29. April 2019 Lesezeit: ~6 Minuten

Photoszene statt Photokina: Meine Empfehlungen

Über 70 Ausstellungen werden während des Photoszene-Festivals vom 3. bis 12. Mai in ganz Köln gezeigt. Da eine Übersicht zu bekommen, ist nicht leicht, weshalb hier meine ganz persönlichen Empfehlungen kommen. Ich habe Euch fünf Ausstellungen und drei Diskussionen herausgesucht, die ich auf jeden Fall besuchen werde oder bereits besucht habe und empfehlen kann.

Wer die Photoszene nicht kennt: Normalerweise findet das Festival zeitgleich zur Photokina statt. Als die Photokina kurzfristig beschloss, den nächsten Termin doch zu verschieben, stand das Programm bereits und die Photoszene wagte sich allein nach auf den Weg.

Als Bonnerin habe ich es zugegebenermaßen nicht weit nach Köln und freue mich sehr auf die so nahen Ausstellungen, Gespräche und Entdeckungen. Ich bin mir aber auch sehr sicher, dass sich eine weitere Reise und ein kleiner Urlaub für das Festivals lohnen. Kommt nach Köln, es gibt viel zu sehen!

Diskussionen

Polizist*innen gehen auf Demonstrierende los

© David Klammer

einBlick. Vier Wege in den Forst

Die Fotografie gilt als das visuelle Leitbild unserer Zeit. Auch bei der medialen Berichterstattung über die Ereignisse im Hambacher Wald im Herbst 2018 waren Fotograf*innen zugegen und ihre Bilder wurden weltweit gestreut. Wie aber gehen die Medien mit diesem Thema um? Was verlangen unterschiedliche Auftraggeber*innen von Fotograf*innen, die sie zur Bildberichterstattung in den Hambacher Wald schicken? Wie unterschiedlich sind die Sehweisen der Menschen, die sich diesem Thema in einem persönlichen Langzeitprojekt widmen?

Über diese und andere Fragen werden Thekla Ehling, Matthias Jung, David Klammer und Bernd Lauter debattieren. Die Podiumsdiskussion findet am Donnerstag, den 9. Mai 2019 um 18 Uhr im Museum für Angewandte Kunst Köln statt. Unterstützt und moderiert wird die Debatte von Ute Wegmann vom Deutschlandfunk. Der Eintritt ist frei.

Women are present (?) – Fotografinnen in der Kunst

Passend zur Ausstellung Beyond, in der zehn Fotografinnen mit humanistischem Ansatz präsentiert werden, gibt es am 10. Mai um 20:30 Uhr ein Couchgespräch im Kunsthaus Rhenania. Befragt werden die Kuratorin Miriam Zlobinski sowie die Fotografinnen Lia Darjes und Maria Sturm zu ihrer Situation und sprechen darüber, wie man sich als Künstlerin auf dem Kunstmarkt behaupten kann.

Fotobuch-Quartett+

Auch das nächste Fotobuch-Quartett+ findet während des Photoszene-Festivals am Mittwoch, den 8. Mai statt. Dieses Mal begrüßen Damian Zimmermann, Frank Dürrach, Oliver Rausch und Wolfgang Zurborn die Kölner Fotografin Bettina Flitner, um mit ihr über vier Fotobücher zu diskutieren und zu streiten.

Mitbringen werden sie dabei folgende Titel: „Migration as Avant-Garde“ von Michael Danner, „Im Keller“ von Ulrich Seidl, „Human Nature“ von Lucas Foglia sowie „Traces“ von Weronika Gesicka. Beginn der Veranstaltung ist um 18.30 Uhr, Einlass ist um 18 Uhr. Der Eintritt kostet 5 €.

 

Ausstellungen

Menschen im und am Pool von oben fotografiert

© Martin Lamberty, aus der Serie „My friends got famous“

„YOU ARE HERE“ – Versuche einer fotografischen Standortbestimmung

Mit „YOU ARE HERE“ zeigt die Internationale Photoszene im Kölnischen Stadtmuseum den ersten Teil einer Ausstellungsreihe, die Köln als bedeutende Fotostadt neu verortet. Im Zentrum dieses Auftakts: der künstlerische Nachwuchs. Denn neben den vielen großen Fotograf*innen wie August Sander, Chargesheimer oder Candida Höfer, die in Köln gewirkt haben (oder noch immer wirken), den bedeutenden Fotosammlungen, den international bekannten Galerien und den wissenschaftlichen Institutionen: Es sind vor allem die vielen hier heute arbeitenden Fotograf*innen, die Köln als Fotostadt lebendig machen.

„YOU ARE HERE“ gibt einen eindrucksvollen Einblick in aktuelle Tendenzen der jungen Kölner Dokumentar-, Portrait- und Konzeptfotografie und stellt diese zur Diskussion. Deutlich spiegelt die Ausstellung zudem die Bedeutung von Fotografie für Gesellschaft, Politik und das Private.

