Frau auf einem Fahrrad fährt vorn durchs Bild, im Hintergrund Personen die an einer Ampel warten. Hinten ihnen fährt eine Straßenbahn entlang.
29. Mai 2017 Lesezeit: ~ 8 Minuten

Instagram hat nichts mit Fotografie zu tun?

Mein erstes Mal fand an einem Donnerstag in Berlin statt, vorletzte Woche. Mein erster Instawalk. Eine neue und bereichernde Erfahrung im Zusammenhang mit dem Umgang mit Bildern und den neuen Medien. Wobei „neu“ wohl in diesem Sinne nur für mich zählt, da Instagram für viele ja bereits altbekannt ist und seit der Veröffentlichung 2010 eifrig genutzt wird.

Nur ich hinke zeitlich ein wenig hinterher. Unterwegs waren wir mit 16 Instagrammer*innen, die sich selbst gar nicht unbedingt als Fotograf*innen bezeichnen. Begriffe wie „mobile photographer“ oder „Content Creator“ fielen eher, einige betiteln ihren Stream mit offenen Begriffszusammenhängen wie zum Beispiel „visual Berlin“ oder ähnlichen Ausdrücken.

Im Gedächtnis geblieben sind mir von diesem Spaziergang einige Bilder, Erinnerungen und auch eine Menge neuer, offener Fragen und Erkenntnisse zu Instagram. Um meiner Verwirrung Ausdruck zu verleihen und vielleicht auch, um meine eigene Perspektive und Feldforschung auf einen/diesen Instawalk von Euch wieder demontiert zu wissen, schreibe ich hier nun meine Sichtweise auf die Veranstaltung und meine Eindrücke zum „Instawalk“ auf.

Gruppe von Personen im Sonnenlicht laufend fotografiert in einer Stadtszenerie.

Thema das Instawalks war #moskauberlin, initiiert vom Verlag Hatje Cantz anlässlich eines erschienen Fotobuchs von Sandra Ratkovic mit dem Titel
Moskau Moscow Москва , das sie in Art eines wiederkehrenden Ein-Personen-Fotospaziergangs in Moskau fotografiert hatte. Die Nähe zum Instawalk als Fotospaziergang bot sich also als Überbau an.

Es wurden verschiedene Orte in Berlin angelaufen, die mit Russland in Zusammenhang stehen. Exemplarisch nennen möchte ich hier den russischen Supermarkt Kasatschok, das – nicht nur – russische Theater P.A.N.D.A, das vom Künstler des berühmten Bruderkuss-Bildes Dmitri Wrubel geleitet wird, und das Ernst-Thälmann-Denkmal im gleichnamigen Park. Dem Instawalk ging eine intensive Vorarbeit voraus: Planung, Routenentwicklung und eine gemeinsame vorherige Erkundung der Route durch die Initiator*innen Hatje Cantz, Sandra Ratkovic und kwerfeldein.

Vorweg sei in aller Kürze gesagt, dass ich aus der analogen Riege komme. Erste Schwarzweiß-Dunkelkammer mit 14 Jahren, nun Studium der Fotografie an einer Universität, die einen starken Fokus auf analoge Technologien im Rahmen des Studiums legt, lange Zeit absolut unbedarft am Smartphone aktiv – Knöpfe drücken ohne Sinn und Verstand – und zudem, ebenfalls gefühlt ewig, eine Fotografin mit persönlicher Verweigerung der fotografischen Aktivität über Apps.

Zwar hat sich nun auch die digitale Fotografie schon seit Längerem bei mir eingeschlichen, doch die Art und Weise der Bildverteilung und Bereit- bzw. Zurschaustellung und Handhabung im wahrsten Sinne des Wortes gehe ich eher klassisch, langsam an.

