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24. Oktober 2012 Lesezeit ~ 15 Minuten

kwerfeldein diskutiert: Bildkritik

Liebe Leser, wir haben uns mal wieder etwas Neues ausgedacht. Im Folgenden werdet Ihr eine Dikussion zu lesen bekommen, die vier Redakteure – Martin, Holger, Aileen und Sebastian – untereinander zum Thema Bildkritik geführt haben.

Nun ist die Sache mit der Bildkritik nicht so leicht abzuhandeln, wie Euch zu erklären, wie die Blende funktioniert. Bildkritik ist komplex und es gibt viele Einflüsse, die darauf einwirken, ob und wie die Kritik angenommen wird und zu einer positiven Veränderung seitens des Kritisierten führt, wie Ihr in den folgenden Zeilen erfahren werdet.

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Holger: Ja die Sache mit der Kritik. Mich nervt eigentlich eine Sache am meisten: Viele Leute meinen, dass sie aufgefordert sind, eine Kritik abzugeben, nur weil ein Foto veröffentlicht worden ist. Wenn ich mal von mir ausgehe, frage ich Leute direkt nach Kritik. Ich schicke beispielsweise einen Link an Aileen und frage direkt, ob sie etwas anders machen würde. Dann ist Kritik natürlich erwünscht und in solchen Fällen kommt eigentlich auch immer vernünftige, konstruktive Kritik zurück. Was bei anonymer Kritik leider selten der Fall ist.

Martin: Da würde ich Dir gleich mal widersprechen. Denn: Wenn Du keine Kritik möchtest, kannst Du ja die Kommentarfunktion ausschalten. Ein Stück weit provoziert eine Publikation im Netz die Rückmeldung. Ob und wie die ausfällt, kommt darauf an, wer sie formuliert und wo sie formuliert wird.

Auf einigen Plattformen wirst Du fast keine Kritik finden (zum Beispiel bei Instagram und Flickr), wohingegen Blogs einen wesentlich persönlicheren Bezug schaffen, worauf auch Leser persönlicher reagieren. Dass die Qualität der Feedbacks oft sehr unterschiedlich und nicht gewinnbringend formuliert ist, da stimme ich Dir zu.

Sebastian: Das mit der Kommentarfunktion sehe ich genau so. Will ich keine Kritik, dann schalte ich sie ab. Ich würde aber sogar noch einen Schritt weiter gehen: Für mich selbst finde ich sogar die negativste Kritik immer am besten – denn daraus kann man in vielen Fällen tatsächlich etwas lernen und mitnehmen, solange es nicht nur Pöbelei ist.

Das kommt natürlich darauf an, wie sensibel man selbst im Bezug auf seine Arbeit ist, aber am Ende geht es ja meist nur um ein einzelnes Foto, da kann man schon mal verkraften, wenn einem jemand klar macht, dass das jetzt eigentlich nur ein gewöhnliches Urlaubsbildchen oder Haustierfoto ist. Jedenfalls ist es mir tausend Mal lieber, jemand findet ein Bild mit Begründung richtig scheiße, als dass jemand nur „Tolles Foto!!1“ drunterschreibt.

Martin: Du sprichst einen guten Punkt an, Sebastian: Distanz und Nähe zum Geschaffenen. Beides ist meiner Meinung nach wichtig – und zwar in einem ausgewogenen Verhältnis. Wer jede Kritik als persönlichen Angriff wertet, wird es schwer haben, Kritik gewinnbringend verwerten zu können.

Wen es im Gegensatz dazu gar nicht interessiert, was das Gegenüber kommentiert, hat einfach nichts davon. Auch das macht die Kommunikationsschleife überflüssig. Und das sagt einer (ich), der Kritik jahrelang sehr persönlich genommen hat und heute eher auf der anderen Seite vom Pferde fällt.

Aileen: Ich finde es schwer, alle Menschen und Fotos bei dem Thema über einen Kamm zu scheren und so allgemeine Aussagen wie „wer Kommentare zulässt, der muss auch die Kritik annehmen“ zu treffen. Ob ich Kommentare möchte, welcher Art sie sein dürfen und welche Distanz ich zu einem veröffentlichten Foto habe, ist doch oft eine sehr vielschichtige Frage meiner grundlegenden Persönlichkeit, meiner allgemeinen Stimmungslage, den Faktoren, unter denen ein Foto entstanden ist und nicht zuletzt, in welcher Phase meiner fotografischen Entwicklung ich mich befinde.

Meiner Meinung nach ist es zu engstirnig, zu sagen: Kommentare offen = Kritik erwünscht. Teilweise können Kommentare nicht einmal abgeschaltet werden. Darf ich meine Fotos auf Facebook nicht veröffentlichen, wenn ich sie nur zeigen möchte? Warum sollte ich nur die Wahl haben zwischen gar keinen Kommentaren oder allen, die ich gar nicht will? Das ist mir zu schwarzweiß.

~

Martin: Was ist eigentlich eine gute Kritik? Was meint Ihr? Oder lässt sich das so gar nicht festlegen?

Aileen: Meistens wird darunter ja konstruktive Kritik verstanden, also Stärken der Aufnahme benennen, aber auch Verbesserungsmöglichkeiten aufzeigen, wo man sie sieht. Das kann sich auf die technische, aber auch auf die konzeptionelle Seite beziehen. Es wird nur, wie ich angedeutet hatte, zu oft vernachlässigt, was der Fotograf überhaupt möchte. Gut möglich, dass man gar keine für beide Seiten „gute“ Kritik abgeben kann, weil der Fotograf gar keine möchte.

Holger: Genau das meine ich ja. Ich bin eigentlich in den meisten Fällen von den Fotos, die ich veröffentliche, überzeugt. Das soll allerdings nicht heißen, dass ich mich für den tollsten Fotografen halte. Aber mich interessiert es eigentlich nicht besonders, was XY anders oder in seinen/ihren Augen besser machen würde. Wenn ich mir bei einem Foto nicht sicher bin, dann frage ich, wie gesagt, jemanden. Von daher ist für mich eine gute Kritik nur möglich, wenn auch darum gebeten wurde.

Sebastian: Eine gute Kritik ist für mich immer eine, die mir eine neue Perspektive auf meine eigene Arbeit bringt, würde ich sagen. Deswegen denke ich auch, dass eine Kritik, die von einer Person kommt, die etwas ganz anderes macht als ich und die ich gar nicht kenne, durchaus ein Gewinn sein kann. Weil ich dadurch eventuell einen ganz neuen Blick auf meine eigenen Sachen bekomme, den ich selbst vielleicht gar nicht bekommen kann, selbst wenn ich mich anstrenge.

