01. September 2015 Lesezeit: ~7 Minuten

Schwarzweißes Trennbild – Ein Nachruf

Seit Mitte der achziger Jahre produziert Fujifilm Instantfilme. Nachdem das Patent der Firma Polaroid auslief, ergriff Fujifilm die Möglichkeit, Packfilme herzustellen. Spätestens, als Polaroid vor einigen Jahren die Produktion einstellte, sind die Fujifilme zu einer beliebten Alternative für Polaroidkameras und andere Modelle mit Rückteilen für Trennbildfilm geworden.

Die Produktion des beliebten Fuji FP-100 B wurde leider 2010 eingestellt, also nur zwölf Jahre nachdem Sofortbildfilme der Marke außerhalb Japans eingeführt wurden. Die letzten verbliebenen Varianten waren somit der Schwarzweißfilm FP-3000 B* und der Farbfilm FP-100 C*. Ende 2013 kündigte Fujifilm an, die Produktion des verbliebenen Schwarzweißfilms ebenfalls einzustellen. Eine Petition, mit der Liebhaber des Films den Hersteller dazu bewegen wollten, die Entscheidung noch einmal zu überdenken, brachte keinen Erfolg.

Das Statement, das dazu auf der Website von Fujifilm zu finden ist, lässt auch erahnen, was neben der sinkenden Nachfrage zur Einstellung der Produktion geführt hat: Fujifilm sieht die Zukunft der Sofortbildfotografie in seiner Instax-Reihe*. In der Ankündigung, die das Ende des Films FP-3000 B betrifft, wird direkt darauf hingewiesen, dass neben dem letzten Trennbildfilm die Instax-Kameras und -Filme weiterhin hergestellt werden.

Für mich persönlich sind die Instax-Modelle, auch wenn sie Spaß machen, keine Alternative zu den Trennbildfilmen, die ich in meiner Polaroid Land Camera 250 verwende. Vor allem der FP-3000 B hat mich immer wieder begeistert. Durch die Kontraste und die Vielseitigkeit, die sich aus der Empfindlichkeit von IS0 3000 ergeben, habe ich den Film in den unterschiedlichsten Lichtsituationen zu schätzen gelernt.

In der Hoffnung, dass Trennbildfilme nicht ganz von der Bildfläche verschwinden werden, habe ich einige Fotografen gefragt, warum sie mit dem FP-3000 B arbeiten.

 

Doppelbelichtung PortraitDoppelbelichtung Portrait

Ich begann 2011 damit, diesen Film zu verwenden. Da ich hauptsächlich in natürlichem Licht arbeite, ist er ideal für mich. Die hohe Empfindlichkeit macht daraus einen passenden Film für schwierige Lichtverhältnisse. Leider wird er nicht mehr produziert. Ich werde daher aufhören, die Typ-100-Filme zu verwenden und auf die Produkte des Impossible Projects umsteigen. Trotz der stetig steigenden Preise für silberhaltige Filme werde ich sie weiter benutzen. Sie erlauben mir, mich wirklich in ein Bild hinein zu versetzen.

Erwan Bela

 
Ein Kind lehnt auf einem Poller

Als ich anfing, den Fuji FP-3000 B zu benutzen, fühlte ich mich nicht wohl damit. Ich hatte Schwierigkeiten, mit Hilfe des Lichtmessers die korrekte Belichtung zu finden und der Dynamikumfang schien, verglichen mit dem FP-100 B, geringer zu sein. Damals war FP-100 B noch verfügbar, so dass ich am Ende immer dazu tendierte und den FP-3000 B nur benutzte, wenn es unbedingt nötig war, also in sehr dunklen Lichtsituationen. Als der FP-100 B von der Bildfläche verschwand, begann ich, den FF-3000 B richtig zu nutzen. Jemand riet mir, ihn auf ISO 6400 zu messen, was mir sehr half.

Ich kann damit nachts ohne Blitz fotografieren und dank meiner Polaroid 195 mit ihrer Blende von f/64 auch in hellem Tageslicht. Ich finde ihn heute sehr vielseitig. Als der FP-100 B auslief, war ich nicht darauf vorbereitet, aber dieses Mal habe ich einen Vorrat an FP-3000 B im Kühlschrank, der jahrelang halten wird.

Carlos Albisu

 
Ein Haus am Ende eines Wegs

Man ist gezwungen, innerhalb der Grenzen der Ästhetik des Films zu arbeiten, anstatt in einer Dunkelkammer zu entwickeln oder am Computer zu bearbeiten. Man drückt den Auslöser und ist direkt mit diesem unmittelbaren, physischen Zustand konfrontiert. Das kann sehr viel über die Entscheidungen verraten, die man als Fotograf trifft.

