28. Mai 2014 Lesezeit: ~6 Minuten

Eine Million Postings

Ich möchte hier auf einen Artikel von Martin aus der letzten Woche antworten und einen anderen Aspekt an der Nutzung sozialer Netzwerke als Fotograf in den Fokus rücken: Das Rattenrennen darum, auf Facebook und Co. immer wieder Dinge veröffentlichen zu müssen, um wahrgenommen zu werden.

Zunächst aber zum Artikel „Eine Million Likes“ von Martin: Natürlich hat er vollkommen Recht, wenn er sagt, dass man als Fotograf, der im Netz aktiv ist, dringend davon loskommen muss, Bilder machen zu wollen, die vorwiegend anderen Leuten gefallen, Bilder, die möglichst viele Likes generieren. Ein Aspekt allerdings rückt in seiner Betrachtung etwas in den Hintergrund: Das Streben nach Anerkennung ist etwas Natürliches, es ist dem Menschen als sozialem Wesen wohl einfach einprogrammiert.

Als Fotografen müssen wir in diesem Punkt sozusagen gegen unsere Natur handeln, denn es ist nie gut, seine eigene Arbeit daraufhin auszurichten, ob sie irgendjemandem gefällt. Wer sein Publikum schon bei der Entstehung seiner Inhalte einbezieht und übermäßig berücksichtigt, der wird immer eher Entertainer als Künstler sein.

Dead Tree 1 © Sebastian Baumer

Viel problematischer daran, Bilder im Netz zu veröffentlichen, empfinde ich persönlich einen anderen Aspekt: Das Thema „Geschwindigkeit“. Ich meine damit den scheinbaren Zwang, immer und immer wieder neu Dinge veröffentlichen zu müssen.

Die mit endlosen Items gefüllten Streams und Timelines von Facebook, Twitter und Social Media haben zu der merkwürdigen Situation geführt, dass in solchen Medien, die Daten eigentlich dauerhaft abspeichern, nur noch die absolute Gegenwart wahrgenommen wird. Kaum etwas scheint uns älter und weiter entfernt als das Facebook-Posting von vorgestern.

Dead Tree 5 © Sebastian Baumer

Dieser Aspekt des schnellen In-Vergessenheit-Geratens, die Tatsache, dass auf den großen Seiten im Netz nur noch das konsumiert wird, was quasi im Hier und Jetzt passiert, baut großen Druck auf jeden auf, der im Netz veröffentlicht, nicht nur auf Fotografen.

Druck, immer wieder neue Arbeiten mit möglichst viel Getöse in soziale Netze zu werfen, weil man glaubt, dass man sonst nicht wirklich wahrgenommen wird, dass man übersehen wird oder schnell nach hinten rutschen könnte in dem endlosen Strom an Dingen, die nach Aufmerksamkeit kreischen. Druck, der dahin führen kann, Sachen unfertig und noch unverarbeitet rauszuwerfen, bis hin dazu, quasi in Echtzeit im Netz über seine Arbeit zu berichten, was nicht wenige Leute praktizieren.

Dead Tree 8 © Sebastian Baumer

Diesem Druck, so finde ich, sollte man sich massiv und rigoros verweigern. Ist man erst einmal auf den Zug aufgesprungen und macht das endlose Rattenrennen mit, dann leidet nach einiger Zeit massiv die eigene Arbeit darunter. Du veröffentlichst dann vielleicht auf Deinem Fotoblog und auf Facebook einige Zeit lang jede Woche drei Bilderserien, vielleicht hast Du für die Zwischenzeit auch mal was im Archiv, was Du einschieben kannst, wenn es gerade nicht läuft.

Aber irgendwann hast Du Dich der Maschine so unterworfen, dass Du auch unfertiges Zeug rauswirfst, produzierst, damit Du überhaupt etwas zu zeigen kannst. Damit es nicht ins Stocken gerät. Wie würde das nur aussehen, was denken die Leute, wenn Du plötzlich über Wochen oder gar Monate nichts veröffentlichst? In Martins Worten: Bullshit. Großer Bullshit.

Dead Tree 4 © Sebastian Baumer

Im täglichen Umgang mit meiner eigenen Arbeit und mit Veröffentlichungen im Netz empfinde ich das Streben nach endlosem und konstantem Output als viel problematischer als die Frage, ob ein bestimmtes Bild beim Publikum ankommt.

