27. April 2018 Lesezeit: ~9 Minuten

Friedensverhandlung für die Ozeane

Wir schließen unsere kleine Artikelserie zum Sony World Photography Award mit der Zukunft der Fotografie: Student*innen auf der ganzen Welt waren aufgerufen, ein Projekt zum Thema Plastikverschmutzung für Ihre Hochschule einzureichen. Wir möchten Euch die finalen Serien kurz vorstellen, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Aber eines haben sie alle gemeinsam: Das Bewusstsein für unsere zerbrechliche Umwelt.

Zwei Frauen

Ein Mann schaut in die Ferne

© Bianca Rocca, Aukland University, New Zealand, Student Focus Shortlist, Sony World Photography Awards 2018

Diese Bilder wurden auf dem Höhepunkt des Sommers in Aotearoa (Neuseeland) auf einem Inselpark namens Aotea (Great Barrier Island) aufgenommen. Trotz der Jahreszeit hat Aotea mehrere Sommerstürme überstanden, darunter Zyklone, die die Insel mit Nebel bedeckten. Die Portraits wurden an der Westküste der Insel aufgenommen. Diese Küste besteht aus Hunderten kleiner, geschützter Buchten und ist bekannt für einige der besten Tauch-, Boots- und Angelmöglichkeiten des Landes. Es handelt sich um Portraits von Inselbewohner*innen. (Bianca Rocca)

Baumstamm umwickelt mit PlastikfolieBaumstamm umwickelt mit Plastikfolie

© Cao Hongmei, Qilu University of Technology, China Mainland, Student Focus Shortlist, Sony World Photography Awards 2018

Mit der raschen Industrialisierung und Urbanisierung in China sind Umweltprobleme immer offensichtlicher geworden. Meine Serie konstruiert Szenen, die die Gefahr von Plastikverschmutzung für das Wohlergehen der gesamten ökologischen Umwelt aufzeigen, darunter Dinge wie Plastiktüten, Einwegverpackungen und weggeworfene elektronische Produkte.

Diese Bilder zeigen, dass Plastikverschmutzung nicht nur eine visuelle Verschmutzung, sondern auch unsichtbare Schäden mit sich bringt. Wenn wir nicht sofort etwas ändern, wird die Welt, einschließlich wir selbst, in Zukunft in allerlei Plastik verpackt sein. (Cao Hongmei)

Angler mit Plastikflasche an der Angel

Mann mit Plastikflaschen im Schnee


© Samuel Bolduc, College de Matane, Canada, Student Photographer of the Year, Sony World Photography Awards 2018

Für dieses Projekt habe ich poetische Bilder inszeniert, die zeigen, dass wir Menschen die Last von Plastikmüll in der Umwelt tragen und dass wir jetzt Maßnahmen ergreifen müssen, um die Plastikverschmutzung zu stoppen. Die Charaktere sollen die Hoffnung auszudrücken, dass Veränderungen möglich sind, während die Weite der winterlichen Landschaften den kleinen Platz der Menschheit in der Umwelt hervorhebt.

Diese Bilder wurden im Februar 2018 in der Region Lower Saint-Lawrence in Quebec, Kanada, erstellt. Die dargestellten Charaktere sind Freund*innen, Bekannte und Menschen aus der Recycling-Szene, die sich bereit erklärt haben, an diesem Projekt mitzuarbeiten. Bei jeder Begegnung erklärte ich die Probleme und die Auswirkungen von Plastikmüll auf die Umwelt. (Samuel Bolduc)

Fisch im Wasser

Fisch im Wasser

© Alejandro Marquez Perez, Rayecto de Formación Profesional, Student Focus Shortlist, Sony World Photography Awards 2018

Positive Botschaften sind solche, die konstruktiv, optimistisch oder selbstbewusst sind. Als ich mit der Erforschung der Plastikverschmutzung begann, wurde ich von schockierenden Bildern der Umweltverschmutzung erstickt; Plastikhaufen auf dem Meeresgrund, unschuldige Tiere, die unter den Folgen unseres Verhaltens leiden. Mehr als nur Flaschen und Taschen, sondern auch Plastikartikel wie Feuerzeuge, Einwegwindeln, Stifte, Gabeln, Tassen, sogar eine Plastik-Clownsnase, können im Ozean tödlich sein, wenn sie in kleine Stücke zerfallen und die Fische ersticken.