Ob und wie man diese Kritik dann annimmt und umsetzt, ist ja dann wieder noch mal eine ganz andere Geschichte. Ganz persönlich eher langweilig finde ich rein technische Kritik, aber auch aus der kann man durchaus oft etwas lernen.

Martin: Das mit der neuen Perspektive gefällt mir, Sebastian. Rückblickend darf ich sagen, das die härtesten Kritiker meiner Bilder im Netz mich auch am weitesten gebracht haben. Auch, wenn der Moment erstmal schmerzhaft und komisch ist und ich (fast jedes Mal) dachte: „Was für ein Penner.“ So mancher Kotzbrocken verhalf mir dazu, mich dann dennoch insgeheim zu fragen, ob vielleicht doch etwas dran ist.

Zwar macht ein harter Kommentar nicht gleich einen guten aus, aber irgendwann habe ich angefangen, drüber nachzudenken. Doch auch der polemischste Kommentar hatte meist ein Argument und wenn das bei mir ins Schwarze traf, habe ich mich hinterfragt. Und das verhalf mir zu neuen Sichtweisen. Mittlerweile nehme ich Kommentare nur noch sehr selten persönlich und das hilft mir ungemein, den verwertbaren Inhalt herauszufiltern und den Rest einfach stehenzulassen.

Aileen: Was können wir nun eigentlich mitnehmen, außer der Erkenntnis, dass es ganz unterschiedliche Erwartungshaltungen an Kritik gibt, die noch dazu meistens nicht ersichtlich sind, weil weder der ausstellende Fotograf noch der kritisierende Leser eine Gebrauchsanweisung mitgeben?

Sebastian: Das ist ein ganz guter Punkt, Aileen, den ich bisher auch noch nicht so gesehen habe. Da jede Community und jedes Blog andere Regeln für die Bildkritik hat, jeder einzelne Fotograf und jeder einzelne Kritiker ganz andere Erwartungen und Interpretationen, ist es vielleicht wirklich so, dass man am Ende nur mitnehmen kann: „Feste Regeln gibt es nicht.“

Für mich ist jede Kritik eine gute Kritik, danach und davon abgelöst kommt dann erst die Frage: Nehme ich das an, was der Kritiker schreibt oder geht es an meiner eigenen Intention für dieses Bild total vorbei? Wenn man die zwei Sachen trennt, dann ist man vielleicht auch nicht persönlich angegriffen von einer eher negativen Kritik.

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Martin: Drehen wir den Spieß doch mal um: Habt Ihr schon einmal eine Bildkritik im Netz geschrieben? Und wenn ja: (Wie) wurde diese angenommen?

Holger: Gute Frage! Wenn ich es mir so recht überlege, kommentiere ich meistens nur, wenn mir ein Bild gut gefällt und meist auch nur bei Leuten, die ich kenne und bei denen ich mir ungefähr denken kann, wo sie mit dem Bild hin wollten. Ich kritisiere eigentlich nur, wenn ich auch gefragt werde.

Das könnte man jetzt natürlich so auslegen, dass ich damit nur meinen Standpunkt untermauern möchte. Mir ist das aber erst jetzt gerade bewusst geworden. Frei nach: „Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die Du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde.“

Martin: Ich antworte mir mal selbst: Bisher habe ich nur bei Leuten ihre Bilder kritisiert, wenn ich wie Du, Holger, darum gebeten wurde oder wusste, dass es in Ordnung geht. Für mich ist es wichtig, dass die Zeit, die ich mir nehme, auch wirklich lohnenswert ist. Meist wurde die Kritik positiv aufgenommen oder auch nicht darauf reagiert.

Hier ist es auch interessant, wo ich das getan habe: Auf Instgram noch nie, auf Flickr ab und an und auf Blogs des Öfteren. Dazu kommt: Die Fotografen, die ich doof finde (und die ich eigentlich kritisierenswert finde), habe ich nicht wirklich in Sichtweite.

Die Fotos von einem sehr bekannten Fotografen gefallen mir beispielsweise (inhaltlich und vom Stil her) gar nicht, aber exakt aus diesem Grund verfolge ich seine Arbeiten auch nicht, was wiederum verhindert, dass ich eine Beziehung zu ihm aufbaue, in der Kritik von meiner Seite erwünscht oder respektiert würde. Ein Teufelkreis. Wen kritisierst Du, Aileen?

Aileen: Als ich vor ein paar Jahren anfing, mich mit Fotografie zu beschäftigen, war ich in einer kleinen deutschen Community für Fotografie unterwegs, in der ausgiebig jeder jedem konstruktive Kritik schrieb. Um die Grundregeln zu lernen, war das super, wenn einen jemand darauf hinwies, dass das Wasser gleich aus dem Bild fließt, weil der Horizont schief ist und was man sonst so am Anfang falsch macht, weil man den Blick dafür noch nicht entwickelt hat.

Da habe ich später selbst auch sehr viele ausführliche Kritiken geschrieben, weil der Rahmen dort stimmte. Leider kam aber vermehrt zurück, dass konstruktive Kritik nicht gewünscht ist – „Ich wollte das so.“ – und auch ich selbst habe immer mehr Bilder gemacht, bei denen oft Dinge beinahe reflexartig kritisiert wurden, die ich aber absichtlich eingesetzt habe oder die ich als Geschmackssache bezeichnen würde. Man wollte unbedingt etwas kritisieren und hat dadurch Bilder auch mal „totgeschaut“ und kaputt-analysiert.

Inzwischen kritisiere ich kaum noch so ausführlich. Nur, wenn ich das Gefühl habe, dass die Kritik auch ankommt oder jemand explizit welche wünscht. Und ich sehe auch immer weniger Bilder, die einer Kritik bedürfen, weil ich – wie du schon sagtest, Martin – heute viel stärker filtere, was ich überhaupt zu sehen bekomme.

Sebastian: Die Frage finde ich superwichtig, um zu gucken, wie und wo man Schwerpunkte bei der Bildkritik setzt. Einfach mal bei seinen eigenen Kritiken anfangen. Wie viele andere war ich auch einige Zeit in einem großen Fotoforum unterwegs, als ich anfing, mich mit ernsthafterer (Digital-)Fotografie auseinanderzusetzen. Und ich habe viel kritisiert und viele ausführliche Kritiken an den Stellen geschrieben, an denen die auch „eigentlich“ gewünscht wurde.

Aber ich habe relativ schnell gemerkt, dass zwar andere Leute, die mitgelesen haben, meine Kritiken sehr gut fanden, aber selten der jeweilige Fotograf. Der fühlte sich direkt angegriffen und stellte auf „Verteidigungsmodus“, wenn man tatsächlich etwas anderes sagte, als dass man die Fotos richtig super findet. Deswegen habe ich es dann irgendwann komplett gelassen, was ich eigentlich schade fand, weil es doch interessant ist, sich mit Fotografien in verschieden Aspekten tiefer auseinanderzusetzen.

