31. Oktober 2015 Lesezeit: ~6 Minuten

Eine Frage, viele Antworten – Teil 7

Nach der Fotosession geht es an die Bildbearbeitung. Das ist kein neues Phänomen, sondern das war schon vor Jahrzehnten so. Damals war es ganz normal, dass die Dunkelkammerarbeit abgegeben wurde und der Fotograf oft nur Anweisungen gab. Heute wird diskutiert, ob man die Nachbearbeitung selbst machen müsse. Wir haben zehn Fotografen nach ihrer Meinung gefragt: Würdest Du die Nachbearbeitung Deiner Bilder an andere weitergeben?

 

Ein Frau mit einem Kleid aus Pfauenfedern

Jürgen Angelow, Mode- und Beautyfotograf

Nein, das würde ich nicht, jedenfalls zur Zeit nicht. Vielleicht auch, weil ich noch keinen Nachbearbeiter gefunden habe, der meinen Look genau nachempfindet. Ich möchte die Kontrolle von der Idee bis zur Endbearbeitung behalten. Alles muss aus einem Guss sein. Als Fotograf entscheide ich nicht nur über die Zusammensetzung des Teams (Styling, Make-up, Modelle), sondern auch über Location, Einstellungen und so weiter. Die letzten Entscheidungen dann anderen zu überlassen, geht nur, wenn man sich wirklich sicher sein kann, dass da Leute am Werk sind, die sehr viel Einfühlungsvermögen besitzen und nicht nur zeigen wollen, was sie selbst drauf haben.

 

Ein Hochzeitspärchen am Tisch lacht.

Nancy Ebert, Hochzeitsfotografin

Nein. Dazu ist es mir viel zu wichtig und macht mir auch viel zu viel Spaß. Nachbearbeitung ist für mich Entspannung pur. Wenn ich die Wahl hätte zwischen Bildbearbeitung und Feierabend, würde ich immer die Bildbearbeitung wählen. Meistems sitze ich schon am nächsten Abend nach der Hochzeit am Rechner und bearbeite die Bilder. Das geht mittlerweile auch richtig fix. Für eine 12-stündige Hochzeitsreportage brauche ich von der Bildauswahl bis zum fertigen Ergebnis ungefähr sechs Stunden.

 

Ein Hochzeitspaar hinter einer Scheibe küsst sich

Carmen und Ingo, Hochzeitsfotografen

Ja, das tun wir auch. Bei einem derart hohen Bildaufkommen pro Woche, Zeit für die Familie und Reisen durch ganz Europa haben wir mit Pro Image Editors einen ausgezeichneten Partner an der Seite, um für unsere Kunden zeitnah und in der gewohnten Qualität auch zu Spitzenzeiten da sein zu können. Kleine Sessions und etwa 15 % der Bilder einer Hochzeit machen wir aber selbst, da dies wichtig für unseren Workflow nach der Hochzeit ist.

 

Ein Frauenportrait mit Lensflares

Martin Neuhof, Portraitfotograf

Letztlich gab es darum ja eine sehr große Diskussion mit dem Tenor „Wer professionell arbeitet, muss auch die Bearbeitung herausgeben“. Ich sehe es eben nicht so. Meine Bilder, mein Herzblut und meine Bearbeitung. Die Leute kaufen ja auch teilweise Deinen Stil mit ein und sobald jemand anderes mein Bild bearbeitet, ist es zumindest für mich,auch nicht mehr mein Bild, sondern eine Kooperation zweier Menschen, des Bildbearbeiters und des Fotografen. Da ich aber selbst gelernter Grafiker bin, möchte ich diesen Schritt, der mir selbst auch unheimlich viel Spaß macht, nicht aus den Händen geben.

 

Eine Hand und ein Vogelkäfis auf einem blütenbedeckten Boden

Lisa Hantke, Peoplefotografin

Das kommt ganz darauf an. Für „normale“ Portraitsessions oder Hochzeitssessions: Nein. Geht es um Aufträge mit übermäßig vielen Bildern, Aufträge mit Zeitdruck oder Aufträge, die im Nachhinein als riesiges Plakat irgendwo hängen und auf denen man dann jeden Krümel sieht, würde ich nicht ausschließen, die Fotos an Dienstleister zu geben, die auf den jeweiligen Fall spezialisiert sind. Bisher hatte ich so einen Fall allerdings noch nicht.

 

Ein Mann mit grünem Glitzer

Silke Schlotz, Fashionfotografin

Ich habe das bereits ausprobiert, aber es hat sich komisch angefühlt, eine andere Handschrift in meinen Bildern zu sehen. Ich liebe Retusche und es fehlt mir etwas, wenn ich sie nicht selbst mache.