Die Herausforderung war bei diesem Projekt unsere Abgestumpftheit, die sich im Laufe der Zeit zu Bildern von mit Kunststoff überfluteten Ozeanen entwickelt hat. Ich glaube an Positivität, weshalb diese Fotoserie frei von Plastikverunreinigungen ist und den Ozean so zeigt, wie er sein soll. Das Leben ist meine Motivation und ich entscheide mich, etwas zu bewirken, nicht weil jemand mir gesagt hat, dass ich es tun soll, sondern weil jedes Lebewesen meine Anstrengungen verdient. Ich wähle das Leben. (Alejandro Marquez Perez)

MännerportraitLautsprecher in einem Regal

© Martin Varret, Ecole Nationale Supérieure Louis-Lumière, France, Student Focus Shortlist, Sony World Photography Awards 2018

Während eines Schneesturms in Paris im Februar 2018 stießen wir auf das kleine Geschäft La Ressourcerie Créative. Die Gründer Sergio und Georges recyclen Abfallmaterialien, die sonst weggeworfen würden. Sie sind Teil einer neuen Bewegung, die unseren Umgang mit Abfall neu überdenkt. Sie sind die Zero-Waste-Helden.

In Pantin, einer Stadt in der Nähe von Paris, befindet sich La Réserve Des Arts – ein Zentrum, in dem Louisiane, Paul und Esteban Plastikmüll in wertvolle Materialien für Künstler*innen, Designer*innen und Student*innen verwandeln. Dank ihrer Arbeit erhalten Hunderte Tonnen Abfall ein neues Leben und werden nicht mehr verbrannt, verschüttet oder ins Meer geworfen. Ich möchte La Réserve Des Arts und La Ressourcerie Créative für ihre Gastfreundschaft danken. (Martin Varre)

Handwerker

Ein Mann poliert ein Surfbrett

© Morgan Mulholland, Stellenbosch Academy of Design & Photography, South Africa, Student Focus Shortlist, Sony World Photography Awards 2018

Eine Studie von Dr. Jenna Jambeck an der University of Georgia fand heraus, dass allein im Jahr 2010 acht Millionen Tonnen Plastik in die Weltmeere gelangten, wobei Südafrika auf Platz 11 der Liste der Mitwirkenden, noch vor Indien, den USA und 23 europäischen Ländern lag. Während Südafrikaner*innen sich der Verschmutzung des Meeres durch Gegenstände wie Plastiktüten und Trinkhalme bewusst sind, wissen sie nichts über die Auswirkungen von Sportarten wie Surfen.

WAWA ist eine lokale Firma, die ethische Surfbretter produziert und Naturprodukte wie Kork, Agave, Pilze, Hanf und Naturharze verwendet. Dadurch verschmutzen WAWA-Boards das Meer nicht, sind recycelbar und biologisch abbaubar. WAWA-Surfbretter verwenden Agave, eine nicht-einheimische Pflanze, die jedoch das einheimische Pflanzenleben nachhaltig beeinflusst und die negativen Umweltauswirkungen in mehr als einer Hinsicht verringert. (Morgan Mulholland)

Junge mit Mülltüten am StrandMädchen mit Mülltüten am Strand

© Izzy De Wattripont, University of West England, United Kingdom, Student Focus Shortlist, Sony World Photography Awards 2018

Die Serie zeigt eine Gruppe von Pfadfinder*innen, die Plastik von ihrem örtlichen Strand aufsammeln. Er befindet sich in der Nähe meiner Heimatstadt an der Südküste von England, in der Nähe von Milford on Sea. Ich arbeite sehr gern mit jungen Leuten und bin immer wieder erstaunt, wie sie sich vor einer Kamera transformieren. Ich denke, dass besonders junge Menschen die Botschaft, dass wir unsere Strände frei von Plastikmüll halten sollten, gut vermitteln. (Izzy De Wattripont)

arrangierter Müll

arrangierter Müll

© Jasmine Färling, Swansea College of Art, University of Wales Trinity Saint David, United Kingdom, Student Focus Shortlist, Sony World Photography Awards 2018