Justin Ollevier

 

Gescanntes Negativ von BäumenGescannte Negative von Bäumen

Als ich den FP-3000 B vor einigen Jahren zum ersten Mal mit meiner Polaroid 420 benutzt habe, hat er mich mit komplett überrascht. Und dies aus zwei Gründen:

Man kann mit diesem Film sehr gut in schwierigeren Lichtsituationen fotografieren, er kommt bestens mit weniger Licht zurecht und bildet auch Motive mit starkem Hell-Dunkel-Kontrast sehr gut ab … ohne dass man sich groß den Kopf zerbrechen müsste. Ich nehme den Film daher besonders gern auf meine Streifzüge durch den Wald mit.

Durch Zufall habe ich dann das eigentliche Highlight des FB-3000 B entdeckt, das wunderbare Negativ. Man kann es nach dem Trocknen scannen, in Photoshop entwickeln und erhält so ein zweites, noch detailreicheres Bild mit einem ganz eigenen, altmodischen Charme. Und sollte es unterwegs mal auf den Waldboden gefallen sein … keine Panik, man kann es später unter lauwarmes Wasser halten und abwaschen.

Schade, dass dieser tolle, vielseitige Film jetzt ausläuft. Ein herber Verlust für alle Polaroidfans!

Susanne Klostermann

 
Landschaftsbild auf mehreren Sofortbild Filmen

Ich liebe alles an diesem Film. Das sanfte Korn, die Töne, die er in schwachem Licht produziert und seine Anpassungsfähigkeit an verschiedene Verwendungszwecke.

Daniel Akridge

 
Zwei Schwarzweiß Portraits junger Frauen

Ich nutze den Film sehr gern, weil er auch bei schlechten Lichtverhältnissen genutzt werden kann und weil es mir Spaß macht, gemeinsam mit der fotografierten Person die Ergebnisse direkt im Anschluss zu betrachten. Ein weiteres Plus ist, dass man die entstanden Fotos auch direkt verschenken kann.

Normen Gadiel

 
Ein Surfer am Strand

Eines der Hauptmerkmale, die ich an dem Film mag, sind die tollen Hauttöne. Zusammen mit der hohen Empfindlichkeit bekommt man so auch bei Innenaufnahmen mit natürlichem Licht wunderbare Portraits. Es wird sehr schade sein, wenn erstmal nichts mehr davon da ist.

Matt Smith

 
Schwarzweiß Landschaftsfoto

Durch den FP-3000 B war es mir möglich, eine alte Sofortbildkamera zu nutzen, die sonst nur in eine Aufbewahrungsbox verbannt geblieben wäre. Abgesehen davon, dass es der einzige Film war, der funktionierte, hat er schöne Grau-Schattierungen und eine Sanftheit, die meinen Landschaften schmeichelt. Die Qualität dieses Films, zusammen mit der Magie der Sofortbildfotografie haben mich dazu motiviert, eine Kochkamera speziell für diesen Film zu bauen. Eine Box aus Schaumstoff, Klebeband und Gummibändern wurde so für mich zur besten Kamera, um den FP-3000 B zu nutzen. Es stimmt mich traurig, dass der Film nicht mehr produziert wird.

Allie Mount

 
Noch sind Restbestände ausreichend verfügbar, aber die Preise steigen natürlich immer weiter. Polaroidliebhaber kennen die Suche nach abgelaufenen Überresten zu hohen Preisen. Viele Händler haben den Film inzwischen aus dem Programm genommen, andere führen ihn derzeit noch zu üblichen Preisen. Man kann sich zwar einen Vorrat anlegen, aber auf Dauer wird das auch kein Trost sein. Es wird diskutiert, ob das Impossible Project die Lücke schließen kann und will.

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1 Kommentar

Die Kommentare dieses Artikels sind geschlossen. ~ Die Redaktion

  1. Die Packfilme von Fujifilm sind auch für mich nicht mit den Trennbildfilmen zu vergleichen. Mir wird der FP-3000 B sehr sehr fehlen und ich hoffe insgeheim, dass bald ein Kickstarter Projekt startet und eine neue Variante des Schwarzweißfilmes produziert wird … Bis dahin werde ich für meine umgebaute Plattenkamera den fp-100c verwenden.
    Danke für den tollen Überblick!