27. März 2015 Lesezeit: ~13 Minuten

kwerfeldein diskutiert: Die Grenzen der Kunst 

Die Serie „Preservation“ des Fotografen Blake Little sorgte in den vergangenen Tagen für Diskussionen rund um das Thema Ethik vs. Kunst. Wo darf oder muss Kunst gesellschaftliche Grenzen überschreiten? Wo sind der Kunst Grenzen gesetzt? Welches Maß an ethischer Reflexion ist angebracht?

Chris: Die Bilder sind zwar vom ästhetischen Standpunkt aus betrachtet stark, in der Gesamtheit spielt aber mehr in die Betrachtung hinein: Kunst darf sich viel heraus nehmen, weil von ihr viel erwartet wird. Kunst sind also unter Umständen Grenzübertretungen erlaubt, die sonst gesellschaftlich oder rechtlich tabu sind.
Wenn ich das auf dieses Projekt beziehe, kommt Folgendes dabei heaus:

Konkret Stein des Anstoßes sind die Verwendung des Honigs als Ressource und das Übergießen von Baby und Hund. Man könnte nun meinen, zwischen der Verschwendung des Honigs und dem Titel „Preservation“ gäbe es eine Korrelation. Das aber scheint dem Künstler gar nicht aufgefallen zu sein. Es wird also von dem Privileg, sich unter dem Anspruch, Kunst zu machen, über Tabus hinweg setzen zu dürfen, Gebrauch gemacht, ohne dass jenes Tabu überhaupt thematisiert wird. Auch die Verwendung von Baby und Hund lässt sich nur unter dem Mantel der Kunst rechtfertigen.

In meinen Augen geht der Künstler einfach rücksichtslos mit Ressourcen und Lebewesen um. Er nimmt deren Schaden in Kauf, um sein Konzept zu verwirklichen und rechtfertigt es hinterher mit dem pauschalen Verweis auf die Freiheit der Kunst. Er nutzt also Freiräume der Kunst, wird dem Anspruch, diese Freiräume kritisch zu nutzen, aber nicht gerecht.

Gegenbeispiel: Die Entwendung der Mauerkreuze durch das Zentrum für politische Schönheit im Rahmen des Kunstprojekts zur EU-Asylpolitik. Hier gibt es eine klare Korrelation zwischen Tabu- bzw. Rechtsbruch und dem Sinn der Kunstaktion. Besonders fällt es natürlich auf, weil die „Opfer“ (ich überspitze bewusst) wehrlos sind. Das unterscheidet diese Aktion von all den Performance-Aktionen, in denen Menschen sich freiwillig Schaden zufügen lassen.

Sebastian: Ich würde das immer in Relation zum potentiellen oder tatsächlichen „Schaden“ sehen, der angerichtet wird – und der ist bei der Honigaktion aus meiner Sicht in keiner Weise gegeben. Der Gedanke „Bei der Aktion könnte doch auch etwas schiefgehen!“ ist mir nicht genug Rechtfertigung, um den Künstler einzuschränken, zumal es natürlich immer auch von Ergebnis abhängt, wie Du schon sagst. Interessant ist die Korrelation zwischen dem Ergebnis und der Legitimation. Ein besseres Ergebnis oder Kunst rechtfertigt wohl mehr Grenzüberschreitung. Und das Ergebnis ist hier sehr beeindruckend.

Und Honigverschwendung als Argument gegen diese Bilder halte ich dann eher für lächerlich. Damit muss man dringend vergleichen, welche Massen von Lebensmitteln von jedem beliebigen Supermarkt täglich weggeworfen werden, dann hat das keinerlei Relevanz mehr.

Chris: Für mich ist das ein bereits eingetretener Schaden. Das Baby mag vielleicht von der Mutter begleitet und bei Laune gehalten worden sein, aber ich bezweifle, dass eine solche Aktion bei einem Kind in dem Alter keine Angst hervorruft. Der Hund dagegen leidet, das meine ich schon im Bild erkennen zu können.

Auch die effektive Verschwendung der genauen Menge des verwendeten Honigs ist nicht der Punkt. Durch die Zweckentfremdung wird eine gewisse Verschwendung jedoch visualisiert. Honig und Bienen sind ein Thema, dass man nicht außer Acht lassen kann, wenn man Honig als Material verwendet. Ich stimme Dir zu: Ein gewisser Schaden kann durch den Sinn eines Ergebnisses gerechtfertigt werden. Aber nur mit erkennbarem thematischen Zusammenhang und der ist hier nicht gegeben.

Sebastian: Der Hund leidet aus meiner Sicht nicht, zumindest können wir das nicht erkennen. Er schüttelt den Honig halt ab, wie er es bei Wasser auch tun würde. Das ist eine natürlich Reaktion, die für mich eher nach Irritation aussieht. Zumal wir die „Gefühlswelt“ von Hunden überhaupt nicht beurteilen können. Aus der Ferne ist Leid aus meiner Sicht hier auf keinen Fall so einfach zu diagnostizieren.

