23. Januar 2017 Lesezeit: ~5 Minuten

Ein Tag in der Leica Erlebniswelt

Zusammen mit meinem Freund besuchte ich die Leica Erlebniswelt im Leitz-Park, der etwas außerhalb von Wetzlar liegt. Leica ist eine der bekanntesten deutschen Firmen, die weltweit für ihre präzisen und hochwertigen Kameras bekannt ist – und natürlich auch wegen der Erfindung der ersten Kleinbildkamera.

Mich persönlich verbindet nicht direkt etwas mit Leica, da ich selbst keine der Kameras besitze, was für mich die Leica Erlebniswelt aber deshalb nicht uninteressant macht. Ganz im Gegenteil, denn Leica hat die Geschichte der Fotografie ja entscheidend mitgeprägt und dürfte somit für fast alle Fotograf*innen interessant sein. Als mein Freund mir dann erzählte, dass die Erlebniswelt ganz in der Nähe lag, war meine Begeisterung geweckt.

Wir hatten uns vor unserem Besuch schon im Internet einen Eindruck verschafft, aber in natura sah der Gebäudekomplex des Leitz-Parks doch noch beeindruckender aus: Sehr moderne, geschwungene Architektur mit viel Glas, davor in einem separaten kleinen Pavillon das Café Leitz, der Weg gesäumt von hohem, trockenem Gras, über das wir uns zum Eingang begaben.

Da es dort direkt eine Bushaltestelle gibt, war es glücklicherweise überhaupt kein Problem, von Gießen zum Leitz-Park zu kommen. Wir betraten die Leica Erlebniswelt und wurden von einem großen, hellen Eingangsbereich empfangen, wo uns ein netter Herr erklärte, dass wir uns gern überall frei bewegen dürften, der Eintritt ist nämlich kostenlos.

An einer (kostenpflichtigen) Führung teilzunehmen, war leider nicht mehr möglich, da wir uns zuvor dafür hätten anmelden müssen, aber so konnten wir uns unser eigenes Bild machen und uns die Zeit nehmen, alles in Ruhe anzusehen.

Mich zog es direkt zur aktuellen Ausstellung von Ara Güler, der im vergangenen Jahr mit dem Leica Hall of Fame Award für sein Lebenswerk ausgezeichnet wurde. Gezeigt wurden seine Aufnahmen aus Istanbul und viele Portraits bekannter Persönlichkeiten wie Salvador Dalí, Henri Cartier-Bresson oder Pablo Picasso. Einige kannte ich auch schon von der Photokina im letzten September, da sie dort in der Leica Galerie ausgestellt worden waren und es freute mich, dass ich mir Ara Gülers Bilder nun noch einmal genauer anschauen konnte.

Hinter diesem Bereich befand sich dann die permanente Ausstellung „36 aus 100“ – 36 Bilder, die in den letzten 100 Jahren zur Geschichte der Fotografie beigetragen haben, allesamt natürlich aufgenommen mit Leica Kameras. Besonders fasziniert hat mich das „Selbstportrait in Spiegeln“ von Ilse Bing aus dem Jahr 1931, die mir bis dahin völlig unbekannt gewesen war.

Dank der Touch-Terminals, die in der Nähe platziert waren, konnte ich aber einiges über das Bild und die Fotografin erfahren, genauso wie über die anderen Motive und ihre Urheber*innen. Mir persönlich hat diese Trennung von Bild und Information sehr gut gefallen, die Bilder standen für sich und konnten sich entfalten. Wenn man doch mehr erfahren wollte, konnte man das an den Terminals tun.

In diesen Ausstellungsbereich integriert war außerdem die Produktausstellung sowohl von Leica Fotokameras, als auch Filmkameras und Sportoptik-Produkten. Es war sehr interessant zu sehen, wie sich die einzelnen Kameras über die Jahre und Jahrzehnte hinweg verändert hatten, gleichzeitig jedoch den typischen Leica-Look behielten.

Als wir um die Ecke des Raumes bogen, fanden wir einen zweiten Gang vor, in dem auf der linken Seite große Glasfenster einen Einblick in die Fertigung freigeben sollten. Leider fiel unser Besuch auf einen Samstag und somit konnten wir nur einen Blick auf die leeren Arbeitsplätze werfen.