Inspiriert vom Vanitas-Stil der Malerei des 16. und 17. Jahrhunderts entstand diese Bilderserie aus Detritus, mit Müll der am Ufer der Swansea Bay in Wales gesammelt wurde. Ich verknüpfte das Konzept der Vanitas als Erinnerung an unsere unausweichliche Sterblichkeit mit der Sinnlosigkeit von Gier und Konsum und machte diese Reihe von Stillleben, um das Ausmaß menschlicher Auswirkungen auf unsere natürliche Umwelt zu zeigen. Mit Kunststoffabfällen und den Überresten von Küstentieren, die am Strand angespült wurden, habe ich Kreaturen und imaginäre Szenen geschaffen, um an die Zerbrechlichkeit unserer Ökosysteme zu erinnern. (Jasmine Färling)

Kind mit EisFrau mit Eis

© Emma Louise Spencer, North Warwickshire, Hinckley College, United Kingdom, Student Focus Shortlist, Sony World Photography Awards 2018

Mein Ziel für dieses Projekt ist es, die monumentale Frage der Meeresverschmutzung besser verständlich zu machen. Eine der schockierendsten Statistiken, die ich gelesen habe, ist, dass eine Plastiktüte im Laufe ihres Lebens bis zu tausend Delfine töten kann. Wenn eine Plastiktüte tausend Menschen tötete, würden wir das Problem sofort lösen. Das Zeigen von Plastik in unserem täglichen Leben macht dies zugänglicher; Wir würden nicht so leben wollen, also warum sollte es das Meeresleben?

Ich entwarf Eislutscher, die ich mit Plastik von einem britischen Strand gefüllt habe und benutzte sie, um den normalen Werbebildern eine unheimliche Wendung zu geben. Ich fotografierte die Bilder in einem Studio mit verschiedenen Generationen, um zu zeigen, dass diese Probleme mit der Zeit wachsen und dass wir das Problem an die jungen Menschen weitergeben. (Emma Louise Spencer)

Fische schwimmen zwischen Plastik

Fische in Plastikbeuteln

© Anshul Mehrotra, University of Lucknow, India, Student Focus Shortlist, Sony World Photography Awards 2018

Die Erde braucht die Ozeane genauso wie wir Menschen Blut brauchen. Es ist ein wesentlicher Teil unserer Biosphäre. Meeres- und Wasserlebewesen spielen eine wichtige Rolle für den reibungslosen Ablauf des Ökosystems der Erde. Indem wir unverantwortlich unseren Plastikmüll entsorgen, schädigen wir das Ökosystem. Meerestiere können Plastiktüten oder andere giftige Kunststoffe für Lebensmittel halten, was zum Verhungern oder Ersticken führen kann. Oder sie können sich im Müll verheddern. Gründler, deren Außenhaut ihnen die Fähigkeit verleiht, sich auf dem Meeresgrund zu tarnen, haben nun Schwierigkeiten, weil das unnatürliche Plastik auf dem Meeresgrund die Tarnung unmöglich macht. Plastikmüll ist die Hauptursache für den Rückgang der Biodiversität. (Anshul Mehrotra)

 

Ich möchte Euch nochmals den Besuch der Ausstellung zum Award ans Herz legen. Sie ist noch bis zum 6. Mai im Somerset House in London zu sehen. Wer es nicht nach London schafft: Die Ausstellung kommt Mitte Juli auch nach Berlin. Alle Informationen dazu findet Ihr hier. Welche Projektserie der Studierenden hat Euch besonders gefallen?

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  1. “ethische Surfbretter” – das zeigt einen Teil des Problems. Es gibt keine ethischen Surfbretter, genau so wenig, wie durch Mülltrennung die Umwelt geschützt wird.
    Die Fotos sind sicher künstlerisch wertvoll, aber halten sie jemanden davon ab, Plastik zu benutzen (bis auf die, die es sowieso schon vermeiden)? Bei einigen Serien ist ohne den Begleittext nicht erkennbar, dass es um die Meeresverschmutzung geht.
    Zum Artikelschluss wird empfohlen, nach London zu reisen, um die Ausstellung anzuschauen – ein Beitrag zum Umweltschutz? Aber bleiben wir optimistisch…