Das zweite Argument mit der Zweckentfremung des Honigs wirkt mir sehr an den Haaren herbeigezogen, damit man die Bilder noch irgendwie anders angreifen kann, zumal Honig kein mit großen Ressourcen produziertes Lebensmittel ist, sondern quasi ein natürlich nachwachsender Rohstoff. Honig hat ja gar nicht den Zweck, Nahrungsmittel für den Menschen zu sein. Die Leute, die hier eine Zweckentfremung sehen, vergessen, dass Honig zu essen an sich schon eine Zweckentfremdung ist.

Martin: Honig ist aber für Bienen lebenswichtig. Dieser wird ihnen genommen und so sind die Ressourcen am Ende die Bienen selbst. An dieser Stelle begreife ich Honig als ein mit großen Ressourcen produziertes Lebensmittel und damit geht auch der Vorwurf der „Verschwendung“ einher. Was mir beim Projekt „Preservation“ fehlt, ist ein Bewusstsein für Metaphorik und Symbolik, denn die Aufnahmen kommunizieren auf mehreren Eben. Eine davon ist das, was Betrachter auf den ersten Blick sehen können: Herabfließender Honig, der in der Tat beeindruckend wirkt. Das allein ist aber bei Weitem nicht alles.

Chris: Das Aussterben von Bienenvölkern ist ein Problem. Klar, Honig ist kein Grundnahrungsmittel, aber dennoch keine überflüssige Ressource.

Ein Kind in dem Alter begreift nicht, was da passiert und ist sicherlich nicht erfreut. Da geht es ja auch gar nicht um körperliche Schäden, aber ich kann mir vorstellen, dass es eine enorme Angsterfahrung ist. Ähnlich wird es dem Hund ergangen sein. Honig lässt sich nun einmal nicht einfach abschütteln, als wäre es Wasser. Vor allem das Übergießen von Augen und Nase empfinde ich als Quälerei.

Die Serie spielt mit Provokation und strittigen Themen, geht diese aber inhaltlich nicht an. Die Provokationen sind damit nutzlos und haben meiner Meinung nach mit Kunst nichts zu tun.

Anne: Ich sehe das ähnlich. Ich denke sogar, der Honig wurde aus rein oberflächlich ästhetischen Gründen und ohne tiefere Überlegungen für dieses Shooting von Blake Little gewählt. Weil er klebt, weil er hell ist, weil er glänzt. Die Bedeutungsebenen, die bei diesem Rohstoff mitschwingen, werden nicht tiefer aufgegriffen.

Honig wurde hier ja nicht zum ersten Mal als Material in der Kunst verwendet. Aber Künstler wie beispielsweise Joseph Beuys verwenden Honig gerade wegen seiner Stellvertreterfunktion für die Bienen, die als enorm soziale und fleißige Wesen die Basis des Bienenstaates bilden. Also der Bienenstaat als Vorbild, wie ein funktionierender Organismus aussehen kann. Er reflektiert die Symbolik des Honigs und verweist in seinen Honig-Arbeiten auf Zusammenhalt und Gemeinschaft. Der Honig ist in seiner Kunst keine „Dekoration“ wie in dieser Serie, sondern eine bewusst gewählte Ausdrucksform, die dem Betrachter die Zusammenhänge einer Demokratie bewusst machen soll.

Little hingegen reflektiert in meinen Augen nicht und verschwendet diesen wertvollen Rohstoff achtlos. Da hätte er lieber ein künstliches Produkt benutzt, das hätte auf den Fotos genauso schön geglänzt.

Sebastian: Die Bedeutungsebene des Honigs wurde vielleicht vom Künstler nicht in irgendeiner „konsumkritischen“ Art reflektiert, aber doch hat er den Honig in ästhetischer Form in die Bilder eingebaut und der funktioniert als Material für die Serie aus meiner Sicht sehr gut. Mit keinem anderen Material außer Honig hätte man diese sehr originellen Bilder in dieser Form machen können, das ist für mich eine ziemlich klare Reflexion bezüglich der Materialität des verwendeten Rohstoffs.

Außerdem: Wenn man den Blick mal auf den Titel der Serie lenkt, dann scheint der Künstler ja schon zu wissen, welches Material er verwendet, er referenziert ja explizit auf Fossilien, die in organischen Materialien eingeschlossen und konserviert wurden und die Zeit überdauert haben. Das ist geradezu die Kernaussage der Serie.

Ich glaube nicht, dass man diese Bilder mit irgendeinem künstlichen Produkt in der gleichen Form nachstellen hätte können und selbst wenn es möglich gewesen wäre, dann hätte die Reihe nicht die Aufmerksamkeit bekommen, die uns jetzt dazu führt, das hier zu diskutieren. Ich meine: Ein großer Teil der Faszination der Bilder geht gerade von der Verwendung dieses natürlichen, organischen Materials aus, findet Ihr nicht?

Martin: Klar. Ich glaube aber nicht, dass Faszination allein alle Mittel heiligt. Das hat Grenzen und diese sind meiner Meinung nach deutlich überschritten. Was sich in dieser Diskussion deutlich herauskristallisiert, ist, dass verschiedene Menschen an unterschiedlichen Stellen diese Grenze ziehen. Ich provoziere mal Dich, Sebastian: Wäre es für Dich in Ordnung, tote Bienen zu benutzen, wenn hinterher das Kunstwerk faszinierend wäre und man durch nichts anderes als Bienen diesen Effekt herstellen könnte?