Handabzüge, Drucke, gerahmte Bilder oder liebevoll handgebundene Fotobücher – hier bewege ich mich, dies kenne ich, alles andere verfolge ich bisher nicht mit vollem Ernst für meine eigenen Arbeiten. Physische Objekte, Fotos, die auf Tischen hin und her geschoben werden, um die bestmöglichen Kombinationen zu finden, Bildbesprechungen, in denen es durchaus länger als einen Moment um ein einzelnes Bild gehen kann, sind mein Alltag.

Denkmal Staue im Vordergrund mit Graffiti bemalt, dahinter ein Hochhaus und Grünwuchs.

Ich denke, dass die Nutzung von Apps viel mit der Fotografie macht und vor allem auch mit der Art und Weise, wie wir Bilder wahrnehmen und betrachten (lernen). Für die einen ist mein Weg zur Fotografie der über-akademisierte Umgang mit Fotografien. Es wird durchaus auch gern als Über-Interpretation verschrien; ein ewiger „Teufelstanz“ zwischen studierten, gelernten und autodidaktischen Fotografieschaffenden.

Nun fiel im Laufe des Instawalks die Aussage, dass Instagram im Zusammenhang mit der Fotografie „Anarchie“ bedeute. Jeder kann teilhaben – vorausgesetzt, man hat eine Kamera oder ein Smartphone. Doch was passiert mit den Bildern im Zuge dieser „Anarchie“? Absolute Befreiung der Bilder(sprache)? Loslösung aller gängigen Konventionen zugunsten von etwas,… nun ja, von was denn genau?

Meiner Beobachtung nach wird Instagram fotografisch bzw. bildnerisch sehr unterschiedlich verwendet. Da gibt es Personen, die nutzen die App, um bereits vorhandene Arbeiten in der Art eines Portfolios zusammenzustellen, einen Überblick zu verschaffen für mögliche Interessent*innen. Dies geschieht ohne viele „supporting hashtags“. Eine andere Gruppe vermarktet die Bilder durch gezieltes Setzen von Schlagwörtern, um von einem Magazin oder einer Webseite vorgestellt zu werden.

Wieder andere verdienen ihr Geld durch Product Placement und gezielte Werbung oder Sponsoring auf Instagram, reisen dafür sogar um den Erdball. Eine – wie ich persönlich finde – gefährliche Art der Werbung, da es sich wie mit dem Schaf im Wolfspelz verhält: Man erkennt sie nicht mehr.

Wo ist nun der Zusammenhang zwischen all dem, was zwischen den Einsen und Nullen der digitalen Welt auf Instagram geschieht und der Fotografie als Gegenstand, wie ich sie kennengelernt habe?

Frau auf einem Fahrrad fährt vorn durchs Bild, im Hintergrund Personen die an einer Ampel warten. Hinten ihnen fährt eine Straßenbahn entlang.

Dafür ein kleiner Rückblick: Lange Zeit schwankte ich selbst zwischen der Entscheidung einer handwerklichen Fotografenlehre und einem Studium – wollte ich mehr Handwerk oder Theorie? Bildpraktik oder Bildwissenschaft? Oder ging es einfach um das Fotografieren an sich? Viele Herangehensweisen an Fotografien wären heute vielleicht anders in meinem Denken verankert, hätte ich das Studium nicht für mich auserkoren.

Nun versuche ich mehr und mehr hinter die Bilder zu schauen, Fotografie nicht als reine Abbildung von Oberflächen zu begreifen – da widerspricht mir persönlich die schnelle Art von Instagram, das „Swipen“ und „Liken“. Mir fehlt die hintergründige und inhaltliche Auseinandersetzung am Bild.

Selbst mein Versuch, Emojis als eine neue Textform am Bild zu lesen, ist für mich persönlich ungenügend. Oder aber – um eine weitere Aussage aus dem Kreise der teilnehmenden Instagrammer*innen zu thematisieren – Fotografie hat mit Instagram vielleicht gar nichts zu tun?

Mann mittleren Alters spricht und gestikuliert zu anderen Menschen.