~

Martin: Gehen wir mal davon aus, dass der Rahmen stimmt. Jemand schreibt mir oder Dir, dass er gern eine Meinung zu einem Bild haben möchte und auch bereit ist, jegliche Kritik über sich ergehen zu lassen. Wie geht Ihr vor?

Holger: Ich glaube, vernünftig kritisieren kann man eigentlich nur, wenn man sich auch mit dem Fotografen ernsthaft beschäftigt. Am besten im Dialog. Was nützt es, wenn ich Dinge kritisiere, die der Fotograf exakt so gewollt hat? Ich muss die Intention und das Umfeld des Fotografen kennen.

Ein gutes Beispiel ist der Kommentar von Brigitte zu meinem Artikel „Am Ende des Sommers“. Im Prinzip hätte ich gar nicht darauf antworten müssen, aber ich fand es dermaßen daneben, dass sie sich Dinge über mich ausgedacht und daraus eine Kritik abgeleitet hat, mich am Ende sogar belehren wollte, dass ich einfach etwas dazu schreiben musste.

Um auf Deine Frage zu antworten: Es erfordert natürlich etwas Mühe, aber man sollte mit dem Fotografen, der kritisiert werden möchte, in einen Dialog treten und erst einmal herausfinden, was er denn überhaupt wollte. Dann kann man gemeinsam darüber sprechen, ob sein Ziel erreicht wurde oder nicht.

Aileen: Ich gehe meistens nicht vor, wie Holger es vorschlägt, sondern finde es oft genug auch spannend, eine Kritik von einem außenstehenden Standpunkt zu verfassen. Diese ist beileibe nicht neutral, kann dem Fotografen aber auch interessante Einblicke darin geben, wie seine Arbeit von jemandem gesehen wird, der sich nicht in seine anderen Bilder reingefühlt hat.

Ich sehe das aber eindeutig nur als Puzzleteil neben Meinungen von persönlich bekannten Menschen und anderen, die mit der restlichen Arbeit vertraut sind. Und nicht immer ist so eine Art Kritik sinnvoll, das ist mir bewusst, kann aber Impulse geben.

Bei der inhaltlichen Seite der Kritik schreibe ich erst einmal alles auf, was mir auffällt, formuliere es dann aus, ordne gegebenenfalls nach verschiedenen Gesichtspunkten wie Komposition/Konzept oder der Wichtigkeit. Beim Schreiben fällt mir dann oft noch etwas auf oder mir werden Zusammenhänge im Bild klar, dann formuliere ich wieder um. Wichtig finde ich, sich ernsthaft länger mit einem Bild zu beschäftigen und sorgfältig zu formulieren, um möglichst umfassend zu sein und nicht nur einen Aspekt „hinzurotzen“, der einem als erstes auffällt.

Holger: Ja, das ernsthafte und ordentliche Auseinandersetzten mit einem Bild finde ich ganz besonders wichtig. Natürlich hat man einen ersten Impuls: Gefällt mir. Gefällt mir nicht. Aber darum geht es ja bei Kritik eigentlich überhaupt nicht. Und ich denke, durch das längere Auseinandersetzten mit einem Bild kann man auch besser über den eigenen Geschmack hinwegsehen.

Sebastian: Sehe ich genauso, auch wenn ich den ersten Impuls nicht unter den Tisch kehren würde. Der kann ein Hinweis auf den eigenen, subjektiven Geschmack sein. Wenn man das Bilder aber „objektiv“ bewerten will (falls es so etwas in der Kritik denn überhaupt gibt), dann sollte man sich ein bisschen mit dem Fotografen auseinandersetzen, sofern die Möglichkeit dazu da ist.

Also gucken: Was macht der denn sonst für Bilder? Ist das ein Bild, das in einer Reihe auftaucht? Was ist sein sonstiger Stil? Welchen Ansatz der Fotografie verfolgt er? Je nach Kontext kann eine Arbeit schon eine ganz andere Wirkung oder Ästhetik haben, das sieht man ja auch in der Kunstgeschichte: Ich nenne nur mal das bekannte Stichwort „Ready-mades“, bei denen eher der Kontext und der theoretische Hintergrund die Kunst ausmacht.

Das ist natürlich ein Extrembeispiel, aber ich finde schon, dass der konzeptuelle Ansatz mindestens die Hälfte eines guten Bildes ausmacht. Die andere Hälfte ist dann die technische Umsetzung. Wobei sich die beiden natürlich aufeinander auswirken, also nicht wirklich 50/50. Ein billiges Tittenfoto bleibt ein billiges Tittenfoto, auch wenn es technisch herausragend ist und ein super Konzept wird leider doch nichts, wenn die technische Umsetzung richtig unterirdisch ist.

Was ich mich aber manchmal frage: Beeinflusst die Kritik der anderen Leute meine eigene Wahrnehmung? Wenn jetzt ein Foto auf Facebook 2000 Likes hat und der Fotograf ein Superstar ist: Gucke ich das dann mit anderen Augen an?

Martin: Das kommt darauf an, welches Gewicht Du den 2000 Likes beimisst und der Frage, ob jemand Superstar ist. Das kann dann theoretisch in beide Richtungen gehen: Die Fans finden jedes Foto ihres Sternchens awesomer als alles andere. Und Leute, die Stars und Likes nicht ausstehen können, finden so ein Foto grundsätzlich bemeckernswert, gerade weil es ihr Interesse (nicht: ihre Meinung zum Bild) ist, einen Gegenpol zum kreischenden Mob zu bilden. Daraus ergibt sich dann oft ein Interessenkonflikt, der sich ganz und gar nicht mehr um die Fotos dreht, sondern darum, ob der geneigte Betrachter jetzt dafür oder dagegen ist.

Grundsätzlich finde ich es gut, Likes und Bekanntheitsgrad eines Fotografen frech auszublenden und sich nur das Bild (und auch die anderen Werke) anzusehen. Dann stellt sich die Frage, die hier schon aufgeworfen wurde: Was möchte die fotografierende Person konzeptuell kommunizieren? Und wie Du, Sebastian, schon angerissen hast, hängen oft Konzept und Ausführung eng verzahnt zusammen. Ich muss jedoch sagen, dass mir selten ein richtig gutes Konzept mit einer richtig beschissenen Umsetzung begegnet ist oder umgekehrt. Eine gute Konzeptionierung setzt bereits voraus, dass der Fotograf sein Handwerkszeug kennt und es einzusetzen weiß.