Ein Soldat mit soldatenfigur im Rucksack

© Anja Niedringhaus

Anja Niedringhaus – Bilderkriegerin

Nahezu ein Vierteljahrhundert berichtet Anja Niedringhaus von Kriegsschauplätzen in aller Welt wie vom Balkan, aus dem Irak und immer wieder aus Afghanistan. Am 4. April 2014 fällt sie während eines Reportage-Einsatzes einem Attentat zum Opfer. Anlässlich ihres 5. Todestages ehrt das Käthe-Kollwitz-Museum Köln die Pulitzer-Preisträgerin mit einer groß angelegten Einzelausstellung.

Die erste posthume Retrospektive präsentiert ein Werk, das die „Bilderkriegerin“ bereits zu Lebzeiten zur Ikone werden ließ. Im Auftrag von Nachrichtenagenturen wie der amerikanischen Associated Press (AP) entstanden legendäre Aufnahmen, die die weltweit wichtigsten Magazine und Zeitungen auf ihren Titelseiten druckten und die so im kollektiven Gedächtnis verankert sind.

Nackte Frau durch ein verregnetes Fenster

© Sissel Thastum

Beyond

Das Magazin Beyond kennen sicher einige von Euch bereits, denn wir hatten es vorgestellt und in die kwerbox #12 gelegt. Nun wandelt sich Beyond während des Photoszene-Festivals in eine Ausstellung. Es werden Arbeiten von zehn international ausgezeichneten Fotografinnen mit humanistischem Ansatz präsentiert.

Blume von oben

© Jim Dine

Blume

© Karl Blossfeldt

Poesie der Pflanze – Fotografien von Karl Blossfeldt und Jim Dine

In der Ausstellung werden die Werke von Karl Blossfeldt (1865–1932) und Jim Dine (*1935) gezeigt. Auch wenn beide auf verschiedene künstlerische Richtungen und Generationen zurückgehen, so wird doch in ihren Arbeiten deutlich, dass das Geheimnis der Natur, ihr Zauber ebenso wie ihre Regelmäßigkeit und Ordnung eine für die schöpferische Arbeit nicht versiegende Quelle ist. Beide Künstler verbindet die Liebe zur Natur, die differenzierte Auseinandersetzung mit ihrem Bildgegenstand ebenso wie ihre Präzision in der Umsetzung ihrer fotografischen Kompositionen.

Es geht einerseits um das Sehen, das Beobachten und empfindsame Wahrnehmen von Pflanzen und Pflanzenwelten, dokumentiert via Kamera; andererseits um ein achtsames Anschauen fotografischer Bilder, gefertigt aus der Hand zweier Künstler. Es geht um Realität und Interpretation.

Portrait eines Mädchens

© Sandra Stein

Portrait einer jungen Frau

© Katharina Poblotzki

THUNDER YEARS

Die Fotografinnen Sandra Stein und Katharina Poblotzki portraitieren junge Frauen auf ihrem Weg des Erwachsenwerdens. Sehnsucht, Zweifel und die Suche nach Zugehörigkeit stehen im Fokus der Fotografien, die in den letzten zehn Jahren in ganz Europa und den USA entstanden sind. Im Dialog der beiden Künstlerinnen zeigen diese Bilder einen sensiblen Einblick in die werdende Identität junger Frauen aus unterschiedlichen Kulturkreisen und sozialen Umfeldern.

 

Werdet Ihr zur Photoszene kommen? Erzählt mir, was Ihr auf keinen Fall verpassen wollt und was ich übersehen habe. Vielleicht treffen wir uns ja da?

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3 Kommentare

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  1. Die Photoszene ist eigentlich eine schöne Sache aber hier zeigt sich wie verquer die regionale Situation ist. Ich konnte in der Vergangenheit tagsüber mit dem Bus und ca. 70 Minuten Fahrzeit plus Fahrzeit von zu Hause zur Haltestelle ca. 30 Min. nach Köln kommen und am HBF aussteigen. Dadurch war der Besuch der Photokina möglich. Aber weil die Verbindungen ins Bergische Land absolut unterirdisch sind, da ja in den Städten wie Remscheid oder Solingen oder ins Oberbergische nach Altenberg nach 21 Uhr nicht mal mehr regelmäßig Busse fahren, wäre ein Besuch einer Veranstaltung um 19 Uhr bei mir mit einer Rückkehr gegen 2 Uhr nachts verbunden wenn alles gut läuft. Deshalb konnte ich schon früher nie auf der photokina abends bleiben und jetzt auch nicht kommen. Ich wollte mal darauf hinweisen was für eine schlechte Anbindung aus dem Bergischen und Oberbergischen nach Köln gegeben ist und abends eigentlich gar nicht, vom Auto und Parken ganz zu schweigen.