Es fielen viele Begriffe, die für Instagrammer*innen vermutlich Alltag bedeuten, die jedoch nicht eindeutig fotografisch zuzuordnen sind: Content, Reichweite, Ads (Werbung), Stream, Follower… viele waren mit digitalen Spiegelreflexkameras vor Ort, das Austauschen technischer Daten, wie man es aus Fotokreisen kennt, gehörte durchaus auch zum Gespräch. Es wurde jedoch erstaunlich wenig über Bilder an sich gesprochen – zumal sie ja auch nur fotografiert wurden. Noch nicht fertig waren. Nicht vorbereitet wurden vor Ort für einen unmittelbaren Post.

Das ausgeklügelte Posting-System, das alle ein wenig anders handhaben, scheint beinahe mehr mit Zeitmanagement und Reichweite als mit Bildern zu tun zu haben. Ein Bild pro Tag, zu einer bestimmten Zeit, passend im Stream angeordnet, in der Bildsprache, die der jeweilige Stream für sich etabliert hat.

Es geht also scheinbar immer um Einzelbilder, die sich jedoch einfügen müssen in ein großes Ganzes (Stream/Grid), die „optisch funktionieren“, jedoch nicht zwingend eine Serie ergeben müssen oder jemals in anderer Form als auf dem Account sichtbar werden. Bilder auf Instagram sind somit sozusagen lebende Tote: Nie ganz da – aber auch schnell aus dem Blickfeld verschwunden, sobald neue Bilder nachrücken.

Ist das die Zukunft der Fotografie? Bilder, die gar nicht mehr in einer (be)greifbaren Form existieren, sondern ihr Leben im Schattendasein der immer wieder nachfolgenden Bilder verbringen?

Aufgeschlagenes Buch wird angeschaut und liegt auf dem Schoß einer Person.

Für eine endgültige Prognose ist es vermutlich noch zu früh – doch ich bin schon sehr gespannt, wie ich mit 85 Jahren auf diese Zeit zurück blicken werde. Ich denke, vorerst ist es wichtig, sich dessen bewusst zu sein und reflektiert mit diesen Medien der Bilddistribution umzugehen, wohlwissend, dass ein Bild auf Instagram sich in irgendeiner Form verhält: Es folgt seinem eigenen Weg, unaufhaltsam, vorgegeben durch den Aufbau der App und unsichtbare Regeln hinter dieser.

Erstaunt war ich über die Zusammensetzung der Gruppe: Menschen, die sich ohne ihr gemeinsames Interesse für Instagram vielleicht nie kennengelernt hätten – was ich als sehr positiv erachte. Eine bunte Mischung aus unterschiedlichsten Bereichen und Altersgruppen verbringt dadurch gemeinsame Zeit. Vielleicht ist es auch gar nicht so wichtig, dass es dann nicht vorrangig um Fotografie geht, vielleicht ist das auch nur meine eigene Erwartung an einen Instawalk?

Und wenn ich ehrlich bin, wenn ich mit anderen fotografieren gehe, reden wir auch nicht nur über das jeweilige Bild – wir behandeln vielleicht nur das Endprodukt anders. Ich bin gespannt auf Eure Ansichten zum Thema! Über einen regen Austausch in den Kommentaren wäre ich sehr erfreut.

Dieser Beitrag ist zuerst beim fotoblog von Hatje Cantz erschienen.

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11 Kommentare

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  1. Bilder auf Instagram sind somit sozusagen lebende Tote: Nie ganz da – aber auch schnell aus dem Blickfeld verschwunden, sobald neue Bilder nachrücken.

    Eine der Kernaussagen in Deinen Ausführungen; mein uneingeschränktes JA dazu.

    Das gilt allerdings nicht nur für Instagram, sondern für nahezu alle Internetplattformen, die (Einzel-)Fotos im Internet verbreiten. Stets hat ein Bild, sofern es nicht Bestandteil eines Berichts oder eines ähnlichen zusammenfassenden Mediums ist, lediglich ein kleines Aufmerksamkeitspotential, weil stets ein tsunami-ähnlicher Strom von neuen Bildern unaufhaltsam nachrückt.

    Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass die meisten Leute, die Fotos auf Instagram liken, sich intensiv hintergründig und inhaltlich mit diesen Bildern auseinandersetzen.

    Man muss allerdings berücksichtigen, dass Einzelbilder in einem solchen Umfeld der Präsentation einen sehr schweren Stand haben. Da ist dann doch eher Fastfood gefragt.

    Bilder, die einigermaßen gefällig sind, aber nicht annähernd das Potential haben, zu Ikonen der Fotografie zu werden, haben teilweise astronomisch hohe Anzahl von Likes, dass man darüber eigentlich nur den Kopf schütteln kann. Im übrigen hat die Anzahl von Likes auf Instagram nur wenig mit der Qualität eines Fotos zu tun.

    Als Beispiel sei der Account von Candida Höfer genannt. Sie hat inzwischen knapp 1.000 follower, hat 45 Arbeiten hochgeladen, und anfangs hat kaum ein Bild mehr als 100 Likes bekommen. Bei ihren jüngst hochgeladenen Fotos hat sich die Anzahl der Likes jeweils in Richtung 200 erhöht. Man sieht an diesem Beispiel, dass selbst FotografInnen, die Arbeiten von Weltklasse-Format abliefern, bei Instagram kaum wahrgenommen werden.

    Für mich spielt Instagram aus diesen Gründen keine Rolle (mehr). Die Handvoll Bilder auf meinem Account, den ich vor ein paar Monaten angelegt habe (es sind 13, die dort zu sehen sind), haben mittlerweile zwischen 4 und 23 Likes erreicht. Ich habe auch keine Lust, meine Zeit mit Fragen um Reichweitenoptimierung zu verschwenden, davon werden meine Bilder um keinen Deut besser, selbst wenn sich die Anzahl der Likes verzehn- oder verhundertfachen würde. Aus dem Grund werde ich wohl keine weiteren Fotos mehr bei Instagram zeigen.

    Was Fotos von anderen Fotografen anbetrifft, so ist Instagram für mich ebenfalls nicht die erste Wahl. Und auch nicht die zweite oder dritte. Da greife ich dann doch lieber auf Fotobücher oder auf entsprechende Präsentationen im Netz zurück (da gibt es mittlerweile eine große Anzahl von Onlinepublikationen). Das ermöglicht auch eine bessere Einordnung der Arbeiten, weil über das reine Foto hinaus zusätzliche Informationen vermittelt werden, sei es über die Person des Fotografen oder dessen Intention bei dem Umgang mit einem fotografischen Thema.

    Es bleibt wie immer spannend mit der Frage um die Zukunft der Fotografie.

    Liebe Grüße, Hans-Martin

  2. Liebe Tabea,

    ein interessanter Text mit vielen Gedanken. Da Du um Feedback, Gedanken usf. gebeten hast, hier, was ich gern kurz spontan anmerken möchte.

    Dein erstes Mal InstaMeet war ein etwas untypisches InstaMeet, deshalb finde ich es etwas schwierig, daraus etwas ableiten zu wollen. Das Meet in Berlin war eher eine Veranstaltung für Blogger oder Journalisten, die dann am Ende einen Text über ein bestimmtes Thema – in diesem Fall ein Buch verfassen und ggf. O-Töne der anwesenden Fotografin bringen. Wie Du selbst richtig erkannt hast, viele Instagrammer haben ihr Thema gefunden. Das kann man gut oder schlecht finden, so funktioniert das soziale Fotonetzwerk nach vielen Jahren. (So ist es ja beispielsweise auch bei Journalisten oder Bloggern. Wenn Du nun einen Journalisten, der frei über Sportthemen schreibt, zu einer Kunstveranstaltung einlädst, steht er auch da und weiß nicht, was nun tun mit dem Thema, das nicht seins ist.) Und wenn man Profis mit vielen Followern einlädt, kann man nicht erwarten, dass auf Knopfdruck Fotos gemacht werden, die nichts mit dem eigenen Thema zu tun haben. Dann ist das Event zwar inhaltlich vielleicht super spannend, nur fotografisch findet sich eben nichts, weshalb dann auch eher weniger fotografiert und mehr gesprochen wird. (Ein guter Schnitt im Anschluss an ein InstaMeet sind ca. 150 Fotos unter dem Hashtag. Bei einer Gruppengröße von 25-30 Instagrammern kommen gerne mal 200 bis 250 Fotos zusammen, wenn das Feld gemischt ist.)