Was mir, um den Bogen wieder zur Sicht des Fotografen zu spannen ein-, beziehungsweise auffällt, ist der gute alte Watzlawick: „Mann kann nicht nicht kommunizieren.“ Das gilt auch für die Fotografie. Jedes Bild sendet eine Botschaft. Natürlich sendet sie nicht eine Botschaft, sondern viele, aber jedes Bild spricht.

Somit ist es nicht verwunderlich, dass Menschen „zurücksprechen“ und in Dialog treten. Da man mit Fotos nicht reden kann, sprechen die Menschen mit demjenigen, der das Bild gemacht hat. Dass das manchmal ordentlich in die Hose geht, steht außer Frage. Aber das passiert täglich auch dort, wo keine Rechner stehen und Hans-Theo meint, dass ihm der Pullover von Else aus irgendeinem Grunde nicht gefällt.

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31 Kommentare

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  1. Mit konstruktiven Bildkritiken im Netz ist das so eine Sache. Meine Erfahrungen sind die, dass die meisten FotografInnen nicht sonderlich daran interessiert sind. Darum schreibe ich schon länger keine Kritiken mehr. “Finde ich toll” schreibe ich aber auch nicht. Eigentlich kommentiere ich so gut wie gar nicht mehr und erwarte das auch nicht von Personen, die meine Bilder betrachten. Die Kommentare, die ich (bei der fc, inzwischen testweise bei flickr) bekommen habe, haben mich keinen Schritt weitergebracht. Vielleicht, weil es mir einfach nicht reicht, dass etwas gut oder schlecht gefunden wird. Kritik, sofern sie konstruktiv ist, nehme ich allerdings gerne an von Personen, die wissen bzw. erkennen wollen, warum ich mich womit beschäftige. Dass ich diese Personen eher im analogen Leben treffe ist sicher kein Zufall. Die Bilderflut in den Communities erlaubt es doch gar nicht, sich mal eine Weile nur auf ein Bild zu konzentrieren.
    Henry

  2. Bildkritik ist Luxus.

    Wenn sich für mich jemand die Zeit nimmt, meine Bilder zu betrachten, Überlegungen anzustellen und anschließend eine fundierte Rückmeldung abliefert, dann nehme ich das als qualitative Resonanz war.
    Anschließend muss ich hinterfragen, WER mir diese Kritik ausgestellt hat, nach welchen Richtlinien und Neigungen diese Person bewertet. Genauso gut könnte ich mich auch fragen, aus welchem Umfeld derjenige kommt und wie er mit dem Thema Fotografie in Verbindung steht. Je nachdem kann ich seine Wertung interpretieren und nützen.

    Was auf Facebook geschieht, auf Flickr und ähnlichen Portalen hat eher einen quantitativen Charakter. Viele wählen das bewusst als ihre bevorzugte Art, Rückmeldung zu erhalten. Je mehr “Likes”, desto besser mein Werk. Das belächeln viele Fotografen, aber auch das hat seine Berechtigung, nämlich dann, wenn ich diese Bewertung statistisch erfasse. Fällt vielleicht ein Bild besonders aus dem Rahmen? Wenn ja, warum? Das sehe ich persönlich fast schon als Umfrage: Bin ich am Puls der Zeit? Doch gilt es je nach Plattform zu unterscheiden, wer den Großteil der einfrigen Rückmelder ausmacht.

    Man darf sich nicht über Kommentare wundern, wenn man seine Bilder in einem Blog oder sonstwo veröffentlicht. Kommentarfunktionen sind nunmal für Kommentare da: Worüber sollte ich denn sonst schreiben, wenn nicht über die Bilder?

    Würde ich mir ein Plakat auf den Rücken heften und umherwandeln, dann bekäme ich sicherlich auch bald in Form von Blicken und Aussagen Feedback. Das zu Umgehen ist einfach: es sein lassen. Man kann nicht Bilder veröffentlichen und dann erwarten, dass sich die Leute das ansehen, ohne was zu sagen. Das liegt nicht in der Natur des Menschen.

  3. Polarisiernde Diskussion – sehr schön. Kommentarfunktion ist freigeschaltet. Prima.
    Will die Redaktion nun einen Kommentar? Gefühlt ja. Wobei. Man weiß es natürlich nicht genau. Einen Kommentar verfassen kann ja auch kritisch Anmerken bedeuten, oder?!
    Kritik wird “leider” aus unserem Sprachgebrauch heraus eher als Tadel gesehen. Kritik bedeutet für mich eine Beurteilung abgeben. So sind die +1´s und Likes dieser Welt im Prinzip doch auch eine Kritik. Wie intensiv sich dabei mit der Sache auseinandergesetzt wurde, das bleibt im Verborgenen. Ich gehe mal davon aus, dass jeder von uns darauf aus ist per Upload eines Bildes wahrgenommen zu werden. Mir sind natürlich die +1´s und Likes lieber. Wem nicht? Würde aber so absolut gar nichts passieren, dann wäre das auch nicht recht. Ich schreibe selten Kritiken. Warum? Ich denke immer: Eigentlich fehlen dir ganz viele Infos zu dem Bild, um was schreiben zu können. Was war das Ziel? Gab es Probleme bei der Umsetzung? Etc, etc.. Muss ich daher nun jeder Kritik eine Präambel vorsetzen, im Sinne von: “Aus meiner Sicht und in anbetracht meiner Unwissenheit bezgl. der Intention, Umsetzung und Problematiken unter denen diese Bild entstanden ist, denke ich, dass …. ”
    Etwas Abhilfe würde vielleicht ein kleiner Hinweis seitens des Fotografen schaffen, wie z.B. “Was haltet Ihr davon? Kritik erwünscht! Technische Aspekte ok?”
    Wenn man es dann noch auf die Spitze treiben will, könnte der Fotograf wichtige Hinweise geben, die es ermöglichen das Bild in einem anderen Licht bzw. Kontext heraus zu beurteilen. Aber gleicht das dann nicht vielmehr schon einer Bildbesprechung und weniger einer spontanen Beurteilung. Anders herum könnte ich auch sagen: ” Bitte nehmt Abstand von kritsichen Äußerungen zu diesem Bild.” Den Effekt davon kann man sich wohl an fünf Fingern abzählen. So sind sie halt, die Menschen.
    Vielleicht ein Dilema, dass nicht zu lösen ist. Aber man sollte es auch nicht zu hoch hängen. Jede der vielen Ansichten wird Ihre Anhängerschaft finden. Da bin ich mir sicher. Und so lässt es sich vortrefflich über dieses Thema streiten und diskutieren und zumindest eins ist Gewissheit, dass es zu einem prima Artikel hier bei kwerfeldein gereicht hat.
    Holger

  4. Hallo, ein sehr interessantes Thema habt ihr da aufgegriffen, schöne Diskussion mit vielen spannenden Ansätzen.

    Wenn man nun die umgangssprachliche Bedeutung von „Kritik“ betrachtet:

    Unter Kritik versteht man die Beurteilung eines Gegenstandes oder einer Handlung anhand von Maßstäben.