Sebastian: Hm. Meine kurze Antwort: Ja. Meine lange Antwort: Natürlich nur, wenn dafür nicht extra Tiere getötet wurden oder leiden mussten. Da würde ich für mich selbst eine Grenze ziehen, wobei das natürlich wiederum auch sozialkritisch sein kann (Stichworte: Kostüme aus Fleisch, Installationen mit Schmetterlingen, konservierte Haifische oder ähnliches), wovon es ja in der Kunstgeschichte an Beispielen nur so wimmelt.

Für mich wirkt dieser spezielle „Skandal“ schon ein bisschen so, als würde die allgegenwärtige Facebook-Empörung jetzt langsam auch die Kunst erreichen. Ich finde, da waren wir als Gesellschaft schon deutlich weiter und progressiver, als uns von solchen Sachen provozieren zu lassen. Wobei Ernährung und Nahrung vielleicht gerade auch die Themen der Gegenwart sind und es damit wieder auch gut in die Zeit passt.

Anne: Stichwort Ernährung – ja, absolut, ich glaube, das ist eine allgegenwärtige Frage. Lebensmittelüberfluss, Verschwendung, Wohlstandgesellschaft auf der einen Seite und Armut und Lebensmittelmangel auf der anderen Seite der Gesellschaft. Auch die ständig wechselnden Trends wie man sich am besten und gesündesten ernähren solle, solche Lifestyle-Ernährungsfragen spiegeln ja absolut den Zeitgeist wider.

Allergien, Unverträglichkeiten, Low-Carb oder vegan? Aber ich glaube, diese Dimensionen hat der Fotograf hier nicht im Fokus gehabt, das scheint mir etwas weit hergeholt. Dafür geht er zu „unkritisch“ mit dem Rohstoff um, dafür sind seine Bilder zu ästhetisch. Wollte er mit der Serie eine Botschaft senden, kommt sie zumindest bei mir nicht an.

Insgesamt sind die Grenzen der Kunst ja im 20. Jahrhundert Stück für Stück verschoben worden, quasi alles wurde schon zur Kunst erklärt und ebenso als Nicht-Kunst kritisiert. Ich finde es auch wichtig, dass Kunst die Möglichkeit hat, Grenzen zu sprengen – aber dann zielgerichtet. „Geschockt“ hat mich Little mit seiner Honigdusche daher nicht mehr, aber ich glaube, das wollte er auch gar nicht.

Es ist von meiner Seite aus auch mehr eine Empörung, solche wertvollen Lebensmittel ohne klare Botschaft zu verschwenden, die schönen Bilder rechtfertigen das für mich einfach nicht, zumal sie medial weit gestreut werden und bestimmt für manch einen auch als Vorbild oder Inspiration dienen. Würde er damit auf irgendwelche Missstände hinweisen wollen, würde mich die Serie vielleicht auch mehr ansprechen.

Und Sebastian, ich verstehe nicht, inwieweit Du den Honig mit dem Titel als gelungene Symbiose verstehst. Ich finde den Titel an sich gut und die Anspielung auf Fossilien nachvollziehbar – aber Honig ist nun einmal kein Bernstein. Oder meinst Du, nur weil er organisch und ein traditionelles Produkt ist, ist da schon eine Verbindung geschaffen? Ich denke weiterhin, ein künstliches Produkt hätte es genausogut getan. Und vielleicht auch noch einmal expliziter auf die Wertigkeit des Rohstoffes oder von Nahrungsmitteln allgemein hingewiesen, indem er nun einmal nicht verschwendet wird. Mit Essen spielt man eben nicht.

Chris: Was Kunst und Sozialkritik angeht, stimme ich Sebastian ganz zu. Zwar kenne ich die angeführten Beispiele nicht, aber ich denke doch, Kunst hat in gesellschaftlichen Bezügen eine Sonderstellung und eine Aufgabe. In einer Zeit, in der neoliberale Ideen weitgehend entlarvt und Gefahren von Konsum und Kapital bekannt sind, ist es eher eine Herausforderung, Menschen aus ihrer Gleichgültigkeit zu reißen. Kunst kann dazu der Gesellschaft einen Spiegel vorhalten, satirisch überspitzen, karikieren oder gar aufklärend wirken.

Ich vermute mal, dass die von Sebastian aufgezählten Beispiele auch diese Intention hatten, zumindest stelle ich mir Kostüme aus Fleisch nicht sehr ästhetisch vor. Eben hier liegt die Krux der Serie von Little: Der Mangel an gesellschaftskritischer Ausrichtung und damit die fehlende Rechtfertigung für das Nutzen kritischer Themen aus rein ästhetischen Gründen.

Sebastian: Ich glaube, wir können uns darauf einigen, dass die Serie ästhetisch gelungen ist, aber die tiefere Gesellschaftskritik fehlt, wenn ich die verschiedenen Positionen so zusammenzufassen versuche. Das stimmt wohl – ich würde dazu nur noch in den Raum werfen, dass Kunst nicht immer den Zweck Gesellschaftskritik haben muss. Es ist nur eine Möglichkeit.

„Preservation“ ist als Hardcover-Buch erhältlich. Als limitierte Auflage von 750 Exemplaren umfasst die Ausgabe 68 Fotos auf 144 Seiten.

