentax 4,5×6 schießt, photoshopped … viele seiner bilder sind nicht so aufgenommen worden. oft wurde der himmel ersetzt um eine „düstere“ stimmung zu erzeugen.

    hier zb: http://www.artmo.com/Images/Artwork/6920081465885Giraffe_Fan.jpg

    oder es wurde mit ps geshift, um die schärfenebene zu „verschieben“.

    das ist leider wie wahrheit … deswegen bewundere ich seine „fotografien“ nicht.

    viele grüße

  16. @martin – es gibt zahlreiche internationale threads in bezug auf die arbeiten von nick brandt. beim giraffe-bild teilte er einst in einem interview mit, dass er den himmel ausgetauscht hat …

    im lens work magazin (usa) teilte er zudem mit, dass die nutzung von ps unabdingbar ist. denn alle analogfotografierten bilder werden anschließend gescannt und digital verarbeitet.

    zitat: I shoot with a Pentax 67II and scan my negs. That much is true. Photoshop is a fantastic darkroom for getting the details out of the shadows and highlights with a level of detail that I never could obtain in the darkroom …

    lediglich den vorwurf einzelne tiere in ps kopert zu haben, wies er ab. es gibt sehr sehr viele ähnlichkeiten …

    hier noch was nettes: http://www.bowhaus.com/news/brandt.php4

    viele grüße

  17. Eigentlich finde ich es unwichtig, ob die Bilder nun so 1:1 aus der Kamera kommen oder nicht, das Endprodukt des Künstlers ist ein „Bild“ oder im wahrsten Sinne des Wortes ein „Kunstwerk“ und das kann gefallen, vielleicht sogar begeistern oder eben nicht.

  18. Blogartikel dazu: Tweets die Nick Brandt | Digitale Fotografie Lernen - KWERFELDEIN - Martin Gommel erwähnt -- Topsy.com

  19. wow so wie die schärfenverteilung im ersten bild aussieht ist das bild mit der Fachkamera gemacht worden RESPEKT er fotografiert tiere mit ner Fachkamera! Das ist nicht einfach bissl mit der knipskiste paar fotos machen und der rest macht photoshop das ist wirklich alte schule!

    Grüße Jimmy

  20. @ Peter W. Das finde ich etwas weit hergeholt! Und ohne Quelle mag ich das nicht glauben. Dein Zitat besagt nur, dass er die Bilder, die ja analog vorliegen, einscannt (wie soll er sie sonst in Netz bringen?), und die Feinheiten abstimmt, die nach dem Scannen notwendig sind.

    Würde er dacon Positive in der Dunkelkammer anfertigen, dann würde er auch die Schatten und Lichter durch z.B. Nachbelicht etc. herausarbeiten.

    Die Bilder deshalb als „Fotografien“ (in Anführungszeichen) zu verunglimpfen ist ziemlich daneben. In Anbetracht, dass heute so ziemlich jedes Bild aus einer Digiknipse in RAW geschossen wird und anschließend in Photoshop bearbeitet wird.

    Warum sollte er in PS shiften/tilten, wenn er es mit der Kamera kann? Ist das Deine Vermutung? Hast Du schonmal mit einer Fachkamera gearbeitet?

  21. Martin, kennst Du dieses Video schon?
    http://www.youtube.com/watch?v=UhwKUJK2ZJw

    …und ausserdem wollte ich Dir danken: Dieser Artikel war und ist ein wundervoller Gedankenanstoss. Vielleicht auch gerade weil er so schön darstellt, wie sich klassische Methoden der Fotografie mit den neuen verbinden lassen. Er wird dadurch doch nicht unglaubwürdig. Ganz im Gegenteil: ich finde es ausgesprochen bemerkenswert, wie er alles so vollkommen selbstverständlich miteinander kombiniert und in Einklang bringt.

    Ich bin jedenfalls unheimlich gespannt, was da noch so alles kommen mag von ihm.

    Liebe Grüsse und ein schönes Wochenende!

  22. Toller Artikel!

    Ich denke die Bilder, die herauskommen sind genial. Da ist mir das egal, ob das jetzt direkt aufgenommen ist, oder nachbearbeitet. Beides braucht gewisses Fachwissen und das ist hier m.M.n. bewundernswert. Auch kann ich hier sylvie zustimmen, dass die Kombination der beiden Dinge auch etwas ist, was nicht jeder macht, was bestimmt auch seinen eigenen Effekt hat.

    Gruß