    Die Instagram-Community ist in Deutschland übersichtlich, wenn es um das Interesse für das Thema Fotografie geht. Wir kennen uns alle seit vielen Jahren, haben uns schon oft getroffen und freuen uns immer, wenn wir uns wiedersehen. Dann wird Privates und Berufliches ausgetauscht. Über Fotos wird sonst sehr viel gesprochen, das auch direkt vor Ort. Es wird ausgewählt, bearbeitet und um Feedback gebeten – und man tauscht sich über Bildunterschriften aus, bevor gepostet wird. Du siehst unter dem Hashtag, dass einige im Anschluss versucht haben, ein Bild zu posten, das inhaltlich zu ihrem Account passt – und die Kurve zumindest in der Bildunterschrift zum Thema des Walks zu kriegen.

    Ich zitierte kurz eine Passage aus Deinem Text:

    “Wieder andere verdienen ihr Geld durch Product Placement und gezielte Werbung oder Sponsoring auf Instagram, reisen dafür sogar um den Erdball. Eine – wie ich persönlich finde – gefährliche Art der Werbung, da es sich wie mit dem Schaf im Wolfspelz verhält: Man erkennt sie nicht mehr.”

    Darf ich fragen, wie Du ein InstaMeet in Kooperation mit einem Verlag verstehst? Wäre das Buch nicht das Produkt, das mit der Veranstaltung beworben wird? Natürlich geht es auch um die Vermittlung von Inhalten, keine Frage. Wenn es aber nur um Inhalte und nicht um Reichweite usf. gegangen wäre, hätte man vermutlich nicht die größeren Instagram-Accounts aus Berlin eingeladen – wie @berlinstagram und @uwa2000. Und viele mittelgroße Accounts, die so genannten Micro-Influencer, oder?

    Noch ein Zitat aus dem Text:

    “Eine andere Gruppe vermarktet die Bilder durch gezieltes Setzen von Schlagwörtern, um von einem Magazin oder einer Webseite vorgestellt zu werden.”

    Wurde das nicht auch hier gemacht? Die Karotte war für die Teilnehmer: Ein Feature auf dem Account von Hatje Cantz und im Magazin Kwerfeldein. Kwerfeldein hat inzwischen ein eigenes Feature-Hashtag. Und handelt es sich dabei sofort um Vermarktung von Bildern? Die wenigsten Instagrammer, die sich für Fotografie interessieren, verdienen ihr Geld damit. Man hat einen Job, das Hobby ist Instagram, worüber man viele Freunde gefunden hat. Man lernt viel über Fotografie und das soziale Netzwerk und möchte, wenn man Feature-Hashtags verwendet, dass die eigenen Bilder von Accounts geteilt werden, denen Fotointeressierte folgen. Wenn das passiert, bedeutet das auch, oh, toll, ich habe ein gutes Foto gemacht. Und in diesem sehr konkreten Fall ging es ja explizit um User Generated Content. Es sollten Bilder gemacht werden, damit ein Buch besser vermarktet werden kann.