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45 Kommentare

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  1. Als wenn Kunst zwingend etwas mit gesellschaftskritik zu tun haben müsste… dann müsste man das halbe Museum Ludwig leer räumen. Und Bienen sind meines Wissens nicht bedroht, weil die Menschen Ihnen zu wenig Honig lassen. Eine Diskussion über Recourcenverschwendung in der Kunst ist sicherlich interessant zu führen, aber das hier auf den Honig zu beschränken halte ich für eine Schattendiskussion. Da böten sich Stoffe an, die in der Kunst in weit größeren Mengen Verwendung finden, wie z. B. Papier, Fotochemie etc.
    Von daher kann ich den Diskussionsverlauf im Zusammenhang mit dem Titel nicht nachvollziehen.

  2. Für mich klingt die dargestellte Diskussion sehr bemüht. Für die Diskussion der Ethik in der Fotografie hätte es sicher bessere, prägnantere Beispiele gegeben. Mir fallen da sofort Stichworte wie „Betroffenheits(foto)journalismus“ oder „sex sells“ ein. Die diskutierte Frage der Ressourcenverschwendung am Beispiel des Honigs wirkt fast schon belustigend (musste schnell nachschauen ob heute nicht der 1. April ist).

      • Schön, dass Du mich so gut kennst, liebe Rosalinde aus der großen Cité.
        Ich bin allerdings bin gar nicht aus der Provinz :-)
        Aber Deine Gedanken verraten Dein Schubladendenken. So schießt man Eigentore.

      • Natürlich! Und zwar in ihr Tor, Herr Wald (habe ich ihnen das Du angeboten?). Denn mit den Worten #Geschwurbel# und _um nix_ haben sie selbst Schubladen bedient, die kleiner und schimmeliger nicht sein könnten. Getroffen haben sie trotzem und zumindest dafür zolle ich ihnen allergrößten Respekt, denn das ist gar nicht so leicht, wie es aussieht. (-:

        Ihre Rosalinde (Cité ist, sie werden es kaum fassen, mein echter Nachname, da ich Französin bin. Ich bezweifle sehr, dass dieser Umstand den Weg in ihre winzige Schublade schaffen wird, auf der mein Name schon steht)

  3. Okay: Die Fotoserie – oberflächlicher Ästhetizismus. Man fragt sich, was das eigentlich soll. Sieht nett aus, perfekt inszeniert, aber – ist auch schnell wieder vergessen. Und mal abgesehen von moralischen und wirtschaftlichen Überlegungen komplett bedeutungsfrei.

    Zur Kunst: Kunst hat keine Funktion, keine Aufgabe. Kunst ist nicht Gesellschaftskritik, ist nicht dazu da, politisch Stellung zu nehmen. Kunst ist ein Gebiet, das eigentlich außerhalb jeglichen Nutzdenkens angesiedelt sein sollte – auch und gerade in unseren Zeiten, wo Nutzloses geradezu verteufelt wird. Im Idealfall. (Übrigens ist Nutzlos nicht mit Sinnlos gleichzusetzen, was aber dann wieder eine philosophische Frage ist) Aber heutzutage ist ja Kunst eher gleichzusetzen mit der Formel: viel Provokation = viel Aufsehen = viel Geld machen.

    Über die Frage, was Kunst genau ist, haben sich schon größere Geister die Köpfe zerbrochen und sind gescheitert. Ich denke, Kunst ist einfach ein Ausdruck menschlichen Schaffens, der Versuch, Schönheit zu schaffen, der Versuch, die Welt zu verstehen. Oder so. Müsste man genauer drüber nachdenken.

    Diese Fotoserie ist durchaus Kunst.
    Aber leider keine gute.

    • Hallo Susan. Danke für Deinen Kommentar. Ich möchte Deiner Definition eines hinzufügen, denn ich bin davon überzeugt, dass diese auch missverständlich sein kann: Kunst ist nicht über politische, gesellschaftliche oder natürliche Prozesse erhaben (kannst Du da mitgehen?).

      Ich glaube sogar, dass sie sich stets innerhalb dieser bewegt, und somit auch mit ihnen in Beziehung tritt – ob nun beabsichtig, oder nicht.

      Wie siehst Du das?

  4. Wenn der Inhalt eines Werkes auf einer Postkarte erschöpfend beschrieben werden kann, „ich übergieße Lebewesen mit Honig“, dann bin ich geneigt, dem keine weiteren Beachtung zu schenken. So auch hier, selbst wenn die dabei entstehend Oberflächen und Entfremdungen foto-graphische Reize enthalten .
    Interessant, um nicht zu sagen bestürzend, finde ich allerdings, wie sehr der Zwang zur „political correctness“ das Denken und Benehmen flächendeckend unter seine Fuchtel bekommen hat.
    Mit solch einem moralischen Korsett wird man in einer Kunstinterpretation nicht weit kommen – fürchte ich.

    • Vermutlich ist auch deswegen diese Serie gut für so eine Diskussion geeignet. Manche (wie ich auch) sehen hier überhaupt keine Grenzüberschreitung in irgendeiner Form, andere doch deutlich. Ob das was mit „political correctness“ zu tun hat, vermag ich nicht zu sagen, aber die Empfindlichkeiten der Menschen sind wohl doch stärker geworden – oder sie äußern sie lauter.