    Auf die Fotografie übertragen: Wenn ich ein Foto „kritisiere“, welche Maßstäbe sind hier anzulegen?

    Sind es meine eigenen? Sind es die eines „Meisterfotografen“?

    Leider bezeichnet Kritik umgangssprachlich meist einen Tadel.
    Gute “Kritik”, also die Beurteilung eines Gegenstandes (hier Foto) oder einer Handlung sollte so formuliert sein, dass sie anstatt zu kränken motiviert.

    Gut gefällt mir hier die Aussage von Holger:
    … was nützt es, wenn ich Dinge kritisiere, die der Fotograf exakt so gewollt hat? Ich muss die Intention und das Umfeld des Fotografen kennen.

    Und aus meiner Sicht auch die Umstände, die so zu dem Foto geführt haben, wie es ist!

    Was hier auch bereits erwähnt wurde, man kann alles “zu Tode” analysieren und kritisieren.
    Wo bleibt dann der Spass? Der bleibt dann wahrscheinlich auf der Strecke!

    Viele Grüße
    Peter

  5. Meiner Meinung nach sind persönliche Gespräche am besten geeignet für Kritik. Wenn man den anderen hört, sieht und ganz anders wahrnimmt als im Netz. Ruhig auch schon bei der Entstehung der Bilder, nicht nur im Nachhinein. Daher mag ich Stammtische und Usertreffen. Sind immer für jeden Teilnehmer hilfreich – sowohl für den Anfänger, als auch für den Fortgeschrittenen. Und man lernt sich kennen und hat einen ganz anderen Blickwinkel auf die Fotografie des Anderen… Ein Blog bzw. die Kommentarfunktion ist halt nur bedingt geeignet für eine Diskussion. Dann schon eher ein Forum. Ist dann auch übersichtlicher und man hat andere Funktionen und Bereiche. Die Kommentarfunktion nutze ich daher nur für kurze Anmerkungen.

  6. Danke erst mal für den interessanten Beitrag. Er stellt für mich eine willkommene Anregung dar, über dieses Thema nachzudenken.

    Ich denke, zu aller erst muss man sich vergegenwärtigen, dass es keinen objektiven Maßstab mehr für Kritik gibt. Inhaltlich ein Bild zu kritisieren war immer schon nur vor dem eigenen Erfahrungshintergrund (Erwartungen, Erfahrungen, Vorlieben, etc.) möglich. Aber auch formal ist es heute, wo in der Fotografie alles (Linienführung, Schärfe / Unschärfe, Komposition, etc.) erlaubt zu sein scheint und der Bildaussage untergeordnet wird , kaum mehr möglich, ein Bild nach objektiven Maßstäben zu bewerten.

    In Bezug auf die Bewertung von Kritik in großen sozialen Netzwerken ist darüber hinaus noch Vieles mehr zu bedenken (z. B. typisches Nutzerverhalten), was zu erst mal mit den Bildern an sich nichts zu tun hat, so dass auch statistische Erkenntnisse höchst fragwürdig sind (wer kritisiert wann in welcher Form?).

    Ich habe früher in einem Fotoforum auch viel kritisiert und Kritik erhalten. Ich denke das hat mir sicher auch Einiges gebracht, nicht zuletzt auch in Bezug auf den Umgang mit Kritik.

  7. Wer rezensiert?
    Was ich noch ergänzen möchte: Der “Status” des Rezensenten spielt glaube ich eine große Rolle. Die Reaktion auf Kritik hängt glaube ich stark vom Ansehen des Rezensenten ab. Aus meiner Erfahrung macht es einen großen Unterschied, ob ich Kritik anonym poste (was ich meistens tue), ob ich mich (und über Links mein Werk) zu erkennen gebe oder aber ob ich eine Institution bin, wie ihr es seid. Manche reagieren da recht oberflächlich und schauen, was das für ein dahergelaufener ist, der da das tollste Bild kritisiert, um festzustellen, dass der ja auch nicht besser ist und demnach kann ja an seiner Kritik nichts Wahres sein…

    Wie wird rezensiert/wahrgenommen/interpretiert?
    Hier ist oft davon die Rede, man müsse sich umfassend mit dem Fotografen beschäftigen, mit ihm in einen Dialog treten. Dem kann ich gar nicht zustimmen!
    Es gibt mehrere Arten der Interpretation, und der Weg, vom Fotografen aus zu gehen, ist nur eine Möglichkeit. Meiner Meinung nach kann man ganz gut werkimmanent, also nur durch das Betrachten, Analysieren, Interpretieren eines Fotos, Schlüsse ziehen und kritisieren. Wenn man über diesen Ansatz Zusammenhänge und ein Konzept erkennt, ist das Foto tendenziell gut. Erst danach würde ich mir den Fotografen und sein sonstiges Werk ansehen, vergleichen. Ein gutes Foto muss aus sich selbst heraus “verstanden” werden können!

    Idee für eine Leseraktion:
    Wie sähe es mit einer Form “aktiven Bildkritik” als Leseraktion aus? Ein Fotograf veröffentlicht ein Foto ohne weitere Kommentare, die Leser schreiben eine Bildkritik und werden aufgefordert, diese Kritik selber umzusetzen. So werden aus einem Bild mehrere, die verglichen werden können. Es wäre schön, wenn der Fotograf das letzte Wort hat und sich zum Schluss über seine Intention äußert (was ein Künstler selten gerne macht) und die Kritik kritisiert. Das wäre mal was!

  8. Vielleicht ein kleiner praktischer Vorschlag. Auf designtagebuch.de steht vor dem Kommentarfeld folgendes:

    “Konstruktive Kommentare bevorzugt. Nichts gegen kurze Einschätzungen. Floskeln wie “sieht aus, als wärs vom Praktikanten” oder “Griff ins Klo” sollten allerdings im Sinne einer sachlich geführten Diskussion vermieden werden. Auch beim Kommentieren darf jeder gerne kreativ werden.”

    Ich glaube wirklich, dass es einige Leute daran erinnern würde, dass sie respektvoll und konstruktiv kommentieren. Ausnahmen gibt´s natürlich immer, aber die muss man als Fotograf/Kreativer tatsächlich aushalten, finde ich.