    Vielleicht eine abschließende Anmerkung: Instagram gibt es seit fast 7 Jahren. Mich wundert es manchmal, dass immer noch so fragend auf Instagram geschaut wird. Dass hier Dinge als wunderlich wahrgenommen werden, die in anderen Kontexten völlig normal sind. Hier im Text wird hinter dem Buch rüber zu Amazon verlinkt. Es ist Werbung auf der Seite. Warum? Damit man die Seite am Leben erhalten kann. Warum machen Instagrammer auch Werbung? Damit Sie Geld verdienen und ihre Miete bezahlen können. Es ist ihr Job. Nun könnte man sich noch lange Gedanken machen über Native Advertising oder Blogs, die sponsored Posts nicht eindeutig als Werbung kennzeichnen.

    Vor ein paar Monaten hatte ich für ZEIT Online einen Überblicksartikel zum Thema Instagram und Influencer geschrieben: http://www.zeit.de/entdecken/2016-12/instagram-follower-likes-marketing

    Sonnige Grüße aus Hamburg
    Anika

    • Hallo Anika!

      Danke für deine weiteren Ausführungen zum Artikel! Die durchaus mit deiner Erfahrung im Bezug auf Instagram natürlich meine persönliche Einschätzung deutlich bereichern.

      Vielleicht ist es nicht so deutlich geworden wie erhofft, dass ich versucht habe mich ausgehend von meinen geringen Erfahrungen irgendwo in dem (für mich) Wirr-Warr zurecht zu finden, welches Instagram im Bezug auf die fotografischen Bilder für mich bedeutet.

      Das natürlich die Veranstaltung an sich eine Idee verfolgt hat, ist mir natürlich klar, ebenso wie dies an anderen Orten passiert. Daher habe ich mich ja auch nicht auf einzelne Teilnehmer konkret bezogen sondern das Ganze mehr als eine persönliche Art Feldforschung im Sinne der Fotografie im Zusammenhang mit Instagram und meinen Erfahrungen/Recherchen gesehen. Es sollte eher Fragen aufwerfen und hoffentlich langfristig Antworten bereitstellen, was all dies für die Fotografie, das einzelne Bild, fotografische Abbilder an sich bedeutet – weniger, was natürlich mit der Verbreitung von Fotografien die Ersteller davon haben oder eben nicht haben. Das es all diese Mechanismen gibt verstehe ich, doch warum die Fotografie aus meiner Sicht darunter leiden muss, so instrumentalisiert zu werden ist eher meine Kritik – die sehe ich bei Instagram sehr verstärkt.

      Der Begriff Micro-Influencer ist mir tatsächlich neu – aber eben drum auch so etwas wie dieser Artikel – um in das trübe Wasser für mich und Andere ein wenig Licht hinein zu bringen – zusammen mit den Antworten/Gedanken/Kommentaren die auftauchen. Auch wenn es Instagram schon 7 Jahre gibt, finde ich, dass es ein zu junges Phänomen ist um es schon vollends zu verstehen was dies langfristig bedeutet oder ausmacht.

      Das Werbung oder Verbreitung aus unserer Umgebung nicht mehr weg zu denken ist, akzeptiere ich als für meinen Teil nervtötende Realität – dass sich dies wohl nicht mehr abschalten lässt muss ich hinnehmen. Doch die Frage ist ja, worum geht es bei Instagram an sich wirklich? Geht es im Kern wirklich um Fotografie oder werden Fotografien oder fotografisch erstellte Bilder nur (be)genutzt und sind nicht um ihrer selbst Willen dort?

      Danke für deine Anmerkungen zum Thema!
      Liebe grüße aus Wien!

      • Liebe Tabea,

        hab vielen Dank für Deine ausführliche Antwort. Es gibt nicht das eine Instagram, jede Person nutzt Instagram, wie sie möchte. Auf Instagram gibt es ganz viele kleine und große Communities und Filterblasen – für Fashion, Food etc. Und es gibt diverse Communities, die sich für Fotografie interessieren und da geht es dann darum, gute Bilder zu machen. Wie bei This Ain’t Art School zum Beispiel. Nach diesen Projekten und Accounts muss man ein wenig suchen, wenn man sich nach über 6 Jahren Instagram anfängt, damit zu befassen. Wer schon lange dabei ist, hat all diese Entwicklungen sehr gut mitverfolgen können und wie sich der harte Kern der deutschen Instagram-Community professionalisiert hat und jetzt jeder seinen Interessen folgt. Deshalb werden ja meist Agenturen oder Freelancer aus der Szene beauftragt, um Projekte (Kampagnen, Instameets etc.) zu realisieren. Mit Instagram kann man sich auskennen, wie zum Beispiel mit Fußball.