  5. Das Argument der Ressourcenverschwendung ist für mich schwer nachzuvollziehen: Da wir Kunst von einem Jäger-und-Sammler technischen Standpunkt Kunst nicht zum Überleben brauchen, könnte man diesem Gedankengang folgend Kunst per se als Ressourcenverschwendung ab tun.
    Aber lassen wir dieses Thema bei Seite. Ich finde, man muss hier die Relationen im Auge behalten. So soll es Menschen geben, die zu Ihrem persönlichen Vergnügen nur für ein paar Fotos um die halbe Welt jetten (der ominöse Island- oder Norwegenurlaub) oder eine Kameraausrüstung besitzen, deren Gegenwert ein afrikanisches Kind über Jahre ernähren könnte. Da finde ich das bisschen Honig, das hier vergossen wird, nicht so tragisch.

    • Hallo David. Und genau darum geht es in dieser Diskussion auch: Gar nicht um Honig, sondern die „Grenzen der Kunst“. Was aus moralischer Perspektive Sinn macht, und was einfach zu weit geht. Wenn für Dich also die Benutzung des Honigs in Ordnung ist, dann liegen Deine Grenzen einfach woanders. Was auch in Ordnung ist, denn wir denken ja nicht alle gleich. ;)

  6. 1.
    Die Diskussion halte ich für wichtig.
    2.
    Die Frage, in wieweit die beiden Bilder künstlerisch vertretbar sind, würde klarer werden wenn man wüsste wie sie entstanden sind. Also was geschah vor und nach den Aufnahmen?
    Ich glaube, dass Gesicht des Babys möchte ich nicht sehen. Wie ging es dem Baby bei der nachträglichen Reinigung?
    Da der Honig auch vom Bauch des Hundes tropft, vermute ich, dass der Hund in ein Becken getaucht wurde.
    Honig ist kein Wasser, bei Wasser schüttelt sich der Hund ein paar mal und gut ist. Wie aufwendig ist es dem Hund die Augen, Ohren und Nase von dem klebrigen Honig zu reinigen? Wie angenehm ist es dem Hund?

  7. Ich habe mit Freunden zusammen selbst mehrere Bienenvölker und den Bienen wird nur so viel Honig weggenommen, dass sie keinesfalls einen Mangel daran haben. Das macht jeder professionelle oder hobbymäßige Bienenbesitzer/Imker so. Der Grund ist ganz einfach: Bienenvölker sind wertvoll und eigentlich schon genug bedroht (Pestizide, Parasiten,…). Da schwächt man sie nicht noch absichtlich. So etwas lernt man im Grundkurs zur Imkerei.
    Und wenn ich jetzt sehe, wie viele Lebensmittel täglich völlig sinnlos verschwendet und weggeworfen werden, dann kann ich die Aufregung um die paar Liter Honig wirklich nicht nachvollziehen.

    Ob man allerdings ein Kleinkind damit übergießen sollte muss jeder für sich ausmachen; allen voran die Eltern des Kindes und der Fotograf.
    Aber wenn man es schon tut, dann habe ich bei einem Naturprodukt wie Honig viel weniger Bauchschmerzen als wenn man etwas Künstliches genommen hätte. Man kann ja nicht ausschließen, dass das Kind etwas davon in den Mund bekommt und schluckt.

    Ob die ganze Sache Kunst ist oder nicht, das ist sehr individuell. Für mich persönlich sind es durch das Übergießen mit dem Honig sehr ungewöhnliche, interessante, originelle… und durchaus auch ästhetische Bilder.
    Mag sein, dass es etwas anspruchslos klingt, aber für mich kann Kunst auch einfach mal nur interessant und schön sein, ohne dass sie sich mit einem Thema auseinandersetzen muss.

    Was ich aber als sehr künstlich und bemüht empfinde, ist die Sprache/Ausdrucksweise der Diskussionsteilnehmer. Leute, redet ihr immer so? Das klingt echt hölzern und ein bisschen so, als hättet ihr beschlossen mal einen Diskussionsartikel zu machen (was ich nicht schlecht finde) und dann die Rollen verteilt.

    • Was ich ja sehr künstlich finde: Kunst. So an sich. Nicht wahr?

      Außerdem: Dass ein Imker sich nicht gegen Honigverschwendung ausspricht, ist doch klar. Der will ja seinen Honig auch verkaufen!

      Achja und: Sag mal, guckst Du beim Schreiben öfter an die Decke? Deine Rechtschreibung ist Fölerhapfd.

      • Äh.. Ich habe mir den Text gerade noch mal durchgelesen, aber so viele Fehler finde ich jetzt gar nicht. Jedenfalls nicht so viele, dass man es explizit erwähnen müsste.

        Ich bin kein Imker. Ich habe zusammen mit ein paar Freunden auf einem abgelegenen Bauernhof sechs Bienenvölker (neben ein paar anderen Nutztieren). Und wir produzieren den Honig ausschließlich zum Eigenbedarf und ein paar Gläser verschenken wir an Freunde und die Verwandtschaft.

        Recht geben muss ich Dir bei der Wortwahl bezüglich der Sprache: da wäre der Ausdruck „gekünstelt“ wahrscheinlich treffender gewesen.