Natürlich hat beides damit zu tun, wie man von außen wahrgenommen werden möchte, aber das Streben nach Anerkennung ist ein natürlicher Vorgang. Jeder mag es, wenn seine Arbeiten gemocht werden, während das zwanghafte Streben nach Geschwindigkeit direkt in den Burn Out führt.

Dead Tree 9 © Sebastian Baumer

Ich habe eine große Sammlung von Bildern, die seit Monaten oder sogar Jahren auf meiner Festplatte liegen. Sie liegen dort, weil ich noch nicht die Zeit hatte, sie zu sotieren, beschneiden, bearbeiten, oft auch, weil ich sie schon bearbeitet habe, aber noch nicht dazu gekommen bin, sie mir noch einmal in Ruhe anzusehen und zu überlegen, ob ich sie für mich behalten oder doch an irgendeiner Stelle zeigen möchte.

Den Zwang, ein neues Foto direkt irgendwo zu posten, habe ich nicht mehr oft und wenn ich ihn doch verspüre, was in der Euphorie des Machens natürlich vorkommt, dann unterdrücke ich ihn sofort. Ich habe für mich gelernt, dass es der bessere Weg ist.

Dead Tree 3 © Sebastian Baumer

Schlussendlich kann man den ganzen Komplex auf eine alte Rivalität zweier Begriffe herunterbrechen: Quantität und Qualität. Es ist immer besser, auf die Qualität zu setzen. Zeig Deine Arbeiten, aber zeig sie erst, wenn Du wirklich zufrieden damit bist und nicht, weil Du mal wieder etwas zeigen musst. Finde Deinen eigenen Veröffentlichungsrhythmus, der nichts mit dem von anderen Nutzern zu tun haben muss.

Das gilt übrigens nicht nur für den, der veröffentlicht, sondern auch für den Leser: Guckt Euch mal ein paar alte Artikel in Fotomagazinen an (gerne auch auf kwerfeldein, wir haben da ein paar tausend auf Lager), besucht ein paar gute Portfolios von Fotografen, guckt mal wieder in ältere Fotobücher rein. Klickt auf die Facebookseiten von Fotografen und scrollt dort bis nach unten.

Es ist nämlich so, dass man die wirklich guten Sachen sehr leicht verpasst, wenn man im Netz immer nur dem neuesten und angesagtesten Zeug hinterherläuft.

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28 Kommentare

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  1. Wunderbar ehrlich geschrieben und obwohl ich selbst auch Inhalte generiere und publiziere, ertappte ich mich beim lesen dabei, mich in der Rolle des Konsumenten wiederzufinden.

    Oft nimmt man sich tatsächlich nicht die Zeit ältere Inhalte oder ein gesamtes Portfolio anzusehen. Zu schnelllebig, zu viel gibt es zu konsumieren. Sieht man aber zwei oder drei Bilder eines Fotografen (durch höhere Posting Frequenz) die einem Gefallen, so steigt (zumindest bei mir) die Ambition mit auch ältere Galerien, Postings, Portfolio anzusehen.

    Das beste also logischerweise Qualität aber auch eine gewisse Quantität. Nur wer kann das schon auf Dauer liefern? :)

    Beim Veröffentlichen meiner eigenen Inhalte hingegen, kann ich wie der Autor auch, dem Drang widerstehen, immer und jederzeit sofort alles veröffentlichen zu müssen. Die Bestätigung für die eigenen Werke ist aber, selbstverständlich, etwas das man gerade in den Sozialen Kanälen gerne zur Kenntnis nimmt.

  2. Es gibt durchaus ein Label für das kontinuierliche Punlizieren: Work in Progress. Das öffentliche Entwickeln und Ausarbeiten von Ideen finde ich durchaus kommunikativ. Wenn man es zum Zwang werden lässt, ist das potentiell weniger gut. Wobei aus einem zwanghaften handeln gerade in der Kunst auch schon viel herausragendes entstanden ist.

    Mein Credo ist ja, dass erst ein Bild auf Papier fertig ist und in diesem Sinne mache ich eigentlich zu wenig fertig. Oder ich treffe dort eine ungleich engere Wahl. Auch das kann man wieder so und so sehen.

    Jedenfalls sollte man das Netz vielleicht als das akzeptieren, was es ist, ein flüchtiges Medium und (auch wenn es gegenteilig scheint) ein mächtiges Archiv. Aber eben nicht unbedingt als einen Ort (nur) für fertiges und (ab)geschlossene Werke. Das ist in meinen Augen eher eine Fototasche, eine Wand, ein Buch oder eine Galerie, je nachdem wo man steht und wo man sich sieht.

