24. Oktober 2015 Lesezeit: ~6 Minuten

Eine Frage, viele Antworten – Teil 6

Für Außenstehende sind die Preise für ein Fotoshooting schnell nicht nachvollziehbar. Und in kaum einem anderen Diensleitungsgewerbe wie der Fotografie wird so oft versucht, zu feilschen. Wir haben deshalb einige Berufsfotografen gefragt: Wenn sich Kunden über die Preise beschweren, was sagst Du ihnen?

 

Ein Hochzeitspaarportrait mit Reflektionen

Alex Ginis, Hochzeitsfotograf

In den meisten Fällen wird die Empfindung für einen Preis immer unter dem tatsächlichen Preis liegen, wenn man sich mit der Materie nicht im Detail auskennt – das ist das Standardproblem bei Dienstleistungen, vor allem in der kreativen Branche. Daher ist es verständlich und berechtigt, dass Kunden Preise hinterfragen.

Allerdings bin ich der Meinung, dass der Fotograf sich nicht jedes Mal rechtfertigen muss. Viel mehr ist es für den Fotografen wichtig, „Vorsorgemaßnahmen“ zu treffen, bevor man auf das Thema Preis zu sprechen kommt. Der Kunde soll ausführlich informiert werden, für was er sein Geld ausgibt und wie umfangreich der Job des Fotografen eigentlich ist. Erst dann ist es sinnvoll, über die Investition zu sprechen und eine gemeinsame Lösung zu finden. Die Erkenntnisse, die man in einem persönlichen Gespräch gewonnen hat, tragen auch indirekt zur Wertschätzung der Arbeit der Fotografen bei.

 

Ein Hochzeitspaar

Stefanie Fiegl, Baby- und Hochzeitsfotografin

Auf keinem anderen Weg kann der Kunde seine Stimmung schneller und besser äußern als durch die direkte Beschwerde. Hier steckten für mich viele Information über das Paar drin. Diese Beschwerde kann ja nur beim Gespräch vor der Hochzeit stattfinden, bei dem ich dem Paar unterbreite, was meine Dienste sie kosten würden.

Ich kann sehr gut nachvollziehen, dass es machen Kunden nicht einleuchtet, warum man „für ein paar Fotos“ (kommt meistens aus dem Mund des Bräutigams) so viel bezahlen muss. Mir geht es ganz ähnlich, wenn ich mein Auto in die Reparatur gebe und danach eine Rechnung erhalte. Wenn ich das Paar aufgeklärt habe, wie so manche Kosten zustande kommen, ernte ich meist verständnisvolle Blicke und einen Auftrag.

 

Ein Neugeborenes

Christine Oppe, Kinder- und Familienfotografin

Damit sich Kunden nicht über die Preise beschweren, informiere ich sie von Anfang an über meine Preisstruktur. Ich zähle zu den höherpreisigen Fotografen in meiner Gegend, trotzdem habe ich keine Beschwerden darüber. Meine Kunden erkennen schnell, was sie mit dem höheren Preis an Qualität, Kundenservice, Professionalität und hochwertigen Fotoprodukten bei mir erhalten.

Wichtig ist allerdings auch, sich mit seinen Preisen selbst wohl zu fühlen. Am Anfang hatte ich auch Kunden, die versucht haben, den Preis zu drücken. Seitdem ich selbst sicherer damit auftrete, passiert mir das nicht mehr. Natürlich habe ich auch Anfragen von Leuten, denen ich zu teuer bin. Dann ist das so und dann bin ich halt nicht die passende Fotografin für sie.

 

Ein Frauenportrait mit Sommersprossen

Caroline Zenker, Portrait- und Sedcardfotografin

Es sind generell nicht viele, die das tun. Denen, die sich allerdings beschweren, sage ich dann meistens nichts mehr oder bitte sie, sich an jemand anderen zu wenden. Der Aufwand ist dem Großteil der Kunden ja doch nicht klar und bei einigen stößt man da schnell auf Unverständnis oder bekommt patzige Antworten.

Bei diesen Menschen ist es schwierig, ja geradezu entkräftend, zu diskutieren oder zu versuchen, Verständnis zu schaffen. Manche ziehen auch direkte Vergleiche zu Studioketten und fragen mich dann, wieso das denn bei mir mehr kostet als das komplette Set von Studio X für 29 €. Meistens ist die Antwort darauf dann sehr simpel: Gehen Sie doch bitte zu Studio X.

