09. Juni 2015

Beengt leben

Die Japaner sind für die effiziente Nutzung von kleinen Wohnbereichen bekannt, eine Notwendigkeit bei der hohen Bevölkerungsdichte. Ich selbst empfinde oft die gebärmutterähnlichen Eigenschaften dieser Räume als tröstlich, nicht beschränkend.

Dieses Gefühl ist es, das mich zum Thema dieser Portraits führte. Es zeigt die Bewohner von dem, was man am besten als Gästehaus für Rucksacktouristen in Tokio beschreiben könnte. Die Räume sind eine Art reduzierte Version der bekannten „Kapselhotels“, die oft von japanischen Geschäftsleuten für kurzfristige Aufenthalte genutzt werden.

Eine von mehreren solcher Einrichtungen in der Stadt ist dieses Bare-Bones-Hotel, das eine Etage eines Bürogebäudes einnimmt. Es besteht aus ein paar Fluren, entlang derer der Inhaber winzige Wohnfächer gebaut hat, nicht größer als ein paar Fuß, keines mit genügend Raum, um aufrecht zu stehen. Getrennt nur durch dürftiges Sperrholz, haben die Räume ohne Fenster oder Türen nur einen Vorhang am Eingang für die Privatsphäre.

Einige der Menschen auf diesen Bildern, die ich von ihrem Besitz umgeben dargestellt habe, halten sich nur für eine relativ kurze Zeit dort auf. Sie kommen zu einem Besuch nach Tokio, warten auf einen Job, um durchzukommen oder sparen Geld für einen besseren Ort zum Leben. Für andere Bewohner sind diese winzigen Kabinen im Wesentlichen feste Wohnungen.

Eine Frau sitzt auf einem Bett eines winzigen Raumes.

Ein mann mit Kopfhörern liest auf einem Bett.

Eine Frau mit Schutzmaske, schreibt in ein Notizbuch.

Ein mann mit Laptop auf einem Bett.

Eine Person in einem winzigen Zimmer voller Gegenstände.

Ein Mann mit Handy auf seinem Bett liegend.

Ein Mann mit Laptop im Bett.

Ein Mann in einem winzigen Holzzimmer.

Ein Mann schläft in einem winzigen Zimmer.

Eine Person mit Handy liegt auf einem Bett in einem vollgestellten Zimmer.

Mich interessiert an den entstandenen Portraits vor allem, wie jeder Bewohner den engen Platz für sich nutzt. Einige Innenräume sind sehr spartanisch eingerichtet, vielleicht von den Leuten bewohnt, die nur für kurze Zeit bleiben. Andere sind voller Besitztümer, oft komplett mit hängenden Kleiderschränken und improvisierten Bücherregalen – oft sogar dekoriert.

Einige davon sind sauber und ordentlich, andere chaotisch, die persönlichen Gegenständen überall verstreut. In jedem Fall erzählen die sehr begrenzte Räume und ihre Inhalte etwas über die Persönlichkeit ihrer Bewohner und ihre Fähigkeiten, in einer solch seltsamen, geschlossenen Umgebung zu funktionieren.

Dieser Artikel wurde für Euch von Katja Kemnitz aus dem Englischen ins Deutsche übersetzt.

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12 Kommentare

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  1. Beeindruckende Bilder!

    Ich finde ja gerade wir Europäer sind einfach nur verwöhnt geworden und sowas kann auch schnell nach hinten losgehen.

    Ich versuch das derzeit auf ein Minimum zu reduzieren, sprich Besitztümer auf ein Minimum senken, minimalistisch leben usw usf.
    Manchmal ist weniger eben mehr – so wenig Platz will ich dann lieber doch nicht haben.

    Hast du eine Idee wieviel so eine “Kammer” monatlich kostet? Das fände ich mal interessant zu wissen :)

    lg

  2. Achduscheise, war mein spontaner Gedanke beim Anblick der Bilder und Lesen des Artikels.

    Als Klaustophobiker würde ich in so einer niedrigen und fensterlosen Kiste durchdrehen. Aber vlt. ist das die letzte Konsequenz menschlichen Handels: Nachdem wir milliardenfach Tiere in engen Batterien bis zur endgültigen Verwertung aufberwahren und die Erde immer stärker kommerzialisieren, könnte man das zynischerweise als konsequente Behausungen für die Arbeiterklasse von morgen betrachten. Ein privates soziales Leben ist hier nicht mehr möglich.
    Angesichts des Gebotenen finde ich die Preise übrigens echt heftig.

    • In vielen Fällen ist ja bereits Realität, was du ansprichst, Oliver. Beispielsweise in Sklavenbetrieben der Textilindustrie. Wo ArbeiterInnen zum Besitz des Betriebs gezählt werden, trifft die entmenschlichte Behandlung von Menschen nicht nur auf die Wohnsituation zu.
      Allerdings kann man bei den hier gezeigten Räumen immerhin noch von Privatsphäre sprechen.

      • Interessanter Punkt. Bei so Sperrholzplatten bekommt dein Nachbar aber immer mit, mit wem du über was telefonierst und was für Musik du hörst. Für mich hört da die Privatsphäre auf.

  3. Die gemütliche Enge tritt in den Bildern schon beeindruckend in den Vordergrund.

    Privatsphäre stand beim Konzept dieser Schuhkartons sicher nicht ganz oben auf der Liste. Da will ich gar nicht wissen, wie fünf Nachbarn rechts und links schlafen, wenn der in der Mitte nachts schnarcht.

  4. Wenn man mal in Asien gelebt hat, weiß man, wie verwöhnt und anspruchsvoll wir hier sind. Als Europäer wundert man sich, dass Asiaten in den Metropolen wie Hongkong, Tokyo usw. so oft auswärtig essen, diese Bilder machen deutlich, warum. Tolle Serie!

  5. Blogartikel dazu: Won Kim Shows What It Means To Live In A ‘Small’ Space | iGNANT.de

  6. Vielen Dank für diesen überaus interessanten Beitrag. In unserer Gesellschaft kann man sich kaum vorstellen, in so einem Zimmer zu wohnen. Selbst kleine Hotels bieten wesentlich größere Zimmer. Interessant, einen kleinen Einblick ins Leben dieser Menschen zu bekommen.