    Locker! Niemand muss, jeder darf. Ich finde, das passt schon so.

    • Klar darf man auch Werkstattberichte und Entstehungsbilder hinter der Arbeit posten. Ob man die allerdings schon zeigen muss, bevor das eigentliche Werk fertig ist und in welchen Massen man die bringt, das sollte man sich gut überlegen. Ich lasse sowas tendenziell eher weg, aus oben genannten Gründen.

      Das Netz ist imho nur dann ein flüchtiges Medium, wenn man es so benutzt / betrachtet, als wäre es ein flüchtiges Medium. Eigentlich ist es erstaunlich beständig: Während ich die Zeitung am nächsten Tag wegwerfe und das Buch erst aus dem Regal ziehen und die Stelle raussuchen muss, wird man unsere Kommentare hier unter einer festen URL noch sehr lange lesen können (sofern Kwerfeldein weiterexistiert). Man muss es nur wollen.

  3. Yep, kann ich nur zustimmen und fühle mich auch ertappt.

    Nicht nur, dass man Unfertiges postet, sondern auch der Stil wird aufgeweicht, die eigene fotografischer Herangehensweise, da man nicht immer die Gelegenheit hat, so zu fotografieren, wie man will, aber muss.

    Gut, ein Blog ist natürlich schon etwas anderes als eine (virtuelle) Ausstellung mit ganz strenger Selektion. Da darf auch gern mal was Spontanes zwischensein. Aber es muss trotzdem noch mich selbst überzeugen in dem Rahmen wie ich es einbinde.

    Ansonsten hilft mir inzwischen, dass ich mir im Rahmen unseres Projektes Aufgaben stelle, die ich vorher gar nicht posten „darf“.

    Danke für die Ausführungen. Das bringt das Thema bei mir noch mal auf den Tisch.

  4. Danke für den Beitrag. Ich finde mich hier auch eher wieder als in Martins Artikel. Denn natürlich veröffentliche ich meine Bilder, um eine Resonanz zu bekommen. Denn sonst könnte ich sie mir auch alleine im stillen Kämmerlein angucken.

    Aber sobald man Bilder nur noch publiziert, damit man was gezeigt hat, sollte man sich kritisch hinterfragen. Die wenigsten Hobbyfotografen werden gleichzeitig Qualität und Quantität liefern können. Aber warum auch? Weniger ist mehr. Auch, wenn das viel einfacher geschrieben als umgesetzt ist.

    • Weniger ist mehr (Mies van der Rohe)?
      More is more, less is a bore (Robert Venturi)!

      Am Ende muss es wieder jeder selber wissen und die eine Wahrheit gibt es nicht. Aber das ist ja nichts Neues.

      Wenn man sich die aktiven Leute (Blogs, flickr-Streams, Foristen) im Netz so anschaut sieht man ohnehin, dass da alles in Wellen verläuft. Ich halte das für normal. Gut selektieren oder nichts posten ist ebenso gut wie sich an der Bilderflut beteiligen und mit Work in Progress zu leben. Das eigene Handeln sollte halt so halbwegs zum eigenen Selbstverständnis passen. Das hilft. Wenn man nur Meisterwerke zeigen will, ist ein tägliches Posting vermutlich ein bisschen ambitioniert :-D

  5. Super Artikel! Genau meine Rede. Ich habe meine FB-Page und meinen Blog. Bin viel unterwegs und schreibe auch kleine Erlebnisberichte mit den Bildern im Anhang. Allerdings mach ich mri da selber keinen Druck. Dann erscheint das Osterfeuer halt erst im Mai (wie geschehen). Mach mir da selber keinen Druck (mehr). Am Anfang dachte ich mir auch so „oha, jetzt muss ich aber mächtig am Blog arbeiten und jede Woche was veröffentlichen“ und dabei bloß nicht die FB-Follower vergessen! Mittlerweile hau ich Content raus, wenn er fertig ist. Ganz nach dem Motto „When its done!“ und nicht wenn andere Leute es fordern.

    Es ist schließlich immer noch MEIN liebstes Hobby, woran ICH Spass habe! Gerne teile ich es mit Anderen, aber die bestimmen nicht darüber.