 

Eine Braut mit Blumen im HaarEine Braut

Nancy Ebert, Hochzeitsfotografin

Ich sage ihnen, dass es mit leid tut und es dann wohl leider nicht passt. Dass sich jemand über meine Preise „beschwert“, passiert aber eigentlich nie. Es gibt natürlich häufiger Rückmeldungen potentieller Kunden, dass mein Honorar nicht in ihr Budget passt. Aber dann ist das halt so. Es gibt immer jemanden, der es günstiger macht. Ich habe jedoch Glück, dass es auch viele Paare gibt, die nur mich und niemanden sonst buchen möchten. Und diese Kunden zahlen auch gern eine höhere Gage.

 

Eine Frau mit weißem Kleid in einer surrealen Umgebung

Jamari Lior, Portraitfotografin

Beschwerden gibt es nicht, aber ab und zu Schülerinnen und Studentinnen, die enttäuscht sind, dass sie sich eine Fotosession nicht leisten können. Oft findet man aber eine Möglichkeit, dass die Kundin zum Beispiel eine auch für mich interessante Location oder ein spannendes Kostüm organisiert, sodass am Ende alle glücklich sind.

 

Ein Kinderportrait

Tanja Wesel, Hochzeits- und Portraitfotografin

Bislang ist es mir nicht passiert, dass ein Kunde sich über meine Preise ernsthaft „beschwert“ hat. Es gibt natürlich den einen oder anderen, der den Preis nicht versteht oder vielleicht auch einfach nicht bezahlen „kann“. Schöne Bilder von sich zu haben, bleibt nach wie vor in meinen Augen ein bisschen Luxus. Man muss es respektieren, wenn jemand empfindet, dass man zu teuer ist. Schöner ist es natürlich, wenn jemand Deine Arbeit zu schätzen weiß. Das Ergebnis ist letztlich das, was zählt und über gute Qualität kann man sich nicht „beschweren“.

 

Eine Braut mit Brautjungfern

Hanna Witte, Reportage- und Peoplefotografin

Ich denke, da gibt es keinen Grund zu. Ich zwinge schließlich niemanden, mich zu buchen und über die Preise sollte man auf jeden Fall vor der Buchung sprechen. So hat jeder die Wahl. Viele Kunden sehen oft nur die Spitze des Eisbergs. Die Zeit, in der ich vor Ort Bilder mache, ist leider nur ein kleiner Teil meiner Arbeit. Viele vergessen die Zeit, die man für E-Mails, Buchhaltung, Retusche der Bilder und so weiter benötigt. Auch professionelles Equipment darf nicht vergessen werden. Die Kunden sollten schauen, wie ihre Ansprüche und Erwartungen an die Bilder sind und sich dann den passenden Fotografen dazu suchen. Eigentlich wie bei allen anderen Produkten oder Dienstleistungen auch.

 

Decken sich die hier beschriebenen Erfahrungen mit Euren? Erzählt uns gern Eure eigene Meinung zum Thema in den Kommentaren. Und wer eine Frage für unsere Fotografen hat, darf sie dort auch gern für einen nächsten Artikel dieser Serie formulieren.

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4 Kommentare

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    • 2500$ für schnelles Internet? 208$ im Monat?
      720$ für die WebSite? (bei dem Preis für die Internetanbindung kannst du wascheinlich einfach nen Server in deinen Keller stellen und selbst hosten…) (Und nochmal 400$ im Jahr für Online Foto Backups? )
      900$ für die neue Version vom kompletten Adobe Bums? (PS und Lightroom CC gibts zusammen für 120€ im Jahr…)

      Ok, der Artikel is von 2012, what do i know. Fühlt sich nur auf den ersten Blick an als wären da einige posten am Start die sich ganz gefählich streamlinen lassen. Und das sind nur die die mir ins Auge fallen, da gibts auch diverse posten mist denen ich mich nicht auskenne (z.b. die Autoversicherung für 200$ im Monat?).

  1. In meiner beruflichen Zeit als Fotograf habe ich diese Preisdiskussionenn immer schnell abgewürgt (freundlich, aber bestimmend). Wenn ich einem potentiellen Kunden nichts Wert bin, dann benötigt er auch meine Dienstleistung nicht!

    Anfragen wegen Rabatten kamen allerdings eher selten… oftmals mit einem direkten Vergleich zu einem der typischen Foto-Discounter aus den Shopping-Mall’s…