        Instagram ist das, was man selbst daraus macht. Das ist das Tolle an Instagram. Und deshalb macht es viel Spaß. :)

        Was mich verwundert ist, dass von Dir über Werbung und den Wolf im Schafspelz geschrieben wurde. Gerade in der Bloggerszene ist nicht gekennzeichnete Werbung ein sogar noch größeres Thema. Oder es gibt Blogs und Magazine, die sich professionalisieren und versuchen, daraus einen Job zu machen, der ihren Lebensunterhalt bestreitet. Die anderen machen einfach weiter und zahlen ihr Hobby aus eigener Tasche. Geht es dann im Kern wirklich noch um die Texte und den Inhalt des Blogs usf.? Wird so deutlich, worauf ich hinaus möchte?

        Ein Zitat aus Deinem Kommentar: “Das Werbung oder Verbreitung aus unserer Umgebung nicht mehr weg zu denken ist, akzeptiere ich als für meinen Teil nervtötende Realität – dass sich dies wohl nicht mehr abschalten lässt muss ich hinnehmen.” Das verstehe ich jetzt nicht. Wie viele Magazine und Tageszeitungen gibt es denn, in denen keine Werbung ist? Stört Dich auch Werbung in Tageszeitungen? Wie sollte Finanzierung aus Deiner Perspektive funktionieren?

        Warum ich das mit den 7 Jahren Instagram sagte: Über Instagram wird so viel geschrieben, gerade das Influencer-Thema wird seit fast 2 Jahren in den Medien rauf- und runterdiskutiert. Wenn man sich mit einem Thema befasst als Autor, liest man sich ja sehr ausführlich ein. Du hast die Recherche ja angesprochen. Und Deinen Feldforschung. Und da sagte ich, das Meet war nicht so gut geeignet für Deine Feldforschung, weil es ein nicht sehr instagrammiges Event war. Instagrammer sind bei Meets sonst anders unterwegs, machen Fotos, bearbeiten vor Ort, posten, machen Stories etc. Was Soziale Netzwerke wie Instagram langfristig bedeuten, wird sich zeigen, der Status Quo ist allerdings alles andere als ein trübes Wässerchen. :)

        Worauf Du mir nicht geantwortet hast: Was war das InstaMeet für Dich? Du zeigst in Deinem Text ein bisschen mit dem Finger auf Instagrammer, die Werbung machen etc. Was denkst Du, warum es dieses InstaMeet gegeben hat? Was war das Ziel? Warum wurden reichweitenstarke Leute eingeladen? Du merkst schon, ich verteidige das Gute an Instagram, indem ich sage: Ja, schau, machst Du das nicht auch irgendwie?

        Liebe Grüße nach Wien aus einem immer noch sehr sonnigen Hamburg
        Anika

    • Hey Anika, nun noch eine weitere Antwort. (aus irgendwelchen Gründen kann ich unter dem anderen Kommentar von dir grade nicht auf Antworten klicken, – also daher hier).