    Grüße Flo

  6. Social Media? Das erledigt die Autoposting-Funktion meines Blogs mittlerweile für mich… Ich bringe es schlicht nicht fertig, die Zeit für ein intensives Beackern dieser Medien aus meinem sowie schon knappen Fotografie-Zeitbudget abzuzweigen. Die Anzahl meiner Follower/Friends/Likes ist entsprechend minimal. So what.

    Als Amateur habe ich das Privileg, mich auch auf wenig erfolgversprechende Bilder und Veröffentlichungswege beschränken zu dürfen. Ich versuche zu erschaffen und im kleinen Kreis zu diskutieren und hoffe dabei, dass das mir-Zeit-nehmen die Qualität meiner Bilder und meiner Kommunikation steigert.

    Ganz klar: Lesen/Anschauen der Bücher und Veröffentlichungen anderer Fotografen und bildender Künstler sehe ich als das, was mich weiterbringt, hoffentlich als ganz(heitlich)en Menschen.

  7. Eine Million Händeklatscher für diesen Artikel!

    Das beschreibt ziemlich exakt das, was mir beim Lesen das anderen auch durch den Kopf ging – denn es ist ein ganz großes Dilemma unserer Zeit.

    Und anstatt, dass man ausgesuchten Knotend sieht bekommt man obendrein dann auch noch gerne ein und das selbe Werk auf allen Kanälen mehrfach an den Kopf.

    Irgendwie sind wir auf dem Weg zum Weggucken, denn zum hinsehen „erzogen“ zu werden.

  8. Wie schon von meinen Vorgängern, gibts von mir für diesen Artikel viel Applaus. Das Motto „Qualität vor Quantität“ ist richtig. Allerdings ist es so, dass Qualität nicht zwingend honoriert wird. Damit meine ich dann Likes und Teilungen. Wobei „Honorar“ wohl dazu nicht passt. Wenn ich sehe, welcher Mist sich schnell auf FB und Co. verbreitet … Das ist doch schon wie bei SEO. Ich optimiere auf „Aufmerksamkeit“ nicht auf Qualität.

    • Wenn Du auf „Aufmerksamkeit“ optimierst, bekommst Du auch ein entsprechendes, hyperaktives Publikum, das Du damit anziehst, das sich eigentlich für Nichts interessiert und morgen wieder verschwunden ist – viel Spaß mit denen ;). Und selbst glücklich wirst Du damit meiner Erfahrung nach auch nicht.

      • Bezüglich „hyperaktives Publikum“ erinnere ich mich an einen Onlineartikel mit dem Thema „Wie lange lebt ein Bild“. Dort wurde genau sowas angesprochen. Was bringen Dir 1000 Likes, wenn 950 davon das Bild nach 10 Minuten schon wieder vergessen haben. Man muss sich ja nur mal selbst die Frage stellen, wieviel Bilder die man selbst z.B. auf 500px gesehen hat, sind einem in Erinnerung geblieben. Ich könnte dir jetzt 5 Aufzählen, nach fast 3 Jahren in der Community.

  9. Für mich existiert diese Problematik gar nicht.
    Ich würde von einer Veröffentlichung meiner Bilder in einer anonymen und grenzenlosen Öffentlichkeit gar nichts erwarten.
    Sicher gibt es da draußen eine ganze Reihe von Köpfen, die sofort die für mich nicht objektivierbaren Schwächen oder Fehler meiner Bilder aufdecken und benennen könnten, aber diese Köpfe werden ich unter den vielen lieben, ständig „berührten“ oder den bösartigen Stichlern und Selbstdarstellern gar nicht herausfinden können – dazu müßte man sich kennen, Grundlagen für Urteile verabreden etc.
    Mir fehlen nicht 1Million likes, sondern lediglich ein einziger, klarsichtiger, urteilsfähiger und umsichtiger Kritiker, der zuerst einmal Fragen stellt und dann Bewertungen aufbaut. Solange der nicht zu haben ist, würde ich mein eigenes Urteil immer über die Kommentare in der Internet-Öffentlichkeit stellen. Voraussetzung wäre vielleicht, dass man ein Bild erst nach einiger zeitlicher Distanz ( schätzungsweise 6 Monate + X) versucht zu beurteilen. Solange man noch die Umstände der Entstehung und das eigentlich-Gewollte gegenwärtig hat, ist man korrumpiert. …. finde ich.
    Grüße
    Andreas

    • Ich habe im Netz annähernd 100% meiner ‚Foto-Freunde‘ kennengelernt. Leute von denen ich (fotografisch) etwas gelernt habe, auf deren Urteil oder Rat ich Wert lege. Getroffen habe ich sie teilweise in Foren, teilweise bei flickr, teilweise über meinen oder über ihren Blog. Einige davon kenne ich längst auch im Leben 1.0. Teilweise schon seit vielen Jahren.