  8. Ich finde den Punkt der Ressourcenverschwenung ehrlich gesagt nur bedingt spannend. Da ist natürlich einiges dran, aber das Argument lass ich nur gelten, wenn diese Personen auch den Kapitalismus an sich für seinen Umgang mit den Ressourcen und Menschen kritisieren.
    Die fette DSLR in der Hand und das Smartphone in der Tasche für die tausende Menschen leiden mussten, den Pulli aus Kambodscha wo die Näherinnen unter desaströsesten Bedingungen und schlechter Bezahlung rackern müssen etc. etc. und dann über die paar Liter Honig meckern empfinde ich als scheinheilig und/oder naiv.
    Dieses Wirtschaftssystem bringt täglich so viel Leid, Unterdrückung, Verschwendung und Zerstörung zu Tage, dass man gar nicht so viele Fotoserien schießen kann…

    Was ich bei diesen Fotos viel spannender finde bezieht sich auch auf den Kommentar über mir von „Thomas Mix“:
    „Ob man allerdings ein Kleinkind damit übergießen sollte muss jeder für sich ausmachen; allen voran die Eltern des Kindes und der Fotograf.“

    Ich sehe darin das Grundproblem. Kunst darf in meinen Augen alles, außer direkt andere Menschen schädigen. Ich halte es hier wie überall im Leben wo es um die Körper von Lebewesen geht. Nein heißt nein. Nur ja heißt ja. Klingt banal, bedeutet in diesem Fall aber: Das Baby und der Hund können dieser Prozedur nicht zustimmen. Es ist Gewalt was Ihnen angetan wird.
    Da werden bewusst Grenzen von Lebewesen überschritten. Der Hund wird wohl kaum freiwillig ein Honigbad genommen haben.
    Ich wüsste sehr gerne wie die Bilder entstanden sind. Für mich klingt das irgendwie nach Folter. Ich denke instinktiv an Waterboarding. Da nimmt jemand einen Menschen (Baby) setzt ihn irgendwo hin, hält ihn eventuell dafür fest und kippt ihm dann eine klebrige Masse über den Kopf, die im zweifelsfall kurzzeitig Augen, Nase und Mund verklebt. Klingt sehr nach Guantanamo…

    • Dieser Meinung schließe ich mich nur zum Teil an. Der Honig wird für den Verzehr hergestellt, hier wird er einfach nur ausgekippt und vermutlich nicht mehr gegessen… also eine ganz klare Verschwendung! Kann sich ein Baby oder ein Hund als Lebewesen frei entscheiden ob es/er mit flüssigem Honig übergossen werden will? Ich denke nicht… insofern ist hier eine Grenze ganz klar überschritten worden.

      „Und Honigverschwendung als Argument gegen diese Bilder halte ich dann eher für lächerlich. Damit muss man dringend vergleichen, welche Massen von Lebensmitteln von jedem beliebigen Supermarkt täglich weggeworfen werden, dann hat das keinerlei Relevanz mehr.“

      Diese ständigen Vergleiche mit größeren Verschwendungen und Unrecht in der Welt kotzen mich richtig an! ALLES beginnt im Kleinen und wenn jeder sich mal zusammenreißen würde und schon im KLEINEN darüber nachdenken würde ob gewisse Dinge und Handlungen unbedingt notwendig sind (da nehme ich mich gar nicht raus), aus welchen Gründen auch immer, dann würde es in der Welt sicher anders aussehen! Oder sollen wir das ganze jetzt noch steigern… wenn man hier im nächsten Dorf einen Menschen tötet hat das ja dann auch keinerlei Relevanz mehr denn täglich werden auf der Welt tausende getötet. Übertrieben? Ja… sicher… aber es ist die gleiche Denk-Linie wie sie hier von manchen angebracht wird. Und wer im Kleinen keine Skrupel kennt, der kennt sie im Großen vielleicht auch bald nicht mehr oder ist Vorbild für Leute die denken: „Wenn das geht“… „geht noch mehr“.

      Es muss klare Grenzen geben und die fangen nunmal im Kleinen an.

      • Äh… habe ich das jetzt richtig verstanden? Du hälst jeden, der mal Lebensmittel wegwirft gleich für einen potentiellen Mörder?! Ich finde es ja prinzipiell gut wenn Menschen ihre Meinung entschlossen vertreten, aber man kann auch ein bisschen auf dem Teppich damit bleiben.

        Außerdem wusste ich noch gar nicht, das Lebensmittel quasi zweckgebunden und ausschließlich zum Verzehr bestimmt sind. Was ist denn mit den ganzen Food-Fotografen für Speisekarten, Kochbücher, Zeitschriften usw… Das wird mit Sicherheit hinterher auch nicht alles gegessen. Oder was ist mit den lustigen Bildern die früher hier die „Browser Fruits“ illustriert haben?

        Um wieder zu den Fotos zurück zu kommen… Ich halte den Honig keineswegs für verschwendet. Er wurde ja nicht einfach weggekippt sondern mit ihm wurden Bilder produziert die man als Kunst empfinden kann oder nicht. Aber immerhin bewegen sie, denn sie sorgen für Diskussion. Insofern wurde mit dem Honig „etwas gemacht“. (Und das bzw. warum man dafür nichts Künstliches nehmen konnte/sollte, habe ich ja oben schon angesprochen.)