  9. Schön, dass ihr eure Diskussion veröffentlich habt, da interessante Standpunkte drinnen sind. In meinen fotografischen Anfängen habe ich durch (durchaus harte) Kritik enorm viel mitgenommen, da ich mich dadurch viel häufiger hinterfragt habe. Wenn ich mir mittlerweile unsicher bin, dann frage ich ebenfalls nur noch ein paar Leute, denn was ich veröffentliche, ist so gewollt und war kein Zufallsprodukt (was Kritik daran natürlich nicht ausschließt, nur ist der Prozess jetzt ein viel selektiverer).
    Was ich schade finde, ist die häufige grundlegende Ablehnung von Kommentaren, die keine inhaltliche Kritik bringen oder eher ablehnend sind. Auch für Polemiken sollte Platz sein und damit sollte man umgehen können. Manchmal werden Betrachter eben in erster Linie emotional angesprochen und geben dann ein entsprechendes Feedback. Mir ist eine bunte Mischung aus verschiedenen Perspektiven lieber als das nette Ablächeln von Bildern oder Artikeln. Und da finde ich, dass man sich nicht unbedingt mit den anderen Arbeiten beschäftigen muss. Denn wenn ich eine Bilderserie kitschig oder zu kalt oder wasweißichwas finde, dann sollte auch Platz dafür sein. Natürlich ist es schön, das dann noch zu begründen. Aber selbst wenn es nicht begründet ist… das ist mir lieber, als wenn alles bejubelt wird. Meinungspluralismus ist eine schöne Sache.
    Außerdem, aber das nur am Rande: Ohne Kommentare wäre kwerfeldein nur halb so schön. Wie gesagt, verschiedene Perspektiven machen viel aus.
    Und zu guter bezogen sich Watzlawicks Worte natürlich nicht nur auf die männliche Bevölkerung (:

    • um ein foto zu kritisieren muss ich doch nicht wissen, ob der fotograf eine schwere jugend hatte. es gibt gute fotos – und schlechte. die wichtigste kritik sollte übrigens die selbstkritik sein, die vor einer veröffentlichung steht.
      aber warum veröffentlicht ein fotograf seine fotos? er möchte sie der “welt” zeigen um sich selber darzustellen. da sollte auch kritik möglich sein, gute wie schlechte. das muss man dann auch aushalten, oder die kommentarmöglichkeit abschalten.
      natürlich rede ich nicht von niveaulosem geschreibsel, und sicher hängt der wert eines kommentars von seinem autor ab. wenn man dessen kompetenz nicht kennt ist das so eine sache. aber wer das selbstbewusstsein hat seine fotos in einem blog zu zeigen, der wird auch wissen, wie er “schwache” kritiken einordnen muss. denn es gibt eben nicht nur schwache fotos, sondern auch schwache kommentare, wie wir alle wissen.

      macht es nicht zu kompliziert, entweder ihr habt den mut eure fotos einem geneigten publikum zu zeigen, oder ihr lasst es besser sein. ich hatte übrigens einen sehr kompetenten lehrer der bei korrrekturstunden immer sagte:” red´nicht rum, es zählt das, was auf dem tisch liegt”. und dann hatte er tragischer weise einen stempel, den er bei ganz schlechten arbeiten nutzte . “scheisse” war dann in grossen lettern auf dem 30×40 abzug zu lesen.
      das war schmerzlich und tat ziemlich weh, aber es zwang dazu, mit noch mehr anstrengungen an dem bild weiterzuarbeiten. denn fotografieren lernt man nur durch fotografieren – und fotografie ernsthaft betrieben ist eben arbeit. das war vor 30 jahren so und es ist heute nicht anders.

  10. Fände auch, dass man auf Kwerfeldein irgend eine Form von täglicher/wöchentlicher/monatlicher Bildkritik einführen könnte. Wie das aussehen sollte? Eventuell pickt die Redaktion aus einer Auswahl eingesendete Bilder ein paar heraus und gibt Kritik dazu ab oder es wird umgekehrt ein Bild aus der Redaktion ohne Name/Auor usw. veröffentlicht und jeder sollte ausschließlich seine Bildkritik dazu posten können (mit einer Mindestzeichenzahl?)
    Wäre vll ein nettes Feature und regt zum mitmachen an.

    • So was in der Art haben wir ja schon mit den Exposés und Varietés. Natürlich ohne die ausführliche Kritik der gezeigten Fotos.

      Wir würdest Du Dir das vorstellen? Dass verschiedene Redakteure Ihre Kritik abgeben? Denn eine Kritik von der gesamten Redaktion stelle ich mir schwierig vor, da wir alle doch recht unterschiedlich sind… :)

      • Man sieht ja wie beliebt die Exposes sind anhand der Kommentare und der Möglichkeit sich zu beteiligen (für viele natürlich auch nur eine Möglichkeit für Eigenwerbung, aber warum auch nicht?)

        Allerdings ist das ja ähnlich einem Wettbewerb, wo dann einfach die besten gezeigt werden. Davon gibt es viele Varianten im Netz, aber ich kenne derzeit nur eine Seite wo es fachliche Kritik an Bildern gibt.

        Und warum sollte es ein Nachteil sein, dass ihr Redakteure so unterschiedlich seid? Ist doch irgendwo auch ein Vorteil und es müssen sich ja auch nicht immer alle zu Wort melden.

        Ich würde es jedenfalls begrüßen, wenn hier öfters Bilder gezeigt werden und darunter dann die einzelnen Kritiken von euch. Z.B. Was fällt bei dem Bild sofort auf? Was hätte man besser machen können? Komposition, Wirkung… Warum wirkt es auf mich so gut? (Alles aus dem Standpunkt ohne Hintergrundwissen über den Fotografen oder seine Intention.) Oder der Fotograf beschreibt in wenigen Sätzen seine Intension und warum er das Bild gemacht hat und was ihm daran gefällt, als leichteren Einstieg :-)

  11. Stimmungsvolles und wichtiges Thema. Das zeigen ja auch die vielen unterschiedlichen Kommentare.
    Für mich als “Amateur” der mit Begeisterung fotografiert ist Kritik am Bild ein wichtiges Element, um “weiter zu kommen”. Allerdings hat Kritik etwas mit Respekt, Distanz/ Nähe zu tun. Und schließlich: was wird kritisiert? Die “Technik” des Fotos? Sein Inhalt? Seine Intention? –
    Über ein Foto gibt es viel zu erzählen. Das macht man am besten persönlich. Die vielen “likes” und “+1″ habe doch eher quantitative Funktionen

  12. ich bin der meinung, wenn die möglichkeit zur kritik besteht (kommentar bei facebook, etc.) und nicht explizit angegeben wird “hey ich will dazu bitte aber keine kritik” dann ist kritik zu aktzeptieren. wichtig ist nur, sie solle konstruktiv sein und beide seiten sollten sich immer im klaren sein, das dies alles nur eine subjektive meinung ist. zumindest ab einem bestimmten grad und bis zu einem bestimmten grad.

    ich hab dazu sogar mal einen artikel zusammengeschrieben bezüglich kritik:
    http://www.gweepography.com/blog/?p=854

  13. Für eine Bild Kritik brauch ich Zeit und die opfere ich nur für Bilder die mich für min. 15 Minuten beschäftigen, wie oft ist das euch beim durch browsen der fc, 5oopx, 1x o.ä. passier – es kommt vor aber selten :-)

    Gruß

    Jürgen

  14. wer im netz bilder veröffentlicht muss einfach eine dicke haut haben. mir persönlich gefällts am besten wenn jemand schreibt: mir gefallen deine bilder, WEIL.
    übrigens sehr nette diskussion, liebes kwerfeldein-team!