      Im Netz ist es nach meiner Wahrnehmung nicht anders als im ‚echten Leben‘. es mag die ‚bösartigen Stichler und Selbstdarsteller‘ geben, von denen Du schreibst aber die erkennt man schnell und kann sie dann ignorieren oder sogar aktiv ‚ausblenden‘. Es gibt aber auch viele Leute, die gut drauf sind, hilfreich, nett und offen. Man muss selber ‚echt‘ sein, dann findet man auch die ‚Echten‘.

  10. Danke für den guten Artikel.
    Ich fühle mich davon auch mehr angesprochen als von Martins Artikel, wobei ich auch seine Grundidee nachempfinden kann. Dennoch denke ich dass Veröffentlichung und der Wunsch nach Aufmerksamkeit, in welcher Form auch immer, einher gehen. Natürlich ist konstruktive Kritik wertvoller als ’super‘ unter dem Foto zu lesen, aber auch dass tut manchmal gut. Vor allem deiner Bewertung von zu schnellem, unüberlegtem Hochladen, um nicht aus dem Fluss zu geraten, stimmt ich voll und ganz zu. Ich zeige auch lieber einmal im Monat oder seltener ein Bild, als halbe Arbeiten oder solche über die ich noch nicht genügend Zeit hatte nachzudenken, auch auf die Gefahr hin, dann nicht täglich irgendwo von irgendwem wahrgenommen zu werden. Sebst wenn man Pausen im Schaffensprozess hat, ist das ehrlich, weil man eben auch nicht ohne Pause funktioniert und nicht auf jedem Film gute Bilder zu finden sind. Und ehrliche Aufmerksamkeit hat mit der Schnelllebigkeit im Internet nichts zu tun, darum kann man sich auch einfach Zeit nehmen für die guten Arbeiten. Oder wie Fiva MC sagt: Manche gehen mit dem Zeiger, andere machen Zeitsprünge.

    Anne

  11. Tja, je länger man darüber nachdenkt desto deprimierter könnte man werden. Nicht nur, dass mittlerweile jeder einen Blog hat und auf 1000 anderen Seiten seine Bilder posted, es wird auch immer mehr geposted (Quantität). Wie soll man da noch auffallen?

    Am besten ist es, sich kontinuirlich auf etwas zu konzentrieren, in aller Seelenruhe seine wirklich besten Werke posten und auf Qualität setzen. Vorteil: Man hat weniger follower (zumindest am Anfang) aber dafür hoffentlich welche, die auch gerne und ausführlich kommentieren. Weniger dafür gute Kritik ist besser als one million likes von Leuten mit Kurzzeitgedächtnis.

    Zum Schluss und weil du das Archiv auf Kwerfeldein angesprochen hast, möchte ich noch anmerken: Mir sind das bei euch auch schon fast zu viele Artikel pro Woche. Martins wunderbarer Artikel ist schon im Archiv verschwunden, welches zudem noch schwer zu finden ist.
    -> Das ist keine Qualitätskritik, da ihr ja auch mehrere Autoren seid und so jeder wenige hoch-qualitative Artikel einstellen kann, aber fürs komplette Magazin ist so der Flow ziemlich hoch ;-)

    Schönes verlängertes Wochenende euch,

    Simon

    • Genau das meine ich. Langsames, echtes Wachstum, eigenes Tempo, statt alle Jubeljahre mal ein Bild haben, das überall verlinkt wird und dann wieder keine Leser mehr, nur weil man Dauerfeuer macht und auch blinde Hühner mal ein Korn finden (oder so).

      Zur Menge der Artikel auf Kwerfeldein: Das haben wir schon oft in der Redaktion diskutiert. Wir haben ja weiterhin im Grunde nur einen Artikel pro Tag (plus einen Vollbildartikel und ein Ausblick-Bild). Das Tempo finde ich in Ordnung, aber da ist es genau so: Wenn es Dir zu viel ist, dann lieber nur das raussuchen, was Dich echt interessiert und den Rest links liegen lassen :).

  12. Großartiger Artikel !
    Ich sehe es so, dass die Anzahl der Likes/Follower etc. In den meisten Fällen nicht von der Qualität des Inhaltes abhängt sondern davon, wie gut man den Mechanismus des jeweiligen Mediums versteht und auszunutzen weiß ( SEO, Likes kaufen…).