 

© Michael Omori Kirchner

Michael Omori Kirchner, Business-Fotograf und Trainer

Grundsätzlich ist das für mich gar kein Problem, auch wenn ich im Moment die allermeisten Fotos selbst bearbeite. Das ist aber eher ein Abwicklungsthema. Die meisten meiner Aufträge sind sehr individuell. Bis ich da jemandem erklärt habe, wie ich es haben möchte, habe ich es auch selbst erledigt. Ich glaube, eine Fremdvergabe ist insbesondere dann sinnvoll, wenn man eine größere Menge relativ ähnlicher Fotos zu bearbeiten hat.

Freistellpfade für Produktfotos habe ich beispielsweise bereits fremd vergeben. Das ist eine Fitzelarbeit, die ich nicht unbedingt selbst machen muss.

 

Eine Frau an ein Bäumchen gelehnt

Pascal Triponez, People- und Fashionfotograf

Bisher war das bei meinen Arbeiten kein Thema. Ich kenne meine Fähigkeiten und bin da sehr hartnäckig, bis ich das gewünschte Ergebnis erzielt habe. Bei der Feinretusche vertraue ich aber gern auch mal auf die Fähigkeiten anderer. Gerade die Fashion-Fotografie verzeiht wenig. Da kann eine einzige Falte im Kleid zum Problem werden. Ich bin froh, in diesem Bereich auf Unterstützung zählen zu können, sollte ich an einem Punkt mal nicht weiterkommen. Die Bildbearbeitung komplett in andere Hände zu geben, ist für mich zum momentanen Zeitpunkt aber nicht vorstellbar.

 

Ein Hochzeitspärchen vor einem blühenden Baum.

Stefanie Fiegl, Baby- und Hochzeitsfotografin

In den langen Nächten der Nachbearbeitung habe ich schon oft davon geträumt – es jedoch noch nicht gewagt. Ich finde es eine super Option, da es schon viele Anbieter gibt, die die Bilder getreu des eigenen Stils bearbeiten. Ich denke, man kann es vergleichen mit einem Fotostudio mit mehr als einem Mitarbeiter: Durch gute Kommunikation bringt man sich auf ein Niveau und versucht, so gut es geht, miteinander zu arbeiten. Es gibt bereits einige professionelle Nachbearbeitungsagenturen. Ich hoffe, dass ich mich schon bald davon überzeugen lassen kann.

 

Ein Hochzeitspaar beim Kuchenanschnitt

Alex Ginis, Hochzeitsfotograf

Ich würde lügen, wenn ich nein sagen würde. Das ist ein ganz normaler Vorgang, dass man als Fotograf gewisse Prozesse auslagert und ich habe es auch mehrere Male versucht. Leider war ich bisher noch nicht voll und ganz von der Qualität überzeugt, auch wenn die Zeitersparnis so lukrativ wäre. Unter Hochzeitsfotografen herrscht oft die Meinung, dass man die „Grund“-Bearbeitung sowieso selbst qualitativ besser hinbekommt. In anderen Branchen wie etwa in der Produktfotografie oder Fashionfotografie ist es aber gang und gäbe, dass der Fotograf die Bildbearbeitung einem Profi überlässt.

 

Es geht bei dieser Serie nicht darum, eine allgemeingültige Antwort zu finden. Sie soll die verschiedenen Perspektiven aufzeigen und zum Nachdenken anregen. Am Ende muss jeder für sich entscheiden, wie er die Nachbearbeitung seiner Bilder handhabt. Wir hoffen, die verschiedenen Antworten helfen Euch dabei.

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2 Kommentare

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  1. Für mich als Amateur Fotograf klingt das erst mal befremdlich seine Bilder an Bildbearbeiter abzugeben damit andere (fremde die mich nicht kennen ) meine Bilder bearbeitet. Irgendwie entsteht bei mir das Gefühl das es dann nicht mehr meine Bilder wären…
    Als Profi kommen neben der Leidenschaft zu Fotos noch Finanzielle und zeitliche Aspekte mit ins Spiel, in diesen Fall kann ich die Beweggründe schon nachvollziehen. Immerhin erkauft man sich wieder Zeit um z.B was mit der Familie zu unternehmen.

  2. Ich finde es schade, dass es keine Antwort von Steffen „Stilpirat“ Böttcher bei euch gibt, der geradezu begeistert von der Bildbearbeitung in Indien erzählt. Die Fotos würden auf den Punkt so bearbeitet, als würde er es selbst machen. Einen Bericht dazu findet ihr auf seinem Blog.