  15. Wenn ich im Web oder sonstwo ein Bild veröffentliche gehört für mich eine konstruktive Kritik ebenso dazu, wie das Lob. Außer man weist ausdrücklich daraufhin, dass eine Kritik zum Machwerk des Künstlers nicht erwünscht ist. Aber Leute, wo kämen wir denn da hin, wenn man nur Lobhudeleien unter seinem Foto haben will, die dann möglicherweise auch noch geheuchelt sind, nur weil man mit dem Kreativ Schaffenden auf Du und Du ist. Ich bin froh über jede konstruktive Kritik die sich bei mir auf Flickr einfindet, gerade weil ich noch viel zu lernen habe. Und wenn dann und wann mal vielleicht etwas ruppiges kommt, dann muss ich das wohl oder übel schlucken, verdauen und drüber nachdenken. Denn vielleicht (oder sogar sehr oft) ist ja was Wahres dran.

    Auch finde ich nicht das es nötig ist sich vorher mit dem Fotografen beschäftigt zu haben. Den in den meisten Fällen soll ein Bild zu allererst mal wirken und das Abseits von Sympathieboni und co. Über die Hintergründe kann man sich dann später immernoch Gedanken machen, wenn sich das Bild erstmal gesetzt hat. Sehe ich aber keinen Grund, das Bild als solches positiv zu bewerten, dann bleibt mir nur die Möglichkeit stillschweigend von dannen zu ziehen oder dem Fotografen darzulegen, warum das denn so ist. Und das kann, wenn man die Kritik höflich und korrekt formuliert, sich doch nur zum Positiven wenden.

    Abschließend möchte ich noch sagen das ihr mit diesem Blog ne wirklich klasse Arbeit abliefert. Gerade dieser Eintrag hat in mir ein starkes Interesse geweckt und ich fands Klasse mal die verschiedenen Seiten zu hören und die Kommentare von den Lesern durchzuschmökern da mich das Thema “Kritik am Bild” doch sehr interessiert. In diesem Sinne…bleibt steil!

  16. Interessante Diskussion, die viele Facetten dieses Themas beleuchtet.

    Ich finde es sehr schwierig, die Bilder anderer zu kritisieren. Mal abgesehen von technisch groben Anfänger-Fehlern, wie starkem Bildrauschen bei Nachtaufnahmen. Bilder sprechen und sie sprechen individuell jeweils zu ihrem Betrachter. Ich höre bzw. sehe, was das Bild MIR erzählt. Das von euch erwähnte technisch perfekte “billige Tittenfoto” mag mich langweilen, aber andere spricht es total an. Ist es nun gut oder schlecht?
    Ich glaube, dass es eine wirklich objektive Kritik in der Kunst nicht gibt. Jeder, auch diejenigen, die unterrichten und mit Studenten arbeiten, haben ihre Vorlieben, Sichtweisen, Standpunkte. Der eine mag diesen Stil nicht, bei dem anderen Prof weiß man, dass er die Bilder gern so oder so sieht.

    Der Kontext in dem die Bilder stehen, ist wichtig. Ja, so wie von euch angesprochen, aber auch der Kontext bzw. Kreis Gleichgesinnter, in denen sich ein Fotograf bewegt. Es kommt nicht nur darauf was man tut, sondern auch, von wem man wie wahrgenommen wird.

    Das Thema ist so komplex, dass es schwer fällt, sich zu begrenzen. Für mich halte ich es so, dass ich zu Bildern, die mich ansprechen, einen positiven Kommentar schreibe, oft auch mit dem Hinweis darauf, warum bzw. was. Gefällt mir ein Bild nicht, kommentiere ich es auch nicht.

  17. ich finds immer schrecklich, wenn auf ausstellungen die betrachter der fotos plötzlich sich dabei was denken und manche es sogar noch laut und ungefragt aussprechen! und manche haben dazu auch noch eine eigene und manchmal sogar eine kritische meinung, dabei kennt man die menschen nicht mal! wo kommen wir denn da hin, wenn jeder einfach so sagt was er denkt?

    und was hab ich mal einen anschiss von der halben twitter-elite bekommen, als ich das “add your comment here…” auf flickr zu wörtlich nahm. niemand hatte mich nach einer bildkritik gefragt :)

    übrigens ist martin unfassbar souverän in seiner reaktion auf kritik. das kann man nur allen wünschen.

  18. Hallo,
    ich denke Holger und Aileen haben es schon angesprochen, zumindest aber angedeutet. Ich bin der Meinung man kann ein Bild nur wirklich konstruktiv kritisieren wenn man weiß was der Fotograf fotografieren wollte und wie die Umständer bei der Aufnahme waren. Ich habe schon oft Kritik bekommen die dem was ich fotografieren wollte wiederspricht, z.B. wenn ich bewusst und gewollt mit sehr geringer Schärfentiefe fotografiert habe und dann den Tip bekomme die Blende weiter zu zumachen. Da hätte mir ein Tip wie ich noch weniger Schärfentiefe bekomme mehr geholfen. Oder der Tip noch einen Meter zurück hilft nicht wenn man dazu ein Haus einreisen muss. Ich habe die Feststellung gemach, dass mir Kritik in Foren i.d.R. nicht oder kaum hilft meine Vorstellungen umzusetzen. Daher versuche ich genau festzustellen was mir selbst an meinem Bild nicht gefällt und gezielt dazu Fragen zu stellen. Um ein Bild wirklich hilfreich zu kritisieren ist meiner Meinung nach ein Dialog nötig der mehr Zeit bedeutet als manch einer bereit ist zu investieren. Unaufgevordert schreibe ich selbst zu Bildern nur was mir daran besonders gefällt.
    Gruß
    Oli