In diesem Bereich konnten wir uns außerdem reichlich über die Firma Leitz informieren, denn die Unternehmensgeschichte war in einer anschaulichen Infografik an der Wand angebracht und es gab interaktive Touchscreens mit kurzen Filmen und weiteren Informationen und wunderbar gestaltete Schaukästen.

Beeindruckt war ich auch von den großen Glasvitrinen, in denen die „Stammbäume“ der Kameras und auch der Ferngläser zu sehen waren. Mehr als 400 Exponate zählen sie. Der Rundgang wurde durch eine „Mini-Ausstellung“ von Sofortbildern abgerundet, die mit der Leica Sofort entstanden sind und die ich ebenfalls auf der Photokina gesehen hatte. Hier war es für mich auch wieder schön, das bereits Gesehene noch einmal neu zu entdecken, vor allem, weil man an das kleine Format ganz dicht herangehen konnte und musste.

Gleich an diesen Bereich anschließend befindet sich der Leica Store, dem wir auch einen Besuch abstatten wollten. Dort kann man sowohl Kameras, Objektive und anderes Zubehör, als auch T-Shirts, Poster und Bücher kaufen.

Es gibt dort auch ein Fotostudio, zu dem ich allerdings nichts sagen kann, da ich nur davon gelesen habe. Nachdem wir einige Zeit im Store verbracht hatten, Bekannte getroffen und ein wenig in den Büchern geschmökert hatten, machten wir uns zum Abschluss noch auf ins Café Leitz, um den Nachmittag bei Kaffee und Kuchen ausklingen zu lassen.

Alles in allem hat sich der Besuch wirklich gelohnt und ich kann jedem Fotobegeisterten empfehlen, die Leica Erlebniswelt einmal selbst zu erkunden. Beim nächsten Besuch werden wir auf jeden Fall mal eine Führung mitmachen und an einem Wochentag kommen, um die Fertigung zu sehen.

Ähnliche Artikel

4 Kommentare

Schreibe einen Kommentar zu Klaush – abbrechen –

Netiquette: Bleib freundlich, konstruktiv und beim Thema des Artikels. Mehr dazu.

  1. Schöner Einblick in die Leica Erlebniswelt! Bisher habe ich es nur bis in die Leica Galerie in Frankfurt geschafft (auch immer einen Besuch wert). Habe Wetzlar jetzt schon mal für einen Wochenendausflug notiert!

  2. Wir alle wissen, dass gendern totaler Mist ist. Aber wenn schon gendern, dann auch komplett:
    „Alles in allem hat sich der Besuch wirklich gelohnt und ich kann jedem Fotobegeisterten empfehlen, die Leica Erlebniswelt einmal selbst zu erkunden.“

    Höre ich gar keinen Aufschrei der weiblichen FOTOBEGEISTERTEN? Hier muss es politisch korrekt heißen: jedem/jeder Fotobegeisterten.

    Da sieht man deutlich, wie sinnvoll diese Genderei ist.

    • Klaush, man kann Texte durch unzählige Varianten und Optionen, denen man in der Welt grammatisch korrekt und individuell begegnen müsste, auch bis zur völligen Unlesbarkeit treiben. Ich habe noch in der Schule gelernt, dass 3. Person maskulin als allgemeingültige, „unspezifische“ Form angesehen werden kann. Lese ich „Fotografinnen“, denke ich nur an Frauen, Männer sind ausgeschlossen. Irgendjemand hat in den letzten 20 Jahren wohl beschlossen, dass das unerträglich sei. Dann gab es plötzlich ausweichend „Studierende“ anstelle von „Studentinnen und Studenten“, sonst wird man ja nicht mehr fertig. Ist das nun ein Entwurfsfehler in der deutschen Sprache, der im englischen längst behoben wurde, oder nutzen wir unsere Sprache nur falsch, oder unnötig kompliziert? Sternchen und Großbuchstaben mitten im Wort sind natürlich Rechtschreibfehler, die dann so richtig auffallen.

      Dennoch muss ich dem Artikel inhaltlich zustimmen! Ich war kurz vor Weihnachten selbst dort, mit meinen Eltern. Auch dann stand die Produktion leider still. Ich fand an den Schaukästen vor allem die aufgesägten Kameras und Objektive interessant, sowie die einzelnen Komponenten wie Sensoren und Linsen. Wann sieht man schonmal, was in diesen schwarzen Gehäusen tatsächlich drinsteckt.