      • Hallo Thomas, was den browserFruits-Schriftzug aus Obst und Gemüse auf Salatbett angeht: Der wurde nach dem Foto komplett verzehrt, ebenso wie jeglicher Verschnitt, der in der Vorbereitung entstand.

      • @Thomas Mix

        „Äh… habe ich das jetzt richtig verstanden? Du hälst jeden, der mal Lebensmittel wegwirft gleich für einen potentiellen Mörder?! Ich finde es ja prinzipiell gut wenn Menschen ihre Meinung entschlossen vertreten, aber man kann auch ein bisschen auf dem Teppich damit bleiben.“

        Ähm… nö… Du zeigst mir mit Deiner Antwort eigentlich nur, dass Du mich absolut gar nicht verstanden hast :) … Du hast einfach meinen übertriebenen Vergleich aus dem Zusammenhang gerissen und stellts mir damit eine blöde Frage.

        Aileen hat ja auch schon eine Antwort zum Thema Food-Fotografie gegeben. Solche Projekte kann man auch ohne Verschwendung umsetzen.

      • Warum können Lebensmittel nicht auch Materialien sein? Das ist nun wahrlich nicht komplett nachvollziehbar. Ich persönlich bin auch sehr gegen die Verschwendung von Lebensmitteln, wegwerfen was man eigentlich noch verzehren könnte, zuviel zubereiten und vergammeln lassen. Brot wegschmeissen bloß weil es hart ist. Es gibt unendlich viele Beispiele für Überfluss und seine Folgen um alltäglichen Umgang mit Lebensmitteln. Ich würde aber nie auf den Gedanken kommen einen Künstler „anzuprangern“ oder seine Kunst im Vergleich zu andere schlechter zu stellen bloß weil er Lebensmittel als Material einsetzt. Der Einsatz hat ja für ihn einen Sinn, ist somit keine Verschwendung. Lebensmittelfarbe, Mehl, Wasser, Salz, Kartoffeln, Brot und sonstwas darf man das alles nicht mehr als künstlerisches Material nutzen?

      • @Marc von Martial

        Insofern liefert mir also die Umbenennung in „Material“ die Dinge, die ich bedenkenlos für meine Kunst benutzen kann? Mir ging es darum zu hinterfragen ab wann eine gewissen rote Linie überschritten ist und ich denke diese Linie sollte man lieber früher ziehen als zu spät. Für manche ist die Sache mit dem Honig keine Verschwendung, es gibt ja genug und er ist ja nicht endlich. Aber was hätten diese Leute z.B. in Zeiten kurz nach dem Krieg zu dieser „Kunst“ gesagt? Als alles knapp war? Sollte man daher gerade Lebensmittel nicht noch mehr schätzen und auf solche „Kunst“ verzichten? Es gibt unendlich viele andere Möglichkeiten oder auch andere Arten der Umsetzung.

    • Ja, die Frage ist halt, wo man die Grenze zieht. Wenn der Fotograf eine Erdbeere auf einen Erwachsenen geworfen hätte – wäre das Deiner Meinung nach auch „Folter“ und „Gewalt“ oder geht das ok? Was ist mit einer faulen Tomate?

      Ich sehe das übrigens wie Du, nur meine Schlussfolgerung ist komplett anders (siehe Text):

      „Ich würde das immer in Relation zum potentiellen oder tatsächlichen Schaden sehen, der angerichtet wird – und der ist bei der Honigaktion aus meiner Sicht in keiner Weise gegeben.“

      Niemand wird von Honig geschädigt oder schwer für sein Leben traumatisiert. Ich persönlich hätte auch supergerne so ein Babyfoto von mir.

      • … wenn sich ein gesunder, erwachsener Mensch aus freien Stücken dafür entscheidet soetwas mit sich machen zu lassen, dann steht das ja in einem ganz anderen Licht.

        Du hättest heute, als erwachsener Mensch gerne so ein Babyfoto von Dir. Ok. Aber ich würde mal VERMUTEN, dass ein Baby oder ein Kleinkind so eine Aktion eher als unangenehm empfindet, wie alles was für ein so junges Lebewesen noch unbekannt ist… richtig ist aber… wie stark evtl. Glücksgefühle oder eben Ängste sind welche das Baby dabei empfindet wenn eine klebrige Masse über seinen Körper ausgegossen wird können wir als Erwachsene doch gar nicht beurteilen. Und wenn ich nicht beurteilen kann was ich mit so einer Aktion einem Lebewesen antue, dann lasse ich es lieber, denn es ist mit Sicherheit die beste Entscheidung.