  19. Wie Christian schon schrieb: Der Ton macht die Musik! Ich bin schon viele Jahre in einem kleineren deutschen Fotoforum, in der sich inzwischen viele der User durch Treffen auch persönlich kennen. Unter ihnen gibt es selten lange Kommentare bzw. Kritiken, da keine groben Anfängerfehler gemacht werden. Über Bildbearbeitung bzw. Gestaltung sind aber schon mal verschiedene Meinungen zu lesen… Das ist gut so. Selten findet man bei den alten Hasen Widersprüche an Kritiken (hier und da wird auch schon über Kunst gestritten, die ja bekanntlich im Auge des Betrachters liegt. Aber so etwas belebt das Forum :-)
    Bei Neueinsteigern ist das oft anders. Sicher stellen die mit gewissem Stolz ihre ersten DSLR-Fotos ein und erwarten meist ähnliche positive Kommentare wie bei den erfahrenen Usern. Manche nehmen Kritiken gut auf, weil sie dazu lernen wollen. Es gibt aber auch wirklich die im Artikel angesprochen Fotografen, die jegliche Kritik mit schroffen Gegenargumenten kontern. Bei solchen Leuten hat man dann irgendwann keine Lust mehr, etwas zu schreiben. Immerhin kostet das ja auch einen zeitlichen Aufwand. Und wenn dann irgenwann gar kein Kommentar mehr kommt, sind sie bald im Nirvana untergetaucht und ewige Forum-Leichen.
    Im übrigen finde ich Kommentare wie “Klasse Bild” o. ä. gar nicht schlimm, freue mich, wenn das Foto anderen gefällt. Immerhin gibt es viele Bilder, die technisch einwandfrei sind und wo das Motiv stimmig bzw. interessant ist. Was soll man da noch anderes schreiben? Kommt aber überhaupt kein Kommentar, ist das bei einem “Klasse-Foto” auch etwas frustrierend, oder?

  20. Blogartikel dazu: galerie fotografii » kwerfeldein diskutiert: Bildkritik – kwerfeldein – Fotografie Magazin

  21. Wirklich ein sehr interessantes Thema. Kann euren Gedanken zum Thema Kritik in vielen Punkten zustimmen. Danke fürs Teilen.

    Wenn ich selbst Bilder veröffentliche, beabsichtige ich damit Gefühle, Stimmungen und Situationen möglichst eindrücklich zu übermitteln. Und zwar nur mit dem Bild, als Zusatzinfo gibt es höchtens den Titel und einen kurzen Text. Wünschen würde ich mir von den (vorwiegend fremden) Betrachtern nicht unbedingt eine vollständige Bildkritik, sondern viel eher ein Feedback was sie in dem Bild sehen oder welche Stimmung es in Ihnen auslöst. So könnte ich herausfinden ob das Bild ungefähr das transportiert was ich darin sehe oder vielleicht auch gar nicht.

    So ein Kommentar ist natürlich völlig subjektiv und muss man dann auch so aufnehmen können. Ich denke subjektive Feedback ist unterbewertet.

    Ich schreibe zu Bildern von wildfremden Fotografen auch oft Kommentare, auch auf Flickr. Ich schreibe was mir an dem Bild gefällt oder was ich davon fühlen kann. Wenn mir ein Bild gefällt, mir aber eine Sache als störend auffällt schreibe ich das auch dazu. Wenn mir allerdings ein Bild nicht gefällt klicke ich eh weiter..

    Weiter so mit eurem Blog. Gruss. Michel

  22. Eine der wiederkehrenden Fragen scheint mir zu sein, ob an den Bild-Kritiker im Internet Ansprüche gestellt werden dürfen. Ich meine: wenn die Kritik Sinn, Wert oder Gewicht haben soll, dann muß sie wohl einige Anforderungen erfüllen. Ein schlichtes “geil ! ” oder ein Kichelgesicht sind nicht verboten, aber eben komplett wertlos – für den Kriiker, den Kritisierten und das lesende Publikum.
    Wenn wir uns hier auf Bilder mit künstlerischer Absicht konzentrieren, dann steht für mich fest, dass die technische Qualität eines Bildes ( von der viel zu oft die Rede ist ) überhaupt nicht betrachtet werden kann und soll, solange die künstlerische Absicht, der Plan, die Idee, die Vision oder was auch immer, erkannt oder wenigstens erahnt ist. Es ist doch bei der Betrachtung von ( sagen wir: ) Meisterwerken der Photographie, immer wieder festzustellen, dass man innerhalb von wenigen Sekunden nach dem Erblicken des Fotos die Bildidee schlagartig, wenn auch nur im Hinterkopf, erfasst oder spürt. “Na klar”, sagt man, “ich weiß, was der ( oder die ) wollte”. Das dann auch zu verbalisieren und dem auf den Grund zu gehen, ist dann noch mal eine ganz andere Sache. Aber erst wenn man das tatsächlich getan hat, kann man über Stärken und -sofern vorhanden- Schwächen bei der Umsetzung der Bildidee nachdenken. Und dann kann über die Mittel, also Bildaufteilung, Schärfe, Tiefe, Beschnitt, Proportion, Belichtung etc gesprochen werden, wenn es dann noch interessiert.
    Soweit der Idealplan, der meist daran scheitert, dass auch die besten Bilder wohl oftmals nicht oder nicht konsequent als brave handwerkliche Umsetzung einer vorher geklärten “Bildidee” entstanden sind. Das künstlerischen Photo ist vielleicht eher eine unbewusste und mehrdeutige Chiffrierung einer möglicherweise unklaren Idee, sodaß der Kritiker beim Dechiffrieren echte Probleme bekommt. Aber ohne den Versuch, nicht nur zu verstehen, sondern auch nachzuempfinden wo das Bild hinwollte, ist eine Rückäußerung kaum sinnvoll und wenig wertvoll.
    Ich komme immer mehr zu der Überzeugung, dass ein gutes Photo eine Geheimnis, ein Rätsel, eine unterschwellige Störung, einen genialen Fehler, eine Bedrohung oder irgendetwas ähnliches enthalten muss. Bei Roland Barthes gibt es dafür einen Fachbegriff, den ich vergessen habe. Nur der Kritiker, der Spaß daran hat, diesem Geheimnis mühevoll und umsichtig nachzugehen, dabei vielleicht sogar inspiriert ist, kann eine tolle und wertvolle Kritik schreiben. Ohne solch eine Prise Faszination, Beteilgung oder wenigsten Sympathie, ist selbst die analysierende Kritik eher so etwas wie ein TÜV-Bericht.
    Ich staune immer, wenn ich hier bei Kwerfeldein zwischen all den üblichen web-Kommentaren und Zankereien Beiträge lesen, in denen jemand wirklich in das Bild einsteigt und mitgeht.
    Davon hätte man gern mehr. Aber wer kann das alles lesen…..deshalb höre ich hier auf

    A. Voßgrag

  23. Blogartikel dazu: Eine kleine Diskussion zum Thema Bildkritik | Foto-Club Unna e.V.