      Wie geschrieben, der Instawalk war für mich eine Möglichkeit zur Feldforschung. Und klar weiß ich, dass er als unterstützende Werbemaßnahme für das Buch fungieren sollte. Du musst mir das nicht aus der Nase ziehen ;)

      Bezüglich Werbung im allgemeinen: Aggressive Werbung (also die, welche überall auf uns einprasselt, Plakatwände, etc. pp.) finde ich absolut überflüssig und vor allem wen man die jeweils Werbetreibenden bedenkt. Meist Firmen, die Werbung an sich eigentlich nicht mehr nötig hätten.
      Ich denke weiter als das es Dinge finanziert – ich halte Werbung für aggressiv gegenüber einer Gesellschaft die in mitten von ihr gezwungen wird zu Leben. Werbung sollte nicht überall sein, sondern gezielt und durchdacht eingesetzt werden. Am besten wäre es (aber da kommt meine utopische Vorstellung zutage) wenn es gar keine Werbung geben müsste/würde.

      Vielleicht ist dir aufgefallen, dass wir hier bei kwerfeldein versuchen die Werbung so dezent wie möglich zu halten und vor allem themenbezogen bleiben. Andere Blogs und Websites schauen da ganz anders aus…

      Ein Satz von dir: “Instagram ist das, was man selbst daraus macht. Das ist das Tolle an Instagram. Und deshalb macht es viel Spaß. :)”

      Das denke ich eben nur bedingt. Instagram legt so viel vor ab fest, das man eben nicht frei entscheiden kann – sondern nur frei innerhalb von fremd vorgegebenen Mustern (Grid/Stream). Dürfte ich entscheiden wie meine Seite bei Instagram wirklich ausschaut (also so wie ich mein Interface auf meiner Website selbst in allen Punkten verändern kann) – würde ich Instagram wahrscheinlich deutlich mehr mögen und dir in obiger Aussage mehr zustimmen. Trotzdem bleibt mir die liebste Wahrheit die Realität außerhalb jeglicher Webdarstellung, man passt sich halt auch an.

      Hm und ob ich “das” auch irgendwie mache? Natürlich versuche ich von irgendwas zu leben, aber ich setze dabei sehr viel Wert auf moralische Grundlagen und auf Offenheit oder besser gesagt Transparenz. Eben diese Offenheit fehlt mir an Instagram – auch nachdem ich nun von @bosch den Influencer Artikel gelesen habe, kräuseln sich mir eigentlich nur die Nackenhaare – ich verstehe dass es Werbung ist wenn ich es auf Instagram entdecke. Aber es gibt eben viele (zum Beispiel meine kleine Cousine mit 13 Jahren) die es nicht begreifen und dadurch manipulierbar sind. Das stört mich am besagten Wolf im Schafspelz. Daher bezeichne ich dies so.

      Vielleicht erklärt dies meine kritische Haltung ein wenig mehr.

      Lieben Gruß aus Wien!

  3. Off topic:
    Irgendwie läuft es mir immer kalt den Rücken runter, wenn ich den Titel des Buches von Sandra Ratkovic lese: Moskau, Moscow, Mockba.

    Hier wird versucht, mit lateinischen Buchstaben (Mockba) den kyrillischen Namen Moskaus (Москва) nachzuahmen. Zwar sehen die Buchstaben groß geschrieben (MOCKBA) im lateinischen und kyrillischen Alphabet zufällig gleich aus, doch liegen ihnen teilweise andere Laute zugrunde (kyrillisches “c” wird wie “s” gesprochen, kyrillisches “в” wie “v/w”).

    Nichts für ungut – selbst der Hatje-Cantz-Verlag schreibt auf seiner Homepage von “Mockba”. Lediglich auf dem Buch ist der Titel korrekt mit “Москва” abgedruckt.

    Sorry, musste ich halt mal loswerden.

    Ach ja, und auch Wikipedia kennt “Mockba”:
    https://de.wikipedia.org/wiki/Mockba

    • Hallo Barbara, vielen Dank für den sachdienlichen Hinweis. Ich werde mal schauen, ob wir das korrekt umsetzen können, ich bin, was so etwas angeht, auch immer so pingelig wie es geht – WordPress (bzw. der Zeichensatz unserer Installation und ggf. der Font) hat leider oft Schwierigkeiten mit „Sonderzeichen“ aus mitteleuropäischer Sicht.