  9. Viel interessanter als das Thema finde ich die Posts darunter. Solange man sich nicht auf eine allgemeine und vor allem richtige Kunst-Begrifflichkeit einlässt, ist jedes Statement obsolet, weil jeder mit seinem Verständnis oder Unverständnis Kunst zum Alibi für seine Argumentation vergewaltigt. Sorry, aber ich lese eine Menge Phrasen, die austauschbar immer wieder in unterschiedlichen Diskussionen auftauchen, aber ob fehlender Grundsubstanz letztlich – mal mehr, mal weniger – hohl sind. Ich habe das hier kürzlich schonmal geschrieben: Kunst hat nichts mit Qualität und Quantität zu tun; Kunst orientiert sich weder an gesellschaftlichem noch an politischem Anspruch. Kunst ist Ausdruck, der Prozess des Ausdrucks, das Ergebnis des Ausdrucks. Wenn man das ignoriert, kann man natürlich bis an´s Ende aller Tage diese unerquicklichen Diskussionen führen, weil irgendwie jeder Recht hat, wenn er nur nicht vergisst, „Kunst“ (eben nach eigenem Dünken) als Argumentationsfundament zu missbrauchen.
    Der Künstler – jeder kann das sein und es gibt keine guten und keine schlechten – ist auch nur Teil eines sozialen Konstrukts und sollte, wie jeder andere auch, die Integrität anderer achten. Kategorischer Imperativ von mir aus. So einfach ist das. Kunstsinn ist eine der wesentlichsten menschlichen Eigenschaften, Kunst kann, darf, soll auch provozieren, ist aber kein Abo auf das Ignorieren der Unversehrbarkeit anderer. Sie muss natürlich nicht ästhetisch sein, nicht sauber, nicht zahm. Wer aber objektiv verletzt (psychisch, physisch oder wie auch immer) hat nicht das Recht dazu, weil er es Kunst nennt.
    Die Bilder oben provozieren. Nicht jeden, aber viele offensichtlich. Mein erster persönlicher Eindruck aber war, dass da eher jemand möglichst originell versucht, seinen Darstellungsdrang zu ventilieren als dass Wesentliches transportiert würde. Unterm Strich ein müdes Kopfschütteln – jedenfalls kein Gefühl von Provokation oder Aha-Erlebnis. Dem Baby geht´s hoffentlich gut und seine Mutter weiss das hoffentlich zu beurteilen. Gleiches gilt für Hund und Besitzer. Was mehr sollte man dazu sagen…?

  10. Eure Disskussion ist mir ehrlich gesagt etwas zu vielschichtig.

    Die Serie von Blake ist durch die Making-Off Videos seit einiger Zeit richtig bekannt.

    Klar hat Blake Honig gewählt um aufzufallen.
    Auch das er ein Baby und einen Hund übergossen hat sollte provozieren.
    Provokation lässt die Fotopreise steigen und verbreitet die Bilder besser!

    „In einer Zeit, in der neoliberale Ideen weitgehend entlarvt und Gefahren von Konsum und Kapital bekannt sind, ist es eher eine Herausforderung, Menschen aus ihrer Gleichgültigkeit zu reißen.“

    Phuu, was soll das denn bedeuten?
    Blake ist Amerikaner und erfolgreicher Starfotograf.
    Meint ihr wirklich das er sich bei den Fotos Gedanken über „Konsum & Kapital“ gemacht hat und sein Ziel ist Menschen aus ihrer Gleichgültigkeit zu reißen?
    Ich glaube kaum.

    Ich persönlich finde die Bildserie (und das Making-Off Video) interessant weil sie ungewöhnlich sind.
    „Ästhetisch gelungen“ finde ich die Serie überhaupt nicht, eher als ein Spiel mit
    dem ungewöhnlichen und Ekel.
    Wie definiert ihr überhaupt „ästhetisch gelungen“, das liest sich für mich etwas schwammig.

    Die Fotos scheinen bei euch jedenfalls zu einer heiteren Gesprächsrunde geführt zu haben.
    Beste Grüße

  11. Ist denn überhaupt bewiesen bzw. bekannt, dass das Baby ein lebendiges Wesen war, und nicht vielleicht eine Art Puppe?

    (Ich habe nicht alle Kommentare gelesen, falls das schon geklärt wurde)

  12. Obgleich ich Thema und auch Format spannend finde, mir ist die Diskussion hier etwas zu oberflächlich und unreflektiert. Sie beginnt mit einer Wertung, die viel auf Vermutungen und Spekulationen basieren. Das wird dem Thema nicht gerecht.

    Ich hätte einen Vorschlag für die nächste Runde:
    Vor der Diskussion eine Darstellung des Gegenstands. Hier z.B.: welches Werk, welcher Fotograf, welche Hintergrundinformationen stehen z.V. (beispielsweise werkbegleitende Dokumentationen). Welche Intention verfolgt der Autor. So gibt es eine Diskussiongrundlage für das „Panel“ und gleichermaßen eine Darstellung der Sachlage für die Leser (oder Hörer, je nach Format).

    Danach lässt sich eine Diskussion über
    a. ist die Intention des Fotografen nachvollziehbar
    b. ist die Form und Gestaltung passend zum Thema
    c. (ja, erst dann) wie sieht eine persönliche Wertung aus

    Ich denke, das würde dem Gegenstand (Kunst und Kunstkritik) wie auch dem Anlass (hier Blake Littles Arbeit „Preservations“) gerecht werden.

  13. Meine Kritik an den ganzen Fotos war und bleibt:
    Was will uns der Künstler mit diesen Bildern sagen? Ich konnte in den Fotos keine Aussage erkennen. Mir kommt es so vor, als hätte Little die Riefenstahl-Optik gefallen, die sich durch Übergiessen mit Honig ergibt. Das ist aber ohne Inhalt reiner Kitsch.
    Ob jetzt Hund und Kind gequält wurden mal vollkommen beiseite gelassen.