    Hinzu kommt, dass Fotos selten nach Qualität sondern vordergründigen Aspekten beurteilt werden.
    Ein gutes Licht, eine gute Bildstimmung, -aussage, -schnitt überhaupt zu erkennen, geht den meisten ab.

  13. Selbst berühmte Fotografen sind vom Zwang ständig zu publizieren offensichtlich nicht frei. Denke da z.B. an den von mir eigentlich sehr geschätzten Martin Parr, von welchem in letzter Zeit extrem viele Bücher mit aus meiner Sicht oft mittelmäßiger Qualität veröffentlicht werden.

  14. Ein Artikel, der mir vollkommen aus dem Herzen geschrieben ist. Du hast sehr fein differenziert zwischen dem natürlichen Anspruch um Anerkennung und Gefallen der eigenen Werke und dem Zwang, sich permanent im Netz zeigen zu müssen….dies habe ich innerlich auch bereits gespürt….aber noch nie so sauber analysieren können, wie du es hier getan hast…!
    Es ist richtig, dass beides letztendlich wohl stark die eigene Kreativität und den individuellen Stil negativ beeinflusst….vielleicht unterschiedlich stark, aber dennoch signifikant….dies mag ein Nachteil unserer Informationsgesellschaft sein….und es gilt letztendlich einen Kompromiss für sich selbst zu finden um sowohl die eigene Persönlichkeit und den eigenen künstlerischen Stil zu behalten….und dennoch auch die Präsenz in der modernen Medienlandschaft nicht zu verlieren. Solche hervorragenden Blogs wie eurer sind dabei sicherlich ein Ankerpunkt, an dem es sich lohnt festzuhalten.

  15. Ich stimme vielen Punkten durchaus zu.

    Allerdings ist es fast fahrlässig, die Werbeplattform Facebook nicht zu nutzen. Und dazu gehört halt auch ein regelmäßiges Posten um genügend Leute zu erreichen.

    Aber was ich auch sehe: Seit ich ein Gewerbe angemeldet war, und die Fotografie nicht nur zum Hobby betreibe, habe ich sehr viel mehr mit dem „Drumherum“ zu tun. Da ist natürlich die Sache mit dem Rechnung schreiben, Emails beantworten etc. Aber ja, ein ganz großer Anteil ist auch das Facebook-Marketing. Auch wenn bei mir nicht jeder Post aus einem fertigen / oder unfertigem Bild bestehen muss. Im Gegenteil. Calvin Hollywood hat bei seiner DVD:Facebook für Fotografen mal gesagt: Bilder sind immer austauschbar, es gibt jede Menge Leute die mindestens so gut ist wie man selbst oder besser. Was nicht austauschbar ist, ist die Persönlichkeit.
    Und wenn ich Facebook nicht mehr als lästige Pflicht betrachte, sondern als „Chance“ (so abgedroschen es klingt) mit meinen Kunden in Kontakt zu kommen und zu kommunizieren, dann ist es auch gleich nicht mehr so stressig.

    Btw, ich poste ca alle 2-3 Wochen mal ein oder zwei Fotos. :-) Allerdings ist meine Facebook-Seite auch nicht so erfolgreich wie sie sein könnte ;-)

  16. Beide Artikel sind gut, den ersten hab ich auch verlinkt (haha :). Der hat schon „Das Fass zum Überlaufen“ gebracht und ich steige – zumindest vorübergehend – aus diesem Karussell aus… gespannt, wo die Reise hingeht. Ich teile nicht über Facebook, ich gehe direkt ins „Off“.
    Sab

  17. Wahr wahr,

    da bin ich etwas spät mit dem kommentieren, wahrscheinlich liest diesen Kommentar niemand mehr, macht aber nix.

    Ich habe mir mittlerweile angewöhnt, dass veröffentlichen und Fotografieren zwei unterschiedliche Dinge sind. Seitdem ich dem „ich muss veröffentlichen“ Druck nicht mehr nachgebe ist es schön und toll.
    Ich habe auch aufgehört in sämtlichen sozialen Netzwerken und bei allen Blogs auf dem Laufenden zu bleiben und wieder mal Bücher in die Hand genommen. Und das ist so entspannend und lässt mir auch wieder entspannter mit der Kamera arbeiten. Ergebnis entspannte Betrachtung meiner Bilder und Freude, Glück, Toll…